Corona: Familien-Interviews aus der Quarantäne

Ihr Lieben, gestern hat sich die Lage in Deutschland dramatisch verändert, unser aller Leben wird sich in den nächsten Wochen verändern. Wir werden euch hier weiter so gut es geht unterhalten, informieren und mit Texten versorgen. Heute erzählen zwei Leserinnen, wie es sich anfühlt, mit den Kindern zu Hause isoliert zu sein!

Liebe Sabine, seit Montag Abend ist deine Familie in häuslicher Isolation. Warum?

Wir hatten am vorherigen Donnerstag auf einer Veranstaltung Kontakt zu einer Person, bei der am Montag Corona diagnostiziert wurde. Daraufhin wurden alle, die bei der Veranstaltung anwesend waren, in häusliche Isolation geschickt.

Seid ihr schon getestet worden?

Tatsächlich wurden wir am Donnerstag getestet, weil bei uns Montag Erkältungssymptome ausgebrochen sind. Wir mussten in einen sogenannten Drive In. Eine Frau im Schutzanzug kam heraus, wir hatten die Anweisung im Auto sitzen bleiben zu müssen. Dann wurde ein Abstrich bei jedem von uns gemacht. Die Kinder sind hierfür auf unseren Schoß geklettert. Wir hatten ihnen vorher ein Bild von einem Menschen in Schutzanzug gezeigt, daher waren sie relativ unbefangen. Der Abstrich war unangenehm, da er tief im Rachen abgenommen wurde und in der Nase, es entsteht ein Würge- und Tränenreiz. Davon waren unsere Kinder entsetzt. Ich erzähle das aber nicht, um Angst zu schüren, sondern damit Eltern ihre Kinder besser darauf vorbereiten können.

Wie eingeschränkt seid ihr jetzt im Alltag?

Wir dürfen das Haus nicht verlassen, soziale Kontakte gibt es also nur per Telefon und Handy. Ausnahme war die Fahrt zur Teststelle. Wir durften aber tatsächlich nur ins Auto steigen und später wieder aussteigen auf direktem Wege in unser Zuhause.

Ihr habt drei kleine Kinder – wie geht es ihnen und euch?

Uns geht es gut! Noch ist es absolut machbar, wir haben zum Glück auch ein großes Haus, in dem wir uns bewegen können. Ob wir in den Garten dürfen, wissen wir ehrlich gesagt nicht, da unserer Garten offen zu anderen Gärten verläuft. Gestern gab es die Testergebnisse: ein Erwachsener ist positiv, der Rest negativ.

Ich bin in Elternzeit, hätte aber eine Bescheinigung für den Arbeitgeber bekommen, dass ich nicht arbeiten gehen darf.

Ich bin sehr froh, dass wir immer Vorräte zuhause haben. Daher geht es uns gut und uns fehlt es an nichts. Wir sind dankbar, dass wir zusammensein können und bis auf die Erkältungssymptome fit sind. Andere Familien trifft es da härter.

Wie fühlst du dich von den Behörden gut betreut und beraten?

Der Kontakt zum Gesundheitsamt läuft sehr gut. Sie sind wirklich freundlich und haben uns gut betreut bisher. Es gibt noch eine Hotline für den ärztlichen Notdienst, der auch über Corona aufklärt bzw Test veranlassen kann. Hier war es jedoch sehr schwierig jemanden zu erreichen. Ich bin wirklich gespannt, wie sich die Kapazitäten noch steigern lassen, denn ich habe das Gefühl, dass gerade auf dem telefonischen Weg bald alles überlastet sein wird.

Hast Du davor Angst?

Ja, eine drohende Überlastung macht mir tatsächlich Angst. Angst vor dem Virus habe ich bislang nicht, da es uns ja soweit gut geht.

Selbstverständlich sollten alle aber nun die Vorsichtsmaßnahmen, die einem nahegelegt werden, beherzigen. Nur so kann eine schnelle Verbreitung etwas eingedämmt werden und dadurch gerade die Risikogruppen unter uns geschützt werden. Bisher beruhigt es mich, dass Kinder nicht zu der Risikogruppe gehören.

Ich habe Angst davor, was mit unserer Wirtschaft und unserem Gesundheitssystem passiert, wenn zu viele Menschen in Quarantäne müssen. Wenn niemand mehr einen Arzt erreicht, wenn die Krankenhäuser noch mehr überlastet werden.. Darüber zerbreche ich mir viel mehr den Kopf als über unsere persönliche Situation! Und deswegen finde ich, dass jeder in der Pflicht ist, nicht hysterisch zu werden und mit Vernunft auf die Vorgaben zu reagieren und den Egoismus abzulegen, um die Ausbreitung zu verlangsamen. Ebenso sollten auch Einkäufe mit Vernunft geschehen und nicht mit übertriebenem Egoismus. Denn wir sitzen doch alle in einem Boot, das nicht untergehen darf und wird.

Wie ist die Stimmung bei Euch in der Familie?

Die Stimmung zwischen den Kindern und uns ist sehr gut, wir machen gerade Urlaub zuhause. Wir Erwachsenen machen uns natürlich mehr Gedanken, gerade wie das Umfeld reagiert, wenn wir infiziert sein sollten und unsere Kinder noch im Kindergarten waren, bevor die häusliche Isolation ausgesprochen wurde.

Die Leute, die eingeweiht sind, haben bisher immer ihre Hilfe für Einkäufe angeboten, das tut wirklich gut zu wissen. Wenn jedoch die Kita plötzlich geschlossen wird und fremde Leute aufgrund unseres Falles dann nicht mehr zu Arbeit gehen können.. Dann wäre das eine andere Sache. Auch wenn wir natürlich alle wissen, das es einfach jeden von uns treffen kann.

Liebe Sandra, erzähl erstmal wer du deiner Familie gehört.

Wir, das sind meine zwei Jungs (2 Jahre und 6 Jahre alt), mein Mann und unsere drei Katzen.

Ihr habt die letzten 10 Tage freiwillig in Hausarrest verbracht. Warum habt ihr euch dafür entschieden?

Wir waren in der Woche vor den Faschingsferien in Südtirol, unter anderem bei der Biathlon-WM in Antholz (Massenveranstaltung, nur DiXI-Klos, volle Bustransfers mit vielen Menschen) und sind dann einen Tag früher heimgefahren, weil der Kleine krank wurde (Fieber, Husten, …).

Zu dem Zeitpunkt war Corona noch kein Thema, das kam dann erst in den Tagen darauf. In den folgenden Tagen bekam die ganze Familie Symptome. Um sicher zu gehen, dass wir niemanden anstecken, wollten wir uns daher testen lassen.

Doch das war nicht so einfach. Hausarzt, Klinik und Gesundheitsamt waren sich einig waren, dass wir bitte zuhause bleiben sollen, weil wir krank genug waren, um ein Risiko darzustellen. Aber wir waren nicht krank genug, um getestet zu werden…

Uns war in dem Moment einfach wichtig, kein Risiko für andere zu sein. Wir haben selber im Umfeld Menschen, die gerade eine Chemotherapie machen oder aus anderen Gründe zu den Risikogruppen gehören. Die wollten wir schützen. Deshalb sind wir freiwillig in Hausarrest.

Ihr seid beide berufstätig- wie habt ihr das geregelt?

Bei mir war es relativ einfach: da ich klare Symptome eines grippalen Infekts hatte, war ich in der kompletten Zeit krankgeschrieben. Außerdem habe ich die Möglichkeit von zuhause zu arbeiten und habe vor allem in den ersten Tagen so dringende Themen geklärt.
Bei meinem Mann ist es schwieriger: er ist Tagesvater und somit quasi selbstständig. Da war dann gleich am ersten Tag klar – wenn er nicht arbeitet und der Hausarrest nicht angeordnet ist, bekommt er auch keinen Verdienstausfall. Nichtsdestotrotz war ja klar, dass er in der Situation keine Kinder betreuen sollte und von daher haben wir akzeptiert, dass wir in dem Fall das fehlende Geld einfach dem Gemeinwohl unterordnen.

Ihr seid dann doch noch getestet worden. Wie liefen die Tests ab und wann gab es die Ergebnisse?

Erst nachdem Südtirol in der vergangenen Woche auch als Risikogebiet eingestuft wurde, sind wir vergangenen Donnerstag am späten Abend getestet worden.
Ich hatte am Mittwoch mit der 116117 telefoniert, dort wurden unsere Daten von einer freundlichen Dame anhand einer Checkliste aufgenommen.
Dann rief am Donnerstagmittag eine Ärztin zurück, die unseren Fall beurteilte und entschied, dass wir getestet werden. Sie wies uns darauf hin, dass jemand noch an dem Tag zu uns nach Hause kommen wird und wir dort getestet werden. Dies könnte bis um24:00 Uhr in der Nacht passieren und es wäre kein Problem, wenn die Kinder schlafen.

Leider war es dann doch nicht so easy. Es wurden zuerst bei uns beiden Erwachsenen jeweils zwei Abstriche gemacht. Einer durch die Nase im Nasen-Rachen-Raum (ja, das ist so unangenehm wie es klingt!) und der zweite durch den Mund hinten im Rachen.
Die Ärztin war extrem unfreundlich und bei uns schon recht rabiat. Dann sollten wir die schlafenden Kinder holen. Unser Großer hat sich mit Händen und Füßen gewehrt, er war noch halb im Tiefschlaf. Wir mussten ihn dann zu zweit festhalten und haben damit auch beide noch im Nachgang zu kämpfen gehabt.

Gottseidank hat er selber sich am nächsten Tag tatsächlich nicht daran erinnert. Mein sehr, sehr, friedlicher Mann meinte aber danach, er hätte der Ärztin beinahe eine verpasst.

Beim Kleinen war es etwas einfacher, den hatte ich alleine fest im Arm und bei ihm war sie dann zum Glück etwas vorsichtiger.

Wir hätten uns gewünscht, dass das Prozedere vorher klarer kommuniziert worden wäre – dann hätten wir die beiden nicht schlafen gelegt. Und es bestenfalls ein Info-Video für Kinder gäbe wäre das so toll… Ich hatte vorher auch YouTube rauf und runter gesucht und leider nichts gefunden.
Es hat dann noch bis Samstagabend gedauert, dann haben wir die Entwarnung bekommen.

Wie siehst du die aktuelle Lage? Hast du Angst?
Ich sehe die Lage vor allem deshalb kritisch, weil wir selber in der Zeit an unheimlich vielen Stellen bemerkt haben, wie wenig wir in Deutschland vorbereitet sind.

Und daher finde ich die aktuellen Maßnahmen (auch wenn sie für den Einzelnen teils wirklich einschneidend sind) absolut berechtigt.
Es geht nicht darum, dass wir die Pandemie verhindert – aber es braucht noch mehr Zeit, um besser vorbereitet zu sein.

Ich selber habe keine Angst, aber ich mache mir durchaus Sorgen um meine Eltern (die sind beide schon über 75) und alle anderen Bekannten und Freunde, die zu den Risikogruppen gehören.

Wie habt ihr euch während des Hausarrests beschäftigt?

Zum Teil waren wir mit dem Auskurieren unserer Symptome beschäftigt – aber wir haben es auch geschafft, endlich mal das Wohnzimmer neu zu streichen und im Waschkeller eine Lüftung einzubauen (das Material für beides lag seit Monaten im Keller). Und auch das Spielzimmer der Kinder ist aufgeräumt und neu sortiert worden.
Außerdem haben wir zusammen mit den Kids einige Spiele neu für uns entdeckt, aber auch der eine oder andere Familienfilm von Netflix stand auf dem Programm…

Wie sind die Kinder damit umgegangen?

Erstaunlich erfreulich entspannt. Am meisten Sorge habe ich mir gemacht, weil der Große in der Zeit Geburtstag hatte. Den Tag haben wir dann aber richtig schön und entspannt gemeinsam gestaltet, ein ganzer Schwung Geschenke von der Verwandtschaft war per Post gekommen und es wurde immer mal wieder etwas ausgepackt. Er durfte sich den Tag vorher einen Kuchen aussuchen, den wir gemeinsam gebacken haben und auch sein Lieblingsessen (Pommes und Dino-Schnitzel) hatten wir noch in der Kühltruhe.
Wir haben uns bewusst viel Zeit für einander genommen, die im Alltag doch oft nicht so da ist. Da ich bei uns die „Vollzeitlerin“ mit normalerweise 43h-Stunden-Woche bin, habe ich es echt genossen, mal einfach mit der ganzen Familie auszuspannen….

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1 Kommentar

  1. Ich muss echt sagen Hut ab. Das ihr da alle so ruhig geblieben seid. Ich finde es grade für Kinder richtig schlimm. Sie können das Wort Corona sagen, wissen aber nicht was es genau ist. Ich hoffe es bleiben möglichst viele gesund. Wir sind mal in Berlin, Hamburg oder Florida, nun heisst es an einem Ort bleiben und abwarten. Allen viel Gesundheit!

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