Brief an meine Mama-Freundinnen: Glaubt mir, ihr redet nicht gegen Wände! Euer Tun kommt an!

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Liebe Freundin mit kleinen Kindern, die du mich neulich anriefst und sagtest, deine Jungs hätten sich auf der Fahrt in den Urlaub schon nach zehn Minuten so gestritten, dass du überlegst hättest, wie du mindestens einen von ihnen unauffällig an der nächsten Raststätte loswerden könntest…

Liebe Freundin, die du vor Kurzem wutschnaubend anriefst, weil die Kita-Erzieherin eine WhatsApp-Gruppe mit allen Eltern erstellt hatte, in der – bevor sie auch nur ein Wort reingeschrieben hatte – dein Mann für ALLE sichtbar sofort ausgetreten ist „XY hat die Gruppe verlassen…“

Liebe Freundin, die du seit gefühlt fünf Jahren den Kindern jeden verdammten Tag sagst, dass die Jacke an die Garderobe gehört und nicht auf den Fußboden. AN. DIE. GARDEROBE.

Liebe Freundin, die du schon beim Frühstück ausrastest, weil du zweimal freundlich dein Kind gebeten hast, nicht die ganze Zeit mit den Fingern auf dem Holztisch zu trommeln UND ES DANN TROTZDEM WEITERMACHT. Jedes Tock, tock wie Salz in deiner Wunde der Überforderung. Und dann noch ein Spruch deiner Großen: „Mei, du flippst aber auch wegen allem aus grad.“ Achtet hier eigentlich auch irgendwer mal auf MEINE Gefühle?

Liebe Freundin, die du in deiner Kinder-Begleitung auf Empathie, Demut und Dankbarkeit setzt und immer mal wieder zweifelst, ob du nicht doch mal strenger werden solltest…

Bitte zerbrich dir nicht den Kopf! Bleib dran und hab Geduld.

Ich weiß, du kannst nicht in die Zukunft sehen. Aber lass dir von mir drei Kindern in der Pubertät sagen: Es kommt bei ihnen an, was du tust! Es setzt sich in ihnen fest, was du ihnen vorlebst. Sie dürfen dich weinen und verzweifeln und wüten sehen, weil das zum Leben nun einmal dazu gehört. Genauso dürfen sie sich lachen und tanzen (peinlich!) sehen.

Was sie bekommen, ist eine authentische Mama. Eine, die Gefühle nicht wegdrückt, die ist wie sie ist. Steter Tropfen höhlt den Stein. Darauf kannst du vertrauen. Mit Liebe zu erziehen kann nie falsch sein. Auf Verständnis und Einsicht zu setzen mag sich manchmal sinnlos anfühlen, aber es WIRKT.

Seid geduldig – auch mit euch selbst!

Und irgendwann stehen sie dann vor dir und haben trotz zweifacher Aufforderung am Abend zuvor nicht ihre Schultasche gepackt und es wird hektisch am Morgen und alle brüllen MAL WIEDER rum und du versuchst den Schmerz und die Wut zu veratmen, weil sie mal wieder nicht gehört haben und dann findet sich doch noch alles und dich erreicht danach eine SMS mit einer Entschuldigung, weil sie gemerkt haben, dass die Hektik auch deinen Morgen ruiniert hat und dann weißt du, dass doch ganz schön viel angekommen ist bei ihnen…

Dass sie vielleicht nicht an alles denken in ihrem Alter, dass sie das aber sehen und dass sie mitfühlen. Dass ihnen ihre Umgebung nicht egal ist. Und ist das nicht alles, was wir erreichen wollen? Wir wollen sie doch gar nicht zu top funktionierenden Robotern machen, sondern zu mitfühlenden empathischen sozialen Wesen.

Was war ich verzweifelt, als sie sich in ihren Geschwisterstreitereien über Jahre täglich verprügelten. Ich stand als Harmoniemensch daneben und hörte mich sagen, wie leid es mir tut, dass sie leider keine gewaltfreie Kindheit erleben, weil sie sich gegenseitig ja die Butter auf dem Brot nicht gönnen.

Ich WUSSTE ja nicht, ob das irgendwann aufhört. Ob sie sich auch mit 25 noch verhauen, sobald sie sich sehen. Wie viele Worte haben wir dazu verloren! Ich dachte, das wirkt NIE. Und jetzt hauen sie einfach nicht mehr. Wir haben nichts verändert. Wir sind einfach nur drangeblieben und dann kam die Reife und die Geduld hat sich gelohnt.

Alles wird besser – irgendwann!

Was ich sagen will: So aussichtlos die Lage in mancher Phase auch sein mag. Es ist nicht umsonst, was wir tun. Jedes Gespräch, jedes Drücken – das alles kommt an bei unseren Kleinen. Und übrigens auch bei jenen erwachsenen Erziehungsberechtiten, die ihre Zuständigkeit in Gemeinschafts-Whatsappgruppen nicht sehen… ja, Reden hilft. Erklären. Auf Einsicht bauen. Irgendwann. Geduld lohnt sich.

  • Wisst ihr noch, wie wir uns nicht vorstellen konnten, jemals wieder eine Nacht durchzuschlafen?
  • Wisst ihr noch, wie wir uns nicht vorstellen konnten, dass dieses Kind jemals läuft oder redet?
  • Wisst ihr noch, wie ihr dachtet, das Kind würde für immer „Maaaamaaaa, Paaapaaa“ rufen, wenn es im Bad fertig war?
  • Wisst ihr noch, wie sie euch sagten, spätestens mit dem ersten Freund oder der ersten Freundin würde es aus dem Familienbett ausziehen? Und du panisch dachtest: Dann erst?!
  • Wisst ihr noch, wie ihr dachtet, das mit dem Schnuller würde sich niemals erledigen?
  • Wisst ihr noch, wie ihr dachtet, ihr überlebt den Abschiedsschmerz an der Kitapforte nicht?

Ihr merkt es selbst, oder?

Was können wir stolz sein, auf all dieses (Fort-)Schritte. Stolz – nicht nur auf unsere Kinder. Sondern auch auf uns.

 

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