Ihr Lieben, die Zeit der Pubertät ist eh schon nicht einfach, aber was, wenn wenn ein versteckter Alkoholismus den Familienalltag prägt? Wenn eins der Elternteile PegeltrinkerIn ist und es dem Umfeld vielleicht gar nicht so sehr auffällt, was zu Hause los ist. Unserer Leserin ging das mit ihrer Mutter so. Hier erzählt sie ihre Geschichte.
Du Liebe, du sagst, du hättest dich in deiner Teen Time mit deiner Mom nur gestritten, wusstest alles besser und hättest sie bestimmt öfter „blöde Kuh“ genannt. Wie kam es dazu, kannst du dich erinnern, wie alt du da ungefähr warst und wie lang das anhielt?
Bestimmt schon mit Beginn der Teenager-Zeit. Das hielt an bis sie aufhörte zu trinken, da war ich etwa 28 Jahre alt. Jetzt bin ich 46.
Was waren die Hauptgründe eurer Streitigkeiten?
Ich muss sagen, dass sie eine Pegeltrinkerin war, aber trotzdem ihr Leben (Job usw.) im Griff hatte. Aber ich habe es gehasst, wenn sie angetrunken oder gar betrunken war. Das war so oft der Fall. Wenn wir in Urlaub waren am Strand oder Freunde von mir zu Besuch waren. Ich habe mich so geschämt für sie.
Konntest du offen mit ihr darüber reden?
Sie hat es geleugnet. Es war ihr egal, was ich dazu sagte.
Wie entwickelte sich dadurch dein eigenes Verhältnis zu Alkohol?
Ich habe in meiner Jugend und im frühen Erwachsenenalter auch viel gefeiert, abends oft Wein getrunken. Das gehörte immer dazu.
Die Trinkerei und ein versteckter Alkoholismus deiner Mutter hatte also eher keine abschreckende, sondern eine normalisierende Wirkung auf dich?
Trinken war normal. Das hatte aber wenig mit meiner Mum zu tun. Eher mit meinem ganzen Umfeld. Auch in meinem Abiturjahrgang haben viele oft getrunken und gefeiert, es gehörte immer dazu. Allerdings eskalierte es bei mir selten, ich kannte immer meine Grenzen.
Wie hat deine Mutter auf deine eigenen Eskapaden draußen reagiert?
Das war nie ein Thema.
Ab wann hat sich das Verhältnis zu deiner Mutter verbessert? Welches habt ihr heute zueinander?
Meine Mutter wurde schwer krank. Sie hatte eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung. Sie war lange im Krankenhaus auf der Intensivstation. Das war auch ein Entzug. Seitdem hatte sie lange Angst, wieder ins Krankenhaus zu müssen, aber es hat ihr Verhältnis zum Alkohol verändert.
Sie weiß seitdem, dass es der Haupttrigger für ihre Gesundheit ist. Sie hat immer mal wieder Phasen, in denen sie mehr trinkt. Aber „zum Glück“ hat das sofort Konsequenzen für ihre Gesundheit, so dass sie schnell wieder aufhört zu trinken. Ich werde dann oft auch wütend und schreie sie an, drohe mit dem Entzug der Enkel. Das klingt hart, ich weiß.
Sie ist seitdem aber eine geduldige, liebevolle Oma. Das wäre ohne die Erkrankung wahrscheinlich nie möglich gewesen. Heute haben wir ein tolles Verhältnis.
Heute bist du selbst Mama. Was möchtest du deinen eigenen Kindern vorleben?
Ich finde es schwierig, dass Kinder in vielen Familien so sozialisiert werden, als ob Alkohol zum Leben dazu gehören müsste. Ich wurde leider so groß und ich erlebe es bei vielen Freunden so. Das erstaunt mich, weil man heutzutage doch viel klüger sein müsste. Für uns ist Alkohol eine legale Droge mit großen Risiken, das thematisieren wir gegenüber unseren Kindern. Ich glaube, meine nunmehr erwachsene Tochter trinkt wenig und selten.
Trinkst du also gar nichts mehr?
Ab und an trinke ich auch immer noch ein Glas Wein im Urlaub z.B. Aber insgesamt hat sich mein Verhalten geändert. Ich habe zwei Töchter (19 und 8) und mir ist und war es immer wichtig, dass Alkohol nicht normalisiert wird. Für mich gehörte es zum Beispiel nicht zur Jugendweihe dazu („Jetzt darf begleitet getrunken werden“) oder als unsere Tochter 18 geworden ist.
Alkohol ist und bleibt ein Suchtmittel, das nichts für einen tut, sondern krank machen kann, Krebs triggert, die Leber zerstört. Auch in Maßen ist es nicht gut. Ich wollte nie, dass sich meine Kinder unwohl fühlen, weil ihre Mama angetrunken komisch spricht oder so. Für mich war das wirklich immer schlimm, wenn das in meiner Kindheit und Jugend so war und Freunde zu Besuch waren.




