Gastbeiträge

15/06/2017 - 07:00

Stadt-Mama Katharina

Ich hatte ein Schreibaby und diese Tipps haben mir geholfen - Gastbeitrag von Christin

Ich bin Christin und ich habe zwei Kinder. Mein erstes Baby war ein Schreibaby. Mein zweites Baby war die pure Entspannung.

Eine meiner größten Erkenntnisse lautet: Du kannst überhaupt nicht beeinflussen, ob dein Kind ein Schreibaby ist oder nicht. Genauso wenig, wie du beeinflussen kannst, welches Essen dein Baby gerne mag, wann es abends müde wird oder ab wann es nicht mehr einpullert.

Ich mag den Begriff „Schreibaby“ überhaupt nicht, weil ich finde, dass er so herabwürdigend klingt. Es handelt sich um Babys, die viel weinen - aus individuell verschiedenen Gründen.

Niemals in meinem Leben hätte ich auch nur ansatzweise vermutet, WIE anstrengend es ist, ein Baby zu begleiten, das sehr oft weint und sich gefühlt durch gar nichts beruhigen lässt. Wenn ich es mal geschafft habe in eine Stillgruppe oder Krabbelgruppe zu gehen, bin ich nach kurzer Zeit wieder gegangen, weil es sinnlos war. Mein Baby hat sich die Seele aus dem Leib geschrien und eine Unterhaltung bzw. ein Informationsaustausch war in diesem Raum dann nicht mehr möglich.

Die Geburt eines Babys verändert das Leben elementar. Man achtet auf Dinge, auf die man früher im Leben noch nie geachtet hat. So fallen einem auch plötzlich Szenen aus der Vergangenheit ein, die jahrelang zurückliegen. Szenen in denen man Freundinnen oder Cousinen mit ihren Babys beim Spazierengehen begleitet hat und die kleinen Babys dabei entspannt im Kinderwagen eingeschlafen sind. Szenen, die man aus der eigenen Perspektive nun völlig anders erlebt und die unglaublich erscheinen.

Ich weiß wie es ist, wenn man trotz fürsorglichem Mann und Großeltern in der Nähe am Ende seiner Kräfte ist. Ich frage mich ernsthaft wie Mütter überleben, die keinen fürsorglichen Mann und keine Großeltern in der Nähe haben. Das Baby weint die ganze Zeit und man hat das starke Bedürfnis, etwas zu tun und nichts funktioniert. Ich habe alle Mütter, die ich kenne und neu kennengelernt habe immer wieder gefragt, was sie noch gemacht und ausprobiert haben, wenn ihr Baby geweint hat und nicht zu beruhigen war.

Das Hauptproblem ist nämlich, dass man Informationen braucht, aber keine Zeit hat Informationen aufzunehmen, weil man nur damit beschäftigt ist, das Baby zu tragen, zu stillen und es versucht zu beruhigen. Im Internet gibt es oft nur oberflächliche Informationen oder Werbeseiten mit wenigen Tipps, die man sowieso schon kennt. Zeit für ein Lesestündchen auf dem Sofa mit einem 300 Seiten dickem Buch ist utopisch.

Ich hätte mir damals so sehr eine Art Liste gewünscht, auf der etliche Möglichkeiten aufgezählt sind, was man noch ausprobieren könnte. Keine langen Erklärungen, sondern eher ein gesammeltes Werk mit Dingen, die ich sofort umsetzen kann.

Das hatte ich damals nicht. Nun ist mein erstes „Baby“ 7 Jahre alt. Es hat 8 Monate intensiv geweint. Danach war es plötzlich besser. Aus heiterem Himmel. Keiner weiß, warum. Das Thema hat mich seither beschäftigt. Ich bin nun um sehr viele Erfahrungen reicher. Unzählige Stillgruppenbesuche, Hebammengespräche, Vorträge, Kongresse, Bücher, Videos und von-Mutter-zu-Mutter-Gespräche später habe ich selber diese Liste in Form eines 22seitigen Ebooks erarbeitet, die ich mir damals so sehr gewünscht hätte:  „Schreibaby – was tun? 50 liebevolle und sofort anwendbare Möglichkeiten dein Baby bedürfnisorientiert zu beruhigen, wenn es weint“

Dort habe ich viele Dinge gesammelt, die helfen, dein Baby zu beruhigen. Es handelt sich um respektvolle und liebevolle Möglichkeiten für Eltern, die ihre Babys als gleichwürdig sehen. Dein Baby ist in seinen ersten Lebensjahren vollkommen von dir abhängig. Selbständigkeit und Selbstbewusstsein können sich nur entwickeln, wenn die Bedürfnisse in der Phase der absoluten Abhängigkeit liebevoll erfüllt wurden. Mit einem Schreibaby können einen irgendwann die Kräfte verlassen und dann braucht man neben unendlicher Geduld irgendwann auch Kreativität und neue Tipps, die man ausprobieren kann.

Ich wünsche mir von Herzen, dass mein Ebook Müttern hilft, die Babys haben, die intensiv und viel weinen und die sich die ganze Zeit fragen: was könnte ich denn noch machen? Einige Mütter schilderten mir kuriose Situationen, die zu Lösungsansätzen führten, auf die man unter normalen Umständen niemals gekommen wäre. Beispielsweise berichtete eine Mutter, dass ihr Baby unmittelbar aufhörte zu weinen, sobald sie die Waschmaschine anstellte. Eine andere Mutter trug ihr weinendes Baby umher, bis das Geschwisterkind kam und die Hand auf den Babykopf legte. Mit der Hand auf dem Kopf hörte es sofort auf zu weinen. So fand die Mutter heraus, dass ihr Baby das starke Bedürfnis hatte, eine Begrenzung am Kopf zu spüren. Sie trug ihr Kind oft im Tragetuch und legte dabei eine Hand auf seinen Kopf oder legte ein Kissen direkt an den Kopf, wenn sie im Bett schliefen. Dieses Wissen erleichterte der gesamten Familie das Leben. Wer würde unter normalen Umständen auf so einen Gedanken kommen?

5 Möglichkeiten aus der Liste mit den 50 Möglichkeiten, die ein Schreibaby beruhigen können, möchte ich kurz vorstellen. So ist im Prinzip das gesamte Ebook aufgebaut - immer mit dem Fokus komprimiert zum Punkt zu kommen

1. Kniebeugen

Das Baby auf dem Arm/im Fliegergriff halten und mehrmals hintereinander Kniebeugen machen bzw. schnell in die Knie (Hocke) gehen. Diese Bewegung beruhigt sehr viele Babys. 

2. Fließendes Wasser

Während eines Weinkrampfes einfach in die Küche oder ins Bad zum Wasserhahn gehen und ihn aufdrehen. Das natürliche Geräusch des fließenden Wassers beruhigt Babys sehr.

3. Monotone Geräusche 

Monotone menschliche Geräusche haben eine sehr beruhigende Wirkung auf Babys. Probiere aus, auf welche dieser Geräuscharten dein Baby am meisten reagiert: 

a) Mmmmmmmmm (summen, besser als singen) 

b) Ommmmmmmm (wie tibetanische Mönche) 

c) Schhhhhhhhhhhh (laaange ausdehnen) 

d) Ssssssssssssssssss (Bienensummen)

4. Begrenzung an den Füßen 

Das Gefühl der Begrenzung fehlt manchen Babys an den Füßen. Diese Babys wollen eine Begrenzung an den Füßen spüren, d. h. einfach ein Stillkissen o. ä. unter die Fußsohlen legen.

5. Tonbandaufnahmen vom Weinen des Babys 

Wenn man das aufgenommene Weinen des Babys während der Schreiphase vorspielt, kann es sein, dass das Baby verblüfft innehält und man die Möglichkeit hat, andere Beruhigungsmaßnahmen einzuleiten.

Allen Mamas, die gerade so eine schwere Zeit durchmachen, möchte ich sagen: Irgendwann ist diese intensive Zeit vorbei und im Nachhinein wirst du erkennen, wieviel du gelernt hast und wie sehr du dich weiterentwickelt hast.

Mehr Informationen zum Ebook gibt es hier: www.schreibaby-was-tun.de

Tags: Schreibaby, Hilfe, Tipps, Stillen, Tragen, Ruhe, Erziehung, Vertrauen

Das könnte dich auch interessieren...

Kommentare

Denise — Di, 04/09/2019 - 21:58

Hallo, können Sie mir sagen,wo man das Buch zu Schreibaby von Christin Melmer herunterladen kann? Ich konnte es leider nirgends finden. Vielen Dank!

Neuen Kommentar schreiben