Ingo Siegner, Schöpfer des Drachen Kokosnuss: „Kindern Mut machen“

Inobhutnahme

Symbolbild: pixabay

Ihr Lieben, ihr kennt ihn alle, den Kleinen Drachen Kokosnuss. Wer Kinder hat, kommt nun mal gar nicht drumherum. Aber darum soll es heute gar nicht gehen, sondern um ein neues Projekt, dass der Schöpfer vom Drachen Kokosmuss – Ingo Siegner – nun zum Leben erweckt hat. Für das Kinderheim Kleine Strolche hat er nun nämlich ein neues Buch gezeichnet: „Matti wird ein Kleiner Strolch“. Warum? Ganz einfach: Um den Kindern die Eingewöhnung zu erleichtern. Dafür hat Ingo Siegner das Maskottchen des Kinderheims, den kleinen Ritter Strolch, aufs Papier gebracht. In der Geschichte zeigt der kleine Ritter dem Jungen Matti das Kinderheim, das für Matti noch ganz neu und ungewohnt ist. Das Buch soll Kindern nach Inobhutnahmen die Angst nehmen, der cbj verlag war so begeistert von dieser Idee, dass er es unentgeltlich gedruckt hat.

Autor Ingo Siegner

Lieber Herr Siegner, Sie waren mal als Au pair in Frankreich: Was haben Sie in dieser Zeit über Kinder und für sich gelernt?

Ingo Siegner: Kinder wickeln, sie ankleiden etc. hatte ich schon mit meinen kleinen Geschwistern zuhause gelernt. Mit den Au Pair-Jungs (2 und 4 J.) kam einiges hinzu, zum Beispiel sollte ich anfangs immer einen Haufen Spielzeug mit an den Strand schleppen, damit die beiden genug zum Spielen hatten. Das Spielzeug war aber bald überflüssig, weil wir Dämme und Burgen gebaut und Stöcker, Steine und Muscheln gesammelt und verwendet haben. Das war für die beiden mehr als genug Anregung und Spielzeug. Ein kleiner Stock z. B. kann ein supergutes Spielzeugpferd sein. Ein gekauftes Spielzeugpferd, das vielleicht auch noch wiehern kann, muss doch nicht sein. Der Stock regt die Phantasie mehr an, und Wiehern kann das Kind auch selber (trainiert die Stimmbänder).

Außerdem habe ich mit den Jungs Französisch gelernt (so halbwegs jedenfalls). 

Sie haben sich auf Kinderfreizeiten und für Nachbarkinder Geschichten vom Drachen Kokosnuss ausgedacht – und diese dann irgendwann aufgeschrieben. Wie kam die Geschichte des kleinen Matti zu Ihnen. Oder kamen Sie zu ihr?

Ingo Siegner: Die Geschichte vom kleinen Matti hat Sonja Risse geschrieben, eine Mitarbeiterin des Kinderheims Kleine Strolche. Sie fragte mich, ob ich die Geschichte illustrieren würde. Ich fand die Idee klasse!

Der große Erfolg Ihres Drachen Kokosnuss – der in 26 Sprachen übersetzt wurde und bereits über 10 Millionen LeserInnen zählt – hat der Ihnen möglicherweise auch das Gefühl gegeben, etwas zurückgeben zu wollen? Gutes zu tun? Oder schlummert das schon immer in Ihnen?

Ingo Siegner: Bevor Kokosnuss erfolgreich wurde, kam ich gerade eben so über die Runden. Heute geht es meiner Familie und mir gut, wir sind nicht superreich, aber wir haben mehr, als wir brauchen. Und da gebe ich gerne etwas ab oder engagiere mich dort, wo ich es sinnvoll finde.

Ich meine, jede und jeder sollte, je nach Möglichkeit, etwas für unsere Gesellschaft tun, ob nun durch finanzielle Unterstützung oder durch ehrenamtliches Engagement oder Nachbarschaftshilfe o a. Der Staat kann ja nicht alles alleine machen. Das Zusammenleben funktioniert doch nur, wenn möglichst viele auch nach links und rechts schauen, nicht immer nur nach vorne.

Nun stellen wir uns mal vor, ein Kind, vielleicht drei Jahre alt kommt grad aus seinem Zuhause, wo die Lage so eskalierte, dass die Polizei kommen musste. Es war laut und beängstigend. Dann kommt eine Mitarbeiterin vom Jugendamt und sagt: „Wir bringen dich erstmal ins Kinderheim“. Und dann bekommt es Ihr Buch in die Hand. Was macht diese Vorstellung mit Ihnen, was löst Sie an Gefühlen aus?

Ingo Siegner: Das Kind wird traumatisiert sein. Das Büchlein wird es natürlich nicht von seinem Trauma befreien, aber vielleicht ein klein wenig dazu beitragen, dass das Kind Vertrauen fasst in das Kinderheim. Und wenn es die Bilder aus der Geschichte an den Wänden im Kinderheim hängen sieht, fasst es vielleicht noch mehr Vertrauen. Da ich es nicht persönlich miterlebe, kann ich nur sagen: Das ist eine schöne Vorstellung.

Im aktuellen Newsletter des Kinderheims Kleine Strolche berichtet eine Erzieherin, dass sie das Buch einem Kind kurz vor dessen Auszug vorgelesen habe. Darauf habe das Kind gesagt: „Ich bin ein kleiner Strolch, und du bist ein großer Strolch. Und das dürfen wir immer bleiben.“ – Das hat mich schon berührt.

Haben oder hatten Sie selbst Berührungspunkte mit Kinderheimen?

Ingo Siegner: Nein.

Welche Projekte planen Sie als Nächstes?

Ingo Siegner: Ich schreibe gerade „Der kleine Drache Kokosnuss in Australien“. Dafür habe ich über die Pflanzen- und Tierwelt Australiens recherchiert, das hat viel Spaß gemacht. Ich habe die Beuteldrachen erfunden und übe das Zeichnen von Koalas, Wombats und Schnabeltieren (Kängurus kann ich schon einigermaßen).

Das Kindermuseum Zinnober in Hannover, das ich unterstütze, wird bald umziehen. Da ist immer etwas zu tun.

Wegen der Corona-Pandemie sind im letzten Jahr viele Lesungen ausgefallen. Einige davon hole ich dieses Jahr nach, zusätzlich zu den Veranstaltungen, die ohnehin geplant waren. Deshalb bin ich dieses Jahr viel unterwegs. Demnächst lese ich in Schulen in Hessen, beim Filmfestival Mannheim und am Goethe-Institut in Lyon.

Ein neues Buch über die Rattenkinder „Eliot und Isabella“ ist auch in Arbeit. Die beiden wollen ihre Wanderung bis zum Meer fortsetzen und treffen auf jemanden, den ich noch nicht kenne. Und leider auch auf die Übelgurke Bocky Bockwurst und seine Bande … (der Bocky ist keine Gurke, aber übel, und er ist ein Rattenjunge)

Und was möchten Sie mit all Ihrem Tun gern Kindern mit auf den Weg geben?

Ingo Siegner: Wenn Kinder mit meinen Geschichten lustige und spannende Stunden erleben und nebenbei die Freude am Lesen entdecken – das wäre schon prima!

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