Landleben

05/08/2016 - 13:45

Land-Mama Lisa

Alles gut so, wie es ist: Warum ich nichts bereue

Liebe Katharina, ich muss dir jetzt doch nochmal kurz zu deinem Text zum Thema Bereuen antworten, weil er mir nicht aus dem Kopf geht. Ich bin nämlich auch so eine, die sagt: Bereuen? Niemals. Ich bereue einfach nicht. Da bin ich kein Typ für. Vielleicht liegt das aber auch einfach nur an meiner pragmatischen Veranlagung, vielleicht bin ich da auch ein Stückweit naiv oder weniger grübelnd und reflektierend als du. Ganz vielleicht will ich aber auch einfach glücklich sein und gebe mich nicht mit „was wäre wenn“-Fragen ab. Verdränge ich damit auch Dinge? Mag sein. Aber ich bin einfach niemand, der zurückschaut und sagt: Mist, an der Weggabelung hätte ich anders abbiegen sollen. Ich frage mich schon, warum das so ist.

Ich mache kaum Pläne

 

Ich bin ein Mensch, der sich gern treiben lässt. Ich mache mir kaum Pläne, ich weiß nicht, wo ich beruflich in zehn Jahren stehen will, weil ich Angst hätte, auf dem Weg zu solch einem Ziel nur das Ziel im Auge zu haben und Blumen am Rand nicht genau genug wahrnehmen zu können. Ich bin auch niemand, der sich für eine Städtetour vorher mit einem Marker an einen Stadtplan setzt und sich Routen vormalt. Ich gehe lieber hin und lasse mich treiben. Ich lasse mich gern überraschen. Ich merke das auch stark am Umgang mit den Kindern.

Am Wochenende schauen wir oft erstmal, wie alle drauf sind, wozu alle Lust haben, lassen uns auch von ihren Launen mitnehmen und versuchen immer, flexibel zu bleiben, um uns nicht zu sehr verbiegen zu müssen. Einige mögen das zu lasch empfinden. Sie haben Pläne und Vorhaben und die werden durchgezogen. Und es heißt ja auch immer so schön, Kinder bräuchten Strukturen und klare Ansagen. Irgendwie sind wir da anders. Aber wir fahren ja gut damit, alles fein.

Jeder Weg birgt Überraschungen

 

Ich glaube, dass sich damit auch ein Stückweit begründen lässt, warum ich nicht bereue. Jeder Weg bringt seine Überraschungen mit sich, seine guten Seiten, warum sollte ich es also in Frage stellen. Du schreibst, nicht bereuen hieße, nicht lernfähig zu sein. Und ich glaube, wir sind uns da gar nicht so uneinig, ich sage nur: Natürlich sind wir lernfähig und gerade durch die nicht so guten Dinge lernen wir ja und die machen uns zu dem, was wir heute sind. Du hast ja eingesehen, dass du in deiner Jugend vielleicht etwas netter hättest sein sollen, du hast das gelernt und bist deswegen heute die Katharina, die du bist.

Wenn du schreibst, du hättest einige Dinge anders angepackt, was die Karriere angeht, hättest etwas anderes studiert und wärst ins Ausland gegangen, okay, dann kann ich vielleicht doch verstehen, dass man denkt: Hm, mist. Ich war im Ausland, deswegen kann ich da nicht mitreden, aber wenn ich mich überlege, dass ich fünf Semester studiert habe, um dann eine Ausbildung anzufangen und danach gleich schwanger zu werden… wenn ich überlege, dass ich mit drei Kindern dann nochmal ein neues Studium begonnen habe. Dann könnte ich ja jetzt auch sagen: Mist, ich hab die fünf Semester meines Erststudiums umsonst gemacht. Zweieinhalb Jahre Pauken für die Katz. Aber ich sag das nicht.

 Ohne Studium kein Robbie Williams ;-)

 

Ich meine nämlich: Ich hätte den Ausbildungsplatz niemals bekommen, wenn ich mir dieses Studium nicht mit meiner Jobberei in genau dieser Branche finanziert hätte. Mal abgesehen davon, dass ich in dieser Zeit Tom Cruise, Robbie Williams und Eros Ramazotti für Artikel treffen durfte (yeah!), hatte ich aber auch eine super Zeit mit meinen Freunden, in meiner Einzimmerwohnung in Berlin, auf Partys. Es war eine wunderschöne Zeit, aus der viele Freundschaften hervorgegangen sind. Ich habe gelernt! Wenn auch mehr fürs Leben als für die Uni, aber das ist doch auch toll.       

Und wenn ich heute die Kinder mal angemeckert habe: Natürlich bin ich dann sauer auf mich, aber statt zu bereuen, versuche ich, ihnen zu erklären, dass Mama eben auch ein Mensch ist und dass eben jeder mal einen schlechten Tag hat und so lernen auch sie fürs Leben.

Hm, ich weiß auch nicht, welches mein Fazit sein sollte. Aber vielleicht hab ich aber auch einfach nur Glück. Glück mit meinem Leben ganz happy zu sein. Und nicht zu bereuen.

Tags: Bereuen, Leben, Lebenswege, Entscheidungen, Familie, Mutter, Kinder, Karriere

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Kommentare

Gast — Fr, 08/05/2016 - 14:01

Gelesen und kann euch beide verstehen. Letztendlich geht es eh nur darum das Beste aus seinem Leben zu machen. Ihr macht das toll hier, Weiter so

Dinekind — Fr, 08/05/2016 - 23:33

Es geht mir ähnlich, natürlich bin ich auch mal genervt von meinen Kindern bzw. vom altsgswahnsinn der aus Job, Kindern, Tieren , Haus und Garten besteht. Ich bin oft ausgelaugt und kaputt. Schwanger mit unserer Tochter wurde ich als ich gerade beruflich etwas anderes beginnen wollte, was ich dann aber bis heute nicht getan habe. Ja und? Ich habe noch Zeit dafür wenn die Kinder älter sind oder eben auch nicht. Es kommt wie es kommt und wohin mein Gefühl mich trägt. Ich habe weissgott in meinemnleben schon sehr viele Höhen und Tiefen erlebt, war ziemlich weit unten und habe Dinge gehört und gesehen die viele Menschen sich noch nicht mal ausmalen können. Sicherlich wäre mir dieses nicht passiert, wenn ich an einigen Stellen andere Entscheidungen getroffen hätte. Dennoch bereue ich nichts von alledem, warum auch. Alles was in meinem bisherigen Leben passierte brachte mir Lebenserfahrung und machte mich zu dem Menschen der ich heute bin und eigentlich fühle ich mich ganz wohl so. Natürlich habe ich viele Träume und Wünsche für die Zukunft aber ich arbeite nicht bewusst auf sie hin, es würde mich zu sehr einschränken. Ich kann mich gut mit Dingen arrangieren und wenn etwas anders läuft als ich es mir vorgestellt habe, dann erschließt sich daraus oft etwas ziemlich gutes oft sogar besser als die vorherigen Erwartungen. Mit den Kindern halte das ich es ähnlich. Ich habe eigentlich keine Erwartungen an sie und forciere da auch nichts und trotzdem machen sie einen guten Weg. Das ist sowieso der rote Faden in meinem Leben, auch wenn der Spruch hier durch Facebook geistert, er beschreibt mich doch ziemlich gut: Am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende!

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