Heimlich entband ich meine Zwillinge im Badezimmer – und gab sie zur Adoption frei

Mein Name ist Michaela, ich möchte Euch meine Geschichte erzählen. Um es gleich vorweg zu sagen: Meine Geschichte ist keine "Heile-Welt"-Geschichte. Ich bin in meinem Leben durch große Krisen gegangen und war fast immer auf mich alleine gestellt. Deshalb habe ich einige Entscheidungen treffen müssen, die viele Frauen nicht verstehen werden. Aber: Alles, was ich getan habe, habe ich getan, weil ich meine Kinder liebe und ihnen ein besseres Leben wünsche. 

Aber nun von vorne. Es beginnt 2015. In diesem Jahr habe ich mich von dem Vater meiner beiden Kinder getrennt. Er und ich sind immer Vollzeit arbeiten gegangen, ich habe die Kinder und den Haushalt nach meinem Job noch alleine gemeistert. Jahrelang ging das so und irgendwann wurde ich von dem Stress krank. Ich konnte nicht mehr arbeiten gehen, die Beziehung ist daran endgültig gescheitert. 

Da sich der Vater nach der Trennung nicht mehr für seine Kinder interessierte (eigentlich hat er das vorher auch schon nicht), bin ich 300 Kilometer entfernt in eine andere Stadt gezogen und wollte neu anfangen. Mitte 2016 habe ich einen anderen Mann kennengelernt, der – wie ich erst ein halbes Jahr später erfuhr – in einer festen Beziehung war. Ich bin keine Frau, die Ehen oder Beziehungen zerstört – daher habe ich mich von diesem Mann sofort getrennt. Und bin zurück in meine frühere Heimat gezogen.

Vier Wochen später habe ich gemerkt, dass ich schwanger bin. Ich wollte das Kind nicht abtreiben, aber mir war auch klar, dass ich dieses Baby nicht großziehen kann. Ich hatte bereits zwei Kinder, war ständig am Limit, finanziell war es hart und vor allem hatte ich keinerlei Unterstützung. Ich wusste, dass der Vater des Ungeborenen kein Interesse an dem Kind haben wird und mir war klar, dass ich ein weiteres Kind nicht schaffen kann. 

Ich recherchierte, wie und wo man ein Baby anonym zur Welt bringen kann und las im Internet viel über Babyklappen. Ich wollte wissen, was mit dem Baby passiert, wenn ich es dort hineinlege. Ich wollte sicher sein, dass man es findet und dass man sich um es kümmert. 

Ich habe die gesamte Schwangerschaft geheimgehalten, habe weite Klamotten getragen und bin einfach weiter arbeiten gegangen. Ich habe mit niemandem über die Schwangerschaft gesprochen und war auch nie beim Frauenarzt. 

An einem Tag im Februar 2017, vier Wochen vor dem Geburtstermin, merkte ich, dass ich Fruchtwasser verliere. Ich habe meine großen Kinder ins Bett gebracht, dann setzten die Wehen ein. Ich ging warm duschen, legte saubere Handtücher bereit und holte die Windeln und Strampler heraus, die ich heimlich besorgt hatte. Um 21 Uhr wurden die Wehen heftiger, um 21.34 Uhr wurde mein Sohn Mika geboren. Wenige Minuten später folgte sein Zwillingsbruder Luca. Ja, ich habe Zwillinge entbunden. Auch für mich kam das überraschend. 

Beiden Babys ging es gut. Ich habe die Nabelschnur auspulsieren lassen, sie dann abgeklemmt und durchgeschnitten. Ich habe meine Söhne gewaschen und angezogen, mich mit beiden ins Bett gelegt, mit ihnen gekuschelt, sie angeschaut, an ihnen gerochen. Weil ich so erschöpft war, bin ich eingeschlafen. 

Als ich wieder aufgewachte, habe ich einen Brief geschrieben. Ich habe aufgeschrieben, um wieviel Uhr sie geboren wurden, welche Namen ich ihnen gegeben habe und warum ich diese beiden Babys nicht großziehen kann. Ich habe die Kinder warm eingepackt und habe sie zur Babyklappe gebracht. Den Brief habe ich dazu gelegt. 

An die nächsten Tage kann ich mich nur schwer erinnern. Ich bekam Fieber und immer wieder plagte mich das schlechte Gewissen. Ich malte mir aus, wie die beiden Babys ganz allein irgendwo lagen, dass sie niemand in den Schlaf wiegte, niemand mit ihnen kuschelte, sie niemand tröstete. 

Drei Wochen nach der Geburt habe ich in der Klinik angerufen und wurde sofort mit der zuständigen Mitarbeiterin des Jugendamtes verbunden. Wir haben sehr lange geredet und uns zwei Tage später auf einen Kaffee getroffen. Sie hat mir erzählt, dass sofort der Alarm losging, als ich die Babys abgelegt habe. Dass die beiden Kinder sofort durchgecheckt wurden und dass sie ganz gesund und wohlauf sind. Sie erzählte, dass die Kinderschwestern die ganze Zeit mit ihnen gekuschelt hätten und dass sie sehr süße Babys seien. Außerdem gebe es schon ein Paar, das bereit sei, die Kinder aufzunehmen. Sie hätten die Jungs schon im Krankenhaus besucht. 

Wir haben lange darüber gesprochen, ob es nicht doch einen Weg geben gibt, dass die Babys bei mir aufwachsen. Wir machten aus, dass wir uns zwei Tage später nochmal treffen würden und ich bis dahin noch einmal überlege, ob ich die Kinder wirklich zur Adoption frei geben möchte. Als ich nach Hause ging, war ich sehr erleichtert. Den Babys ging es gut und sie würden zusammen aufwachsen. 

Zwei Tage später traf ich mich wieder mit der Jugendamts-Mitarbeiterin. Ich sagte ihr, dass ich einer Adoption zustimme, weil ich selbst nicht die Kraft habe, diesen Babys ein schönes Leben zu ermöglichen. Die Jugendamts-Mitarbeiterin hat mir nie ein schlechtes Gewissen gemacht. Sie nahm mir die Schuldgefühle und sagte, dass sich die neue Familie sehr gut um die Jungs kümmern werde.

Seitdem haben wir uns noch zwei Mal getroffen. Sie hat mir erzählt, wie es den Zwillingen geht und mir versprochen, dass sie mich regelmäßig per Mail auf dem Laufenden hält. Mit den Adoptiveltern habe ich keinen Kontakt – sollten die Zwillinge später einmal wissen wollen, wer ich bin und warum ich sie nicht großziehen konnte, werde ich allerdings da sein, um ihre Fragen zu beantworten. 

Das Ganze ist nun über zwei Jahre her. Ich bin zur Ruhe gekommen und weiß, dass es die richtige Entscheidung war. Ich bin die Mutter dieser Jungs und für mich war es das Wichtigste, dass sie ein gutes Leben haben und Eltern, die sich gut um sie kümmern. Dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen. 

 


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14 comments

  1. Schon als sich die
    Schon als sich die Verfasserin des Textes auf Facebook meldete, war ich stutzig, ob die beschriebene alleingeburt mit Zwillingen stimmt. Folgt man dem Profil, kann man sich schon einiges uher die Frau denken, auch zwillinge waren nicht zu sehen. Nun plötzlich sind diese in der Babyklappe gelandet. Alles sehr dubios. Bitte besser eure Quellen überprüfen.

    1. Vorsicht
      Die Mutter, die sich bei Facebook gemeldet hat, ist nicht die Verfasserin dieses Textes. Mit der Protagonistin dieses Textes hier hatten wir per Mail und anschließend per Telefon Kontakt.

  2. Wie bei uns
    Hallo, als ich diesen Text gelesen habe, dachte ich sofort, dass meine Tochter genau so eine Geschichte erlebt haben könnte. Sie wurde auch mit sehr viel Liebe in die Klappe gelegt. Leider ohne Brief und Informationen.
    Schön mal von der anderen Seite zu lesen. Denn ich weiß, das die leibliche Mutter nur das beste für sie wollte.
    Danke.

  3. So konstruiert
    Also bei aller Liebe, das klingt so unglaublich distanziert und konstruiert…… als hätte jemand ein bisschen was gegoogelt und einen flachen Roman verfasst.
    Die Wahrscheinlichkeit dass das alles so passiert ist ist echt unwahrscheinlich.
    Keine Komplikationen in einer Zwillingsschwangerschaft, keine Probleme bei der Geburt, die Mutter arbeitet weiter bis 4Wo vor einer Zwillingsgeburt, übersteht ihr Wochenbettfieber ohne med. Hilfe und braucht auch keine Krankschreibung bei der jeder Arzt sich hätte sehr wundern müssen. Nicht mal ihre größeren Kinder bemerken etwas von den Ganzen??????
    Also echt, einer lockt mit einer windigen Geschichte und ihr übernehmt das einfach so?
    In 2017 wurden im Herbst! Zwillinge in einer Babyklappein Lübeck abgegeben. So was steht meist in der Zeitung. Im Frühjahr 2017 findet sich schon mal nix…..
    Viele Grüße, Britta

    1. Babyklappe
      Wenn Babys in die Babyklappe gegeben werden steht das natürlich nicht in der Zeitung. Daher ja auch anonym. Es gibt Zwillingsschwangerschaften die durchaus gut verlaufen, sogar bis zur 38. Woche.
      Freundliche Grüße, Theresa

  4. Hallo,
    ich kann mich irren, aber meines Wissens ist für eine Adoption die Einwilligung beider Elternteile notwendig (vgl. § 1747 BGB , Ausnahmen vorbehalten); da die Mutter das Jugendamt nach der Geburt kontaktierte und gemeinsam die Adoption besprach, ist vermutlich an dieser Stellle der Vater über die Geburt seiner Zwillinge informiert worden und hat ebenfalls in die Adpotion eingewilligt;
    da hier ein Hinweis im Beitrag fehlt, kommt es so rüber, als ob der Vater weder über die Geburt seiner Kinder informiert worden wäre noch seine Meinung für das Adoptionsverfahren notwendig wäre und die Ansicht der Mutter, der Vater habe ohnehin kein Interesse ausreicht, um allein derartig weitreichende Entscheidungen treffen zu können;
    LG

    1. Genau
      Ich fand den Artikel auch super, nur genau eine Sache fand ich etwas schade. Dass die Autorin alles selbst und allein entschieden hatte. Sie hat gedacht, dass der Freund das Kind sicherlich nicht will, aber hat sie ihn auch gefragt? Hat sie es ihm erzählt? Diese Info hätte ich wichtig gefunden und sie hätte auf jeden Fall ehrlich sein sollen.

      1. Ich sehe das anders
        Wenn Sie dem Vater, der ihr ein halbes Jahr lang die Freundin / Frau verschwiegen hat, von den Kindern erzählt hätte, dann hätte er sich womöglich dafür gerächt, dass sie sich von ihm getrennt hat und eine Adoption verweigert. Und dann?
        Wäre das Leben von Michaela womöglich so verlaufen, wie sie es nicht wollte. Sie hätte alle Arbeit mit den Kindern gehabt und alle Sorgen. Womöglich auch noch Unterhaltsstreitigkeiten und dergleichen.
        Ich finde, an dieser Stelle ist es absolut nötig auch mal „egoistisch“ zu sein und an das eigene Wohl und dass der Babys und auch ihrer Kinder zu denken.
        Ich wünsche dir, Michaela, alles gute für die Zukunft.

  5. Vielen Dank
    Ihr Beitrag hat mich sehr bewegt. Vielen Dank dass Sie diesen Kindern das Leben geschenkt haben. Sie haben viel durchgemacht für Ihre Kinder. Die Schwangerschaft, Heimlickeit, Risiko dass es rauskommt, Geburt, riesiger Trennung Schmerz, Risiko von Geburtskomolokstionen und und und. Alles für diese Babys. Sie hätten es so viel leichter haben können, hätten nur an sich denken können. Sie aber haben nur an ihre Kinder gedacht. Vielen Dank, dass sie eine so wunderbare Mama sind, von allen ihren Kunden. Ich wünsche Ihnen nur das Beste von Herzen!!

    1. Ach was
      Liebe Angelika, wir haben eine riesige Community an Müttern, die uns folgen und wir sind sehr viel im Austausch. Jeder Text, der hier erscheint, ist entweder selbst von der Protagonistin geschrieben oder von uns noch gekürzt oder von einem Interview in einen Fließtext (oder umgekehrt) umgeschrieben worden. Wenn das so ist, legen wir die Texte den Protagonistinnen immer vorher nochmal zur Abnahme vor. Das zum Background.
      Tatsächlich wurde hier noch nie ein Text erfunden. Hier steckt viel mehr Arbeit drin, als man von außen so sieht – gerade weil wir so sorgfältig sind.
      Viele liebe Grüße!

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