Gibt es ein Leben nach der Trennung oder: Soll ich wirklich den Vater meiner Kinder verlassen?

Andrea Müller, Portrait

Okay, diesmal geht es also nicht um Irgendeinen. Zwar haben wir auch diesmal tausend Tränen geweint, nächtelang kein Auge zugetan. Aber diesmal müssen wir nicht nur unser eigenes Herz, sondern das all jener Menschen verwalten, die wir im Zweifel noch mehr lieben als uns selbst: unsere Kinder. Die Reißleine lässt sich nicht mehr „einfach“ ziehen, den Kindsvater geben wir nicht an der Garderobe ab.

Immerhin ist er, meistens zumindest, der Mensch, mit dem wir den vielleicht wichtigsten Pan unseres Lebens geschmiedet haben: die Familie. Wenn er platzt, tut es weher, als eine weitere, zerbrochene Liebe. 

„Als Mutter trennt man sich nicht so einfach“, sagten schon unsere Großmütter.

Bis wir uns dazu durchringen, sind viele dreckige Windeln im Windeleimer versenkt, vielleicht ist der erste Kita-Rucksack schon auf dem Flohmarkt verscherbelt oder die Schwelle zum Gymnasium bereits überschritten. Wenn wir uns als Mütter durchringen, ab sofort „alleinerziehend“ durch die Welt zu gehen, war es fast immer eine Entscheidung aus (seelischer) Not. 

Aber was, wenn die Paartherapie nunmal nicht gefruchtet hat? Wenn der Kurze dich jeden Morgen auf dem Weg zur Kita fragt: „Mama, weinst Du?“ Spätestens wenn auch die Kinder unter der emotionalen Schieflage zwischen Mama und Papa leiden, ist es wohl Zeit, zu gehen.  

Aber gibt es vielleicht sogar die Möglichkeit, dass es dir und den Kindern mit getrennten Eltern sogar besser geht? Motto: Happy Mama, happy kids? 

Ich habe lange gehadert, ehe ich die Trennung durchzog. Tatsächlich passen nur wenige Paare wirklich gut zueinander, was nicht passend ist, wird selten zu Yin und Yang oder zu Bonnie&Clyde. 

Einige fanden es größenwahnsinnig, andere mutig, als ich mich vom Vater meiner Kinder trennte. Was vor allem problematisch ist, wenn der Vater Haupt- bis Alleinverdiener ist. Als Alleinerziehende begibst Du dich erstmal freiwillig ins Jammertal der leeren Kassen, in eine fragile, gesellschaftlich stigmatisierte Lebensphase, in welcher viele Mamas versuchen, die entstandene Leerstelle sofort neu zu besetzen. 

Was manchen gelingt. Mir jedoch nicht.

Gerade das Flirten mit Kids im Schlepptau, damals noch im Kleinkind- und Grundschulalter, war das eigentliche Abenteuer meines Lebens, wobei mir oft das Lachen im Halse stecken blieb. Trotzdem bist Du als getrennte Mama nie alleine und hast mit den Kindern immer was zum Liebhaben. Sie haben nach der Trennung einen lebendigen Rahmen meines Lebens geschaffen, das quasi zur „Dramedy“ geworden ist. Nur eines war es nie: langweilig!

Neue Männer kamen. Und gingen. Therapeuten  und Freundinnen sagten: das liegt nicht an den Männern, sondern an Dir und Deiner (mangelnden) Selbstliebe: liebe Dich selbst, dann ist es egal, mit wem du zusammen bist. Klaro. Also nichts gegen Selbstliebe! Aber wieviele Therapiestunden brauche ich, um mich selbst so richtig von Herzen zu lieben? Als Alleinerziehende übrigens ein Luxus, für den ich weder Zeit noch Geld habe. 

Dazu kommt: einiges an mir finde ich eigentlich auch ganz gut. Aber ich habe nunmal bis heute wenig Lust, mich an Erwartungshaltungen von Männern zu orientieren. 

Für meinen Teil habe beschlossen: in meinem Haushalt fehlt kein zusätzlicher Dreckwäsche-Produzent (mir reichen zwei Jungs!), der mein TV-Gerät abends mit „Avengers“ in Beschlag nimmt und mir erklärt, was er am liebsten ißt. Und ich möchte auch nicht von Freunden gefragt werden, wenn ich mal wieder ein Date habe, ob „endlich mal Hoffnung in Sicht“ ist. Für mich sind Dates keine Hoffnung, sondern Stress. 

Ich bekomme Pickel, wenn mir jemand mit dieser küchenpsychologischen Selbstliebe kommt. Fakt ist, ich habe meine Fortpflanzungspflicht erfüllt. Ich liebe meine Kinder über alles und mich selbst immer noch doll genug, um mir zu schwören: ich brauche niemanden mehr, der mir Sorgen, Stress und/oder (Liebes-)Kummer bereitet. 

Wenn, dann muss es Einer sein, der uns und unsere Kids glücklicher macht, als wir eh schon sind. Mit dem wir leben können – und er mit uns. 

Also klar, bei so manchen Single-Moms weiß man, dass sie ewig Single bleiben werden. Andere bewundere ich für ihr virtuoses Fingerspitzengefühl, wie sie Frösche immer wieder an die Wand werfen, bis einer davon dann doch noch zum Prinzen wird. Also ich arbeite noch an der genauen Wurftechnik….

Wer mehr von der Autorin Andrea Müller lesen will, kann dies in ihrem Buch „Du kannst dich jetzt ausziehen, wir rauchen hier nackt (Affiliate Link). Darin erzählt sie mit viel Humor und Selbstironie, wie sie sich nach 10 Jahren Ehe wieder ins Singleleben stürzt.  

Andrea Müller: „Du kannst dich jetzt ausziehen, wir rauchen hier nackt (Affiliate Link)
Foto: Yvonne Schmedemann

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4 comments

  1. Hier sollte in der Tat an erster Stelle an die Kinder gedacht werden. Für den Nachwuchs kann es natürlich unglaublich schwierig sein, Papa oder Mama auf einmal nicht mehr so oft zu sehen. Ein so junges Leben kann dies meistens nicht so gut nachvollziehen. Deswegen ist es unglaublich wichtig, dass sich beide Eltern gut überlegen, wie sie diese Nachricht den Sprösslingen am besten übermitteln. Da ist auf jeden Fall Feingefühl gefragt, wenn du mich fragst. Und in den ersten Tagen kann es definitiv viele Tränen geben. Doch so wie mit allem im Leben gewöhnt man sich irgendwann daran. Auf jeden Fall ein sehr schöner nützlicher Beitrag, den du hier verfasst hast. Ich danke dir herzlich dafür!

  2. Liebe Andrea, Selbstliebe ist kein Luxus, für den du langwierige Therapie-Stunden brauchst. Das ist auch kein Ausdruck von Egoismus, sondern etwas ganz Essentielles. Nur wenn es dir gut geht, geht es langfristig auch deinen Kindern gut.

    Deswegen dürfen und sollten wir gut für uns sorgen – gerade nach einer Trennung. Das ist viel elementarer als ein neuer Partner an deiner Seite. Dieser kann immer nur das Sahnehäubchen sein. Glücklich machen müssen wir uns selbst.

    Wenn du dazu Fragen hast, schreib mir gerne eine Nachricht.
    Christina von trennungs-coach.de

  3. Ich habe leider viel zu lange gewartet. Immer wieder die Trennung aufgeschoben und mich dann letztes Jahr im August, nach 15 Jahren Ehe, mit meiner 13 jährigen Tochter getrennt. Während mein Ex schnell (nach 3 Wochen) wieder einen neue Partnerin hatte, bin ich immer noch Single und eigentlich auch ganz froh drüber. Ich lass mir Zeit und wenn ein neuer Mann irgendwann in mein Leben kommen möchte, dann bin ich vielleicht wirklich bereit. Bis dahin werfe ich allerdings keine Frösche an die Wand, das gibt nur Flecken.

  4. Fast wie bei mir. 10 Jahre Ehe. Ein Kind kurz vor der Einschulung, dass andere 2,5. Für mich ist es super ausgegangen. Es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Mein neues Leben wurde so viel besser, die Kinder haben immer noch einen guten Kontakt zum Vater, der sich jetzt (zwangsweise) auch endlich mal um sie kümmert, wenn sie Papa Wochenende haben. Also mehr Quality Time, die die räumliche Trennung damit ausgleicht. Mein Ex hat eine neue Partnerin, mittlerweile de zweite, und er ist froh glaube ich, dass da jemand ist der besser in sein patriarchisches Lebenskonzept passt als ich und auch ich habe nach zwei Jahren austoben einen neuen großartigen Mann an meiner Seite, der tatsächlich in ALLEN Aspekten einfach toll ist. Mein Ex wollte mir damals Angst machen (‚wenn du gehst – wer will dich denn dann mit zwei Kindern? Du kriegst wenn überhaupt nur einen Hartz4 Asi aus dem Fitnessstudio ab…‘) aber ich habe den besten Mann gefunden, den man sich vorstellen kann. Er ist so super mit meinen Kindern. Macht mit dem Großen Homeschooling während ich koche und repariert sein Fahrrad, ohne dass ihn überhaupt jemand danach fragen muss. Zum Beispiel.

    Also im Fazit: Mit die beste Entscheidung meines Lebens. Ich bin so glücklich heute und die Kinder sind es auch

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