Perimenopause und Pubertät: Vom Hormon-Wahnsinn

Perimenopause und Pubertät

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Ihr Lieben, wenn bei Mama UND Kindern das Hormon-Chaos aufeinandertrifft, kann das eine ganz schön explosive Mischung sein, stellt unsere Leserin Jana grad fest. Sie erzählt uns von ihrem gerade doch sehr speziellen Familienleben zwischen Perimenopause und Pubertät.

Liebe Jana, bei euch zu Hause prallen grad Hormonwelten aufeinander, deine Töchter sind Teenager und du gleichzeitig in den Wechseljahren: Perimenopause und Pubertät. Erzähl mal von der absurdesten Situation aus den letzten Wochen…

Bei uns ist es gerade eine Achterbahn der Emotionen. In einem Moment prallen alle Gefühlswelten der Mädels und mir aufeinander und es wird laut mit Türen knallen und Schreien, ich wäre doof… im anderen Moment liegen wir uns in den Armen und erzählen uns, wie lieb wir uns haben und ich höre, dass ich einfach die beste und verständnisvollste Mama der Welt bin. Zwei Sekunden später „verstehe ich mal wieder gar nichts“ und „habe keine Ahnung“ von ihrem Leben.

Plötzlich ist nichts mehr wie es war. Die Kinder stürmen aus der Schule nach Hause, schmeißen die Sachen in den Flur und verschwinden ohne ein „Hallo“ in ihrem Zimmer. „Lass mich erst einmal in Ruhe ankommen, ich will jetzt nicht mit dir reden“, höre ich gerade jeden Tag und dann stehe ich da vor verschlossener Tür und sehe meine Kinder nur, wenn sie zum Kühlschrank gehen. Das morgendliche Aufwachkuscheln wird mehr und mehr vermieden, denn „jetzt sind wir ja keine Kleinkinder mehr“.

Gleichzeitig werde ich bei den kleinsten Kleinigkeiten, die nicht so laufen, wie ich es mir im Kopf ausmale, patzig, gar beleidigt, wie ein kleines Kind und meine Kinder stehen vor mir und schauen mich mit großen Augen an und sagen, ich wäre irgendwie so anders, ob ich sie wohl noch liebhätte? Verrückt, einfach verrückt.

Wie äußern sich die Wechseljahre gerade bei dir?

Ich bin keine Fachfrau, aber ich meine, ich bin noch in der Perimenopause. Es fing damit an, dass das PMS sich immer mehr verstärkte. Zwei bis drei Tage vor der Menstruation hatte ich plötzlich immer stärkere Kopfschmerzen, die sich mittlerweile zu Migräne entwickelt haben, mir war mehrere Tage am Stück schwindelig und mein Nervenkostüm war und ist in dieser Zeit sehr dünn. Was ich vorher kannte von den ersten zwei Tagen der Menstruation, hat sich nun auf ein paar Tage vorher bis zu den ersten zwei bis drei Tagen ausgeweitet.

Ich fühle mich super schnell angegriffen, bin zeitweise extrem emotional und erkenne mich so gar nicht. Gleichzeitig verändert sich mein Körper immer mehr. Hallo Winkearme, hallo Bauchrolle, dünne, schlaffe Haare… und das obwohl ich mich regelmäßig und viel bewege, gesund esse und sich an meinem Verhalten wenig geändert hat. Den sich verändernden Stoffwechsel spüre ich mehr und mehr.

Durch die Migraäne-Attacken bist du auch lautstärkeempfindlicher, gleichzeitig werden deine Töchter aber lauter, weil sie grad viel mehr streiten, wie löst ihr das?

Reden.

Erklären.

Entschuldigen.

Aus der Situation gehen.

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Ich versuche, ihnen meine Situation bestmöglich, auch direkt in der Situation, zu erklären. Bitte um Verständnis. Manchmal hilft es, oft leider nicht. Sie sind dann so in ihrer Streitigkeit gefangen, dass sie gar nicht mitbekommen, wenn ich etwas sage, so lange bis ich laut werde, was manchmal viel zu schnell geschieht. Ich ärgere mich dann ungemein über mich selbst, es tut mir sofort leid, aber ich kann in diesen Momenten nicht aus meiner Haut. Das zu akzeptieren und mich nicht dafür zu geißeln muss ich jeden Tag mehr lernen.

Manchmal fliehe ich einfach auch aus der Situation und Lautstärke. Ich gehe spazieren. Gehe Laufen gegen die Kopfschmerzen und für ein Alleinsein. In ruhigeren Phasen erkläre ich ihnen meine Stimmungsschwankungen, meine Schmerzen und den Zusammenhang und vor allem, dass sie mein Lautwerden bitte nicht persönlich nehmen sollen. Hier ein gutes Maß zu finden, was mein Leiden und meine Reaktionen erklärt, ohne ihnen Angst zu machen, ist eine schwierige Balance. Meine eine Tochter hat bereits ihre Regelblutungen, die andere noch nicht und ich möchte nicht, dass sie Sorge haben, dass es bei ihnen ähnlich schlimm sein könnte.

Wie geht es denn eigentlich deinem Mann in dem ganzen weiblichen Hormon-Chaos bei euch zu Hause?

*Smile Oje, der Arme. Er ist ganz schön überwältigt von den Hormonladungen und zieht sich dann häufig in ein Zimmer zurück oder geht etwas Leckeres einkaufen, um seine Damen zu befrieden. Bisher kann er viele Situationen souverän umschiffen, nimmt vieles mit Humor und bringt manchmal damit wieder etwas Ruhe rein.

Wie viel Unterstützung brauchen die Kinder grad für die Schule – und wie funktioniert das mit der Geduld bei euch?

Leider hat mein Geduldsfaden in den letzten Jahren sehr gelitten und die Perimenopause macht es nicht leichter. Die letzten beiden Halbjahre waren für den Wechsel auf die Oberschule notentechnisch ausschlaggebend. Bei uns bedeutete dies, dass beide Kinder jeweils doppelt so viele Klassenarbeiten schrieben, ganze 10 Stück im Halbjahr, plus Vorträge vorbereiten und Hausaufgaben und das im Doppelpack. Beide brauchen viel Unterstützung und lernten bisher selten, aber schrittweise besser, eigenständig.

Da meine eine Tochter viel Animation zum Lernen braucht, denn „Schule ist voll egal und langweilig“ und die andere viel Zuspruch und Ermutigung, war und ist die Lernbegleitung emotional sehr zehrend. Viele Nachmittage nach Schule und Arbeit gemeinsam am Tisch sitzen und die Unlust bei der einen und das Unzulänglichkeitsgefühl und die Ungeduld der anderen, zehrten an meinen Nerven.

Beide sind intelligent und könnten die reine Aufgabenstellung wunderbar selbstständig mit kleinen Hilfestellungen erledigen, aber Unlust und Unzulänglichkeitsgefühl erschweren es ihnen. Ich bin also eine Art Motivationstrainerin. Ermutigen, erläutern, erklären und das mit der notwendigen Ruhe, wird immer öfter für mich zur Herausforderung.

Kommt ihr euch manchmal in Situationen auch näher, weil ihr gegenseitig kapiert, dass grad einfach alle durch ihre Hormonflutung komisch geworden sind? Lacht ihr da auch mal drüber?

Perimenopause und Pubertät
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Na klar! Ich habe schon immer versucht, viel mit ihnen zu kommunizieren, über meine Gefühle zu sprechen oder auch einfach mal alle ToDos sein zu lassen und einfach Spaß zu haben. Ganz bewusst versuche ich immer wieder Angebote zu machen, wo wir einfach mal miteinander Spaß haben. Ob Shoppen gehen, Eis essen, Basketball spielen oder Mädelsspaziergang. Nah sind wir uns sehr, der Bindungstank ist voll, nur die Hormone treiben uns gerade in den Wahnsinn.

Du sagst, es wäre schwierig, sich plötzlich im eigenen Körper nicht mehr richtig wohlzufühlen, den Kindern aber das Gefühl zu vermitteln, dass sie – die ja auch zweifeln – okay so sind, wie sie sind…

Oh ja! Ich war eigentlich seit ich mich erinnern kann fein mit mir und meinem Körper. Die körperlichen Veränderungen anzunehmen, die sich jetzt mehr und mehr anbahnen, fällt mir gerade schwer. Ich erwische mich immer öfter dabei, wie ich mich vor dem Spiegel betrachte und mich Falten, immer mehr hängende Brüste etc. echt stören. Die Klamotten werden weiter und dieses vor Selbstbewusstsein strotzende Körpergefühl suche ich gerade.

Und dann steht vor dem Spiegel die eine Tochter, die bereits sehr weiblich ist und sagt, sie wäre zu dick. Die andere Tochter, die körperlich noch recht kindlich ist, kann es kaum erwarten, dass die Brust wächst und macht sich Sorgen, dass sie nie so „richtige“ Brüste wie ich oder ihre Schwester bekommen wird.

Tja, da stehe ich nun und erzähle ihnen, dass jeder Körper gut ist wie er ist, verschiedene Figuren toll sind, jeder Mensch auf seine Art schön ist und man milde mit sich sein soll und komme mir aktuell manchmal wie eine Lügnerin vor, weil ich mir meine eigenen Aussagen gerade selbst nicht zu Herzen nehme. Schwierig.

Mit wem kannst du über all das sprechen?

Meine beste Freundin ist mein Rettungsanker, bei der ich mich einfach einmal ausheulen kann. Glücklicherweise habe ich zudem einige Freundinnen im Umfeld im selben Alter, mit denen ich mich bezüglich der Veränderungen im Zuge von Perimenopause austauschen kann. Allerdings hat niemand von ihnen die Kombination Wechseljahre und Pubertät.

Lässt du dich durch die Wechseljahre betreuen, nimmst vielleicht sogar Hormone oder lässt du allem einfach freien Lauf…?

Ich habe mit meinem Gynäkologen schon vor zwei Jahren begonnen, darüber zu sprechen und erst einmal pflanzliche Wirkstoffe empfohlen bekommen. Über längere Zeit habe ich Mönchspfeffer genommen, mittlerweile nehme ich in der 2. Zyklushälfte einen pflanzlichen Drink für die Perimenopause, der bisher meine Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Brustschmerzen lindert. Ich wollte es einfach einmal ausprobieren und bin momentan super zufrieden. Ich bleibe dazu im Gespräch mit meinem Gynäkologen und freue mich auch über Vorschläge/Helferlein in den Kommentaren. Frau lernt ja nicht aus.

Bist du manchmal neidisch auf deine Mädels, bei denen es jetzt richtig losgeht, während bei dir alles aufhört? Oder macht dich das sogar froh, dass du bald durch bist?

Ich liebe es zu beobachten, wie sehr sie sich jetzt verändern und bin so gespannt, welche eine Art von Jugendlichen und Frauen sie werden. Ich wünsche ihnen von Herzen, dass sie zufrieden mit sich und ihren Körpern sein werden, sie sich selbst entdecken und lernen, was ihnen guttut und was nicht. Ich bin kein Stück neidisch und muss sagen, ich mache drei Kreuze, wenn dieses Hormonchaos sich mildert. Regelblutungen mit all seinen Begleiterscheinungen brauche ich echt nicht mehr… auch wenn damit dann sicher andere Dinge einhergehen werden.

Was möchtest du anderen Müttern in ähnlicher Lage zurufen?

IHR SEID NICHT ALLEINE! Lasst uns austauschen, empowernde Communities gründen, denn gemeinsam da durchzugehen, macht es sicher leichter.

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3 comments

  1. Danke für diesen Artikel! Ich kann der Autorin sehr gut nachfühlen…befinde mich in ähnlicher Situation und hoffe einfach, dass die Zeit bis zum Ende der Wechseljahre bzw.der Pubertät schnell vergeht!😉

  2. Ich würde dir das Buch „Woman on fire“ ans Herz legen. Leider sind auch nicht alle Gynäkologen/innen auf dem letzten Stand der Wissenschaft beim Thema Wechseljahre… Und nachdem sich aus dem Text herauslesen lässt dass die Symptome deutlich den Alltag beeinflussen würde ich auf jeden Fall nach weiteren Möglichkeiten der Behandlung suchen (und hierbei hat mir das Buch ungemein geholfen). Viel Erfolg bei deinem weiteren Weg

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