Gastbeitrag: Deshalb gehe ich zur Sexualtherapie

Liebe Lisa, liebe Katharina, inspiriert durch Euren Artikel „Let`s talk about sex“ möchte ich Euch meine Geschichte erzählen. Doch auch ich möchte lieber anonym bleiben. Dann fällt es mir leichter, ehrlich davon zu berichten.

Ich heiße Nadine, bin 33 Jahre alt und habe eine 14 Monate alte Tochter. Die Geburt meiner Maus war der Horror. Ich lag 15 Stunden lang in den Wehen, irgendwann ging nichts mehr voran. Auf die Welt kam meine Tochter, indem die Hebamme mit aller Kraft auf den Bauch drückte und sie nach unten schob. Die Ärztin steckte gefühlt bis zur Schulter in mir drin. Ich hatte einen heftigen Dammriss und habe ordentlich Blut verloren. Danach sah es im Kreissaal aus wie auf dem Schlachthof. Natürlich war die Freude, ein gesundes Kind zu haben, riesengroß. Aber die Geburt war für mich – und auch für meinen Freund – traumatisch. Meine Geburtsverletzungen machten mir ziemlich zu schaffen, ich fühlte mich richtig aufgerissen und kapselte mich gefühlt von meinem Unterleib ab. Was natürlich nicht gerade förderlich ist, um wieder ein Sexleben zu haben. Ich denke, kaum eine Mutter hat in den ersten Wochen nach der Geburt Lust auf Sex, bei den meisten pendelt sich das jedoch wieder ein. Nicht so bei mir. Ich fühlte mich so, als habe ich jede Verbindung zu meinem Körper verloren. Ich stillte zwar, aber alles was „untenrum“ war, fühlte ich nichts mehr. Es war, als existiere ich ab dem Bauchnabel abwärts nicht mehr. Mein Freund drängte mich nicht. Aber auch nach einem halben Jahr verkrampfte ich innerlich völlig, wenn ich nur an Sex dachte. Trotzdem habe ich versucht, mich zu überwinden. Dachte, ich muss nur wieder in Schwung kommen. Aber ich war so verkrampft, dass es einfach nur weh tat und wir aufhören mussten. Nach weiteren sechs Monaten merkte ich, dass ich etwas tun muss. Nicht nur, weil ich Angst hatte, dass meine Beziehung zerbrechen könnte, auch, weil ich wieder zu mir finden wollte. Ich bin mit meinem Freund zur Sexualtherapie. Das war schon ein schwerer Gang. Wer redet schon gerne mit einer Fremden über Sex? Oder eher den fehlenden Sex?  Doch die Therapeutin zeigt uns nun, wie wir wieder ganz langsam eine Körperlichkeit aufbauen. Langsam war dabei das Wichtigste, denn ich war wirklich völlig blockiert. Wir geben uns Mühe, akzeptieren, dass es kleine Schritte sind. Aber ich möchte unbedingt eine Veränderung. Allein schon, weil ich mich wieder mit meinem Körper im Einklang fühlen will.

Was ich mit meiner Geschichte sagen will? Kein Zustand ist in Stein gemeißelt. Man kann an sich arbeiten, es ist vielleicht anstrengend. Aber es lohnt sich!

Fotograf: carlitos /Photocase

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2 Kommentare

  1. kenne ich zu gut…
    Liebe Nadine, ich kommentiere selten…aber in deinem Artikel finde ich mich so sehr wieder. Das Verständnis meines Mannes lässt nach und der Druck wird größer. Nicht gerade förderlich. Zudem stille ich noch und nehme die Pille. Minus mal Minus mal Minus… tja…
    Er schlägt mir feste Termine vor. Für mich eher der Horror…so wie zum Zahnarzt oder Gyn…man lässt es über sich ergehen. Dass kann es ja auch nicht sein.
    Hilft die Therapie?

  2. kenne ich zu gut…
    Liebe Nadine, ich kommentiere selten…aber in deinem Artikel finde ich mich so sehr wieder. Das Verständnis meines Mannes lässt nach und der Druck wird größer. Nicht gerade förderlich. Zudem stille ich noch und nehme die Pille. Minus mal Minus mal Minus… tja…
    Er schlägt mir feste Termine vor. Für mich eher der Horror…so wie zum Zahnarzt oder Gyn…man lässt es über sich ergehen. Dass kann es ja auch nicht sein.
    Hilft die Therapie?