Väter im Interview: Rechnet ihr mit Euren Frauen auf, wer es gerade schwerer im Leben hat?

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Ihr Lieben, heute haben wir uns die Jungs von New Dads on the blog geschnappt und mal nachgehorcht, wie das so ist, als junger Papa und wie ernst sie das mit der Gleichberechtigung so sehen und an was sie bei dem Wort „Mutterschaft“ eigentlich als Erstes denken müssen.

Thomas (Thomy) und Boris (Bo) beschreiben ihr Blog selbst so: „Es ist eine Art Mamiblog geschrieben von Daddy's, also kein klassischer Daddy-Blog der sich mit rein vaterspezifischen Themen beschäftigt.“ Es geht ihnen darin um die „ungeschminkte, bärtige Wahrheit. Weder weichgespült, geschönt, noch Mainstream.“ Und genauso sollte auch unser Interview werden. Lest selbst, ob das geklappt hat! Viel Spaß! 

Hey Ihr zwei, bei uns hier im Blog geht es recht oft um die weibliche Perspektive, wir hätten aber sehr gern mal einen Einblick von Euch. Wenn ihr an das Wort Mutterschaft denkt, was fällt euch da als Erstes ein?

Thomy: Umstellung und Veränderung. Das Mutterwerden und -sein ist sicherlich eine der einschneidensten Veränderungen im Leben einer Frau.

Bo: Thomy beschreibt es schon ganz gut, mir fällt spontan noch Verantwortung ein. Denn jede Mummy und natürlich auch jeder Daddy versteht ganz schnell, dass man für einen kleinen Menschen die Verantwortung trägt.

Nun ist es ja so, dass viele Mütter den größten Teil der Familienarbeit übernehmen. Aber es soll ja vereinzelt (angeblich 4%) auch Familien geben, in denen sich Vater und Mutter 50:50 aufteilen. Wie ist das bei Euch?

Thomy: In Sachen Elternzeit haben sich meine Frau und ich für das klassische Zweimonatsmodell entschieden, ganz im Gegensatz zu Boris. Soll aber nicht heißen, dass ich nicht trotzdem so viel Zeit wie möglich mit unserer Kleinen verbringe und auch meinen Anteil im Haushalt beisteuere. Momentan bin ich in Elternzeit und genieße es, die aktivste Zeit des Tages mit meiner Tochter zu verbringen. Für Bo gehört das ja bereits zum Tagesgeschäft.

Bo: Ganz richtig, Thomy hat es schon erwähnt, meine Frau und ich haben uns für das Modell „Gleichberechtigung“ entschieden, d.h. wir haben die Elternzeit genau geteilt. Meine Frau hat die ersten 7 Monate übernommen und ich habe die zweiten 7 Monaten übernommen, während meine Frau Vollzeit arbeiten geht. Das bedeutet für mich neben der Betreuung unserer Tochter auch, dass ich den kompletten Haushalt übernehme. Wie es zu der „ungewöhnlichen“ Entscheidung kam und gegen welche Vorurteile wir kämpfen mussten, dazu könnt ihr gerne meinen Artikel lesen.

Seid ihr dadurch nach der Geburt in Konflikte geraten?

Thomy: Da wir schon immer eine gleichberechtigte Beziehung hatten und sich daran auch nichts geändert hat, gibt es nicht mehr Konflikte als vor der Geburt.

Bo: Das sieht bei uns ähnlich aus und ich denke, es gehört zu einer gesunden Partnerschaft, dass man auch mal anderer Ansicht ist. Es gibt doch nichts Schöneres, als sich wieder zu vertragen. Aber ich muss auch sagen, dass meine Frau und ich – was unsere Tochter angeht –am gleichen Strang ziehen und fast immer der gleichen Meinung sind.

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Gab es auch bei euch schon mal die Diskussion darüber, wer von beiden – Mama oder Papa – es grad schwerer hat im Leben?

Thomy: Im Zweifel der Vater, der hat schließlich die „Doppelbelastung“. Nein, Spaß beiseite, natürlich gab es die und soweit ich mich erinnern kann, ist keiner von uns als klarer Sieger bzw. Verlierer davongegangen. Einer der Klassiker war sicherlich, wenn meine Frau einen eher stressigen Tag mit der Kleinen hatte und ich platt  von Arbeit kam und mit einem leicht genervten „Jetzt nimm du sie mal“ begrüßt wurde. Je nach Tagesform habe ich das dann schon mal vorwurfsvoll aufgenommen und dann ging sie los die Diskussion, wie gesagt, ohne Ergebnis. Wir verstehen unser Familienleben als Teamwork und ergänzen uns so gut es geht, je nachdem, was gerade ansteht wird einer von uns also immer mal den „Kürzeren“ ziehen.

Bo: Ja, bei uns gab es einen Moment. Die Diskussion ging von mir aus. Als Minou so richtig mobil wurde, kam ich eines Tages an meine Grenzen, wer von euch Müttern kennt es nicht? Mir ist dann so ein Satz wie „Du hattest es ja auch leicht, bei dir lag sie nur rum“ rausgerutscht. Da meine Frau mich jetzt schon sehr lange kennt, wusste sie den Satz richtig einzuschätzen und konnte sich denken, dass mein Tag @home sehr anstrengend war. Ich denke, solche Momente sind mehr als menschlich. Außerdem weiß ich ganz genau, was meine Frau für einen riesen „Job“ in den ersten sieben Monaten gemacht hat. Gerade die Anfangszeit nach der Entbindung und die Stillzeit sind eine große Herausforderung.

Vor einigen Tagen war ich auf einer Fachtagung zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Medienberufen. Es waren viele, viele Frauen da. Und genau drei Männer im Saal. Einmal der Kameramann, einmal der Quotenmann auf dem Podium und einmal der Mann der Veranstalterin. Kann es sein, dass Männer gar kein Vereinbarkeitsproblem haben?

Thomy: Individuell ist das sicher verschieden und auch zeitlich ganz von der persönlichen Lebensphase abhängig. Während meine Frau unsere Tochter, aufgrund ihrer Elternzeit, sicher häufiger sieht, so wird sich dies mit dem Ende ihrer Elternzeit auch ändern. Dann heißt es einmal mehr Teamwork und zwar nicht nur, wenn es um das Abholen bei der Tagesmutter geht. Meiner Meinung nach ist das klassische Vaterbild historisch gewachsen und die Gesellschaft nimmt es noch als gegeben hin, dass Väter ihre Kinder weniger sehen. Für den einen sicher eine willkommene Entschuldigung, für den anderen die Möglichkeit, die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Bestes Beispiel ist hier sicher Boris.

Bo: In unserer Gesellschaft ist dieses Rollenverständnis innerhalb der Familie über Jahrhunderte geprägt. Ich bin aber der Meinung, dass hier ein Umdenken stattfinden muss. Zum einen muss die Rolle der Väter innerhalb der Kinderbetreuung gestärkt werden und das sollte auf Akzeptanz stoßen und nicht, wie leider oft in der Arbeitswelt der Fall, auf Ablehnung. Es darf nicht ungewöhnlich sein, dass es auch Väter gibt, die den Job „Kind“ übernehmen, nur so kommen wir zu einer wirklich gleichberechtigten Gesellschaft. Das ist quasi eine Form der Emanzipation, die in diesem Fall die Männer betrifft. Eventuell sollten seitens des Staates Anreize geschaffen werden, damit ein Daddy mehr als die klassischen zwei Monate Elternzeit übernimmt. Ein tolles Beispiel hierfür ist Schweden, dort gewährt der Staat den Familien einen Bonus beim Elterngeld, sobald der Mann sich mehr in die Kinderbetreuung einbringt.

Wenn  ihr über eure Vaterschaft nachdenkt: Hattet ihr ein Rollenvorbild?

Thomy: Auch wenn es abgedroschen klingen mag, ganz klar mein Vater. Er war immer für mich da und stand jederzeit hinter mir. Auch wenn er beruflich stark eingespannt war, stand die Familie für ihn an erster Stelle. Die Zeiten waren andere und das klassische Vaterbild noch ausgeprägter als heute, dennoch war er sich auch für Fensterputzen oder die Rolle des Familienkochs am Wochenende nicht zu schade. Im Nachhinein hätte ich mir lediglich gewünscht, dass wir mehr gemeinsame Hobbys geteilt hätten, aber hey, hier kann man ja sein eigenes Bild der Vaterrolle entsprechend adaptieren. Ich sehe mich gemeinsam mit meiner Tochter schon beim Ballett J.

Bo: Ehrlich gesagt, hatte ich keinerlei Vorbilder, an die ich meine Art der Vaterschaft gekoppelt habe. Das bedeutet nicht, dass mein Vater oder mein Stiefvater einen schlechten Job gemacht haben, ganz im Gegenteil.

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Falls nein, wann war das erste Mal, das ihr dachtet: Okay, ich glaub jetzt haben wir uns eingegroovt und ich meine Rolle als Vater gefunden?

Bo: Ich kann mich da genau an eine Situation erinnern, meine Frau startete nach ihrer Elternzeit von 0 auf 100% und ging direkt wieder Vollzeit arbeiten. Schon in einer der ersten Wochen musste meine Frau beruflich verreisen und ich hatte richtig Angst vor den Nächten, denn Minou hatte bis zu dem Zeitpunkt kein Fläschchen akzeptiert und meine Frau stillte nachts noch. Jetzt blieb uns keine andere Wahl, da mussten wir durch, ich hatte mich schon auf stundenlanges Herumtragen eingestellt, doch nix davon wurde wahr, Minou trank die abgepumpte Milch aus der Flasche, ich habe die Tage komplett alleine gemeistert. Das war sozusagen unsere „Generalprobe“.

Ich vermute, ihr wart bei den Geburten eurer Kinder dabei. Wie war das für euch und denkt ihr noch oft daran zurück?

Thomy: Bei uns war von Anfang an klar, dass ich meine Frau in den Kreißsaal begleite. Wir hatten eine tolle Beleghebamme, der wir absolut vertraut haben und die meine Frau nicht hätte besser durch die Geburt begleiten können. Mein lächerlicher Anteil bestand nunmehr darin, mit meiner Frau die Treppenhäuser der Klinik unsicher zu machen und sie mit allen Kräften sowie motivierenden Worten zu unterstützen. OK, um ausreichend Süßigkeiten und kalte Softdrinks habe ich mich auch noch gekümmert. Für mich als Mann war die Geburt als solches total überwältigend. Über 40 Wochen habe ich den Bauch meiner Frau wachsen sehen, bei jedem Arzttermin mitgefiebert und gefühlte 20 Wochen die Hand darauf gehabt und dann, von einem Moment auf den anderen ist da dieser neue „Roommate“. Ich habe wirklich riesen Respekt vor dieser Wahnsinnsleistung meiner Frau und ziehe den Hut vor allen Müttern da draußen. Und klar denkt man ab und an noch an die Geburt zurück, vor allem, wenn man sich vor Augen hält, wie schnell die Zeit vergeht.

Bo: Es war der tollste Tag in meinem Leben, ich weiß, das klingt etwas abgedroschen, aber es ist halt so. Während der Zeit im Kreißsaal kam ich mir sehr hilflos vor. Mir war ganz schnell bewusst, dass ich als Mann, der gerne die Richtung vorgibt, mich hier komplett zurücknehmen muss. Ich habe mich darauf konzentriert, meine Frau zu unterstützen und ihr beizustehen. An das Gefühl, als Minou dann endlich auf die Welt kam, kann ich mich genau erinnern und auch fühlen, nur wirklich in Worte fassen, kann ich es nicht. Wenn ich es aber beschreiben müsste, hat es sich angefühlt, als ob in diesem Moment ein warmer Mantel aus Liebe über unsere kleine Familie gelegt wurde.

Was ist das, was Euch am Vatersein am meisten überrascht hat?

Thomy: Wie schnell man in diese Rolle hineinwächst, auch ohne tausend Bücher zu dem Thema gelesen zu haben und wie wenig man sein ‚altes’ Leben vermisst.

Bo: Thomy hat das sehr schön gesagt, für mich war auch die größte „Überraschung“, dass man intuitiv das Richtige tut ohne jegliche Erfahrung vorher.

Noch expliziter: Wie hat euch das Vatersein verändert?

Thomy: Man ist auf einmal nicht mehr nur für sich selbst zuständig, sondern hat Verantwortung für ein kleines Menschenleben und dies verändert einen in vielerlei Hinsicht. Ob es nun ist, dass man beim Fahrradfahren auf einmal einen Helm trägt oder beginnt, seine Prioritäten neu zu definieren.

Bo: Da muss ich Thomy mal ein bisschen einbremsen, wir haben extra für euch einen Artikel zu dem Thema verfasst. Ich kann  aber so viel sagen, dass ich durch meine Tochter viele Dinge über mich selbst gelernt habe.

Ihr habt euch überlegt zu bloggen. Warum? Um all das Geschehene zu verarbeiten, als eine Art Selbsthilfegruppe? Oder um euch für eure Vaterschaft abfeiern zu lassen? 😉

Bo: Die Idee mit meinem Instagram-Account ist eher aus einer Laune heraus geboren. Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass es so viele Leute interessiert. Und noch weniger hätte ich gedacht, dass es so viele Frauen interessiert. Nachdem dann die ersten Artikel auf anderen Blogs so gut ankamen, habe ich über einen Blog nachgedacht und mit Thomy diese Idee jetzt umgesetzt.

Thomy: Selbsthilfegruppe unterschreibe ich, es ist einfach schön, sich mit anderen Müttern und Vätern auszutauschen und festzustellen, dass wir alle mehr oder weniger vor die gleichen Herausforderungen gestellt werden. Darüberhinaus entwickeln sich auch schöne Freundschaften. Aber hey, so ganz nebenbei freut man sich natürlich auch, wenn die ein oder andere Mutter da draußen auch einen positiven Kommentar für die eigene Umsetzung der Vaterschaft übrig hat.

 

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2 comments

  1. Beruf
    Cooles Interview und tolle Papas. Mich würde interessieren, was denn die Papas und Mamas beruflich machen. Klar ist es toll für alle, wenn der Papa Elternzeit nimmt, aber dann muss die Frau auch entsprechend gut verdienen. Da mein Mann mehr als das Doppelte als ich verdient, kam das Modell der Gleichberechtigung finanziell einfach nicht in Frage. Auch stelle ich es mir ziemlich verwirrend für die kleine Minou vor, dass die ersten sieben Monate fast nur die Mama bei ihr war und dann von einem Tag auf dem anderen plötzlich fast nur der Papa. Ich kann mir vorstellen, dass diese Veränderung nicht alle Babies gleich gut verkraften. Und so plötzlich abstillen, nur um wieder zu arbeiten, finde ich auch schade. Die Elternzeit ist sowieso schon so kurz. Ist der super schnelle Wiedereinstieg in den Job wirklich so wichtig? Das Hamsterrad ruft. Aber wenn alle damit happy sind, dann passt es ja.