Wir sind genervt! Unser erwachsener Sohn verhält sich unmöglich

erwachsener Sohn

Foto: Pixabay

Ihr Lieben, eigentlich denkt man ja, dass die Teenagerjahre die Jahre sind, die uns Eltern nervlich am meisten fordern. Bei unserer Leserin Bettina ist das anders. Ihr erwachsener Sohn ist schon 21 und verhält sich seit einiger Zeit oft richtig asozial, wie sie selbst sagt. Was da genau los ist, erzählt sie im Interview. Außerdem wünscht sie sich, dass andere Mamas, die auch schon erwachsene Kinder haben und durch ähnlich schwere Phasen gegangen sind, ihre Erfahrungen teilen und ihr gute Tipps geben.

Liebe Bettina, heute geht es um deinen 21-jährigen Sohn Ben. Du sagst, er raubt euch momentan jeden Nerv. Erzähl mal mehr über deinen Sohn.

Ben ist 21 Jahre alt und wohnt noch zu Hause. Er hat sein Abi in der Corona-Zeit gemacht und dann direkt eine 2-jährige Ausbildung. Ein Studium konnte er sich zu dem Zeitpunkt nicht vorstellen, weil er endlich eigenes Geld verdienen wollte.

Wo genau gibt es Schwierigkeiten mit ihm?

Ben ist mit einer kurzen Zündschnur ausgestattet. Er war schon immer schnell ungeduldig und wenn was nicht so geklappt hat, wie er sich das vorgestellt hat, dann war es nie seine Schuld.

Seit letztem Sommer, seit die Lehrzeit vorbei ist, ist es mit Ben anstrengender als es in den Teeniejahren je war. Er fühlt sich als der große Macher, weil er jetzt arbeiten geht. Dass er zwei Vollzeit-arbeitende Eltern hat, übersieht er. Er denkt, er kann jetzt zu Hause das Ruder zu übernehmen, ist ziemlich egoistisch. Er kocht zum Beispiel echt gut und gerne und da würden wir Eltern gerne mehr in seine Verantwortung geben. Allerdings kauft er dann nur für sich Lebensmittel ein und bereitet die auch nur für sich selbst zu – dass da noch drei weitere Menschen hungrig von der Schule und Arbeit kommen, juckt ihn nicht.

Er sagt dann, er hatte eben schon Hunger und hätte schon gekocht, wir könnten uns ja selbst was machen. Dass er die Küche aber auch nicht so hinterlässt, wie ich mir das vorstelle, tut er mit: „Stress mal nicht rum“ ab. Und wenn ihm mal was zu Bruch geht, dann wars auch nie eine Schuld. Das ist echt Ungezogenheiten, die wir ihm wahrscheinlich unbewusst anerzogen haben und schon seit Jahren versuchen  „abzutrainieren“.

Was ärgert dich noch?

Ganz übel wird es, wenn er sich in Gespräche einmischt – das tut er auf eine belehrende, rechthaberische Art. Wenn er dann Gegenargumente bekommt, wird er laut, unfair und meist läuft er dann weg und knall Türen. Nicht ohne uns nochmals ordentlich zu beschimpfen, oft sogar mit „Halt’s Maul“. Mit seinem Vater hat er die meisten (Konkurrenz?-)Probleme. Mit ihm sucht er eigentlich immer Streit. Er stichelt und nervt, bis mein Mann die Beherrschung verliert. Danach wird es super unangenehm und peinlich für mich und den jüngeren Sohn (16)…

Was macht das mit euch Eltern? Wie geht ihr damit um? 

Das macht mit uns Eltern echt viel. Wir sind erschöpft, weil der Erziehungsauftrag offensichtlich noch immer nicht erledigt ist, im Gegenteil. Wir sind oft zu laut, zu streng, zu hart – weil wir es nicht mehr gut aushalten können. Zum Glück können wir nach kurzem Durchschnaufen immer wieder am gleichen Strang ziehen, aber das ist manchmal auch hart. Klar ist es so, dass mein Sohn auch mal Recht hat. Nur ist er nicht in der Lage, das in einem sachlichen Ton rüberzubringen, sondern nur mit Schreien bis die Spucke aus dem Mund fliegt und dann ist man nur noch genervt und gibt ihm nicht die Bestätigung, die er vielleicht bräuchte, weil sie so heftig eingefordert wurde.

Wie beeinflusst sein Verhalten euer Familienleben?

Es gibt noch unseren Sohn (16). Er sagt ihm auch oft die Meinung – hält sich aber weitestgehend raus, weil es ja meist nichts mit ihm zu tun hat. Generell sind auch nie große Probleme, die da gewälzt werden, sondern Alltagskram. Nichtigkeiten, die von der Mücke zum Elefanten mutieren und dann eskalieren. Die Ausraster hat er nur bei uns in der Kernfamilie.

Bei Familienfesten ist er immer sehr glücklich, galant und höflich. Er kann das alles, das Handwerkszeug ist also da. Ich denke nicht, daß die restliche Familie denkt, dass Ben ein Choleriker ist. Die sehen ihn mit breitem und offenem Grinsen und witzig die Manege unterhalten. Die Seite lieben wir auch an ihm und freuen uns, wenn er entspannt ist. Dann sind wir es nämlich auch.

Wenn du mal zurück gehst: War euer Sohn schon als Kind anders?

Ben ist unser erstes Kind. Ein absolutes Wunschkind. Ein Frühchen, aber fit und gesund. Er war, rückblickend betrachtet, schon immer anstrengender, weil er immer einen Animateur brauchte, um zu spielen. Sein Bruder war da anders. Er hatte die Muse und Ruhe auch alleine zu spielen, zu lesen und glücklich zu sein. Ben braucht immer die Bühne und den Applaus und wir fragen uns, oft ob wir zu viel gelobt haben… In der Schule wars auch nie einfach, aber hey, er hat sein Abi geschafft! Lernen erfolgte nie freiwillig, sondern nur unter Druck.

Wann hat sich eure Beziehung verschlechtert?

Mit mir als Mutter ist die Beziehung seit Sommer/Herbst letzten Jahres angeschlagen. Da hat auch seine Freundin Schluss gemacht, wir kennen den Grund nicht. Das hat ihn aber ziemlich beschäftigt und er ließ sich auch nicht trösten, da hat er total abgeblockt. Als die große Trauerphase überwunden war, ist er noch egoistischer geworden und seither benimmt er sich wie ein Elefant im Porzellanladen. Mein Mann würde ihn am liebsten vor die Tür setzen, der hat gerade auch echt ein schweres Los mit Ben. Mit ihm ist er quasi nur im Clinch oder im Waffenstillstand.

Hast du manchmal schon daran gedacht, ihm mal richtig die Grenzen zu zeigen bzw auch mal weniger Kontakt zu haben?

Ja, ich bin auch oft so sauer und erschöpft, daß ich ihn versuche, ihn links liegen zu lassen. Und habe ihm auch schon gesagt, daß man mit 21 Jahren eigentlich nicht mehr bei den Eltern wohnen muss, sondern sich eine Wohnung suchen kann. Warum das nicht geht, dafür hat er natürlich 1000 Ausreden.

Gerade hat er uns verkündet, dass er arbeiten total doof findet und lieber mal frei hätte und kündigen wolle. Er wolle jetzt doch lieber studieren. Wir müssten dann Unterhalt nach Düsseldorfer Tabelle bezahlen, was echt heftig wäre. Wenn wir spüren würden, dass er für das Studium brennt oder einen konkreten Berufswunsch hat, würden wir ihn gerne unterstützen. Wir haben aber das Gefühl, er hat keinen Bock mehr, jeden Tag um 7 Uhr auf die Arbeit zu gehen, sondern wir lieber studieren und mehr Party machen..

Ist dir dein erwachsener Sohn manchmal fremd?

Ja, er ist mir manchmal absolut fremd. Wenn er brüllt, schreit, gemein ist und alles verbal zertrümmert.

Was würdest du dir für ihn wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass er gelassener wird. Dass ein Ziel hat, auf das er sich langsam zu bewegen kann und eine nette Freundin, die ihn toll findet, wie er ist.

Wie ich ihm helfen kann, weiß ich gerade einfach nicht und das macht mich traurig. Ich denke, dass er zuhause raus müsste. Aber ich will das auch nicht im Streit fokussieren. Ich hab schon mehrfach versucht, es anzusprechen, aber das funktioniert nicht. Er weicht aus, er ist einfach ein Meister-Wegducker…

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29 comments

  1. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es schwerfällt auch ein erwachsenes Kind „vor die Tür zu setzen „. Trotzdem solltet ihr genau das tun. Wenn er sich nicht in die Gemeinschaft einbringt, kann er eben kein Teil von ihr sein. Da er bereits eine Ausbildung hat, glaube ich nicht, dass ihr finanziell für ihn verantwortlich seid. Falls doch, wird ja hier auch auf das Einkommen bzw. den Selbstbehalt geachtet. Eure Beziehung würde vermutlich durch den Abstand besser werden. Es klingt sehr danach, als müsste er mal auf eigenen Beinen stehen und erwachsen werden.
    Ich drück euch die Daumen!

  2. Erinnert mich an meinen Bruder. Der hat zuhause keinen Finger gerührt. maximal seinen Teller in die Maschine gebräumt….die Teller der anderen nicht. Aber immerhin hat er Streit gesucht. Nur auf Kommentare hat er grosskotzig oder ätzend reagiert. Meine Mutter hat einfach aufgehört den Kontakt zu suchen und alles ignoriert, gekocht, Wäsche gemacht. Als ich sie mal gefragt habe warum sie sich das gefallen lässt meinte sie dass sie keine Lust auf den Kampf hat, in ein paar Jahren zieht er aus und dann ist es nicht mehr ihr Problem.

    Meine Kinder sind zwar noch klein also kann ich nicht alles nachvollziehen aber ich bin doch sehr irritiert über die „normales Verhalten – Ablöse Prozess – Fallen lassen im sicheren Hafen“ Kommentare. Der Mann ist 21 JAHRE nicht 21 MONATE. Man kann sich mal daneben benehmen, dass passiert jedem. Aber doch nicht monatelang !?
    Als Eltern muss man doch nicht alles ertragen.
    Grenzen setzen.

  3. Hey, ich würde ihm auch eher deutlich zeigen, dass es so nicht geht. Er ist 21! Da würde ich nicht mehr von Erziehungsauftrag reden! Klar schmeißt du ihn nicht einfach raus – aber so geht`s einfach nicht. Und wenn man nicht mit ihm reden kann, dann zeige es ihm. Er kocht – aber nicht für euch alle? Dann kochst du auch nicht für ihn! Du wäschst seine Wäsche nicht und du kaufst keine Dinge ein, die er vielleicht gern mag. Ich würde versuchen, möglichst „knallhart“ so egomäßig zu sein wie er.

  4. Hallo Bettina,
    Der Ben ist seit drei Jahren Volljährig!
    d.h. er kann tun und lassen was er lustig ist, die Eltern haben keine Verantwortung mehr!
    Keine Rechte und keine Pflichten.
    Stellt ihm ein Ultimatum , innerhalb von drei Wochen hat er sein Kinderzimmer zu räumen.
    Bei der Wohnungssuche kann man behilflich sein, wenn das gewünscht wird.
    Klingt alles hart, muss aber sein, Abnabelung geht nun mal nur mit Schmerzen auf beiden
    Seiten .
    ….Wir müssten dann Unterhalt nach Düsseldorfer Tabelle bezahlen, was echt heftig wäre…
    NEIN! müsst ihr nicht, er ist volljährig und hat bereits eine Ausbildung bezahlt bekommen. dafür gibt es evtl. Bafög und ihr könnt eine Pauschale 700,- von der Steuer absetzen.
    statt rumjammern, informieren, und Tatsachen schaffen.
    Alles Gute bei der „Aushorstung“ des Jungen Nesthockers.

    LG Conny

  5. Hallo, die anderen Kommentare sind mir etwas zu weichgespült. Ich habe nach den Erläuterungen eher das Gefühl, der große Junge muss mal so richtig auf eigenen Füßen stehen.

    Meine Eltern haben mich mit 19 gebeten, auszuziehen (was ich auch wollte)…und der Realitäts-check hat mich auf jeden Fall weiter gebracht. Vielleicht kann man ja ein Arrangement finden, dass man monatlich etwas Geld als Ünterstützung dazu gibt (für ein WG Zimmer oder so), aber für den rest muss er halt nebenbei jobben (vielleicht findet er ja was, was zu seiner bereits abgeschlossenen Ausbildung passt und das wäre ja super). Ich finde mit 21 ist man schon in der Lage, für sich selbst zu sorgen und eigentlich alle meiner Kommolitonen haben alleine gewohnt und mussten zurecht kommen. Für eine zweite Ausbildung (Studium) müsstet ihr mE sowieso nichts zahlen, das ist sein Privatvergnügen. Iegendwann ist man halt erwachsen und die Eltern müssen nicht alles aushalten/ertragen.

    1. Was mir noch so einfällt:

      -sich eine gute Zeit mit dem Partner außerhalb der Wohnung machen, Essen gehen, Sport, Kultur, ein Kurzurlaub

      – eine Familienkonferenz einberufen und alles auf den Tisch packen

      – sich gezielt Zeit nehmen, um die Vergangenheit zu analysieren und ggf. auch Fehler zu bereuen, danach wieder auf die Zukunft gucken

      – sich über die eigenen Wünsche und Grenzen klar werden und dann darüber reden

      – noch einmal genau schauen, welche Pflichten ihr als Eltern im Falle eines Studiums habt. Und vielleicht auch, ab wann es elternunabhängiges Bafög für euren Sohn gibt. Danach transparent sein und sagen: Wenn du dich für ein Studium entscheidest, musst du selbst für deinen Lebensunterhalt aufkommen/unterstützen wir dich freiwillig mit Betrag x

      – den Blick auf Lebensbereiche richten, die gerade gut laufen

    2. Das sehe ich genauso. Der Junge ist 21. Volljährig. Ich würde das Verhalten nicht tolerieren. Ich würde ihm deutlich sagen, was mich stört und was ich erwarte, ich würde auch Kompromisse eingehen, doch wenn nichts hilft, dann müsste er ausziehen.

  6. Wirklich GFK? Sollen die Eltern an sich arbeiten während der Erwachsene Sohn sich so aufführt?

    Dass das Verhalten so nicht geht, ist einem Grundschüler klar.

    Wenn unser Sohn sich so verhält, werden wir ihn freundlich, liebevoll, aber bestimmt um den Auszug bitten. Das junger Kind hat auch ein Recht auf friedliches Zuhause.

    Mit 21 ist Erziehung wirklich abgeschlossen. Den Rest lehrt ihn das Leben…

    1. GFK dient ja auch nicht der Erziehung sondern der Be-ziehung 🙂
      Und ich lese es so, dass Bettina sich eine gute Beziehung zu ihrem Sohn wünscht. Es gibt immer Gründe wenn Menschen sich verhalten wie sie sich verhalten. Die herauszufinden könnte meiner Ansicht nach hilfreich sein.

  7. Das müsste man zuerst abklären lassen um es als eindeutig zu erklären.
    ich sehe es nicht so. Für mich handelt es sich um einen sicher heftigen , aber trotzdem natürlichen Abkölungsprozess….

  8. Das klingt, als wäre er in der Pubertät. Manche Kinder sind da ja sehr spät dran. Hatte er denn eine klassische rebellische Phase in seiner Teenagerzeit? Hat er die überwunden und fängt jetzt von vorne an? Steckt er immer noch drin? Oder, und das gibt es auch, hatte er sie nicht und lebt sie deshalb jetzt mit 21? Das ist ein Teil des Abnabelungsprozesses. Ich hab die Erfahrung gemacht, je pflegeleichter der Teenager in der Pubertät, desto schlimmer wird der richtige (verzögerte) Abnabelungsprozess in den 20ern.

  9. Ich habe nur gelesen 21 und dann die ersten paar Zeilen. Kommt mir alles irgendwie bekannt vor😅.
    Habe den Text nur leicht überflogen beim Lesen, ebenfalls die Kommentare.

    Das für mich wichtigste habe ich mir rausgepickt. Rosenberg GFK kann ich wärmstens empfehlen.

    Meine Gedanken zum Thema 21 – es ist der Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt oder aber auch in ein neues Lebensjahrsiebt.
    Für uns als Eltern sicher keine einfache „Phase“. Ja die Jungs gehen ihren eigenen Weg, oft mit viel Unzufriedenheit und Egoismus.

    Verleihe den Kindern Wurzeln wenn sie klein sind und gib ihnen Flügel wenn sie gross sind.
    Der Loslöseprozess ist ein Prozess der seine Zeit braucht.

    Konflikte und Konfrontation braucht es damit Neues entstehen kann.

    Ich wünsche uns ALLEN egal in welchem Alter unsere Kinder sind und in welcher Lebenssituation wir uns gerade befinden, den Blick auf die guten Seiten unserer Kinder und den Glauben an uns selbst, dass wir es gut machen so wie wir es machen. Denn wir sind alle NUR Menschen.

    1. Hallo, das klingt nach einer schwierigen Situation für alle Beteiligten. In diesem Alter brauchen die Kinder einen noch sehr und gleichzeitig ist die Umstellung auf eine Beziehung mehr auf Augenhöhe und zusammen wohnen oft eine Herausforderung. Ich finde es nicht hilfreich, alle Schuld dem Sohn zu geben. Es gibt hier viele Möglichkeiten, die das Verhalten mit erklären könnten, die man so nicht beurteilen kann.

      Als Beispiele: Phasen mit häufig streiten und explodieren über Kleinigkeiten kann, gerade bei Männern, ein Zeichen für eine Depression sein. Oder auch einfach eine Tiefphase, es hat ja anscheinend nach der Trennung mit der Freundin angefangen. Auch sein Beruf scheint ihm gerade nicht zu gefallen. Das kann ein weiteres Problem oder eine Folge sein. Vielleicht bräuchte er Hilfe, aber es kann sehr schwer sein das zu bemerken und zuzugeben, gerade für Männer.

      Vielleicht sind die aktuellen Regeln des Zusammenlebens nicht an das Alter angepasst. Oft ist in dem Alter besser, eine Art WG-Regeln zu machen ohne Zwang zu gemeinsamen Essen, für andere Kochen etc. (natürlich auch mit Küche aufräumen nach dem Kochen). Oft haben Eltern noch sehr ungleiche Machtverhältnisse im Kopf als Vorlage wie das gehen soll, die mit 21 nicht mehr passen.

      Regeln und immer mehr Druck und autoritäres Gehabe sind in dem Alter nicht passend. Stattdessen braucht es ehrliche Versuche von Verständnis und Zuhören und ernst nehmen und mehr Autonomie geben. Und ein gutes Vorbild sein, wenn der Vater regelmäßig die Beherrschung verliert finde ich es viel verlangt, dass der Sohn, dessen Gehirn noch nicht fertig entwickelt ist, es besser können soll. Hier müsste gerade der Vater als männliches Vorbild Alternativen vorleben, wenn er diese bei seinem Sohn wünscht. So ist es nicht verwunderlich, dass der Sohn es ähnlich macht. Mir fehlt sehr die Empathie und ich finde es traurig, wie negativ euer Bild von ihm ist. Natürlich kann sie beste Option sein, getrennt zu wohnen. Aber das in dieser schwierigen Phase ohne Liebe und Verständnis zu Euroweisungen, kann sich wie ein Rausschmiss anfühlen und euer Verhältnis für das weitere Erwachsenenleben negativ prägen.

      Die Situation klingt verfahren und wahrscheinlich sind alle, auch ihr Eltern, sehr in ihrem Mustern gefangen. Ich würde eine Familienberatungsstelle oder ein gutes Erziehungscoaching empfehlen für euch Eltern. Und in ruhigen Momenten versuchen, eurem Sohn mehr zu zu hören, mehr nach seinen Vorstellungen für das Zusammenleben zu fragen, ihn ernster zu nehmen mit seinen Problemen und Wünschen und nicht aufzugeben. Wenn es euch ganz schlecht mit dem Zusammenleben geht und ihr es nicht schafft, dafür eine Lösung zu finden, dann müsst ihr natürlich auch nicht Zusammenleben. Aber dann sagt das als Grund, „wir sind überfordert und wissen nicht genau, wie wir mit den Streits umgehen sollen und es geht uns nicht gut“ statt alles auf sein Verhalten zu schieben. In Beziehungen geht es nicht immer darum, wer recht hat, sondern auch darum, die Beziehung zu erhalten.

      1. Ich finde dies keinen guten Kommentar!
        Das „Kind“ wie C.G. sich ausdrückt ist 21 Jahre alt! Er kocht etwas für sich alleine, seine Eltern sind ihm total egal?! Und dann sollen sie sich Mühe geben und ihn nicht so negativ sehen?!
        Eltern dürfen und müssen auch ihre Wünsche und Bedürfnisse durchsetzen! Das mute ich schon meinem 8jährigen Sohn zu, indem ich ihm bei unhöflichem Rummosern auch mal deutlich sage, dass ich es auch nicht sehr spaßig finde, seine Fussballsachen zu waschen. Ich mache es aber trotzdem, weil ich ihn gernhabe und weil eben in einer Familie jeder einen Beitrag leisten muss, damit alle glücklich sein können. 8jährige können den Tisch decken und den Müll wegbringen, Erwachsene waschen Wäsche und 21jährige kochen ab und zu und nehmen mal einen Putzlappen in die Hand!

  10. Eine Unterhaltspflicht besteht meines Wissens nur für eine erste Berufsausbildung. Für ein zusätzlich zur Ausbildung freiwillig absolviertes Studium besteht keine Unterhaltspflicht. Und auch ansonsten müssen Eltern nur zahlen, was geht. Ansonsten kann er ja Bafög beantragen.

    1. Genau so sieht es aus, nach einer Ausbildung kann das erwachsene Kind Elternunabhängiges Bafög beantragen. Die Eltern werden nicht mehr in die Pflicht genommen. Jungs sind ja tendenziell später dran in Bezug auf die erste eigene Wohnung/WG. Hier einen klaren Zeitplan aufzustellen (z.B. bis Ende 2024 möchten wir gerne, dass du dir ein eigenes Dach über den Kopf suchst, wir unterstützen gerne bei der Suche etc.) sehe ich hier als guten Weg. Auf eigenen Beinen zu stehen hilft ganz oft gerade in Bezug auf das Verhältnis zu Eltern und Geschwister.

    2. Hallo, ja das ging mir auch durch den Kopf. Wenn ich mich recht an meine Zeit erinnere, als ich nach der Ausbildung mich mit einem Studium beschäftigt habe, gibt es da auch elternunabhängiges Bafög für Erwachsene mit Berufsausbildung. Ich habe mich dann für ein Fernstudium zusätzlich zum Beruf entschieden, das hat am besten zu mir gepasst. Vielleicht ist das etwas für den Sohn. Die Unzufriedenheit nach der Ausbildung mit Abi in der Tasche zu denke , dass es das jetzt beruflich war und ich mein Leben lang fest stecke, kann ich gut nachvollziehen. Sicher bedingt das Eine auch das Andere beim Sohn. Ein Auszug könnte ebenfalls Entspannung bringen. Auch ging mir durch den Kopf, ob er jetzt mit eigenem Einkommen „Kostgeld“ abgibt um zu auch finanziell zu Eurer noch besehenden Wohngemeinschaft bei zu tragen. Bzw. würde ich darauf bestehen, dass er Einkäufe etc. übernimmt. Aber ein fester monatlicher Betrag erspart wahrscheinlich am besten wiederkehrende nervige Diskussionen.

      1. Das mit dem Kostgeld habe ich auch gedacht. Er ist – rein formal – erwachsen, hat eine abgeschlossene Ausbildung und verdient regulär. Die Kinderrolle kann er in finanzieller Hinsicht nicht mehr für sich beanspruchen, auch wenn er im Elternhaus lebt. Ich würde auch einen festen Betrag mit dem Sohn aushandeln. Ich finde es wichtig, dass ein Mensch im jungen Erwachsenenalter ein Gefühl dafür entwickelt, dass das Leben nun mal Geld kostet und finanziert sein möchte. Zumal er sich ja ansonsten auch einen Lebensstil angewöhnt, den er nie und nimmer finanzieren könnte, wenn er von seinem Gehalt noch Miete, Lebensmittel etc. bezahlen müsste.

        Davon abgesehen würde ich das Gespräch mit dem Sohn suchen. In deutlichen Worten rückmelden, wie sein Verhalten rüberkommt und wie es mir als Mutter damit geht. Würde ich bei meinem Sohn eine psychische Belastung als (Teil-) Erklärung für sein Verhalten vermuten, würde ich diese Vermutung sehr klar und ohne große Umschweife ansprechen und Hilfe anbieten (also z.B. bei der Suche nach professioneller Unterstützung). Wichtig wäre auch, darüber zu reden, wie alle Beteiligten sich das Zusammenleben wünschen und was man dafür ggfs. ändern müsste.

  11. Hallo,
    gute konstruktive Antworten hier. Mir kam noch in den Sinn: Kinder, die sich Zuhause total fallen lassen (Gefühle rauslassen), sind doch meist gut gebunden, fühlen sich sicher, nutzen die Möglichkeit, Gefühle zu zeigen. Also erstmal gut, die Nebenwirkungen (schlechte Stimmung, die anderen müssen es abpuffern) mal außer Acht gelassen.

    Ich hatte auch daran gedacht, dass das Thema Trennung evtl. ein größeres Paket sein könnte und, das schrieb jemand hier, vielleicht tatsächlich ein Break nach all den Jahren Schule für Selbstbestimmung helfen Zum Auszug motivieren wäre vielleicht dann ein Schritt, wenn der nächste Weg irgendwie klarer ist. Aber jede Situation ist individuell, ich wünsche der Familie alles Gute, gute Ideen und Zusammenhalt.

  12. „Ich wünsche ihm eine nette Freundin, die ihn toll findet wie er ist“ – da ist mir als erstes durch den Kopf gegangen, dass er wohl erstmal Eltern braucht, die ihn toll finden, wie er ist. Das lese ich in dem Text nämlich kaum heraus. Mit 21 ist man doch längst nicht „erwachsen“ in dem Sinne, wie das anscheinend von den Eltern erwartet wird.
    Ich verstehe, dass das Zusammenleben in der aktuellen Situation nicht immer einfach ist, aber das ist sicher in beide Richtungen so. Ich würde versuchen ihm mehr Verständnis zu zeigen, ansonsten sehe ich auch die zukünftige Beziehung gefährdet. Mit 21 ist man immer noch in einer sehr sensiblen Phase.

    1. Das sehe ich überhaupt nicht so…..
      Die Mutter schreibt über ihre Sorgen und Ängste. Ihr Sohn verhält sich ihr gegenüber respektlos und egoistisch, dass muss man nicht toll finden. Es geht hier um das Verhalten des Sohnes und nicht um seine Person an sich.
      Eine Mutter muss nicht alles erdulden und gutheissen was ein Kind tut, auch wenn sie ihre Kind über alles liebt.
      Sie macht sich viele Gedanken und bittet um Hilfe und obwohl er sich grösstenteils ,zur Zeit, daneben benimmt, sieht sie was für ein toller Mensch er ist. Sie kämpfen um ihn. Das sagt für mich alles.
      Ich wünsche den Eltern viel Kraft und durchhalte Wille. Vertraut darauf den richtigen Weg für euch und euren Sohn zu finden. ihr kennt ihn und ihr habt schon viel geschaft !

    2. mit 21 ist man noch nicht erwachsen?
      Verzeihung aber der gute Mann kann seit er 18 ist Wählen etc. wer mit 16 in die Ausbildung startet ist steht mit 21 voll im Berufsleben mit der damit verbundenen Verantwortung!
      Es gibt Leute die mit Anfang 20 Eltern werden (hier auf dem Land immernoch nicht komplett ungewöhnlich)

      Ab wann ist man denn dann bitte erwachsen? Selbst das Strafrecht sagt, ab 21 ist man wirklich voll dabei.

      Sorry aber der Mann ist erwachsen, verhält sich aber wie ein pubertierenden 15 jähriger.

      Ggf. kann man Mal ein Gespräch auf Augenhöhe zwischen 3(!) Erwachsenen mit ihm suchen. Auch kann man gucken, ihn aus den „Pflichten“ und gleichzeitig dem „Luxus“ des Familienlebens zu entlassen.
      sagen: okay, du kaufst für dich selber ein und kochst auch für dich ein, bist für deine Angelegenheiten verantwortlich. Dafür werden andere Arbeiten von den Eltern (Wäsche? Putzen? Auto ausleihen?) im Gegenzug auch nicht mehr erledigt. Mehr WG als Familienleben. evtl. braucht er auch diesen Schritt zu mehr Unabhängigkeit.

      1. Stimmt, mit 21 ist man erwachsen und sollte auf jeden Fall für sich selbst sorgen können. Mein Erwachsen war deshalb in Anführungszeichen. Ich wäre in dem Alter allerdings auch nicht auf die Idee gekommen für die komplette Familie zu kochen und das wurde zum Glück auch nicht erwartet. Jetzt bin ich trotzdem selbstständig, hilfsbereit und unterstützend.
        Ich habe mich zb sehr an Bettinas Aussage gestört, dass Lernen nur unter Druck geklappt hat und „hey, zumindest Abi“. Das klingt sehr ironisch und nicht wirklich wertschätzend. Wer weiß welche Hintergründe bei ihm da sind, die in ihm solche Wut auslösen. Ich fände es viel wichtiger dem auf den Grund zu gehen anstatt die Beziehung noch mehr zu strapazieren mit noch mehr Druck, ihn zum Ausziehen zu bringen, was ja scheinbar noch nicht sein eigener Wunsch ist.

  13. Hallo, Dein Sohn Ben hat eindeutig ADHS-Symptome. Für Erwachsene gibt es zwischenzeitlich auch Medikamente wie Medikinet adult oder Ritalin adult. Bin selbst davon betroffen und meine Kinder auch. Die Medikamente erleichtern das Leben für alle. Vorher Test beim Psychotherapeuten machen, der darf dann verordnen. Und ich würde Ben tatsächlich zum Auszug bewegen.

    1. Hallo Karen,
      Daran habe ich auch gedacht, als ich es gelesen habe.
      Ich kann nur sagen, eine Diagnose ändert so vieles. Auch die ständigen Selbstzweifel können reduziert werden. Wieso schaffe ich dieses und jenes normales nicht usw.
      Meist steht dahinter nicht der fehlende Wille sondern das Sprunghafte Gehirn und die reduzierte Selbstkontrolle.
      Sport ist super hilfreich für ADHSler.

  14. Mit seinem großkotzigem Verhalten kaschiert er vermutlich seine Unsicherheit, so ist er doch das erste Mal in seinem Leben wirklich an dem Punkt, allein entscheiden zu können, wo es hingehen soll. Die Ausbildung war vielleicht auch schon so ein Schritt, aber direkt im Anschluss an die Schule in die nächste Abhängigkeit war da sicher nicht viel Zeit zum Luft holen. Ich würde ihm einerseits Zeit geben und andererseits eine Beratung aufsuchen, die dich (und deinen Mann) dabei unterstützt einen guten Umgang mit und Verständnis für die Situation eures Sohnes zu finden. Ich denke sein Verhalten ist nicht untypisch und kein Grund an eurer Erziehung zu zweifeln. Ein Auszug kam mir auch in den Sinn, manchmal ist es Zeit.. aber vielleicht ist es doch nicht der richtige Moment. Ich kann seine Gedanken, nicht arbeiten zu wollen verstehen.. nach 12/13 Jahren Schule und 2 Jahren Ausbildung ist vermutlich auch die Luft raus. Einerseits auf eigenen Beinen stehen sollen, gleichzeitig ständig fremdbestimmt. Da ist der Gedanke an ein Studentenleben irgendwie nachvollziehbar. Vielleicht könnt ihr gemeinsam nach sinnvollen Alternativen schauen.. ein Auslandsjahr beispielsweise könnte Raum schaffen, sich ein bisschen zu finden. Alles Gute euch!

  15. Liebe Bettina,

    Das klingt sehr aufreibend und anstrengend. Ich kann keine eigene Erfahrung beisteuern. Ich kann dir nur von Herzen empfehlen, dich mit dem Thema Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg zu befassen. Am besten ein Einsteigerseminar zu besuchen und die Thematik dort als Fallbeispiel einzubringen.
    Ich denke auch, dass ein Auszug helfen würde. Gleichzeitig wäre es ja schön, vorher wieder zu einer guten Beziehung zwischen euch allen zu kommen.
    Die Situation mit der Trennung könnte auch weiterhin von Bedeutung sein. Vielleicht hängt es ihm immer noch nach, sein Selbstwertgefühl hat gelitten und er versucht das jetzt auf eine für euch leider unangenehme Art und Weise auszugleichen.
    Konkret, ich persönlich würde versuchen, ihm nicht mit Vorwürfen zu kommen (warum hast du nur für dich gekocht?), dann geht er in die Defensive, so beschreibst du es ja. Sondern eher in einem ruhigen Moment anzusprechen, wie lecker es aussieht was er immer kocht und was er davon halten würde, mal für euch alle zu kochen.
    Die Bedürfnisse aller Beteiligten unter einen Hut zu bekommen ist in der Konstellation bestimmt ein großes Stück Arbeit. Mit Konfrontation würden sich die Fronten nur verhärten und das wäre ja schade. Wenn er sich in seinen (echten) Bedürfnissen gehört fühlt wird er auch wieder ein Ohr für eure haben. Die Gewaltfreie Kommunikation hilft dabei, die echten Bedürfnisse zu erkennen. Das kann sehr erhellend sein 🙂 ich wünsche euch viel Erfolg!

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