Ich habe alles verloren – warum meine Kinder nicht mehr bei mir leben dürfen

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Ihr Lieben, in den Jahren, in den wir euch hier bei Stadt Land Mama immer wieder Einblicke in die verschiedensten Familien geben, erreichen uns immer wieder auch Schicksale, die auch uns selbst noch Tage später beschäftigen. Weil sie so unbegreiflich sind.

Die Geschichte von Viktoria ist so eine und deswegen möchten wir vor diesem Text eine TRIGGERWARNUNG aussprechen.

Bitte lest nur weiter, wenn ihr euch zutraut, über väterliche Gewalt zu lesen – Gewalt nicht nur gegen die eigene Frau, sondern auch gegen die Kinder. Hier erzählt uns Viktoria aus ihrer Sicht, wie ihr Mann sich veränderte und ihr gesamtes bisheriges Leben erschütterte. Ihr Ex-Mann sitzt seither im Gefängnis. 

Leider ist häusliche Gewalt auch heute noch ein großes Thema. Wenn ihr selbst welche erlebt oder bei anderen davon mitbekommt: Die Nummer des Hilfetelefons "Gewalt gegen Frauen" ist kostenlos – und 365 Tage im jahr rund um die Uhr erreichbar:  08000 116 016.

Ihr könnt euch aber auch an die Opferhilfe-Organisation Weißer Ring wenden, auch sie haben ein "Opfer-Telefon" eingerichtet, anonym und kostenfrei, besetzt täglich von 7 bis 22 Uhr, die Nummer: 116 006. Das Wichtigste ist. Holt euch Hilfe! Damit es nicht so weit kommen muss, wie es bei Viktoria kam…

"Mein Name ist Viktoria, ich erzähle Euch heute, wie mein Leben aus den Fugen geriet und ich den Traum von der heilen Familie begraben musste….

Als ich meinen heutigen Ex-Mann kennenlernte, dachte ich, ich hätte den Jackpot geknackt. Er war kinderlieb, mochte Tiere, war freundlich und lieb zu mir. Es fühlte sich perfekt an. Ich hatte keine schöne Kindheit, habe einige Trauma erlitten und bin seit längerer Zeit in Therapie wegen Depressionen. Doch nun schien mein Leben durch meinen Mann eine gute Wendung zu nehmen.

Ich wurde schnell schwanger, bekam eine Tochter – und weil sich alles so gut anfühlte, wurde ich bald darauf wieder schwanger. Erneut ein Mädchen. Ich war so stolz und glücklich. Diese beiden Kinder waren für mich ein Wunder, denn eigentlich hatten mir die Ärzte gesagt, dass es schwer für mich werden würde, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. 

Doch mit der Geburt unserer zweiten Tochter veränderte sich mein Ex-Mann. Er war traurig und schlecht gelaunt. Ich bohrte nach, fragte nach dem Grund und er sagte, er wolle einen Sohn und sei enttäuscht über die zweite Tochter.

Mich schockierte das. Er sagte, dass ich wieder schnell schwanger werden sollte, damit wir endlich einen Sohn kriegen könnten. Ich sagte ihm, dass es für mich undenkbar sei, sofort wieder schwanger zu werden. Doch mein Mann ließ nicht locker. Immer wieder sprach er von einem Sohn. Er wurde mürrischer. 

Als das Baby zwei Monate alt war, wurde mein Ex ungeduldig und es kam zum Sex – von meiner Seite aus nicht freiwillig. Danach war ich komplett unter Schock. Wie hatte es soweit kommen können? Früher war er mir gegenüber nie grob gewesen, nun war er es. Es war nicht das letzte Mal, dass das passierte. 

Wir stritten uns öfter. Er wurde immer wieder grob. Irgendwann habe ich gesagt, dass ich mich trennen möchte, weil das so nicht mehr weiter gehen kann. Nachdem ich meinen Trennungswunsch ausgeprochen hatte, legte sich ein Schalter bei ihm um.

Er flippte komplett aus, schlug mich, unser Baby und unsere Tochter. Ich versuchte, die Kinder zu schützen, schaffte es aber nicht. Seine Kräfte gegen meine Kräfte. Ich konnte nur noch den Notarzt und die Polizei alarmieren. 

Wir kamen ins Krankenhaus, meine Töchter und ich. Wir wurden sofort stationär aufgenommen, zwei Wochen mussten wir in der Klinik bleiben. In dieser Zeit durfte ich die Kinder nur in Begleitung des Jugendamtes sehen.

Für alle war ich die Mutter, die es nicht geschafft hatte, ihre Kinder von einem gewalttätigen Mann zu schützen. Es war, als würden alle mit dem Finger auf mich zeigen. 

Meine Kinder wurden vom Krankenhaus in eine Pflegefamilie gebracht, wo sie nun seit anderthalb Jahren leben. Das war meine Strafe dafür, dass ich sie nicht hatte schützen können. Und das schmerzt mich bis heute mehr als die körperlichen Blessuren, die mir mein Ex angetan hat.

Ich habe mich bemüht, die Kinder wieder zu mir zu holen. Ich habe mir so sehr gewünscht, dass sie wieder bei mir leben. Gutachter und Experten sind aber der Meinung, dass ich nicht erziehungsfähig bin. Sie sagen, ich sei schwach und könnte meine Kinder nicht schützen. Dafür trage ich nun die Konsequenzen. 

Momentan kann ich meine Töchter alle zwei Wochen sehen. Manchmal habe ich in den Besuchsterminen das Gefühl zu ersticken, weil mein Kind eine andere Frau "Mama" nennt.

Es schnürt mir die Kehle zu und ich kann nicht glauben, dass diese Situation nun für immer so bleiben soll. Manchmal denke ich, dass mein Leben jetzt schon allen Sinn verloren hat und dass für mich nie wieder die Sonne scheinen wird.

Meine Kinder wurden verletzt. Ich will nur das Beste für sie. Wenn alle Gutachter und Experten zu dem Schluss kommen, dass ich meine Kinder nicht großziehen kann, dann werde ich mich diesem Entschluss fügen. 

Mein Ex-Mann ist zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Und ich? Ich wurde nicht von einem Richter verurteilt, aber vom Leben. Ich werde wohl nie wieder mit meinen Kindern zusammenleben. Ich habe Angst, dass ich mehr und mehr aus ihrem Leben verschwinde und irgendwann gar nicht mehr daran teilnehme. 

Der einzige Grund, warum ich morgens aufstehe, ist: Wenn die Mädchen groß genug sind und wissen wollen, warum sie nicht bei mir groß werden konnten, möchte ich da sein und ihnen Antworten geben. Bis dahin werde ich versuchen, durchzuhalten. Für sie.

 

 

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8 Kommentare

  1. Anteilnahme, Vermutungen, Hilfe
    Liebe Victoria,

    Das Schlimmste in einer solchen Situation ist der Verlust der Kinder. Bleib stark, Du wirst es schaffen. Vielleicht ergibt sich ja eine Lösung.
    Solche Entscheidungen deutscher Jugendämter sind schwer zu ertragen, auch wenn es zum Wohle der KInder geschieht. Ich vermute deshalb, dass Du die Kinder nicht nur wegen häuslicher Gewalt verloren hast: Das war nur der Auslöser zur Wiederkehr anfänglicher gesundheitlicher Probleme.
    Vielleicht sollte wir ja miteinander telefonieren? – Wenn Du möchtest, kannst Du ja Kontakt mit mir aufnehmen.
    Alles Liebe. Georgia.

  2. Anteilnahme, Vermutungen, Hilfe
    Liebe Victoria,

    Das Schlimmste in einer solchen Situation ist der Verlust der Kinder. Bleib stark, Du wirst es schaffen. Vielleicht ergibt sich ja eine Lösung.
    Solche Entscheidungen deutscher Jugendämter sind schwer zu ertragen, auch wenn es zum Wohle der KInder geschieht. Ich vermute deshalb, dass Du die Kinder nicht nur wegen häuslicher Gewalt verloren hast: Das war nur der Auslöser zur Wiederkehr anfänglicher gesundheitlicher Probleme.
    Vielleicht sollte wir ja miteinander telefonieren? – Wenn Du möchtest, kannst Du ja Kontakt mit mir aufnehmen.
    Alles Liebe. Georgia.

  3. Ich stimme Bettina zu, die
    Ich stimme Bettina zu, die das Problem dieses Artikels sehr differenziert beschrieben und den Knackpunkt sehr taktvoll benannt hat! Die häusliche Gewalt hat gar nichts damit zu tun, dass die Kinder nicht bei ihrer Mutter leben. Wer unter häuslicher Gewalt leidet, sollte sich dringend Hilfe holen und braucht absolut keine Angst zu haben, dass die Kinder „weggenommen “ werden!

  4. Ich stimme Bettina zu, die
    Ich stimme Bettina zu, die das Problem dieses Artikels sehr differenziert beschrieben und den Knackpunkt sehr taktvoll benannt hat! Die häusliche Gewalt hat gar nichts damit zu tun, dass die Kinder nicht bei ihrer Mutter leben. Wer unter häuslicher Gewalt leidet, sollte sich dringend Hilfe holen und braucht absolut keine Angst zu haben, dass die Kinder „weggenommen “ werden!

  5. Anteilnahme
    Es tut mir von Herzen leid, wenn Kinder nicht bei den Eltern aufwachsen können. Es gibt auch definitiv zu wenig gute Unterstützung für psychisch kranke Eltern. Und auch zu enge Vorstellungen davon was gute Eltern sind.

    Ich kann nur empfehlen, die Punkte aus den Gutachten, welche einer guten Elternschaft zuwiderstehen aufzugreifen und zu überdenken. Es wäre schon wichtig, darauf zu schauen, warum genau davon ausgegangen wird, dass nicht genug Schutz und Stabilität für die Kinder besteht.

    Oft können oder wollen die beteiligten Erwachsenen ihre eigenen Anteile nicht sehen. Die „völlig ungerechten und willkürlichen Ämter“, die Kinder „einfach so“ ihren Eltern „entreißen“ sind nicht die wahrscheinlichste Variante so eines Verlaufes.

    Und trotzdem ist mein Herz bei der Mutter. Das Leben ist so toll und sinnvoll und später kann immer noch eine wundervolle Beziehung zu den Töchtern entstehen!

    Ich denke manchmal, wäre ich nicht bei meiner emotional instabilen, oft suizidalen und alkoholmissbrauchenden Mutter aufgewachsen, hätte ich später in trockenen Zeiten mit ihr eine wesentlich bessere Beziehung aufbauen können. So war da immer die Angst, dass es jede Sekunde kippen kann und letztlich hat sich der Kontakt darüber verloren, dass ich dem allen nicht entfliehen durfte.
    Zu meinem dem allem brav zusehenden Vater ist auch keine ernsthafte persönliche Bsziehung zu stande gekommen. Es geht also nicht nur um aktive Täter.

  6. Anteilnahme
    Es tut mir von Herzen leid, wenn Kinder nicht bei den Eltern aufwachsen können. Es gibt auch definitiv zu wenig gute Unterstützung für psychisch kranke Eltern. Und auch zu enge Vorstellungen davon was gute Eltern sind.

    Ich kann nur empfehlen, die Punkte aus den Gutachten, welche einer guten Elternschaft zuwiderstehen aufzugreifen und zu überdenken. Es wäre schon wichtig, darauf zu schauen, warum genau davon ausgegangen wird, dass nicht genug Schutz und Stabilität für die Kinder besteht.

    Oft können oder wollen die beteiligten Erwachsenen ihre eigenen Anteile nicht sehen. Die „völlig ungerechten und willkürlichen Ämter“, die Kinder „einfach so“ ihren Eltern „entreißen“ sind nicht die wahrscheinlichste Variante so eines Verlaufes.

    Und trotzdem ist mein Herz bei der Mutter. Das Leben ist so toll und sinnvoll und später kann immer noch eine wundervolle Beziehung zu den Töchtern entstehen!

    Ich denke manchmal, wäre ich nicht bei meiner emotional instabilen, oft suizidalen und alkoholmissbrauchenden Mutter aufgewachsen, hätte ich später in trockenen Zeiten mit ihr eine wesentlich bessere Beziehung aufbauen können. So war da immer die Angst, dass es jede Sekunde kippen kann und letztlich hat sich der Kontakt darüber verloren, dass ich dem allen nicht entfliehen durfte.
    Zu meinem dem allem brav zusehenden Vater ist auch keine ernsthafte persönliche Bsziehung zu stande gekommen. Es geht also nicht nur um aktive Täter.

  7. Bärendienst
    LIebe Victoria, es tut mir für Dich persönlich leid, dass Du so etwas erleiden musstest und den Schmerz, den Du aushalten musst, raubt mir in der Vorstellung die Luft. Ich wünsche Dir alles Gute und dass Du für Dich einen guten Weg findest, damit zu leben.

    Trotzdem habe ich mich über diesen Beitrag sehr geärgert, denn Ihr als Macherinnen dieses Bloggs erweist den Frauen, die in Gewaltbeziehungen leben einen Bärendienst. Würde ich in einer solchen Situation leben, würde ich es mir nach diesem Bericht ganz und gar verkneifen, Hilfe zu holen, denn das bedeutet ja, die Kinder zu verlieren. Ich hätte mir gewünscht, dass Ihr nicht nur Kontaktadressen nennt, sondern auch mehr recherchiert und differenzierter an das Thema herangeht. Dazu gehört auch, sich darüber bewusst zu werden, welche Signale ein solcher Beitrag sendet und ob die wiedergegbenen Zusammenhänge so möglich sind. „Nur“ wegen häuslicher Gewalt verliert in Deutschland niemand seine Kinder. (Leider) nicht mal diejenigen, die in der Beziehung zur Gewalt greifen. Um das Sorgerecht dauerhaft zu verlieren, müssen auch andere Faktoren vorliegen. Z. B. das Vorliegen einer psychischen Störung in einem Ausmaß, die die alleinige Versorgung der Kinder in Frage stellt. Was hier so alles passiert ist, weiß ich natürlich nicht und möchte dazu auch keine Wertung abgeben.
    Das ist leider nicht das erste Mal, wo ich in diesem Blogg so über einen Beitrag denke. Schade, denn eigentlich finde ich es wirklich wichtig, dass dieses Thema angesprochen wird. Häusliche Gewalt gibt es in allen Gesellschaftsschichten und ist so schambehaftet.

  8. Bärendienst
    LIebe Victoria, es tut mir für Dich persönlich leid, dass Du so etwas erleiden musstest und den Schmerz, den Du aushalten musst, raubt mir in der Vorstellung die Luft. Ich wünsche Dir alles Gute und dass Du für Dich einen guten Weg findest, damit zu leben.

    Trotzdem habe ich mich über diesen Beitrag sehr geärgert, denn Ihr als Macherinnen dieses Bloggs erweist den Frauen, die in Gewaltbeziehungen leben einen Bärendienst. Würde ich in einer solchen Situation leben, würde ich es mir nach diesem Bericht ganz und gar verkneifen, Hilfe zu holen, denn das bedeutet ja, die Kinder zu verlieren. Ich hätte mir gewünscht, dass Ihr nicht nur Kontaktadressen nennt, sondern auch mehr recherchiert und differenzierter an das Thema herangeht. Dazu gehört auch, sich darüber bewusst zu werden, welche Signale ein solcher Beitrag sendet und ob die wiedergegbenen Zusammenhänge so möglich sind. „Nur“ wegen häuslicher Gewalt verliert in Deutschland niemand seine Kinder. (Leider) nicht mal diejenigen, die in der Beziehung zur Gewalt greifen. Um das Sorgerecht dauerhaft zu verlieren, müssen auch andere Faktoren vorliegen. Z. B. das Vorliegen einer psychischen Störung in einem Ausmaß, die die alleinige Versorgung der Kinder in Frage stellt. Was hier so alles passiert ist, weiß ich natürlich nicht und möchte dazu auch keine Wertung abgeben.
    Das ist leider nicht das erste Mal, wo ich in diesem Blogg so über einen Beitrag denke. Schade, denn eigentlich finde ich es wirklich wichtig, dass dieses Thema angesprochen wird. Häusliche Gewalt gibt es in allen Gesellschaftsschichten und ist so schambehaftet.

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