Stadtleben

02/02/2016 - 07:15

Stadt-Mama Katharina

Hilfe! Die Kinder sind im Nein-Doch-Modus!

„Ihre Beiden sind ja auch ein Herz und eine Seele“, sagte die Kita-Erzieherin gestern zu mir.

Ich drehte mich um und sah, wie meine Tochter meinen Sohn in die Seite boxte. Er zog ihr am Ärmel, sie schubste ihn weg, er heulte. Ein Herz und eine Seele also?! Ich würde eher sagen: Zwei Raufbolde. Jedenfalls, sobald wir die Kita verlassen haben.

Lustigerweise ist wohl tatsächlich so, dass die beiden im Kindergarten oft und sehr liebevoll miteinander spielen. Sie sind zwar in unterschiedlichen Gruppen, doch wann immer es eine Gelegenheit gibt, hängen sie zusammen ab.

Auch zu Hause sind sie natürlich viel zusammen – ich denke oft, notgedrungen. Denn ich erlebe die beiden momentan nur im „Nein-Doch“-Modus.

Beispiel 1: Meine Tochter baut einen Turm und sagt: „Guck mal, Mama, ich hab einen Turm gebaut.“ Mein Sohn sagt darauf: „Nein, I bau“ (übersetzt: Nein, ich hab den gebaut). Meine Tochter: „Stimmt doch gar nicht, ich hab den gebaut“. Mein Sohn: „Nein, i bau“. Tochter: „Neeeeeein, ich“ Sohn: „Neeeeein, ich.“ Die Stimmlagen werden höher, die Intensität schriller – irgendwann schubst einer den anderen, am Schluss heult einer.

Beispiel 2: Ich sage: „Wer möchte noch Saft?“ Mein Sohn: „Iccccccchhhh“. Tochter: „Ich auch.“ Sohn: „Nein, ich.“ Tochter: „Nein, ich darf aber auch.“ Sohn: „Nein.“ Tochter: „Doch, ich darf auch Saft haben.“ Sohn: „Nein“. Tochter: „Doch“.  Fortsetzung unendlich. Ende: Heulerei

Dieses „Nein-Doch“ nervt mich furchtbar. Der Kleine checkt ja noch gar nicht richtig, gegen was er da „nein-docht“. Er schnallt nur: Es ärgert seine Schwester. Genau das habe ich meiner Großen erklärt und ihr gesagt, dass sie einfach weghören soll. Denn sie und ich wüssten ja, wer den Turm gebaut hat. Und das sei doch das Wichtigste. In der Theorie easy, für eine Fünfjährige aber kaum machbar. Und wiederrum es es auch ganz oft so, dass sie Große das "Nein-Doch"-Spiel beginnt, weil sie weiß, dass sich auch ihr Bruder darüber ärgert. 

Ich weiß, dass Geschwister sich aneinander reiben müssen, dass es ganz normal ist, dass die beiden sich kloppen. Aber es nervt mich, dass ich momentan ständig dazwischen gehen muss.

Denn es geht ja auch ganz anders. Denn wenn sie wollen,  sind die beiden wirklich rührend miteinander, kuscheln und drücken sich. Spielen völlig friedlich oder albern herum. Nur leider ist das gerade nicht besonders oft.

Ich frage mich, wie sehr ich mich in diese Streitereien einmischen soll. Neulich, als die sich beim Abendessen wieder in ein„Nein-Doch“-Duell hineinsteigerten, habe ich einfach meinen Teller genommen und gesagt, dass ich so keine Lust habe, mit ihnen zu essen. Als ich später wieder in die Küche kam, saßen die beiden lachend nebeneinander.

Auch wenn mich ihr Gestreite manchmal in den Wahnsinn treibt, weiß ich doch, wie wichtig sie füreinander sind. Meine Schwester und ich haben uns früher oft die Augen ausgekratzt  - heute sind wir die besten Freunde. Es ist also wahrscheinlich – wie eigentlich alles – einfach nur eine Phase....

Nein.

DOCH! 

 

 

 

 

Tags: Geschwister, Streit, Nerven, Erziehung, Konflikte, Kindergarten

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Kommentare

psonisma — Di, 02/02/2016 - 07:57

... exakt genauso ist es bei uns (4 1/2 und 2 1/4). Und ja, gefühlt könnte ich ständig dazwischen gehen und als Ring-/Schiedsrichterin fungieren. Hab ich aufgegeben, mach ich nur noch wenn es eskaliert. Und ja, dieser ständige Lärmpegel nervt ungemein. Die zwei sind eben wie Hund und Katz. Sie können nicht mit und auch nicht ohne einander. Und ja, bei meiner Schwester und mir war es genauso, wir "mögen" uns erst, seit wir nicht mehr im selben Haushalt leben :-) Und ein letztes Ja - ist ja alles nur eine Phase :-) Danke für den tollen Beitrag und die Ehrlichkeit, dass eben nicht alles immer Friede Freude Eierkuchen ist!

Kathrin — Di, 02/02/2016 - 08:02

Wir haben die Konstellation großer Bruder, kleine Schwester, da ist es ganz genau so! In der Kita ein Herz und eine Seele zu Hause mitunter Katze und Hund! Ich würde mich öfter gerne weniger einmischen, muss es dann aber wegen der unterschiedlichen Kraftverhältnisse doch oft tun. Aber wenn wir woanders sind mit anderen Kindern, dann kleben unsere beiden aneinander. Oder wie jetzt, der große Bruder ist für ein paar Tage bei den Großeltern, die kleine Schwester vermisst ihn sehr und der große Bruder sammelt lauter Geschenke für die kleine Maus ein!

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