Interviews

03/08/2019 - 06:45

Stadt-Mama Katharina

Alleinerziehend im Wechselmodell: "Mama, sind wir arm?"

Ihr Lieben, wir haben vor zwei Tagen über unsere Facebook-Seite einen Artikel über Kinderarmut gepostet - und darauf sehr sehr viele Rückmeldungen bekommen. Viele Mamas schrieben uns, dass ein Zoobesuch eigentlich nie drin ist, dass jedes Eis eine Ausnahme ist und dass an allen Ecken und Enden gespart werden muss. Wir haben mit einigen Frauen Interviews geführt und stellen Euch heute Ella vor, die nach der Trennung von ihrem Mann in finanzielle Not geriet. Wir danken Euch sehr für Euer Vertrauen: 

Liebe Ella, erzähl uns mal kurz, wie Deine aktuelle Lebenssituation aussieht. 

Mein Name ist Ella. Ich bin 35 Jahre alt und habe zwei wunderbare Kinder im Alter von sieben und neun Jahren. Ich arbeite auf Teilzeit in einer kleinen Firma als Produktionshelferin. Im Herbst 2017 habe ich mich endlich von meinem Mann getrennt und gut ein halbes Jahr später bin ich in meine eigene Wohnung gezogen. Ab da fingen die finanziellen Probleme an.

Ihr lebt nun das Wechselmodell - wie genau sieht das aus und war das dein Wunsch nach der Trennung?

Als ich mich auf Wohnungssuche begab, bin ich eigentlich davon ausgegangen, dass ich die Kinder mitnehmen werde. Das war für mich ganz selbstverständlich. Da hat mein Ex-Mann allerdings nicht mitgemacht. Mein Exmann verstand es immer gut mir Angst zu machen und deshalb habe ich dem Wechselmodell zugestimmt.
Das Wechselmodell funktioniert bei uns so, dass die Kinder 7 Tage am Stück bei ihrem Papa sind und die nächsten 7 Tage bei mir. So kann auch jeder von uns für das Wochenende etwas planen. Am Anfang lief es nicht ganz so gut, aber mittlerweile haben wir uns darauf geeinigt, dass die Kinder auch flexibler wechseln können wie z.B. zu Geburtstagen, Sportveranstaltungen, Feiertagen, Schulfesten etc.

Wie gehen deine Kids mit dem Wechselmodell um?

Für meine Tochter war es anfangs ganz besonders schlimm. Sie konnte nicht verstehen, dass sie nicht bei mir bleiben kann, obwohl ich immer ihre Bezugsperson war und immer noch bin. Mittlerweile hat es sich etwas besser eingespielt, aber es zerreißt mir immer wieder das Herz, wenn ich meine Kinder abgeben muss und meine Tochter weint, was hin und wieder vorkommt. Aber meinen Ex-Mann darauf anzusprechen bringt nichts. Da bleibt er stur.

Für meinen Sohn war es verwirrend, dass ich nicht mehr mit seinem Papa zusammen wohnen wollte. Er hat auch gefragt, ob ich ihn und seine Schwester jetzt auch nicht mehr lieb habe. Das hat mir unglaublich weh getan, aber ich konnte ihn in der Hinsicht beruhigen. Ich habe lange und intensiv mit meinen Kindern darüber gesprochen, um es ihnen wenigstens ein wenig verständlicher zu machen. Dass ihr Papa und ich sie immer lieb haben werden, aber dass Mama nicht mehr mit Papa zusammen sein kann. Für meinen Sohn war es dann auch eigentlich nach kurzer Zeit nicht mehr so schlimm - es war mehr eine Art Abenteuer für ihn.

Wie sieht Deine finanzielle Situation aus?

Meine finanzielle Situation ist das, was mich nachts nicht schlafen und meine Haare ausfallen lässt. Durch meinen Teilzeitjob bekomme ich ca. 920 € netto im Monat. Wenn die Kinder bei mir sind, kann ich nicht so viele Stunden arbeiten. Mein Chef ist da netterweise sehr flexibel und in der Woche, wenn die Kinder bei ihrem Papa sind, versuche ich so viele Stunden rauszuholen wie möglich.
Ich bekomme Wohngeld - ohne könnte ich mir keine Wohnung leisten. Das Kindergeld muss ich mir mit meinem Ex-Mann teilen.

Aufgrund des Wechselmodells steht mir vom Staat keinerlei Hilfe in Form von Unterhalt oder Aufstockung zu. Mein Exmann und ich müssten uns quasi gegenseitig Unterhalt zahlen, aber dafür reicht mein Einkommen nicht aus und salopp gesagt (aus seiner Sicht) wenn ich ihm nichts zahle, zahlt er mir auch nichts.

Hinzu kommen Schulden, die ich mir mit meinem Ex-Mann teilen muss. Da ich aufgrund meines geringen Einkommens nicht kreditwürdig, bin musste ich meinen Dispo sehr weit erhöhen, um die Kaution für die Wohnung und den Umzug zu bezahlen. Selbst wenn alle meine Einnahmen auf meinem Konto sind, bin ich immer noch im Minus und da komme ich einfach nicht raus.

Nach Abzug aller Fixkosten sowie der Schulden bleibt mir ab Mitte (!) des Monats nichts mehr übrig. Ab dem Zeitpunkt muss ich genau überlegen, wie viel ich tanke, wie viel wir im Supermarkt ausgeben können und was so an Freizeitaktivitäten überhaupt möglich wäre. Ich muss ja schon für den 1. des nächsten Monats vorplanen bzw. sparen, damit die ersten Fixkosten abgezogen werden können.

Würdest Du Euch als "arm" bezeichnen?

Erst kürzlich sprach mich meine Tochter direkt darauf an und fragte: "Mama, bist Du arm?" und da ich meine Kinder nicht anlüge, habe ich gesagt: "Ja, ich bin arm."
Ich möchte in meinen Kindern keine Ängste schüren, aber sie müssen verstehen in welcher Situation wir leben und dass wir uns leider nicht alle Wünsche so erfüllen können. Wenn es um Urlaub oder Freizeitparks geht, müssen sie sich an den Papa wenden. Das ist für mich dann auch nicht immer schön zu hören, wenn die Kinder davon erzählen, wie toll es doch ist, was sie mit ihrem Papa alles erleben können. Aber natürlich freut es mich auf der anderen Seite, dass meine Kinder nicht vollkommen außen vor bleiben.

In welchen Situationen bemerkst du besonders, dass das Geld immer knapp ist? 

Das merke ich eigentlich schon bei einem ganz normalen Einkauf im Supermarkt. Wir können ja nur das kaufen, was wir auch wirklich brauchen. Meine Kinder dürfen sich zwar etwas aussuchen wie z.B. etwas Süßes oder ein Brötchen, aber meistens ist es dann meine Tochter, die sagt: "Nein, dafür haben wir kein Geld." Auf der einen Seite macht mich das unglaublich traurig, auf der anderen Seite sehe ich aber, dass meine Kinder die Situation verstehen. Auch wenn sie ihre Enttäuschung nicht verbergen können, wenn ich ihnen den Wunsch nach einem Spielzeug o.ä. ausschlagen muss, haben sie sich nach ein paar Minuten wieder "beruhigt".

Natürlich würde ich unheimlich gerne mal mit den Kindern in den Urlaub fahren - einfach mal raus und alle Probleme für eine Weile vergessen. Aber das ist einfach nicht drin. Ich muss Prioritäten setzen und dazu gehört, dass meine Kinder etwas im Magen haben, ein Dach über dem Kopf und ordentlich angezogen zur Schule gehen können.

Ich muss gestehen, dass ich mich immer wieder selber dabei ertappe, wie ich andere Familien darum beneide, dass sie ihren Kindern vieles ermöglichen können, was ich einfach nicht kann. Ich lege mir monatlich einen kleinen Notgroschen zur Seite, aber wenn wieder mal eine nicht geplante Ausgabe anfällt ist dieser Notgroschen meistens direkt wieder weg. Ferner versuche ich auf Kinderkleiderbasaren günstige, aber schöne Sachen für meine Kinder zu bekommen und im Gegenzug ihre alten Sachen zu verkaufen, so dass ich mit Plusminus null rauskomme.

Außerdem habe ich festgestellt, wie wertvoll Pfandflaschen sein können. Mittlerweile macht es mir auch nichts mehr aus, sie bei einem Spaziergang aufzuheben und mit nach Hause zu nehmen. Das ist nicht nur gut für die Umwelt sondern auch für meinen Geldbeutel. Ehrlich gesagt denke ich dann jedes Mal: "Da liegt bares Geld im Gras, da kann ich nicht einfach dran vorbei gehen oder in den Müll werfen. Eher hole ich sie da wieder raus."
Ich muss dazu sagen, dass es durchaus Menschen gibt, die bereit wären, mir Geld zu leihen. Aber ich habe nicht die Möglichkeit es zurück zu zahlen. Deshalb lehne ich immer dankend ab,  dafür schäme ich mich einfach zu sehr..

Gibt es Wünsche der Kinder, die du nicht erfüllen konntest und wie gehen die Kinder dann damit um?

Im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass meine Kinder keine großen Wünsche haben, weil sie genau wissen, dass ich sie nicht erfüllen kann. Sei es mal ein etwas größeres Spielzeug oder ein Besuch im Freizeitpark. Dafür fehlt mir einfach das Geld. Aber ich kann voller Stolz sagen, dass meine Kinder sich über jede kleine Überraschung freuen, die ich ihn mal ermöglichen kann, selbst wenn es nur ein kleines Buch oder ein Set Radiergummis ist.

Wenn Geld keine Rolle spielen würde - was wäre die erste Anschaffung, die Du tätigen würdest?

Ganz plump gesagt würde ich als Allererstes meine Schulden begleichen. Die liegen mir nämlich tonnenschwer im Nacken. Ich denke schon lange nicht mehr darüber nach, wie es wäre nach Lust und Laune shoppen zu gehen. Das habe ich mir durch die Prioritäten, die ich setzen muss, schon lange abgewöhnt.

Allerdings gibt es einen Traum, den ich schon ewig habe. Ich würde gerne einmal mit meinen Kindern nach Island reisen. Dann würde ich auch meine Mama mitnehmen, die mir so oft schon geholfen hat und immer noch hilft obwohl sie selber finanziell nicht so gut da steht.
Und ich denke, ich würde mit meinen Kindern einmal einkaufen gehen und sie dürften sich genau die Sachen kaufen, wo ich immer wieder sage, dass es leider nicht geht.

Was wünscht Du dir für die Zukunft?

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ich irgendwie aus dem Minus raus komme und endlich finanziell besser dastehe. Ich möchte wieder glücklich sein und meine Kinder verdienen eine glückliche Mama. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen mir keine Vorwürfe mehr machen, dass es ja meine Entscheidung war mich zu trennen und dass es dadurch meine Schuld ist, dass ich finanziell so schlecht da stehe. Ich denke, dass die Politik sich mehr Gedanken um uns Wechselmodell-Eltern machen muss.

 

 

 

 

Tags: Wechselmodell, Kinder, Armut, Leben, Scheidung

Das könnte dich auch interessieren...

Kommentare

Bea — Sa, 08/03/2019 - 09:20

Wenn ihr das Wechselmodell 50/50 lebt, geht dein Mann dann auch nur Teilzeit arbeiten?

SilkeAusL — Sa, 08/03/2019 - 09:58

Was Bea gefragt hat, war auch mein erster Gedanke: und der Vater geht wahrscheinlich weiter Vollzeit arbeiten, macht "Karriere"(oder hat zumindest kein finanzielles Problem)? Wäre er nicht sogar verpflichtet, Ehegattenunterhalt zu zahlen bei dem geringen Einkommen?

Stefan — Di, 08/13/2019 - 12:01

...sollte es dann nicht eher verpflichtend sein, dass die Mutter mehr arbeiten geht??? Der Vater verbringt doch genau so viel zeit mit den Kindern und trägt in dieser Zeit die Kosten für deren Lebenshaltung! Ich bin alleinerziehender Vater von zwei kleinen Kindern und arbeite 80%, eben weil ich als Mann in einer "ungewöhnlichen" Situation bin und sich die noch in der Steinzeit lebenden Richterinnen (ja, ausschliesslich mit Richterinnen zu tun gehabt!) da sehr schwer in puncto Gleichberechtigung tun und die Mutter ohne Unterhaltszahlungen davongekommen ist. Das ist wahrlich nicht leicht, aber statt zu klagen, arbeite ich. Wie auch in diesem Fall hat sich die Mutter getrennt. Dann muss sie auch - genau wie andere Menschen auch - sich vielleicht sogar früh genug Gedanken machen, wie sie über die Runden kommen kann - auch und eben gerade weil sie Kinder hat!

Bobbat — Sa, 08/03/2019 - 10:48

Es kommt sehr wohl zu Ausgleichszahlungen wenn ein Elternteil mehr verdient. Andererseits stellt sich mir die Frage warum die Arbeitsstunden nicht aufgestockt werden? Die Kinder können betreut werden (zb im Hort) und damit wäre mehr Geld in der Kasse. Kopf hoch und nach vorne blicken.

Angela — Sa, 08/03/2019 - 13:31

Auch ich bin der Meinung das du die Kinder locker in dem Alter in die Betreuung geben kannst. Es ist keinem Geholfen wenn du nur Teilzeit arbeitest. Zumindest kann man die Stunden erhöhen. Meine Erfahrung ist das es Kinder nur selbständiger macht. Ich bin zwar nicht alleinerziehend, aber auch ich muss arbeiten. Die ersten drei Schuljahre habe ich sogar voll gearbeitet. Das hat super geklappt. Wie macht der Papa der Kids das denn mit der Betreuung?

anja — Sa, 08/03/2019 - 14:05

du solltest besser vollzeit arbeiten. die kosten für den hort und das mittagessen werden vom amt übernommen wenn du weiterhin wohngeld oder kinderzuschlag bekommst. ich finde es ganz normal, dass man arm ist, wenn man nur teilzeit arbeitet. geld fällt nun mal nicht vom himmel. dass man mit einem teilzeitjob den lebensunterhalt nicht finanzieren kann, ist eben der normalzustand.

Karas Aga — So, 08/04/2019 - 10:54

Ich sag’s mal salopp. Wenn sie Vollzeit arbeiten würde, würde sie etwas mehr verdienen, dann würde das Wohngeld wegfallen und die Hortbetreuung müsste sie auch bezahlen. Am Ende hätte sie nicht mehr in der Tasche, nach Abzug der Fixkosten, als jetzt. So jedenfalls geht es einer Mutter, die ich kenne.

Clara — Sa, 08/03/2019 - 14:25

Offensichtlich ist den allermeisten nicht klar, was eine Trennung, zumal ein Wechselmodell für rechtliche und finanzielle Konsequenzen hat, daher möchte ich dazu gerne etwas Aufklärung leisten. 1. Es gibt allermeist keinen Unterhalt oder Rechtsanspruch auf Unterhaltsvorschuss im WM. Denn beide Eltern sind dann verpflichtet, 100% zu arbeiten. Wenn die Mama aber in der Teilzeitfalle sitzt, wird ihr bei einer Unterhsltsberechnung ein fiktives Vollzeiteinkommen angedicht, das dem Einkommen des Vaters ggü. gestellt wird. Nur, wenn der Vater deutlich mehr verdient als sie fiktiv in Vollzeit hätte, gibt es etwas Unterhalt. Liegt ihr fiktives Vollzeiteinkommen über dem des Vaters, ist sogar sie verpflichtet, ihm Kindesunterhalt zu zahlen - von fiktivem Geld, das sie gar nicht hat. 2. Gibt es keinen Unterhalt, besteht kein rechtlicher Anspruch auf Unterhaltsvorschuss. 3. Ehegattenunterhalt wurde bereits 2008 abgeschafft. Es gibt maximal Trennungsunterhalt für das Trennungsjahr. Und auch den gibt es nur, wenn der Mann ihn zahlen kann. Wenn er wenig verdient, gibt es ihn nicht und auch keine staatliche Ersatzleistung dafür. 3. wenn eine Mutter nach Trennung in der Teilzeitfalle sitzt, hat sich schlicht Pech: wenn der Arbeitgeber nicht mitspielt und ihre Stelle ergo nicht aufstockt, ist sie im Zweifel in der Armut gefangen. Denn wegziehen für einen neuen Job kann sie wegen des Wechselmodells nicht, ansonsten macht sie sich strafbar. Das geht nur, wenn das Wechselmodell beendet würde, was die Zustimmung des Vaters bedarf. Und davon ist nach der obigen Schilderung in dem Fall nicht auszugehen. Summa summarum: Die Mutter & ihre Kinder haben nach heutiger Rechtslage einfach Pech gehabt und müssen solange in der Armut aushalten, bis sich externe Koordinaten von selbst ändern. Aus eigener Kraft oder Gestaltungsmöglichkeit ist das unmöglich.

Yvette — Sa, 08/03/2019 - 15:17

... und sie wusste es noch nicht. Dann stünde ihr ja ggf Unterhalt zu. Ich würde es ihr wünschen... Lg

Clara — Sa, 08/03/2019 - 16:21

...an den Fakten. Ob sie es nun weiß oder nicht, dass sie theoretisch VZ arbeiten muss: das Ergebnis bleibt das gleiche, denn sie wird ja schon jetzt so behandelt, als ob sie es täte.

Clara — Sa, 08/03/2019 - 16:25

Es wäre ihr natürlich zu wünschen, dass es einen KiU-Anspruch gibt, erfahrungsgemäß ist der aber selten und macht dann auch deutlich weniger aus als sonst üblicherweise.

Clara — Sa, 08/03/2019 - 17:04

Um das mal zu verdeutlichen, warum das WM allermeist einseitig zu Armut führt, hier eine typische Beispielrechnung: Vater verdient in VZ netto 2.200€, Mutter in TZ 900€. Letzteres wird auf fiktives VZ hochgerechnet, macht also 1.800€. Beide Einkommen werden zusammengerechnet: 4.000€ (fiktiv) unterhaltsrelevantes Einkommen. Aus dieser Summe leitet sich der Kindesbedarf ab: für ein Kind mit 6 Jahren wären das gemäß Düsseldorfer Tabelle Stufe 8 also 553 €. Zusätzliche Miet- und Fahrtkosten beider Elternteile durch WM betragen zB 150€ mtl. Insgesamt beträgt der Kindesbedarf also 703€. Der wird halbiert auf beide ET aufgeteilt: jedes ET muss also 351,50€ stemmen. Mit einem weiteren Kind unter 6 kommen nochmal 482€ Bedarf hinzu, je ET also 241€. Insgesamt gibt es also einen Bedarf bei jedem ET von 592,50€. Dann wird geschaut, ob jedes ET das aus eigenem Einkommen stemmen kann: fiktives Einkommen Mutter: 1.800 € abzgl. Selbstbehalt Mutter: 1.300 € übrig für 2 Kinder: 500€ —> es gibt also eine Unterdeckung bei der Mutter iHv 92,50€. Diese Differenz muss der Vater, weil er mehr hat, theoretisch ausgleichen. Da ihm aber pro Kind das halbe Kindergeld zusteht (insg. also 204€), wird das gegengerechnet: 92,50€ -204€ Macht -111,50€, die die Mutter dem Vater ausbezahlen muss! Das heißt de facto, dass die Mutter mit ihrem Teilzeit-Einkommen von 900€ netto + 2x KiG insg. 1.308€ mtl. zur Verfügung hat, davon aber dem Vater noch 111,50€ abtreten muss. Ihr und den Kindern bleiben also nur 1.196,50€ zum Leben. Sie muss ihre Kinder aus ihrem eigenen Selbstbehalt ernähren! Der Vater hat hingegen insg. 2.211,50 € netto zur Verfügung. Ergebnis: asymmetrische Kinderarmut.

anja — Sa, 08/03/2019 - 19:44

wieso arbeitet in deiner beispielrechnung die mutter in teilzeit und der vater in vollzeit, wenn die kinder doch im wechselmodell leben? wenn der vater vollzeit trotz kinderbetreuung schafft, müsste die mutter das doch auch schaffen bzw. wenn die mutter keinen vollzeitjob schafft, dann kann der vater auch keinen vollzeitjob schaffen.

Clara — So, 08/04/2019 - 14:57

oben nicht 100% deutlich, deshalb hier nochmal genauer ausdifferenziert: 1. wenn vor der Trennung dieses 1,5-Gehälter Modell gelebt wurde, können dieses Strukturen nicht von heute auf morgen aufgebrochen werden. 2. Väter im WM arbeiten weiter VZ und lassen die Carearbeit dann von der Nanny, Oma oder Next übernehmen. Die Möglichkeit mit Nanny haben schon allein aus finanziellen Gründen die Mütter oft nicht. Betreuung an neuen Partner abschieben auch eher nicht. Bleibt nur die Oma, sofern sie vor Ort lebt. 3. Wenn Frau in der Teilzeit steckt, kann sie nicht einfach auf Vollzeit gehen, Ur weil der Vater jetzt ein WM möchte. Da muss auch der Arbeitgeber mitspielen. Tut er oft nicht, Teilzeitbrückengesetz hin oder her. Letzteres gilt nämlich nur für Unternehmen mit mind. 45 MA. Frauen in TZ arbeiten häufig in kleineren Unternehmen, in denen das nicht gilt. 4. klar, sie könnte versuchen, einen. anderen Job zu suchen. Vorausgesetzt, sie wohnt nicht auf dem totalen Dorf, wo andere Jobs rar sind. Denn Umziehen geht mit WM nicht. Dann muss sie also einen Job finden, der 1. zu ihrem Profil passt, 2. zu den Öffnungszeiten der Kindernetreuung. Wenn sie nicht gerade in der Großstadt wohnt, wird es verdammt schwer, eine Kita oder gar Grundschule zu finden, die länger als 16h betreut. Wie soll die Mütter dann in Vollzeit plus Wegzeiten arbeiten können? Soll sie ihre Kinder sich selbst überlassen oder ständig von a nach b schieben? Mit Kindeswohl hat das nicht viel zu tun. Aber das hat das ganze WM ja nicht.

Yvette — Sa, 08/03/2019 - 20:37

... Sehr aufschlussreich. Vielen Dank. Einzig der Punkt, warum beim Vater das Kindergeld gegen gerechnet wird, verstehe ich nicht. Es kann doch unterm Strich nicht sein, dass die Mutter mit geringerem VZ Einkommen, dem Vater noch was zahlen muss... Das widerspricht irgendwie der menschlichen Logik... Oder habe ich da einen Denkfehler?!

Clara — So, 08/04/2019 - 14:47

das halbe KiG steht ihm aber zu. Bei Unterhaltszahlungen wird das ja auch abgezogen.

Maxima — Sa, 08/03/2019 - 17:32

Also mir geht der Bericht sehr zu Herzen. Ich fühle sehr mit Ella mit und hoffe das sie für sich und ihre Kinder ein Lösung findet!!! Ich selbst weiss wie schwer es ist,egal ob die Trennung von ihr ausgegangen ist oder anders. Auch das Wechselmodell kann und darf nicht zu finanziellen Schwierigkeiten für einen der Beteiligten führen! Da besteht ein totales Umdenken & Handlungsbedarf in der Politik! Ich selbst bin alleinerziehend,mit zwei Kindern,die hauptsächlich bei mir leben. Ich arbeite auch in Teilzeit,gehe vormittags zu Schule,bekomme etwas Wohngeld. Der Unterhalt für meine Kinder liegt noch unter dem Mindestsatz,da der Vater selber nicht viel verdient. Ich ziehe mein Leben mit meinen Jungs, mit allem was dazu gehört,seit 2 Jahren ganz gut durch,mit allen Höhen&Tiefen! Trotzdem muss ich sagen das auch mir meine finanzielle Lage sehr zu schaffen macht. Ich kann auf vieles stolz sein(besonders auf meine Jungs)... und doch merke ich leider, das ich oft gedanklich&körperlich an meiner Grenze angekommen bin,dann kommt die totale Verzweiflung. Denn es ist ja nicht nur das finanzielle, sondern auch die Sorge,wie geht es meinen Kindern,was kann ich anders und besser machen... Ich habe zwar meine Eltern die mir soviel schon geholfen haben,aber ich schäme mich sehr immer wieder um finanzielle Hilfe zu bitten. Seit kurzem muss ich leider hart zu meinen kinder sein und sage ihnen,das wir kein Geld mehr haben.Das bricht mir das Herz und auch wenn sie 11 und 8 sind,sie verstehen es nicht wirklich. Ich weiss auch nicht wie die nächsten 3 Jahre weitergehen sollen und das macht mich nervlich sehr kaputt. Trotzdem würde ich sagen,das ich zufrieden bin &froh über den Entschluss meines Exmannes. Denn allein bin ich in anderen Dingen besser dran!

Teilzeit-Papa — Sa, 08/03/2019 - 21:52

Hallo Ella, zuerst nimm dir die ganzen Klugscheißer-Kommentare wie 'getrennt und Teilzeit im Wechselmodell, dann ist man halt arm' mal nicht so zu Herzen! Evtl. hast du noch einen Anspruch auf den halben Kinderzuschlag, den gibt es in 99% der Fälle, wenn man auch Wohngeld bekommt. Muss man bei der Familienkasse beantragen. Ich kenne das ganze Finanz-Karussell, was so ein dauerndes Hintergrundrauschen werden kann, auch nur zu gut. Das zehrt an den Nerven! Viel Glück für die Zukunft.

Dreifach Mama — Sa, 08/03/2019 - 22:16

Hallo Ella, Mich berührt dein Bericht sehr. Ich würde dir raten dich bei foodharing anzumelden, dort hast du die Möglichkeit kostenfrei gerettete Lebensmittel zu bekommen und kannst wenn du möchtest auch selbst zum Lebensmittelretter werden und diese weiter verteilen. Ich wünsche dir und deinen Kindern alles Gute.

Dreifach Mama — Sa, 08/03/2019 - 22:24

"Foodsharing" soll es natürlich heißen

Ramona — Sa, 08/03/2019 - 22:26

Liebe Ella, wenn ich richtig gelesen habe, steckst du tief im Dispo. Falls dem so ist, werden die Zinsen wahrscheinlich einen Großteil deines Gehalts auffressen, so dass die Wahrscheinlichkeit, dort rauszukommen gering sein wird. Diesen Fall hatte ich auch mal. Ich kann dir nur raten: geh zu deiner Bank und lass dich zu über eine Umschuldung informieren. Oft gibt es die Möglichkeit, dass die Bank dir die Möglichkeit einräumt dein Konto auf 0 zu setzen und die Disposumme in kleinen Beträgen, die die Höhe der bisher gezahlten Summe in der Regel deutlich unterschreiten, abzuzahlen. Einen Dispo bekommst du dabei jedoch nicht mehr eingeräumt. Ein anderer Weg wäre in die Privatinsolvenz zu gehen. Dann könntest du nach 3 bis 7 Jahren schuldenfrei sein. Über den genauen Ablauf kannst du dich im Internet oder bei einer Schuldnerberatung informieren. Viel Erfolg

M — So, 08/04/2019 - 11:43

Mich berührt der Bericht sehr. Eine Ehe kann bei jedem zu Ende gehen, und es ist nunmal Tatsache dass dann der geringer verdienende Partner (leider bei uns meist immer noch der Weibliche) finanziell superschlecht dasteht. Und dass es häufig nicht einfach ist einfach mal den Teilzeitjob aufzustocken. All die Kommentare die dahinzielen und unterstellen, man wäre selber schuld machen mich sehr traurig. Ella scheint alles in ihrer macht stehende zu tun und trotzdem reicht es nicht- leider Realität auch wenn das einige der Kommentatorinnen nicht wahrhaben wollen. Ich wünsche dir alles Gute und Licht am Ende des Tunnels! Und den "netten" Komentatoren dass sie nie in eine ähnliche Situation kommen.

Elena — So, 08/04/2019 - 15:12

Sehe ich genauso. Ich finde es schlimm, wie andere hier auf der Mutter rumhacken und ihr die Schuld zuschieben. Ehen scheitern zu 50 Prozent, die Wahrscheinlichkeit, dass jede 2. hier, die noch in einer steckt, auch dort landet, liegt einen Münzwurf entfernt. Ich würde mir mehr Empathie und Einsicht wünschen, denn es wird jede zweite treffen.

Britta Khokhar — Mi, 08/07/2019 - 16:52

Hier wurde nur die Mutter fragt und nicht der Vater, gerecht wäre es wenn beide befragt werden können . Auch für Männer ist heutzutage schwer eine Vollzeitstelle zu bekommen . Über 2ooo Netto verdienen nur wenige. Es ist auch möglich,neben dem Teilzeitjob einen Minijob und es gibt welche mit freier Zeiteinteilung . Arm sein ist keine Schande ich bin auch arm aufgewachsen und es hat mir nicht geschadet . Beim Jobcenter müsste es eine Aufstockung trotzdem .geben. Der Vater muss ja die Kinder auch wieder an die Mutter abgeben.. Und meistens ich weiß nicht wie es bei Ella aussieht steuern die Großeltern immer wieder was dazu soweit sie können

Thomas Hallas — Sa, 08/17/2019 - 10:12

Es ist erstaunlich wie sehr Kinder bei diesem Thema missbraucht werden. Ein Blick in die Arbeitswelt zeigt, dass viele Menschen generell nicht genügend verdienen um davon Leben zu können. Ein Tipp an alle sog. Alleinerziehenden; Im Wechselmodell hätte beide die Chance zu arbeiten und das Kind zu sehen. Doch das will Frau anscheinend nicht. Vermutlich muss dann Kindergeld geteilt werden oder aber auch die Macht über das Kind. Jeder Trennungsvater muss wenn er arbeitet von 1080 € leben. Bei keiner Arbeit von 800€. Davon bezahlt er den Umgang usw.... In einem Artikel aus der Welt von 2016 heißt es "Noch schlechter allerdings ist es um die Zahlungsmoral unterhaltspflichtiger Mütter bestellt. Die Informationen seien aufgrund der geringen Fallzahlen zwar nur vorsichtig zu interpretieren, heißt es in dem DIW-Papier. Im Ergebnis kamen von den Frauen aber sogar 85 Prozent ihren Verpflichtungen nicht nach" !!!!!! Bedeutet Frauen haben eine noch schlechtere Zahlungsmoral als Männer!!! Meine Haltung dazu ist, dass nur die Frauen die wirklich ihr Kind im blick haben und eine gute emotionale Kompetenz besitzen das Wechselmodell ganz klar leben. Gleiches gilt für den Vater. Denn es geht ja um das Kind. Die Mütter die vor Gericht ziehen und die Sorge aberkennen wollen usw.... geht es um Macht und niedere Beweggründe aber nicht um das Kind.

Elena — Di, 11/19/2019 - 00:38

Das übliche Gezeter und Rumgebashe ggü. Müttern. Vielleicht liegt das Nichtzahlen von unterhaltslpflichtigen Müttern schlicht daran, dass sie nicht zahlen KÖNNEN? Bekanntlich verdienen Frauen deutlich weniger als Männer, dei in der Ehe oder Beziehung fröhlich ihre Karriere weiter in Vollzeit haben vorantreiben können im Ggs. zur Mutter. Aber diese Kosten werden natürlich null gesehen, aber gern genutzt. Dieses egozentrische Väterrechtlergeheule geht mir so derbe auf den Kranz...

Neuen Kommentar schreiben