Mutterschaft: Unsere Rolle im Kapitalimus und Patriarchat

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Für eine gute Mutterschaft braucht es eine Revolution, findet Linda Biallas. Sie setzt sich mit Mutter, schafft: Die Rolle der Mutter im Kapitalismus und Patriarchat: ein Aufruf zur Revolution für mehr Gerechtigkeit ein.

Liebe Linda, wie war das für dich, als du Mitte Zwanzig mitten im Studium ungeplant schwanger wurdest, was waren deine ersten Gedanken dazu?

Meine ersten Gedanken? Ich glaube, ich war vor allem erschrocken. Und erfreut. Ungeplant schwanger werden, ich glaube das ist etwas, von dem man immer denkt, dass es nur den anderen passiert. Bis es einem selbst dann doch passiert.

Viele glauben an die Gleichberechtigung von Mann und Frau – bis sie Kinder kriegen und merken, Stopp, so weit sind wir leider noch gar nicht. Wie war das bei dir?

Bei mir war das ganz ähnlich. Mir war zwar schon klar, dass man als Frau nicht zu 100 Prozent gleichberechtigt ist, aber vor dem Kinderkriegen kann man ja doch einiges sozusagen ausgleichen, in dem man sich mehr Mühe gibt. Was mir nicht klar war: wie konservativ unsere Gesellschaft ist, trotz aller Debatten um „moderne Vaterschaft“ und „gemeinsame Elternschaft“. Und wie sehr das Standardmodell der bürgerlichen Kleinfamilie verankert ist, in dem der Vater den ganzen Tag im Büro ist, und die Mutter sich um die Kinder kümmert, und nach der Scheidung dann in Altersarmut ist.

Ich war überrascht, und auch erschrocken, wie häufig erwartet wird, dass Frauen die Nachteile der Mutterschaft mit einem Lächeln auf den Lippen in Kauf nehmen, und darüber, wie wenig individuelle und gesamtgesellschaftliche Absicherung es für Mütter gibt, sowohl in Bezug auf Freizeit von der Care-Arbeit haben, als auch in Bezug auf das Ökonomische, die mangelnde finanzielle Absicherung. Gerade als damals alleinerziehende Mutter war von der Gleichberechtigung von Mann und Frau wenig zu spüren.

Du hältst Frauen – insbesondere Mütter – für ausgebeutet und unterdrückt. Inwiefern?

Das finde ich eine total spannende Frage, weil es einigerseits ja total auf der Hand liegt, inwiefern Frauen unterdrückt, Mütter ausgebeutet werden. Trotzdem ist vieles davon so üblich in unserem Leben, dass es uns fast normal vorkommt. Aber es sollte eben nicht normal sein, wie hoch die Zahlen in Bezug auf sexuelle und häusliche Gewalt gegen Frauen sind, dass jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet wird, dass Frauen auch in 2022 mit sexistischen Rollenklischees begegnet wird, dass Frauen 18 Prozent weniger verdienen als Männer und im Alter 53 Prozent weniger Rente bekommen.

Welche Gründe siehst du dafür, dass Strukturen erhalten bleiben, die Frauen mit Kindern in unserer Gesellschaft benachteiligen?

Biallas Foto Linda Biallas
Linda Biallas

Im Prinzip ist die Situation ja so, dass Frauen für die Care-Arbeit, die sie in der Familie leisten, weder Geld, noch Absicherung für das Alter, noch Anerkennung bekommen. Gleichzeitig sorgt diese Care-Arbeit sowohl dafür, dass eine neue Generation Lohnarbeiterinnen und -Arbeiter entsteht, als auch dafür, dass, wenn man so will, der Familienvater fit, regeneriert und wohlgenährt genug ist, um seine Lohnarbeit zu erledigen, wovon ja nicht nur der Ehemann selbst, an den ja auch in der Regel ja viel geringere Ansprüche gestellt werden, wenn es um Care-Arbeit geht, profitiert, sondern letztendlich auch sein Arbeitgeber, der einen fitten Mitarbeiter bekommt, der zum Profit des Unternehmens beiträgt.

Die klassische Hausfrauenrolle, und auch die Mutter als Zuverdienerin hat dann also, auch wenn sie Zuhause Care-Arbeit macht, eine ganz konkrete Position auch in Bezug auf die Wirtschaft inne. Eine Position, in der sie in Bezug auf die Wirtschaft nur gibt, und nicht zurückbekommt. Hier tragen natürlich sowohl die konkreten politischen Rahmenbedingungen, zum Beispiel das Ehegattensplitting, aber auch der Hintergrund der historischen Entwicklung von Patriarchat und Kapitalismus, sowie unsere Vorstellungen davon, wie Frauen und Mütter sein sollten, dazu bei, dass sich wenig verändert.

Wie ließe sich die Lage für Frauen verändern und verbessern?

Einerseits kann man natürlich innerhalb des bestehenden Systems die Zustände verbessern. Dazu gibt es ja verschiedene gute Ideen, zum Beispiel den Gender-Pay-Gap schließen, ein familienfreundliches Steuersystem, keine Gehaltsabzüge, wenn das Kind krank ist, die 30-Stunden-Woche für Eltern. Wichtig ist hier natürlich, dass man alle Frauen mitdenkt. Eine alleinerziehende Mutter, die Mindestlohn verdient, wird die Freizeit, die entsteht, wenn sie bei vollem Lohnausgleich nur noch 30 Stunden arbeiten müsste, nicht zur Entlastung nutzen, sondern sich einen zweiten Job suchen, weil sie von Armut betroffen ist.

Wir müssen aber auch darauf schauen, wo die Lage von Frauen auch ursächlich mit unserem System zusammenhängt., wo die missliche Lage von Frauen und Müttern durch das System erst hervorgebracht wird. Wenn wir grundlegend die Lage von Frauen, und die Lage von anderen von Ausbeutung und Unterdrückung betroffenen Personen verändern wollen, und eine faire und solidarische Gesellschaft anstreben, müssen wir gucken, inwiefern Ausbeutung und Unterdrückung auch deswegen existieren, weil der Kapitalismus, das Patriarchat, davon profitiert. Auch darum geht es in meinem Buch.

In deinem Buch fragst du dich, was überhaupt eine „gute Mutter“ ist, hast du darauf Antworten gefunden?

Ich denke es gibt eigentlich zwei verschiedene Sachen, die gemeint sein können, wenn wir über die „gute Mutter“ sprechen. Einerseits ist das die gesellschaftliche Vorstellung von der „guten Mutter“, die dem Baby natürlich immer Brei aus Bio-Gemüse selbst gekocht hat, und total gerne mit dem Kind spielt und nie den Fernseher anmacht. Dann ist die „gute Mutter“ die, die möglichst viel von diesen Vorstellungen von der Mutterrolle erfüllt.

Andererseits, und das sage ich jetzt auch als Sozialpädagogin, gibt es ja schon einige Dinge, die für ein gutes Aufwachsen von Kindern förderlich sind. Auf die Bedürfnisse von Kindern eingehen, sie liebesvoll begleiten, und so weiter. Aber was das genau bedeutet, gestalten Familien selbst aus, und es wird auch durchaus von historischen, kulturellen, sozioökonomischen Faktoren beeinflusst.

Hier ist die „gute Mutter“ dann die, der es gelingt, durch diese Bindung das Kind beim Heranwachsen zu begleiten. Aber das heißt eben nicht, dass sie einem gesellschaftlichen engen Rollenmodell von Mutterschaft folgen muss, dass sich vor allem die Mutter für die Kinder aufopfern muss, dass die Bindung leidet, wenn die Mutter arbeiten geht, dass man Wolle-Seide-Bodys kaufen muss, oder teures Holzspielzeug.

Ich denke, gelingende Elternschaft heißt auch, dass auch die Mutter als Individuum zählt, dass ihre Bedürfnisse zählen, was ja auch in Bezug auf die Elternbeziehung ein wichtiger Punkt in Bezug auf die Augenhöhe in der Beziehung ist. Außerdem können Väter sich genau so gut wie Mütter um die Kinder kümmern, mit ihnen in Beziehung stehen, für sie da sein.

Wo stößt du in deinem Kampf um Augenhöhe an deine eigenen Grenzen?

Wenn es darum geht, Augenhöhe herzustellen, brauche ich letztendlich ein Gegenüber, dem auch daran gelegen ist, Augenhöhe herzustellen. Wenn mein Gegenüber sowieso denkt, dass ich ihm unterlegen bin, weil ich eine Frau bin, oder dass ich beruflich unter ihm stehen sollte, weil ich Mutter bin, dann kann ich versuchen, was ich will, ich werde mitunter nicht erreichen, dass er mich als Person auf Augenhöhe wahrnimmt, egal wie viel Mühe ich mir gebe.

Was wären deine Wünsche für eine gerechtere Gesellschaft, für die Zukunft unserer Töchter (und Söhne!)?

Ich wünsche mir für unsere Töchter eine Zukunft ohne Geschlechterklischees, eine Gesellschaft, in der Mädchen und Frauen tatsächliche Augenhöhe erreicht haben, eine solidarische Gesellschaft, in der nicht nur Mütter materiell abgesichert sind, sondern auch über die Rahmenbedingungen verfügen, sich aus für sie nachteiligen Verhältnissen zu befreien. Eine Gesellschaft, die nicht nur „bessere Vereinbarkeit“ von Familie und Beruf verwirklicht, sondern sowohl Ressourcen gereicht verteilt, als auch Zeit und Raum für Freizeit, Erholung, Bildung, Gemeinwesen und persönliche Interessen für alle ermöglicht.

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41 comments

  1. Grundsätzlich sind die Probleme, die die Autorin anspricht, durchaus relevant.

    Ich glaube dennoch, dass eine moderne Analyse der Verhältnisse ohne angestaubte und ideologisierte Begriffe wie „Kapitalismus“ und „Patriarchat“ auskommen sollte.

    Man braucht nicht auf die Gedankenfiguren des alten Marx zurückzugreifen, um aktuelle Probleme anzusprechen.

    1. Naja, ich glaube, dass sie genau das in ihrem Buch tut…hab’s noch nicht gelesen .
      Dass sie die alten Glaubensmuster kritisch hinterfragt und aufzeigt , wo sie heute noch aktuell sind.
      Und letztendlich sieht man doch an den bisherigen Kommentaren, wie der Verhaltens- und Werte Kanon für Frauen angeblich auch heutzutage auszusehen hat:
      Verhalte dich still, beschwere dich nicht, Jammer nicht rum (anderen gehts schließlich noch schlechter), Stell dich hinten an, fordere nichts ( oder wenn , dann ist es mutig – warum ist es für Frauen mutig , wenn es gleichzeitig für Männer normal ist ?!)
      Nimm dich nicht so wichtig, lächle , nicke, sei brav. Mach weiter, bis du nicht mehr kannst.
      Und im Hinblick auf den heutigen Artikel:
      Benenne Gewalt nicht, wenn sie dir widerfährt, schließlich hast du ein gesundes Kind dafür bekommen.
      Es läuft immer wieder darauf hinaus, dass Frauen, ihr Empfinden , ihr Schmerz, ihre Wünsche , Ängste , Sorgen, Bedürfnisse nicht ernst genommen werden.
      Und das muss benannt werden , immer wieder , weil sich sonst nie was ändert.

      1. Liebe Julia,

        es gibt ja auf jedes Thema unterschiedliche Perspektiven und auch wenn Menschen in der gleichen Umgebung leben, so sind wir doch alle in unserer Welt.

        Dass, was ich und auch andere wie z.B. Franziska geschrieben habe, hat nichts mit einem Appell zum „Still sein“ zu tun. Natürlich muss man Missstände benennen, aber es hilft doch auch immer wieder die eigene Rolle und das eigene Verhalten zu reflektieren. Im Großen und Ganzen ist Deutschland ein gleichberechtigtes Land, natürlich gibt es Missstände und Ungerechtigkeiten, aber es hilft auch nichts, immer das schlechte zu fokussieren und nur weil man Dinge benennt, ändert sich auch wenig. Dann muss man sich auch entsprechend einbringen.

        Ich möchte nicht für meine Care-Arbeit entlohnt werden. Ich bin auch kein Opfer. Ich erwarte auch keine Belohnung, weil ich Deutschland vor der Vergreisung schütze. Ich arbeite voll, habe aktuell drei Kinder und das Leben ist wunderbar, natürlich auch manchmal schwer, aber das ist das Leben und ich habe es mir so ausgesucht. Ja, im Vergleich zu anderen bin ich sicherlich privilegiert, ein Privileg ist sicherlich auch die Tatsache, dass ich nicht alles als Angriff des Patriarchats begreife. Manches läuft mal schief, aber das geht ja nicht gegen mich persönlich und es gibt auch keine Garantie darauf, dass alles immer leicht ist. Und nun den Vorwurf rauszuholen, dass ich in tradierten Rollenmustern verhaftet bin, halte ich auch nicht für angemessen.

        Und zu dem Thema „30 Stunden Woche“ bei vollem Lohnausgleich. Wie sollen das Unternehmen in der aktuellen wirtschaftlichen Situation bei den steigenden Erzeuger- und Energiepreisen wuppen? Klar, man kann natürlich nun ausführen, es ist ja auch Geld für vieles andere da und das stimmt, aber der Staat sind letztendlich wir und die arbeitende Bevölkerung kann nicht alles schultern. Und so sind wir wieder bei der Eigenverantwortung und der Tatsache, dass Entscheidungen Konsequenzen haben. Wie ich schon skizzierte, habe ich Freundinnen und Bekannte, die es sich in ihrer Teilzeittätigkeit mit Kindern gut eingerichtet haben und das sei ihnen auch gegönnt. Würde nun aber eine Trennung anstehen, so liefe dies sicherlich auf sehr prekäre Situationen heraus und vor dieser Gefahr werden die Augen verschlossen. Aber auch das hat dann wieder etwas mit Eigenverantwortung zu tun. Es ist schwierig, nur den Nutzen zu individualisieren und die Risiken dann kollektivieren zu wollen.

        1. Liebe Jojo, ich musste gerade sehr schmunzeln über deine Aussage „ich möchte nicht für meine Carearbeit entlohnt werden“. Da sind wir doch gleich beim typisch weiblichen Glaubenssatz vom stillen Mädchen, das so was gern zu machen hat und dafür bloß keine Gegenleistung entgegen nehmen darf. Welcher Manager würde eine zusätzliche Entlohnung seiner Arbeit dankend ablehnen, ala das kann ich doch nicht annehmen, die arme Gesellschaft, wie soll die das finanzieren. Der würde sich doch auch das größte Stück vom Kuchen angeln und gleich noch ein paar Kumpels dazuholen, damit die auch noch absahnen.
          Zur 30 Stunden Woche: es gibt meines Wissens einige Studien, die belegen, dass Unternehmen erfolgreicher sind und die Mitarbeiter zwar kürzer aber effektiver arbeiten. Ich glaube so ein großer Verlust wird das nicht für die unternehmen.

          1. Ich finde, Väter und Mütter sollten sich um ihre Kinder kümmern, ohne dafür bezahlt zu werden. Kinderkriegen ist doch kein Job, sondern eine persönliche Entscheidung. Keiner stellt dich dafür ein. Was für ein Glaubenssatz steckt denn hinter der Äußerung vom „stillen Mädchen, das sowas gern zu machen hat?“ Niemand wird zum Kinderkriegen gezwungen.
            30 Stunden-Woche für alle fände ich dagegen auch super. Aber wie Jojo halte ich das auch eher für illusorisch. Es gibt ja nicht nur Firmen, wo Leute am Computer sitzen und Ideen produzieren, was vielleicht auch in weniger Stunden ginge. Als Lehrerin, Polizist, Pfleger, Verkäuferin usw geht es dagegen knallhart nach Stunden, und da herrscht überall Personalmangel. Das ist auch so ein romantischer Glaubenssatz, dass die meisten idyllisch im homeoffice sitzen und es auf ein paar Stunden mehr oder weniger nicht ankommt 😉

          2. Liebe Betty,

            hmmm, das wird jetzt tatsächlich ein wenig küchenpsychologisch, polemisch und gleichzeitig persönlich.

            Ich habe mich bewusst mit meinem Mann für Kinder entschieden. Ich erwarte vom Staat, dass grundsätzlich Rahmenbedingungen bestehen, die eine qualifizierte externe Betreuung respektive Schule gewährleisten. Dies ist in der Stadt, in der ich lebe, absolut gegeben. Trotzdessen machen Kinder aber natürlich viel Arbeit und verändern das Leben. Und das ist gut so!

            Ich hänge keinem Glaubenssatz vom stillen Mädchen hinterher. Ich habe eine andere Einschätzung dazu, was die Gesellschaft tragen muss und dass Eigenverantwortung ein großer Wert ist, den wir auch in unserer Erziehung vermitteln.

            Und das Bild vom Manager – ist jetzt aber auch sehr old school und polemisch – welcher Glaubenssatz ist das denn? Ich bin selbst Führungskraft – die Realität sieht an vielen Stellen anders aus.

            Und was die Studien zur 4-Tage-Woche betrifft – die kenne ich auch. Aber die basieren alle auf einem sehr privilegierten Umfeld – was ist mit Fabriken, Einzelhandel – da funktioniert die Rechnung so nicht und es gibt auch noch diverse andere Fragezeichen bei den Studien.

            Also, sei glücklich und lebe dein Leben, aber bitte erzähle mir nicht, dass ich einfach zu doof und einfach gestrickt bin, um zu verstehen, dass ich eigentlich ein Problem haben müsste. Ich habe keines und wenn ich eines habe, dann löse ich das.

      2. @Julia, das stimmt doch gar nicht! Du wirfst die Kommentare, die ja nun sehr divers sind und ein breites Spektrum von Meinungen vertreten, völlig vereinfachend in einen Topf. Ich glaube, Du siehst auch nur, was zu Deinem vorgefertigten Weltbild passt. Also nochmal: es gibt nicht: DiE Frauen. Einige finden sich vielleicht in dem wieder, was Du schreibst, andere (ich zum Beispiel) überhaupt nicht! Eventuell gelten die „alten Glaubensmuster“ nur für die, die sich den Schuh anziehen. Wer zwingt Dich denn, zu lächeln und still zu sein und zu machen, was von Dir erwartet wird? Was passiert, wenn Du es nicht tust? Könnten sich dann vielleicht doch neue Horizonte eröffnen? Hast Du Angst davor?

        1. Krasse Sache , dass das jetzt als mein privates Problem angesehen wird .
          Ich rede gar nicht von mir .
          Ich rede von den Patientinnen , die ich täglich sehe und denen es entsprechend schlecht geht .
          Ich gebe zu, dass ich da natürlich einen gewissen selection bias habe, denn die, bei denen es flutschst , die sehe ich ja nicht .
          Ich könnte hier viele Geschichten erzählen , wie Kolleginnen im Klinik Betrieb behandelt/ausgebremst wurden , wie auf der anderen Seite Patientinnen nicht ernst genommen werden.
          Es ist zb bekannt , dass eine Frau mit Herzinfarkt ein signifikant höheres Sterberisiko hat , wenn sie in der Notaufnahme zuerst einem männlichen Arzt begegnet.
          Aber das lass ich jetzt.
          Aus gutem Grund bin ich sonst nie aktiv im Internet unterwegs, es ist mir einfach zu blöd.

          1. @Julia: ich kann mich dir nur anschließen, vieles ist weniger individuell, sondern tatsächlich universell für Frauen als Kollektiv. Ich kann allen Interessierten das Buch „Unsichtbare Frauen“ empfehlen.

  2. Ich finde die Diskussion und die Kommentare hier sehr interessant und ich habe das Gefühl, dass das Thema die meisten Mütter/Frauen/Familien in irgendeiner Form bewegt. Was mich wirklich im Detail interessieren würde: in welchen Berufen herrscht dieses krasse Ungleichgewicht bei den Löhnen? Mir ist schon klar, dass das Ungleichgewicht größer wird, desto höher die Karriereleiter ist. Aber dieser Staat wird doch hauptsächlich von „normalen Arbeitern“ finanziert. Und bitte nicht abwertend verstehen, ich gehöre da selbst dazu. Ich komme aus einer Zeit, in der eine 3jährige klassische Ausbildung mit regelmäßigen Fortbildungen gereicht hat, um gut zu verdienen. Verdient eine Dame beispielsweise im Einzelhandel oder im öffentlichen Dienst wirklich weniger als die männlichen Kollegen? Es gibt in vielen Branchen doch Tarifverträge.
    In jedem Fall eine spannende Diskussion. Im Übrigen kenne ich auch einige Personen (Frauen und Männer), die gewollt kinderlos geblieben sind und nach 25 Berufsjahren bewusst in Teilzeit gegangen sind. Die würde man wahrscheinlich kaum als „nur“ Hausfrau/Hausmann bezeichnen. Da schließt sich dann vielleicht doch wieder der Kreis, dass hauptsächlich uns Müttern abverlangt wird, dass wir alles schaffen sollen. Ich weiß es nicht… das Thema triggert mich persönlich doch mehr als ich gedacht hätte. Das geht euch evtl nicht anders

    1. @Isa: meine subjektive Erfahrung aus dem Freundeskreis lässt sich so zusammenfassen: bei Neueinstellungen von Männern wird eher/bereitwilliger geschaut, wie das Wunschgehalt in der entsprechenden Entgeltgruppe erreicht werden kann. Die Berufserfahren starten bspw. in der 2. oder 3. Erfahrungsstufe und diese macht oft einige Hundert Euro aus. Es sind zwar keine großen Sprünge, aber einen Unterschied gibt es trotzdem. Ich selbst habe einige Male den Arbeitgeber gewechselt, bin jedoch immer in der 1. Erfahrungsstufe gelandet. Die Begründung war stets: ich wäre bei diesem Arbeitgeber ja neu. Meinen Freundinnen ergeht es ähnlich. Selbstverständlich werden auch Frauen in die höheren Erfahrungsstufen eingruppiert, subjektiv muss die Frau aber hartnäckig sein und gut begründen, dann klappt es vielleicht, während bei Männern einfach geschaut wird wie die beiden Seiten schnell zusammenkommen können.

  3. Ich finde es schon lustig, wie Frauen, die offensichtlich die „gewollte/typische“ Familienkonstellation leben (sie hat die meiste Carearbeit, arbeitet, wenn überhaupt nur ein bisschen, er bringt das Geld nach Hause), sich anmaßen, zu wissen, ob Frauen bei der Karriere übergangen werden oder nicht. Das Problem ist nicht der Mann, der nicht Teilzeit arbeiten möchte, sondern die Frau, die nicht genügend Geld mit nach Hause bringen kann, um diese Konstellation zu wählen, weil sie ab Ende 20 beim AG in die Schublade „wird eh bald schwanger, brauche ich nicht mehr fördern“ gesteckt wird. Während der Mann weiterhin die Möglichkeit hat aufzusteigen, wird die Frau übergangen. Sie hat somit gar nicht die Chance, entsprechend ein Gehalt zu bekommen, um dann später mit Kindern das Haupteinkommen zu erwirtschaften oder mit dem Mann halbe-halbe zu machen. Das geht doch schon viel früher los und nicht erst wenn das Kind da ist. Und das hat auch nichts mit der Partnerwahl zu tun!
    Außerdem verstehe ich nicht, warum man eine Veränderung vehement ablehnt. Wäre doch toll, wenn eine 30-Stunden-Woche eingeführt wird. Ob ich dann als Vollblutmama 30 Stunden arbeiten will oder nicht, das kann ich ja selbst entscheiden. Aber ist ja auch schön, wenn mein vollzeitarbeitender Mann früher daheim ist oder – verrückte Vorstellung: Ein Tag in der Woche frei hat! Wieso müssen wir Frauen uns immer gegenseitig im Weg stehen und jede positive Veränderung schlecht reden. Wieso können wir nicht zusammenhalten, zumal vor allem bei der 30 Stunden Woche auch die Vollzeitmama profitiert. Oder seid ihr froh, wenn eure Männer möglichst wenig daheim sind?
    Und zum Thema Frauendiskriminierung in anderen Ländern: Ja, die sind natürlich schlimmer als unsere Themen. Und jetzt? Gehen wir alle wieder brav zurück zu unserer Carearbeit, weil in Iran ist es ja schlimmer. Oder – auch verrückte Idee- machen es bei uns noch besser, damit Frauen im Iran sehen, was alles sein kann und noch mehr Grund haben, gegen ihr Regime zu kämpfen. Quasi wir als Role-model.

    1. Wie kommst du denn darauf? Gerade das meinte ich! Warum soll der Mann immer Vollzeit arbeiten???
      Mein Mann und ich haben vor jedem Kind (und dann nochmal nach jedem Kind;) darüber geredet, wie sich jeder die Aufteilung vorstellt – und dann haben wir uns geeinigt. Er übernimmt aktuell drei Nachmittage mit den Kindern, ich zwei.
      Er ist aber auch kein „Ich-würde- ja-in -Teilzeit -gehen, -aber -es -geht- ja -nicht- Typ“, sondern hat sich diese Teilzeit (und die 4Monate Elternzeit davor) schon erkämpfen müssen.
      Dass das nicht sein darf, ist natürlich klar!
      Und wir hätten tatsächlich wohl mehr Geld, wenn er voll und ich nur halb arbeiten würde…auf dieses mehr Geld verzichten wir aber für unsere Berufs-und Familienzufriedenheit!

      Dass nicht immer jeder die Wahl hat, ist natürlich richtig! Aber dieses Jammern, dass alle im Arbeitsleben gemein zu Müttern wären und die alle Vollzeit arbeiten würden, wenn sie nur dürften, halte ich für völlig unrealistisch!

    2. Ich stimme Ihnen zu, Betty. Danke, dass Sie das so treffend benennen und auf die wichtigen Punkte bringen!
      Einen Gedanken möchte ich noch benennen. Mutterschaft und Elternschaft sind nicht statisch. Bedürfnisse, Partnerschaften, finanzielle und gesellschaftliche Voraussetzungen und vieles mehr verändern sich im Laufe eines Kjnderlebens. Ich wünsche den Familien und Kommentatorinnen, die gleichberechtigte Voraussetzungen erleben dürfen, dass es so bleibt! Und ich wünschte mir, dass sie dennoch Frauen und Familie Verständnis entgegen bringen, die das nicht Leben dürfen. Der öffentliche Diskurs dazu sollte nicht als „Opferrolle“ missverstanden werden.

  4. Liebe Mamas! Noch ein Buch, das uns Mamas unter Druck setzen möchte. Lest ihr in diesem oder irgendeinem anderen „Ratgeber“ euren Namen oder den eurer Familienmitglieder? Nein? Dann legt diese Bücher weg und genießt stattdessen die Zeit mit euren Liebsten. Gesellschaftliches Ungleichgewicht wird es immer geben. Statt zu hoffen, dass es die Mädchen später mal besser haben, sollten wir sie stark machen, dass sie irgendwann das Leben leben können, das sie sich wünschen. Ich habe 3 Töchter (6,4,3 Jahre alt). Mein Mann und ich begleiten sie so, dass sie starke Persönlichkeiten werden, egal ob mit großer Karriere oder als Vollzeitmama. Oder irgendwas dazwischen… es gibt doch nicht nur schwarz und weiß. Vielleicht liest ja eine Iranerin diesen Artikel. Oder eine andere Frau aus einem der Länder, in denen Frauen gar keine Rechte haben. Globalisierung bedeutet vielleicht manchmal auch, über die eigenen Grenzen zu schauen. Und die eigenen Kinder stark machen heißt auch, nicht auf die Gesellschaft zu schimpfen, sondern es selbst anzupacken. Vielleicht schreibt ihr auch einmal über einen Papa, der dem gesellschaftlichen Druck nicht stand hält. Oder über ein Kita-Kind, das ungefragt stundenlang von Mama und Papa getrennt ist und von kleinauf auch einem gesellschaftlichen Druck ausgesetzt ist. Liebe Mamas, lasst uns einfach mehr zusammen halten anstatt unsere wenige Freizeit mit dem Lesen solcher Bücher zu verbringen.
    Kurz zu mir um klarzumachen, dass ich weder naiv noch unterwürfig bin: ich bin 40 und habe erst mit knapp 34 mein erstes Kind bekommen. Bis dahin war ich fast 15 Jahre Vollzeit berufstätig. Ich war auch lange Zeit der Meinung, dass ich mich dem gesellschaftlichen Druck beugen muss und schnell wieder arbeiten muss. Das habe ich bis zu dem Zeitpunkt getan, bis ich vor den Augen meiner 3 kleinen Kinder in einer akut lebensbedrohlichen Situation zusammengebrochen bin. Deshalb bleibt gesund und gebt gut auf euch acht. Eure Familie braucht euch

  5. Liebe Stef,

    ich habe bewusst von dem Betreuungsmöglichkeiten hier in der Stadt gesprochen und die berücksichtigen doppelte Erwerbstätigkeit. Ich bin sicherlich in einer durchaus privilegierten Situation und der bin ich mir auch bewusst. Und wie ich auch ausführte, gibt es sicherlich viele Frauen, die es schlecht haben, aber es sind nicht alle und es ist sicherlich nicht mal die Mehrheit. Was ich jedoch beobachte, ist ein Trend, die Gesellschaft für das eigene Schicksal verantwortlich zu machen. Das mag es manchmal einfacher machen, aber manchmal muss man sich eben auch eingestehen, das eigene Entscheidungen zu Konsequenzen führen. Und damit meine ich explizit nicht Menschen, die sich um kranke Angehörige und Kinder mit besonderen Bedürfnissen kümmern. Das kann keiner planen und hier braucht es natürlich Unterstützung.
    Aber wenn ich mich z.B. entscheide in Teilzeit zu arbeiten, dann wird das mit dem Vorstandsposten im DAX-Konzern wahrscheinlich eher nichts.
    Und dass Frauen jetzt aktuell überall benachteiligt werden, das kann ich nicht sehen. Das Leben ist nicht immer einfach, aber immer das Patriarchat hervorzuholen, hilft dann ja auch keinem.

    1. Ja, nur immer das Patriachat zu leugnen, zementiert leider bestehende Strukturen.
      Bezeichnenderweise tun das vor allem die, die am meisten davon profitieren …

      1. &Julia:erzähl mal einer Frau in Afghanistan oder dem Iran, wie sehr wir hier unter dem Patriarchat leiden. Das können die nur als Hohn empfinden.
        Wir haben hier die Möglichkeit, unser Leben zu gestalten, arbeiten zu gehen, sind dem Gesetz nach gleich. Wenn es faktisch nicht so ist, liegt es meiner.Meinung nach vor allem an unseren Köpfen. Weniger an den Umständen. Zum Beispiel: wenn die Kinderbetreuung im ländlichen Raum schlecht ist, muss man sie besser machen. Oder Mutter und Vater stemmen die nötige Betreuung gemeinsam. Warum soll es Naturgesetz sein, dass das der Mutter zufällt?
        Und nein, ich profitiere nicht vom Patriarchat.

  6. Ich möchte mich Jojo anschließen. Manchmal habe ich das Gefühl, einige (nicht alle! ) Frauen gefallen sich in der Opferrolle ganz gut. Das ist bequemer, als ein anstrengendes, gleichberechtigtes Leben zu leben. Meine Güte, was da teilweise für Klischees heraufbeschworen werden. Die Frau schuftet sich zu Tode und sitzt am Ende einsam in Altersarmut da, während der „fitte“ Mann zuerst faul Zuhause nicht hilft, sich bekochen lässt, sich nen gemütlichen im Büro macht, sich dann trennt und die dicke Rente allein einstreicht.
    Vielleicht gibt es das genau so, es gibt aber auch: die Frau, die nur ein paar Stunden die Woche erwerbsarbeitet, weil sie lieber mit den Kindern zuhause bleibt, obwohl die in der Kita oder Grundschule sind. Die ihrem Mann die Mühe und Mühle der Außenarbeit allein überlässt und aber erwartet, dass er das Geld ranschafft und sich zuhause genauso einbringt wie sie. Wenn sich Frau über das „faule Hausfrauen-Klischee“ aufregt:das „faule Ehemann-Klischee“ ist auch nicht besser.
    Was mich auch ärgert: wenn von einem ominösen „Wir“ gesprochen wird, von dem ich mich aber nicht gemeint fühle, obwohl ich auch eine Frau mit 3 Kindern bin. Ich will so nicht vereinnahmt werden. Ich bin immer arbeiten gegangen, hatte trotzdem genug Zeit für meine Kinder, fühle mich nicht diskriminiert und glaube auch nicht an ein Patriarchat hierzulande.
    Ich will nicht bestreiten, dass es noch Ungerechtigkeiten gibt. Die liegen aber nicht am Patriarchat, sondern an uns selbst. Wir haben hier in Deutschland die Möglichkeit, gleichberechtigt zu leben. Also lasst es uns doch einfach tun!

  7. Applaus für diesen großartigen Artikel! Leider sind viele Strukturen so internalisiert, dass sie von vielen als normal empfunden und nicht hinterfragt werden. Klar kann ich mich bei entsprechenden Betreuungsmöglichkeiten für eine Vollzeitstelle entscheidend, aber warum ist Care-Arbeit im privaten Umfeld überhaupt unbezahlt? Warum sind „typische Frauenberufe“ so schlecht bezahlt? Das ist doch alles nicht naturgegeben.

    1. Liebe Jojo, liebe Franzi,
      ich sehe das ziemlich genau wie ihr.
      Wir sind doch starke Frauen! Warum sind wir denn dann nicht für die ganz persönliche Gestaltung unseres Lebens verantwortlich ?
      Warum bekomme ich Kinder mit einem Partner, der keine Elternzeit nimmt und nicht in Teilzeit geht? Was ist das denn für eine Beziehung, in der die Erwerbs-und Carearbeit nicht so gestaltet wird, dass beide glücklich sind?!
      Auch das Einfordern von Bezahlung für Care-Arbeit…kann ich nicht verstehen! Kinder zu bekommen war meine (unsere) ureigene, ganz egoistische Entscheidung! Wir wollten sie haben, weil wir uns davon ein großes Glück versprochen haben. Dass sie Zeit brauchen, Dreck machen und manchmal superätzend sind, hatten wir einkalkuliert. Auch dass wir nicht mehr beide so in unseren Berufen arbeiten können wie vorher, war klar. Also muss gemeinsam geklärt werden, wer wieviel mit den Kindern und wer wieviel im Job macht. Ich will kein Geld dafür, dass ich sie zum Fußball bringe und ihnen ein Pausenbrot richte. Wenn ich das nicht gewollt hätte, hätte ich sie nicht bekommen.
      Das alles hat wenig bis nichts mit Patriarchat zu tun.

  8. Es gibt sicherlich Frauen, die es auch in der deutschen Gesellschaft schlecht getroffen haben und für die das Leben mit unsagbar vielen Herausforderungen verbunden ist, aber es gibt auch viele Frauen, denen es gut geht und die selbstbestimmte Entscheidungen treffen können.
    Wenn ich die Entscheidung treffe, dass ich nur nur halbtags arbeiten möchte, weil es eben auch Vorzüge bietet, dann wird das Konsequenzen haben. Wenn ich mich mit meinem Partner auf ein bestimmte Modell einige, dann habe ich das getan. Es ist ja in den allermeisten Fällen nicht so, dass den Frauen die Pistole auf die Brust gesetzt wird. Die meisten Frauen in meinem Umfeld möchten nicht Vollzeit arbeiten, obwohl die angebotene Betreuung hier in der Stadt dies ermöglichen würde.
    Um es zusammenzufassen, es ist nicht das Patriarchat sondern wir sind es, wir treffen Entscheidungen, bei der Berufswahl, bei der Partnerwahl, jeden Tag. Natürlich braucht es gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie Kinderbetreuung und verlässliche Ganztagsschulen, aber es braucht auch unsere Eigenverantwortung, auch für die Entscheidung Kinder zu bekommen. Steuerliche Freibeträge, die kinderreiche Familien begünstigen, wären sicherlich wünschenswert, aber ein Gehalt dafür, dass man sich um seine Kinder kümmert, halte ich nur für eine weitere Transferleistung, die nicht zielführend ist.

    1. Dem möchte ich vehement widersprechen, da es wieder genau in die Kerbe haut , wenn es dir schlecht geht, bist du selber schuld .
      Damit ist keinem geholfen, im Gegenteil , es verdammt wieder viele dazu, den /die Fehler bei sich selbst zu suchen .
      Die Fehler liegen aber im System, wie im Artikel beschrieben , das Frauen seit Jahrhunderten benachteiligt und so fest verankert sind, dass sie vielen einfach gar nicht mehr auffallen.
      Ich bin keine Fachfrau für das Thema, aber sowohl in meinem privaten, als auch in meinen beruflichen Umfeld (Patientinnen) sehe ich, wie Frauen unter der Doppelbelastung leiden, wenn nicht sogar zusammenbrechen und der erste, wirklich der allererste Schritt , ist ihnen klarzumachen , dass das kein persönliches Versagen, sondern eben ein gesellschaftliches Problem ist.
      Leider, und das ist die Krux, habe ich auch keine Lösung, und auch bei diesem Buch , denke ich, es lesen wieder die , die eh schon um die Thematik wissen, das ändert aber leider nichts.

      1. Leider kann ich das so nicht entscheiden, Jojo. Schön, dass Sie Frauen und Familien kennen, die das so frei entscheiden können, Trennungen, Selbstverwirklichung, Armut und Altersarmut in Teilzeit keine Themen in Ihrem Umfeld sind!
        Meine Entscheidungen sind nicht so frei. Vielen Familien in meinem Umfeld geht es auch so. Weder die Qualität noch die Verlässlichkeit der Betreuung meiner Kinder oder älteren oder kranken Angehörigen ist oder war so zuverlässig, dass ich mich auf jede erdenkliche Position bewerben hätte können und meine Kinder dabei gut versorgt wüsste. Was ist mit kranken Kindern, Schließzeiten oder Ferien? Weder unsere Arbeitgeber noch Gesetzgeber scheint es zu interessieren, wie das in Familien mit mehreren Kindern, mit beeinträchtigten Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen geregelt werden kann. Ich stimme dem Artikel zu. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Vereinbarkeitsprobleme als persönliches Scheitern gewertet wurden. Ich stimme Julia zu. Vielen Dank für den Beitrag! Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass das durch das Engagement auch Menschen die Augen öffnet und Doppelbelastungen anerkannt werden!

        1. so wie stef sehe ich das auch. theoretisch hätte ich auch alle möglichkeiten. mein mann und seine familie würden auch eine berufliche neuorientierung oder mehrarbeit von mir begrüßen. praktisch lässt es sich nicht umsetzten oder nur sehr stark zu lasten der kinder (!) und mir.
          also pauschal zu sagen es läge nur an mir, kann ich nicht bestätigen.
          und ich sehe in meinem umfeld auch, wie es frauen geht die nahezu so viel arbeiten wie der ehemann, auch da sie auch karriere machen wollen. aber zusätzlich machen sie noch das meiste zuhause. der mann nur wenig.
          und vorher alles abzuklären ist auch nicht immer komplett möglich. lebensumstände können sich auch ändern. also wieder nur auf die frauen / mütter einzureden nur sie müssten sich ändern oder was machen – ja das ist ein teil. aber diese aussage sieht den größeren teil den sie einfach nicht in der hand haben – leider – nicht.

          1. und zum thema, jeder würde eine Betreuung bekommen die lang genug ist das man lange arbeiten kann: wir haben keine. platz in der kita bekommen die von den öffnungszeiten top ist für eltern die lange arbeiten. sondern nur in der kita einen teilzeitkraft. das bedeutete das bis ende letzten jahres für die teilzeit kinder nur eine betreuung von 8:00-11:45 und 13:30-15:30 uhr angeboten wurde. wie sollen da beide eltern ddn ganzen tag arbeiten?! das frage ich mich wirklich. nicht jeder bekommt einen ganztagesplatz für sein kind ab 1 jahr.

      2. @Julia: Ich finde deinen Kommentar super, aber warum so pessimistisch? Dieser Beitrag hier wird auf so einem reichweitenstarken und breit aufgestellten Blog wie Stadt Land Mama veröffentlicht und erreicht damit sicherlich Menschen, die sich sonst weniger mit dem Thema beschäftigen. Danke an Lisa und Katharina, dass ihr auch politischen Themen ein Forum gebt!

    2. Leider werden einige, manchmal auch ganz viele Entscheidungen für die Frauen und nicht von Frauen selbst getroffen. Beispiel: Beförderungen in die Führungs- und Fachkarrieren. Für mich war immer klar, dass ich in meinem Beruf etwas erreichen möchte. Aktuell arbeite ich 80 Prozent, ich bin 5 Tage die Woche da und werde in regelmäßigen Beurteilungen sehr gut bewertet. Ich bilde mich intern und extern jedes Jahr fort, ich ließ mich coachen und meine Außenwirkung beurteilen, ich engagiere mich in der Firma und habe keine Scheu davor direkt zu sein. Trotz interner Bewerbungen habe ich noch immer die gleiche Stelle wie nach der Elternzeit, die gut bezahlten Stellen werden entweder an kinderlose oder im
      Zweifelsfall an Väter vergeben. Und nein – die anderen Bewerber“innen haben keine besseren Bildungsabschlüsse oder mehr Berufserfahrung. Selbstverständlich gibt es in meinem direkten Umfeld auch andere positive Beispiel, aber es sind lediglich die seltenen Ausnahmen. Die meisten engagierten Frauen geben früher oder später auf. Weil es eigentlich egal ist, wie ehrgeizig die Frau ist und was sie (beruflich) will, das patriarchale System gibt Frauen oft einfach keine Chance, indem Frauen ausgeschlossen werden.

      1. Liebe Tamara, der Kommentar könnte eins zu eins von mir sein! Genau die gleichen Erfahrungen mache ich auch im Job. Zum Glück habe ich noch kurz vor meiner ersten Schwangerschaft den nächsten Schritt gemacht, wenn auch mit Wechsel des Arbeitgebers, weil mein vorheriger Arbeitgeber w/ meines Alters (ich war Mitte 20) erwartet hat, dass ich schwanger werde und dann offensichtlich nicht mehr zu gebrauchen bin, was mir ein direkter Vorgesetzter unter 4 Augen genau so gesagt hat. Damals war ich so jung und noch unsicher, dass ich außer einer Kündigung keinen anderen Weg sah. Leider ist es mir jetzt mit Anfang 40 ähnlich passiert. Ich habe mich aus meiner Position, in der ich nur Lob und Anerkennung des AGs bekomme auf die nächst höhere Fachposition beworben. Ich habe wohl von allen Bewerbern die geeigneteste Qualifikation dafür gehabt, d. h. in einem UN der Größe hätte es nicht viele Gründe gegeben warum der direkte neue Vorgesetzte mich hätte ablehnen können. Das hat er dann wieder ganz plump im 4 Augen- Gespräch gemacht: Sie haben 2 Kinder, da ist immer etwas, deswegen möchte ich sie nicht. Ich bin geplatzt, habe ihn direkt gefragt, ob das sein Ernst ist, b ihm so etwas wichtiger ist, als die Qualifikation. Ich habe mich beim Betriebsrat beschwert und mit der Einschaltung des Gleichstellungsbeauftragten gedroht. Es gab dann im Beisein der Personalabteilung und des Betriebsrates. Er hat natürlich alles ab gestritten. Da er aber mit dem 4 Augen- Gespräch einen formalen Fehler begangen hat, wurde er abgemahnt. Die Stelle blieb jetzt ewig unbesetzt, er musste diese Arbeit selber machen. Ich hatte auch kein Interesse mehr, mit solch einem Menschen zusammen zu arbeiten. Es ist einfach nur traurig, dass man es eben nicht alles selber in der Hand hat, ob man gleichberechtigt lebt. Denn in unserer Familie leben wir gleichberechtigt. Das können sich nur leider andere Männer im beruflichen Kontext offensichtlich nicht vorstellen.

        1. Liebe K, ich möchte dazu nur schreiben: Ich finde es beeindruckend, dass du deine Stimme gehoben hast. Hätte ich (und habe ich mich tatsächlich in einer ähnlichen Situation) nicht getraut.

          1. Nachdem ich mit Mitte 20 einfach nur mundtot und geschockt war, konnte ich dieses Mal einfach nicht anders. Vermutlich habe ich mir damit aber auch nicht nur Freunde gemacht. Doch die Personalabteilung und auch der Betriebsrat, die beide von Frauen repräsentiert wurden, standen dann sogar an meiner Seite. Ich habe auch in der Aussprache einfach darum gebeten, dass es Männer in der Führungsetage sicher denken können, aber doch schlau genug sein müssten um es nicht auszusprechen im Jahr 2020+! Und dass ich diese Aussprache hier nicht nur für mich mache, sondern auch für alle Frauen in unserem Unternehmen! Zur Frage, welche Branchen besonders vom Gender Pay Gap betroffen sind und dass es doch Tarifverträge etc. gibt. Möchte ich nur sagen, mir sind die verschiedensten Branchen bekannt, denn es wird nicht so offensichtlich gemacht, dass Dein direkter männlicher Kollege mehr verdient, sondern einfach, dass die Frauen nicht gefördert und befördert werden. Dass man in Bewerbungsgesprächen ganz ungeniert verbotene Fragen gestellt bekommt, wie nach der Familienplanung, der familiären Aufteilung etc… mein Mann arbeitet in der gleichen Branche, ihm wurden solche Fragen zum Beispiel nie gestellt. Ach ja und in meiner konkreten Situation hatte sich auch mein Kollege beworben, Vater mir zwei Kindern im gleichen Alter von meinen, dem wurde vom besagten Vorgesetzten keinerlei solche Fragen gestellt bzw. spielte sein Privatleben keine Rolle! Er hätte den Job glatt bekommen, obwohl ihm formale Qualifikationen fehlten, aber hat ihn dann auch abgelehnt, als er auch meine Erfahrungen mit bekam! Das rechne ich ihm hoch an!

          2. @ K: danke für das Teilen deiner Erfahrungen! Ich habe nach meinen Bewerbungen und entsprechenden Ablehnungen sowohl die Führungskräfte wie auch das interne Recruiting gefragt, was mir denn fehlen würde um die nächste vergleichbare Stelle zu bekommen. Niemand ist auf meine Qualifikationen, Soft skills, mögliche Weiterbildungen oder eventuelle Förderung eingegangen. In einem Tür-und-Angel-Gespräch wurde mit mitgeteilt, dass die gelegentlichen Abendtermine sicherlich ein Problem wären und das (unter anderem) den Ausschlag für die Ablehnung gegeben hat. Und das obwohl ich im Auswahlgespräch klar und deutlich kommuniziert habe, dass ich zeitlich flexibel bin (das Kind hat nämlich auch einen Vater!) und in welchem Umfang ich solche Termine wahrnehmen könnte. Für die andere Stelle hieß es: das Team ist zu klein und kann mögliche Abwesenheiten nicht abfangen. Dabei habe ich pro Jahr maximal 1 Woche Abwesenheit, wenn das Kind arg krank wird. Das Problem dabei ist nicht nur die Ungerechtigkeit, sondern die jahrelange Illusion: alles ist machbar, wenn ich mich als Frau anstrenge. Aber es geht am Ende eben nicht um die Qualifikation oder ausgetüftelte Betreuungsmodelle, sondern um Vorurteile und fehlende Offenheit von Arbeitgebern und Vorgesetzten.

    3. Liebe Kommentatorinnen, die mit freien Entscheidungen und „sich über Konsequenzen bewusst sein“ argumentieren, denkt doch bitte mal über den Tellerrand! Ja, es ist ein Stück weit möglich, innerhalb der Strukturen freie Entscheidungen zu treffen, aber das sollte einen doch nicht daran hindern, die Strukturen selbst kritisch zu hinterfragen. Entspricht es eurem Wertesystem, dass Menschen, die Care-Arbeit leisten, weniger verdienen als Menschen, die z.B. mit Finanzprodukten handeln? Was ist so absurd daran, dass Care-Arbeit entlohnt und nicht nur komplett privatisiert wird? Das absurd zu Finden ist einfach nur Gewohnheit und über Jahrzehnte hinweg internalisierte Narrative.

      1. @Mailee, ich finde es eher schade, dass es „frauentypische“ Berufe gibt. Aber ich stimme Dir zu, dass soziale, pflegende und erziehende Berufe deutlich besser bezahlt werden sollten,
        Ich bin dagegen nicht der Meinung, dass man/Frau Geld dafür bekommen sollte, das eigene Kind zuhause aufzuziehen. Das gerade würde am Ende doch dafür sorgen, Frauen Zuhause zu halten, statt gleichberechtigt am Leben außerhalb der Familie teilzunehmen. Außerdem:was würde das für Geld verschlingen und gleichzeitig gesamtgesellschaftlich nichts voranbringen. Wer genau soll es denn bezahlen, dass Leute ihre eigenen Kinder aufziehen? Die Familien mit ihren Steuern, wo beide arbeiten gehen? Wäre das fair?

      2. Mailee, natürlich sollten (vor allem) pflegerische und erzieherische Berufe besser bezahlt werden! Das ist aber doch etwas ganz anderes als für das Aufziehen des eigenen Kindes bezahlt zu werden!
        Und ich bleibe dabei: Eben weil Kinderbetreuung nicht so einfach zu haben ist (was dringend geändert werden muss) müssen sich BEIDE Elternteile dafür zuständig fühlen. Wenn das aber nur Frauen tun- wer ist dann daran schuld? Das System? Oder die Männer und die Frauen?

        1. Mal ganz vereinfacht, wenn auch unromantisch: kein Sex mehr ohne vorherigen Vertrag (Klärung Betreuung, Arbeitszeiten und z.B. finanzieller Ausgleich, natürlich notariell mit Vollstreckungsunterwerfung, klärt vorher ob der Arbeitgeber eine Gehaltsabtretung akzeptiert) – mit Arbeitspflicht (staatliche Zwangsbeschäftigung) für den unterhaltspflichtigen Elternteil. Und gesetzlich durchsetzbare Verpflichtung beider Elternteile zur Kinderbetreuung….dann sollte Gleichberechtigung näher sein.
          Und Frauen: gebt bis dahin die Kinder doch den Männern, wenn „ihr“ nicht wollt.
          Geht in/gründet Unternehmen wo nur Frauen im Management sind – dann dürfte es auch keine Nachteile durch Männer geben!
          Gesetze gibt es viele, nur scheinbar keine Juristinnen, die die im Sinne der Gleichberechtigung durchsetzen???
          Geht in die Parteien und „übernehmt“ diese, zur Schaffung der vermeintlichen rechtlichen Gleichberechtigung. Jahrelanges Regieren durch eine Kanzlerin hat ja scheinbar auch nichts gebracht?????

        2. Hey Franzi, dass ein „Gehalt“ ein Anreiz sein könnte, zu Hause zu bleiben und nicht aus dem privaten Umfeld rauszukommen, finde ich ein gutes Argument. Da hast du einen Punkt. Über die genaue Ausgestaltung müsste man nachdenken. Ich finde nur, dass Mutter oder Vater (!) durch Teilzeit wg Kinderbetreuung irgendwie monetär für Karriereknick und geringere Rente ausgeglichen werden sollten – gerade weil Kinder großziehen so immens wichtig ist für unsere Gesellschaft (demografischer Wandel!!!).
          Wo das Geld herkommen soll, kann man sich ja bei allen staatlichen Ausgaben fragen. Ich hätte da viele Ideen, wie man Prioritäten im Staatshaushalt umlegen kann oder wie m an Steuern gerechter und gewinnbringend gestalten kann (Erbschaftssteuer ab sehr hohem Erbe – nein, nicht Omis Häuschen;) -, Vermögenssteuer, Transaktionssteuer).

          Man kann natürlich auch fragen, warum es denn so schwierig gemacht wird, dass beide Eltern Vollzeit arbeiten? Zum einen könnte man bei besseren Arbeitszeitmodellen (30h Woche o.ä.) ansetzen. Zum anderen könnte man die Betreuung verbessern. Wie absurd ist es denn, dass Kinder ca. 10 Wochen im Jahr nicht von der Schule betreut werden (Ferien), normale Arbeitnehmer aber nur ca. 30 Urlaubstage im Jahr haben. Das Problem, wie die Kinder in den Ferien betreut werden, wird nahezu komplett privatisiert.

        3. Habt ihr mal überlegt, was ein Betreuungsplatz für U3-Kinder den Staat kostet? Gerade wenn man von einem pädagogisch vertretbaren Betreuungsschlüssel ausgehen würde (d.h. eine Fachkraft auf drei U3-Kinder)? Das wären dann bei 12 Kindern in der Gruppe drei Fachkräfte plus Kosten für Reinigungskraft, Gebäudekosten usw. Ein Krippenplatz in Deutschland kostet den Staat mindestens 1000 Euro pro Kind. Wenn ich also zwei U3-Kinder daheim betreue, „spart“ der Staat mindestens 2000 Euro an Kosten. Oder wer zahlt hier monatlich als Mama mehr als 2000 Euro Steuern? Es soll doch einfach jeder selbst entscheiden, wie er es mit der Kinderbetreuung hält – aber zu meinen, dass Mütter mit kleinen Kindern der Gesellschaft auf der Tasche liegen, weil sie nicht arbeiten gehen – das stimmt m.E. einfach schon rechnerisch nicht, oder?

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