30/10/2013 - 22:05

Stadt-Mama Katharina

Entschuldigung, aber sagt Dein Mann eigentlich, dass DU blogst?

Hallo Lisa, na, wie geht's Dir? 

Huch, die Welt da draußen gibt es ja noch. Mein Sohn hatte diese Woche kurz vor seinem zweiten Geburtstag Magendarm und ich weiß nicht wie das andere machen, aber: Wenn das Kind hier mit mir abhängt und nicht zur Kita kann, schaffe ich NICHTS. Er nimmt mich einfach ein. Morgens muss er ja raus, also Mama-Spielplatz-Dienst, dann einen schnellen Pfannenkuchen machen, Mittagsschlaf (dummerweise schlafe ich schwangerschaftsmüdestrunken mit) und dann, hach, dann ist es ja schon drei Uhr, also nochmal raus und dann das Abendessen und irgendwie hatte mein Tag dann wiedermal nur zwei Stunden...

Naja, vielleicht bin ich da aber auch ein Extremfall. Auf jeden Fall erreichte mich diese Woche die Mail einer unserer Leserinnen, die mich fragte wie ich das so mit dem Bloggen und meiner Privatsphäre handhaben würde. In meinem Büchern würde ich ja ziemlich viel preisgeben und auf dem Blog sogar noch mehr, ob es mich nicht stören würde, was mein Mann dazu sagen würde und ob es jemals Thema zwischen uns war. Es war tatsächlich nicht die einzige Frage dieser Art, die ich in den letzten zwei Jahren gestellt bekommen habe und ich finde sie hat ihre volle Berechtigung. 

Ich wollte mir heute also einmal Mühe geben, sie kurz, aber tiefgreifend einmal für alle, die sich auch schon die Frage über Blogger an sich und mich (Ich kann ja nur von mir reden!) gestellt haben. 

Nun, in meinem Fall ist es so. Bevor ich mit dem Bloggen und Buchschreiben angefangen habe, habe ich ja jahrelang als Redakteurin für verschiedene Zeitungen gearbeitet (u.a. die Hamburger Morgenpost, die B.Z. und die Berliner Zeitung). Das heißt, ich habe zwar natürlich nicht über mich geschrieben, aber jeder Text, jede Recherche macht Dich natürlich als Autor angreifbar und die Kritik kann im Einzelnen sehr hart sein. Ich glaube Journalisten können nur mit dieser Härte umgehen, weil ihr Mitteilungsbedürfnis im Allgemeinen stärker ist als die Angst wieder etwas abzukriegen. Ich glaube, das habe ich auch. Ich erzähle einfach gerne Geschichten und da mir noch ein paar Jahre Lebenserfahrung fehlen, um die Abstraktion über andere und mein Leben zu machen, schreibe ich im Moment am liebsten über das was ist. Es ist ja auch so, dass ich damit ja nicht alleine bin, sondern dass man sich als Blogger dank des Zeitgeists immer in tausendfacher guter Gesellschaft befindet. 

Tja und vielleicht ist das auch schon die ganze Antwort. Ich erzähle einfach gerne und ich lese noch lieber Eure Reaktionen darauf. Im Übrigen fühle ich mich dabei nicht in meiner Privatsphäre gestört. Umgekehrt habe ich auch nicht den Eindruck, meine Lieblingsblogger, die ich so lese, zu kennen. Ich denke jeder Mensch hat soviel Facetten, Talente und Abgründe, ein Blog wird nie das Gesamtbild der Person wiedergeben können. 

Und ganz sicher gibt es auch viele Seiten an mir, die nichts auf diesem Blog zu suchen haben. Das reicht von meiner Vorliebe für China, fürs Kochen (Nein, ich poste KEINE Rezepte und fotografiere auch mein Essen nicht. Obwohl das leicht wäre: Ich koche täglich), für Arthouse-Filme oder komplizierte Freundschaften. 

Nicht weil ich es verheimlichen möchte, sondern weil ich glaube, dass diese Dinge für die Internet-Öffentlichkeit langweilig (im Fall von Altchinesisch) bis Geschmackssache (im Fall von Arthouse oder Freundschaftstalk) sind. Insofern bin ich hier am liebsten meine Hauptrolle: Ich bin Mama. Aber eben nicht nur.

Eure Caro xxx

P.S. Oh, richtig: Da war noch die Frage wie mein Mann es findet, wenn ich über ich schreibe. Tja, im Grunde genieße ich, dass er es noch nie thematisiert hat. Und es gibt Dinge, die man dann besser (gerade bei Männern) auch nicht weiter hinterfragt... Nein, im Ernst: Er ist ein Schatz, was soll ich sagen. Denn ohne ihn als Protagonisten, würde mir das Bloggen auch nicht so viel Spaß machen. 

Tags: Stadt-Mama Caro

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Kommentare

anna sonie — Do, 10/31/2013 - 09:16

also, das du gern kochst und IMMER gesund und bio und das du China magst hat nun wirklich mitlerweile jeder begriffen, da du es permanent NICHT erwähnst. gähn. du klingst halt immer total nach Selbstdarstellung.

Simone — Do, 10/31/2013 - 09:58

....da schließe ich mich gerne an. Vor allem, dass du chinesisch FERTIG studiert hast, das soll bitte keiner je vergessen. Ich habe übrigens auch fertig studiert :-)

Katharina — Do, 10/31/2013 - 10:59

Liebe Caro, liebe Alle, wisst Ihr, was ich nicht verstehe: Warum wir Frauen immer so bissig untereinander sein müssen? Ich denke, so ein Blog hat immer auch was mit (Selbst-) Darstellung zu tun - ohne funktioniert es kaum. Davon profitieren wir Leserinnen/Leser in Form der Ideen/Gedanken/Meinungen, die Caro und Lisa mit uns teilen, oder nicht? Und wenn wir mal ganz ehrlich sind...Gibt es nicht doch immer mal wieder Situationen, in denen wir uns ALLE ein wenig selbst darstellen, selbst wenn wir es eigentlich gar nicht wollen? Ich bin übrigens NICHT fertig. Unser Sohn ist mir kurz vor dem Examen dazwischen gekommen. :-) Such is life...Ich freue mich für Euch, dass Ihr Euch den (auch inneren Stress) damit nicht mehr machen müsst! (Es gibt genug andere...ich weiß. :-)) LG Katharina

Kerstin — Do, 10/31/2013 - 11:10

Was soll denn der Quatsch? Ihr seit ja wieder negativ drauf. Schlimmer, als sich mal zu wiederholen ist es nicht die Größe zur Selbstbeherrschung zu haben! Echt traurig.

frau sonie — Do, 10/31/2013 - 11:31

... ich fand mich gar nicht bissig. Selbstdarstellung ist im übrigen völlig in Ordnung. Allerdings sollte man dann auch dazu stehen. nichts für ungut.

Stadtmama Caro — Do, 10/31/2013 - 11:53

XXX

Papi redet mit — Do, 10/31/2013 - 12:29

Liebe Caro, ich lese Deine post immer gern und vor allem die, wenn Du über deinen Mann schreibst. :) Um so besser, dass es ihn nicht zu stören scheint. Ich mag Deine Art zu schreiben... egal ob sie nach Selbstdarstellung klingt oder nicht... ist halt mal etwas kecker, offener, kritischer, anders... . Ich mag es. lg. Christian

Liz — Do, 10/31/2013 - 12:43

Seltsam, was da manchmal abgeht. Nun ja: ein Blog lebt nun mal von der Selbstdarstellung, vor allem ein so persönlicher wie dieser hier. Deshalb lesen wir das doch auch. Weil es um Persönliches geht. Und wer Chinesisch fertig studiert hat, kann meinetwegen auch stolz drauf sein. Das ist nämlich eines der Fächer, die viele Leute eben nicht fertig studieren. Ich bin auch stolz, dass ich so ein klassisches Abbrecherfach gut abgeschlossen habe. Insgesamt denke ich, dass Frauen oft angegriffen werden, wenn sie sich selbst loben. Männer irgendwie nicht. Das ist scheiße, denn so schwächen wir uns selbst, wo wir uns doch gegenseitig viel öfter auf die Schulter klopfen sollten.

Katharina — Do, 10/31/2013 - 12:54

Finde Deinen Kommentar toll! Und den von Christian auch! :-) Vielleicht sollten wir uns auch nicht nur für unsere "Leistungen" auf die Schulter klopfen, sondern auch die "einfachen Dinge", die wir aneinander toll finden, sagen. Z.B. mag ich Caros Schreibstil genau wie Lisas auch gerne (mit oder ohne chinesisch :-)) und ich bewundere Euren Mut (sagte ich an anderer Stelle, glaub ich, auch schon mal) Euch einer anonymen Masse so zu zeigen und Eure Fähigkeit mit den (positiven wie negativen) Konsequenzen souverän umgehen zu können!

Lise — Do, 10/31/2013 - 20:40

Mit Eurem Blog bin ich schon Achterbahn gefahren...Es hat mich nachdenklich gemacht, ich habe mich gefreut, habe mich verstanden gefühlt, mich geärgert, mich fremdgeschämt, habe mich geärgert, es "lauthals" kritisiert und mir sogar vorgenommen, hier nicht mehr weiterzulesen. Letzteres gelingt mir nicht, denn schlussendlich berühren mich Eure Texte - und vor allem Deine, Caro! - wie auch immer, machen sie mich neugierig und es macht mir Spaß, mich mit Euren Worten auseinanderzusetzen. Vor allem aber finde auch ich die Reaktionen der anderen spannend! Meiner Meinung nach spricht jede Kritik hier in erster Linie für Euch, denn sie zeigt nur, dass Eure Schreibweise und die ehrliche, unverblümte Direktheit auf diesem Blog die Leserschaft nicht kalt lässt. Niemand würde sich die Zeit nehmen und eine Kritik über einen Text verfassen, der ihn nicht irgendwie anspricht! Schlechte Texte würden gar keine Aufmerksamkeit erregen. Gute Texte polarisieren. Ich finde es hier fabelhaft. Und noch beeindruckender finde ich, dass ihr trotz der tiefen Einblicke in Euer Leben, die daraus resultierende oftmals sehr persönliche Kritik zulasst. Davor ziehe ich meinen Hut!

Liz — Fr, 11/01/2013 - 12:27

...für's Kompliment, liebe Katharina :)

LiLi M. — Mi, 11/13/2013 - 15:23

Hi Liz, ich finde Deinen Beitrag super! Deine Gedanken sind zu den neidischen Kommentare sind absolut richtig. Fand ich sehr mutig und klug von Dir. Du zeigst absolute Größe hier in dem Raum!

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