Post aus der Zukunft oder: Warum die Generation Facebook auch eine „echte“ Kindheit hat!

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Ein Gastkommentar von Isabelle Liemeyer

Nur lesen, wenn du vor 2025 geboren bist:
Kinder von heute sind keine echten Kinder mehr. Sie wissen nicht, was es heißt ein Gesellschaftsspiel zu spielen oder was ein echtes Buch ist. Wenn man sie fragt was ein Ball ist, denken sie an ein Computerspiel, wenn man ihnen eine Glühbirne zeigt, klatschen sie in die Hände um sie anzuschalten. Wie konnten wir Kinder des frühen neuen Jahrtausends nur aufwachsen? Wir hatten Atomstrom und Dioxinskandale, die Vogel- und die Schweinegrippe und die Autos unserer Eltern fuhren mit Benzin und Diesel! Unsere Glühbirnen verbrauchten enormen Strom und Computer waren so groß, dass sie einen ganzen Schreibtisch in Anspruch nahmen. Handyempfang hatte man nicht unbedingt überall und sie waren so groß und schwer, dass es ein Wunder ist, dass niemand sich einen Bruch gehoben hat.
Wir spielten im Verein Fußball und lernten ein Instrument in der Musikschule, statt es virtuell von zu Hause aus zu lernen.
Wir mussten zum Einkaufen das Haus verlassen und auch, um zur Schule zu gehen. Kindergärten hatten teilweise nur halbe Tage auf, den Rest der Zeit waren wir bei unseren Eltern. Wir besuchten unsere Freunde und sahen sie nicht nur via Skype. Wir konnten Wakeboarden und wussten, was Fersenroller sind. Wir konnten eine Tastatur benutzen und haben keine Texte der Spracherkennung diktiert. Wenn wir etwas gesucht haben mussten wir dafür das Internet selbst danach durchsuchen und uns eine Menge Schund durchlesen.
Wir wussten noch, wie ein Nutella-Brot schmeckt und dass Cola nicht gesund ist, dafür aber, dass man Wasser aus der Leitung trinken kann. Wir haben als Kinder schon Zeit vor dem Computer verbracht und gelernt diese Geräte zu beherrschen, aber auch, dass sie einen nicht selbst beherrschen dürfen. Mülltrennung musste uns niemand erklären, denn das war für uns eine Selbstverständlichkeit.
In der Schule gab es noch Stifte und Anspitzer und Hefte aus echtem Papier, außerdem Pausen in denen wir rausgehen und uns mit unseren Schulkameraden rumschlagen mussten.
Unsere Eltern konnten wir immer erreichen, auch wenn sie mal nicht in unserer Nähe waren und wir hatten deswegen keine Angst vor einer dunklen Heimfahrt oder auf einer Klassenfahrt.
Zu Hause mussten wir unsere Zimmer noch selbst aufräumen und auch Zähneputzen war Handarbeit. Nicht mal der Hintern wurde einem von einem Roboter abgewischt.
Wir hatten nicht:
– I Pad
– I Book
– I Bed
– I Robot
– I Car
– I Play
– I Talk
– I Shop
– I Eat
Dafür aber Freunde und Familie! Wir konnten sie oft anrufen und uns verabreden, oder einfach stundenlang miteinander chatten. Dabei tauschten wir Geheimnisse aus oder zeigten uns einfach spannende Fundstücke aus dem Internet oder Fotos die wir gerade gemacht hatten. Wir hatten Geschwister, mit denen man sich das meiste teilen musste und mit denen man super streiten, aber auch gegen die Eltern zusammenhalten konnte.
Unsere Generation hat eine Fülle von umwelt- und sozialbewussten Menschen hervorgebracht, die ein echtes Wort noch zu schätzen und ernstzunehmen wissen. Die nicht nur an sich selbst, sondern auch andere denken und die aus den Fehlern der vorigen Generationen gelernt hat. Wir sind Menschen, die Sicherheit zu schätzen wissen, aber nicht um jeden Preis. Die wissen, dass der Mensch eine globale Verantwortung trägt und dafür erst vor seiner eigenen Türe kehren muss. Wir wissen, dass die Welt in unseren Händen liegt und dass nur wir sie unseren Enkelkindern erhalten können.
Und DU gehörst auch dazu!! Sei stolz, ein erstes Kind eines neuen Jahrtausends zu sein und lass dich feiern!

Anm. d. Verf.: Jedes Kind ist ein Kind seiner Zeit und dafür kann es selbst nichts. Wenn wir eine gute Kindheit hatten, so ist das ein Glück, aber nicht unser Verdienst. Es gibt keinen Grund die Vergangenheit zu verklären und zu glauben, dass nur man selbst eine wahre Kindheit haben konnte, denn das glauben die Menschen schon seit hunderten von Jahren. Jeder sollte Respekt vor der Leistung der heutigen Eltern haben, die ihre Kinder in einer immer schnellebigeren Zeit großziehen und zu verantwortungsbewussten Menschen machen müssen, statt zu verbreiten, dass nur die Kindheit von vor 30 Jahren die bestmögliche Kindheit war und dass heutige Kinder eigentlich gar keine Kindheit mehr haben.

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3 Kommentare

  1. Das ist doch immer wieder das
    Das ist doch immer wieder das selbe, früher war alles besser… War es sicher auch, denn es ist doch meistens so, dass jeder das gut findet was er erlebt hat und wie es bei ihm war. Genauso werden die Kinder von 2025, 30 Jahre später auch sagen, das früher alles besser war!