Vorschlag zum Stadt-Land-Kompromiss

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Ok, Caro, ich halte Disharmonie ja nicht lange aus, ich brauche Frieden, darum lass uns doch auf einen Kompromiss einigen, so wie Du es auch in Deinem Text vorschlägst. DU lebst mit Deinem EINEM Kind in der Stadt und gönnst ihm ab uns zu mal ein Wochenende in der ländlichen Datsche. Und ICH wohne mit meinen DREI Kindern auf dem Land (schau mal da oben, das ist die Emma) und gönne ihnen ab und zu ein Wochenende in der grauen großen Stadt voller Action, Verkehr und Spielplätzen. Ehrlich: Ich finde das perfekt so, wie es ist.
Als ich noch EIN Kind hatte, da gab es für mich keinen perfekteren Ort als die dicht besiedelte Stadt. Jeden Tag konnte ich stillverblendet in irgendeine neu eröffnete Boutique reinschielen, jeden Tag eine andere Latte Macchiato-Bude ansteuern. Ich hatte Abwechslung. Ich fühlte mich in gewisser Weise noch Teil der Welt da draußen, am Zahn der Zeit quasi trotz meiner emotionalen Auszeit vom Rest der Welt durch das Kind. Wenn ich mir vorstellen, ich hätte da schon auf dem Land gesessen und jeden Tag denselben Baum passiert, dann krieg ich noch nachträglich Depressionen. Es war perfekt so, wie es war. Ich sah andere Mütter mit Augenringen, ich konnte mich austauschen und ich konnte alles zu Fuß erreichen. Herrlich.
Mit der Zwillingsschwangerschaft mussten wir umziehen, wir brauchten mehr Platz, mehr Platz kostet Geld, also wurde es eine schöne große Wohnung an einer unschönen vierspurigen Straße mit Tram in der Mitte, 1.Stock, Vorderhaus. Das machte die Entscheidung irgendwann leichter zu sagen: Jetzt Land! Wenn Du gesehen hättest, wie ich auf dem Weg zur Kita versuchte, meine Tochter auf dem Fahrrad und meine Söhne auf ihren Laufrädern so zu deligieren, dass sie links nicht auf die Straße und rechts nicht auf den Fahrradweg polterten – hui.
Hier können sie toben. Freilaufende Kinder sein, quasi. Schau mal, wie das bei uns morgens aussieht. Blick aus dem Schlafzimmer…

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Das ganze Party- und Kulturleben konnte ich dank Dreifachmutter-Müdigkeit eh nicht mehr wahrnehmen, was ich vermisse, das sind die Leute, die einem einfach mal so über den Weg liefen, ohne Verabredung. Und die Spielplätze. Und ja, auch die Latte Macchiato-Buden. Und Du natürlich, Caro.
Aber: Ich habe hier Hilfe, weil wir in der Großfamilie leben. Jedes Kind hat Platz für sich und muss nicht mehr in einr Vierzimmerbude hocken. Sie können selbständig raus und Trudi holen. Trudi, ja Trudi. Ich hab ja noch gar nicht erzählt, dass die Ziegen schon am Sonntag bei uns eingezogen sind. Es stinkt bestialisch Caro, aber es ist sooo eine Wonne…
…wenn Du nachts um vier am Kinderbett Händchen hältst und plötzlich von draußen ein leises Määäh vernimmst.
…wenn Du die Tierchen beobachtest und die Zeit still steht. Das ganze Stzadt-Gehetze ist dann so weit weg. Und erscheint so sinnlos.
…wenn Du bemerkst, dass es keine bessere Bunrout-Prophylaxe gibt, als ein Tier (oder drei). Das erdet. Das einfach nur dasteht und frisst. Und mäht. Und sch…t.
…und wenn Du die strahlenden Augen der Kids siehst, wenn sie die Viecher an der Leine führen dürfen.
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Ach ja. Alles schön. Und da kommt mir doch auch direkt der Gedanke, dass wir mal nen feinen Wohnungstausch ansteuern könnte, so zweimal im Jahr. Wir nutzen Dein Stadt-Loft, Du unsere Land-Villa. Und morgens darf die Caro dann in ihrem Designer-Nachthemd Ziegen füttern gehen, während ich den Kollwitzplatzmarkt unsicher mache. Wär das ein Deal?

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