Durch die Isolation: Mein Kind wird immer schweigsamer und trauriger

Ich heiße Maria, bin 41 und lebe in einer bayerischen Kleinstadt mit meinem Mann und meinen Töchtern (4 und 9 Jahre alt).

Seit dem 16.03. sind wir wie alle anderen auch in einer Ausnahmesituation. Die Kinder sind Zuhause, ohne Freunde, ohne Spielplatz, ohne Oma und Opa, ohne Hobbys.

Meiner neunjährigen Tochter macht diese Situation besonders zu schaffen. Sie ist ein sensibles Mädchen, sehr feinfühlig, aber auch sehr unsicher. Sie hat viele Freunde und ist eine sehr gute Schülerin.

Ihr größtes Hobby ist das Reiten, da kommt sie aus sich heraus. Das Reiten gibt ihr viel Selbstbewusstsein und es macht sie sehr glücklich. Durch die Isolation kann sie nicht mehr zu den Pferden, das ist sehr hart für sie.

Ich bemerke nun, dass meine Tochter sich verändert. In der ersten Woche hat sie noch mit ihren Freunden gefacetimed, jetzt möchte sie nicht mehr. Sie sagt, sie wisse nicht mehr, was sie ihren Freunden erzählen soll. Sie wird immer stiller, will auch nicht mehr spazieren gehen am Nachmittag. Sie will auch uns nichts mehr erzählen, träumt schlecht, will deshalb abends nicht mehr ins Bett.

Jede Nacht kommt sie zu uns, weil sie Angst hat. Unsere Tochter hat irgendwie ihre Leichtigkeit verloren und ich mache mir Sorgen. Ich habe versucht, ihr Highlights zu schaffen, zb. Eierfärben oder Grillen auf dem Balkon, aber sie bleibt traurig und mutlos. Das kenne ich so von meinem Kind überhaupt nicht und ich sorge mich wirklich.

Was soll ich tun? Eine Psychologin zu finden, ist wohl gerade aussichtslos, oder? Und unsere Kinderärztin behandelt nur noch akute Krankheiten. Ich bin ratlos. Gibt es hier andere Eltern, die auch solche Veränderungen an ihren Kindern feststellen und die mit Tipps geben können?

Foto: Pixabay

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11 Kommentare

  1. Wie sind denn bei euch die Verhaltensregeln? In meinem Bundesland ist es erlaubt, sich für Bewegung an der frischen Luft zu zweit draußen aufzuhalten. Es dürfen also nicht nur zwei Erwachsene (die nicht im gleichen Haushalt leben) zusammen joggen gehen, sondern natürlich können auch zwei Kinder oder Jugendliche zusammen Radfahren oder Federball spielen. Ich finde das auch extrem wichtig, sonst sind die „Kolateralschäden“ nach der Krise im sozialen Bereich schlimmer als der Schaden durch das Mist-Virus selbst. Ich würde also großen Wert darauf legen, dass mein Kind eine/n Freund/in alle paar Tage mal für ein, zwei Stunden sieht. Für 9-Jährige könnte das ja auch ohne elterliche Begleitung gehen.

  2. Liebe Maria,

    versuch doch dein Glück mal bei privaten Pferdebesitzern in eurer Nähe. Ich habe meinen Pferdemädels eine Art „Schichtsystem“ angeboten. Die Kinder bekomen gesagt, wo sie die wichtigsten Sachen (Putzzeug, Halfter, Strick) etc. finden und sie sagen mir, wann genau sie kommen wollen. In der Zeit schaue ich dann, dass sonst keiner im Stall ist. Kinder, die zu klein oder unerfahren sind, um allein die Pferde zu putzen, kommen mit den Müttern. Das geht bei mir, weil es nur 2 Pferde sind und die Kinder sich schon ein bisschen auskennen. Aber ich würde auch einem Kind wie deiner Tochter die Chance bieten. Reiten geht zwar gerade nicht, das ist mir zu gefährlich, wenn ich nicht dabei bin. Aber oft reicht schon allein der Umgang mit den Pferden. Putzen und streicheln ist da schon viel wert. Ich würde es einfach mal versuchen, fragen kostet ja nichts. Vielleicht als Inserat bei ebay kleinanzeigen oder als Aufruf bei facebook.

  3. Ein Tipp: zahlreiche Psychologen bieten spätestens jetzt online-Sitzungen an. Es muss ja nicht gleich eine Psychotherapie sein. Ich sage mal so: den allermeisten von uns würde in der jetzigen Situation eine Beratung oder Familientherapie gut tun. Es kann einfach sehr ressourcenorientiert sein und entlastend wirken. Ich empfehle, einen systemischen Kollegen ausfindig zu machen 😊

  4. Liebe Maria, ich würde an deiner Stelle erst mal die Ruhe bewahren. Es ist verständlich wenn deine Tochter traurig und ängstlich reagiert, daran ist noch nichts Krankhaftes. Es sind ja auch wirklich schwierige Zeiten. Dass das für dich als Mama schwer zu ertragen ist, deine Tochter so zu sehen, verstehe ich auch voll! Deine Tochter braucht vielleicht einfach noch ein bisschen Zeit um sich daran zu gewöhnen. Erst wenn der Zustand länger anhält (mehrere Monate) würde ich nach Hilfe suchen.
    Habt ihr schon versucht ihr die Situation nochmal zu erklären? Sie bekommt ja in ihrem Alter schon viel mit. Vielleicht hat sie noch Fragen und ihre Fantasie füllt die Lücken so, dass es für sie schrecklich wird und sie es mit Alpträumen verarbeitet? Alles Gute für euch!

  5. Hallo Maria!
    Deine Geschichte gerade zu lesen, hat mir Gänsehaut bereitet.
    Es war, als hätte ich das geschrieben.
    Bin momentan in der komplett gleichen Situation. Mein Mädel(10) kann auch nicht mehr einschlafen,ich kann froh sein wenn sie um 23.30h mal die Augen zumacht.
    Will nichtmehr in ihrem Zimmer schlafen. Sie sagt immer, Mama, wenn ich dir Augen zumach, träum ich immer so schlimme Sachen,ich hab Angst das ich meine Freundinnen nicht mehr sehen werde, ich sicher niewieder reiten kann,ständig von Angst begleitet. Die kleinsten Sachen,z.B Nasenbluten lösen bei ihr im Moment die schlimmsten Ängste aus.
    Bin auch ziemlich ratlos,und mach mir grosse Sorgen was ich machen soll.
    Manchmal sitz ich nachts im Bett,und denk mir wie ich das alles noch weiter schaffen soll.
    Der Mann ist auswärts arbeiten, die 2 anderen Kids 5 und 15 Jahre haben auch noch dazu ihre Sorgen.
    Nebenbei will ich nicht das sie es merken, das mich das beschäftigt.
    Bin heute mal in die Apotheke,und hab mir homöopathische Globuli geholt. AMBRA GRISEA D12. Die Apothekerin hat gesagt ich soll am Morgen und am Abend 5 Globuli geben,das wäre gut das die Kinder nicht soviel nachdenken,und ruhiger und gedankenbefreiter werden.
    Werde das jetzt einmal testen,und dir dann berichten.

    Glg Tamara

    1. Hallo Maria 🍀

      Das ist durchaus ein sehr schwieriges Thema da laufen mir die Tränen . Denn ich habe auch solch eine Tochter. Sie ist aber schon 17 .

      Kann sie nicht zum Pferd ? Bei uns geht das sie hat ein Pflege Pferd das auch sehr krank ist . Sie ist zur Zeit täglich bei ihm .

      Ich wünsche euch von tiefsten Herzen alles liebe und gute 🍀🍀🍀

      P.s Ich habe das Buch gelesen
      Mama und Papa ich habe kein Adhs sondern bin hochsensiebel. Ich kann es jedem nur empfehlen der solche Züge hat .
      Ganz liebe Grüße und bleibt gesund
      Daniela

      1. Das klingt für mich nach einer depressiven verstimmung, das sollte bald aufhören, da es sich verfestigen könnte.
        Schau mal auf die Tips bei der Stiftung depressionshilfe.
        Versucht einen Tagesablauf zu erstellen, der Abwechslung bietet. Ein bisschen Sport, was kreatives, kochen, backen, malen, basteln, ein Lied lernen.
        Alles gute für euch

  6. Meine Kids (5 und 2) haben angefangen völlig am Rad zu drehen, weil sie nicht mehr in die Krippe/ Kindergarten unter Gleichaltrige kommen.

    Wirklich: Beide Kinder waren ständig drauf, als ob wir ihnen Wodka-Red-Bull mit einer Ecstasy Pille drin verabreicht hätten. Einfach völlig außer Rand und Band und das von 8 Uhr morgens bis locker 23 Uhr.
    Unsere 5jährige Tochter durchlebt gerade ein ohnehin Wechselbad der Gefühle und schwankt zwischen absoluter Albernheit und hochemotionalen Ausrastern mit Gebrüll und Türenknallen. Regelmäßig wird dann auch der kleine Bruder angeschrien oder verkloppt, was der sich allerdings nicht gefallen lässt und nach Kräften zurückhaut oder beißt, woraufhin die Große dann meist mit einem Heulkrampf reagiert, der sich dann auch mal locker über eine Stunde hinziehen kann.
    Was uns geholfen hat, war trotz Corona mit den Kindern rauszugehen. Klar: Die Spielplätze sind zu, aber da es wieder warmes Wetter ist, kann man z.B. im Garten Ball oder Verstecken spielen. Eine kleine Fahrradtour mit der Älteren durch den Stadtpark geht auch und letzten Sonntag sind wir einfach mal raus in den Taunus zu einem Waldspaziergang gefahren.
    Die soziale Distanzierung haben wir auch etwas aufgelockert. Treffen mit dem Nachbarsjungen, der sich genauso langweilt, haben wir wieder zugelassen. Das hilft den Kindern, auch wenn wir immer etwas aufpassen müssen, dass der eher schüchterne Nachbarsjunge von unserer sehr dominanten Tochter nicht völlig untergebuttert wird.
    Jetzt wo das Wetter wieder wärmer ist, stellen wir auch gerne mal das Planschbecken auf den Balkon.
    Außerdem mache ich mit der Tochter hin und wieder gezielt ein anstrengendes Sportprogramm (Liegestütze, Situps, Squats, Burpees- das hält uns beide fit!) damit sie sich auspowern kann. Manchmal spanne ich auch die Bauchmuskeln an und stelle mich sozusagen als „lebender Sandsack“ zur Verfügung. Ich merke dabei, wie gut es ihr tut, ihre Aggressionen mal an einer Person ausleben zu dürfen, der das nichts ausmacht.

    Bei uns ist die Situation inzwischen wieder erträglich.

    Sozialkontakt reduzieren muss nicht völlige Isolation heißen und ist vor allem kein Frischluftverbot. Bewegung hilft, die emotionale Stabilität zu bewahren.

  7. Hallo Maria!

    Unsere Tochter (gerade 6) vermisst ihre beiden besten Freundinnen auch schrecklich. Wir haben den beiden dann ganz liebe Briefe geschrieben und per Post verschickt und was ist gestern passiert?
    Beim Müllrausbringen lag auf der Treppe (wohnen in einem Einfamilienhaus) ein selbstgebastelter Marienkäfer und ein Brief von Freundin Nr. 1. Etwas später am Tag schellte es an der Tür und es lag ein Bleistift mit selbstgebastelten Schmetterling auf der Treppe. Anicas Freundin stand etwas abseits und so konnten sich die zwei aus der „Ferne“ zuwinken und etwas quatschen. Das tat den Kinderseelen so gut.
    Diese kleinen Aufmerksamkeiten haben eine große Wirkung. Vielleicht wäre das auch mal eine schöne Alternative zum digitalen Kontakt. Basteln, dann zu den Freunden spazieren und Freude überbringen.

  8. Hallo Maria, ich kenne Deine Situation gut, mein Sohn, 9 Jahre, ist am letzten Schultag in Tränen ausgebrochen, weil das geliebte Fußballtraining und Schwimmtraining nun ungewiss lange ausfällt… das war für ihn schlimmer, als der Wegfall der Schulfreunde, er möchte auch nicht mit diesen kommunizieren, weil er eh nicht mit ihnen toben kann. Meine 6 jährige Tochter wollte mehrere Wochen nicht mehr aus dem Haus und heimischen Garten gehen. Wir sind der Situation so begegnet, dass wir für den Sohn vom Verein gesandte Übungsvideos gemeinsam durchtrainieren, ich lerne also gerade auch Fußbälle zu jonglieren und zu dribbeln und mache Burbies mit fiesem Muskelkater hinterher. Außerdem hat mein Mann einen täglichen Trainingsplan zum Erhalt der Fitness ausgearbeitet. Ich mache auch mit beiden Kindern Yoga, wann immer Zeit ist (also nicht täglich), meine Tochter steht sehr auf die Kinderyogaeinheiten, die wir bei Streamingdiensten finden. Außerdem haben wir den Fahrradkindersitz wieder heraus gekramt und sind am Wochenende mit meiner Tochter drinne eine Runde durch die Stadt und zu bekannten Orten gefahren. Da fühlte sie sich sicher und hat gesehen, dass es alles noch gibt… jetzt will sie von sich aus gerne kleine Spaziergänge machen. Zusätzlich investieren wir Eltern nach getaner Arbeit ganz viel Zeit in die Beiden. Z. B. schauen wir zusammen alte Serien, die wir als Kinder mochten, hören unsere alten Hörspiele und lesen unsere alten Kinderbücher mit ihnen, das mögen sie gerade sehr. Wir kommen aus den Neuen Bundesländern und habe beide die Wiedervereinigung erlebt, was ja ein großer Umbruch war und erzählen den Kindern gerade auch viel aus der Zeit, dass das Leben anders aber gut weiter ging… das hören sie auch sehr gerne, das macht ihnen Mut. Zusätzlich Videotelefonieren wie täglich mit den Großeltern und binden sie so in unseren Alltag ein. Sie bespaßen z. B. so die Kinder aus der Ferne und hören auch das Einmaleins ab, was dem Elternteil im Homeoffice Arbeitszeit verschafft… Vielleicht waren ein paar Dinge dabei, die Du nutzen kannst.

    1. Liebe Maria,
      die Situation ist für alle gerade sehr belastend, meine Kinder sind erst 3 und 6 Jahre alt, aber auch sie vermissen ihr Freunde, können dies aber ganz gut äußern (z. B. sprachlich, aber auch durch weinen oder Wutanfälle). Wenn du das Gefühl hast, dass ihr professionelle Hilfe braucht, könnte vielleicht eine Erziehungs-und Familienberatungsstelle eine erste Anlaufstelle sein. Dort arbeiten, hier zumindest, Sozialpädagoginnen mit einer therapeutischen Zusatzausbildung oder Psychologinnen. Vielleicht gibt es dort für dich ja die Möglichkeit einer telefonischen Beratung.
      Viel Kraft und viele Grüße, Maria

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