Ehe-Aus: Mitten in der Corona-Krise trennt sich Ronja nach zehn Jahren von ihrem Mann

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Liebe Ronja, Du bist seit zehn Jahren verheiratet, doch jetzt steht Eure Ehe vor dem Aus. Erzähl doch mal ein bisschen was über Eure Beziehung.

Gerne. Kurz nach unserer Hochzeit wurde unsere 1. Tochter geboren. Sie hatte eine Infektion, die sich schnell im ganzen Körper ausbreitete. Nach neun Tagen ist unser Kind an komplettem Organversagen gestorben. Dieser Schicksalsschlag hat unser ganzes Leben und unsere Beziehung verändert.

Ich kann rückblickend sagen, dass wir schon damals aufgehört haben, wirklich mit einander zu sprechen. Wir wollten einander nicht noch mit den Sorgen und Gedanken des anderen belasten. Mein Mann stürzte sich in die Arbeit, war wenig zu Hause und ich machte viel mit mir selbst aus. Unsere Art zu trauern war komplett unterschiedlich.

Ein Jahr später wurde ich wieder schwanger, drei Jahre darauf dann nochmal. In der ganzen Zeit hat mein Mann extrem viel gearbeitet und ich habe ihm den Rücken zu Hause freigehalten und mich voll um unsere beiden Kinder gekümmert. Mehr und mehr lebten wir einfach nebeneinander her. Wir redeten viel zu wenig miteinander, es gab immer öfter Streit und wir beide fühlten uns voneinander komplett unverstanden.

Gerade jetzt sitzen wir alle dicht aufeinander. Wenn die Beziehung eh schon wacklig ist, ist das sicher sehr schwer, oder?

In der ersten Woche der Corona-Krise war mein Mann von morgens um 6 Uhr bis spät abends auf der Arbeit. Oft kam er erst nach Hause, wenn die Kinder schon schliefen. Für die Kinder war diese ganze Umstellung echt schwer, so dass sie ganz schön fordernd waren. Das hat mich total gestresst und meine Wut habe ich dann auch oft abends an meinem Mann ausgelassen. Das waren wirklich keine guten Tage.

Und deshalb habt Ihr eine Entscheidung getroffen…

Ja, die Stimmung war so schlecht, dass wir beschlossen haben, dass mein Mann erstmal auszieht, bis etwas Ruhe in die Familie gekommen ist. Seitdem kommt er zwei Nachmittage in der Woche und am Wochenende, um die Kinder zu sehen.

Wie geht es Dir mit der neuen Wohn-Situation?

Mein Mann wohnt jetzt seit zwei Wochen nicht mehr bei uns. Ich fühle mich tatsächlich leichter und irgendwie befreit. Das merke ich auch im Umgang mit den Kindern. Der Gedanke, mein Leben nun wieder selbst in die Hand zu nehmen, macht mir keine Angst mehr.

Ich habe im letzten Jahr ein kleines Haus in einem anderen Stadtteil geerbt, das leer steht. Bisher konnte ich mir nicht vorstellen, umzuziehen. Das hat sich nun geändert, denn ich sehe kaum eine andere Chance, eine bezahlbare Wohnung für die Kinder und mich zu finden. Deswegen plane ich wie wild den Umbau und Umzug, damit wir zum Ende der Sommerferien im Haus neu anfangen können.

Mein Mann war etwas überrumpelt, als ich ihm davon erzählte. Aber sein Verhalten in den letztenMonaten fühlte sich einfach schon so nach einer Trennung an, dass ich jetzt einfach versuche, mich auf mich selbst zu konzentrieren.

Was habt Ihr Euren Kindern über die neue Situation gesagt?

Uns hat die Familienberatung dazu geraten, so offen wie möglich mit unseren Kindern (4& 7 Jahre) zu sprechen. Wir haben mit ihnen besprochen, dass wir ein Experiment starten und dass der Papa für vier Wochen ausziehen wird, weil wir uns als Eltern immer so viel streiten und dass es Tage gibt, an denen wir uns nicht mehr lieb haben.

Nun habe ich die Mädchen schon gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, in das Haus zu ziehen. Wir hätten einen Garten, Oma und Opa wohnen in der selben Straße, der Wald ist fast vor der Tür. Ob es für meinen Mann und mich noch eine Chance gibt, kann ich nicht sagen. Momentan fühle ich mich bei dem Gedanken, mit den Kindern diesen Schritt zu gehen, einfach extrem frei. Rückblickend waren wir beide doch schon so lange unglücklich.

Was wünscht Du Dir für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass wir alle wieder glücklich werden. Die Kinder, mein Mann und ich. In welcher Konstellation – das wird die Zeit zeigen. Aber in erster Linie ist es wichtig, dass die Kinder wieder eine Stabilität erleben, wozu ich auch den regelmäßigen Kontakt zum Papa zähle. Er ist und wird auch immer ein wichtiger Teil unseres Lebens sein. Aber zum jetzigen Zeitpunkt kann ich sagen, dass wir als Ehepaar nicht glücklich sind. Und ich wäre einfach gerne mal wieder glücklich…

Foto: Pixabay

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2 comments

  1. Wenn es möglich oder erwünscht ist, würde ich gerne eine Antwort auf meine Frage erhalten.
    Ich bin so furchtbar unglücklich und wütend auf meinen Partner. Er hat mir vor einigen Monaten eröffnet, dass er nicht mehr weiß ob er mich liebt und seit dem habe ich das Gefühl als ob er unsere Beziehung soweit sabotiert bis ich den Schlussstrich ziehe. Wir haben gemeinsam eine Tochter (3) und haben uns auch während der Pandemie nicht viel gestritten. Es fühlt sich alles so kaputt an. Er ist jetzt erst mal für ein paar wochen ausgezogen und Videochattet alle zwei Tage mit uns. Wir komme ich mit diesem gefühlen klar. Ich weiß dass ich mich jetzt auf meine Tochter und mich konzentrieren muss, aber ich kann einfach nicht begreifen wie es soweit kommen konnte. Ich finde keine Weg für mich, habt ihr einen tipp

  2. Ich finde das super und mutig, man muss alte Ufer verlassen um neue zu finden! Viel zu oft opfern sich glaub Frauen der Kinder wegen, um am Ende die Unglücklichste Person in der Familie zu sein!

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