Berliner Schul-Chaos: Nachprüfung versemmelt – und jetzt?

Probejahr Gymnasium

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Ihr Lieben, am liebsten möchten wir als Eltern unsere Kinder ja gern immerzu vor doofen oder enttäuschenden Erfahrungen schützen. Manchmal können wir das ja auch, aber manchmal eben auch nicht. Unsere Leserin hat ihr Kind auf einem Berliner Gymnasium angemeldet, dann hat es das Probejahr nicht geschafft – trotz Referats und Nachprüfung. Sie standen dann am letzten Ferientag erstmal ohne Schule da. Die Hilflosigkeit war furchtbar. Und das Gefühl, dass da etwas gehörig schiefgelaufen ist… hier erzählt sie uns davon.

Mein Sohn war ein Jahr Schüler an einem Berliner Gymnasium. Trotz eines Notendurchschnitts von „nur“ 2,0 nach sechs Jahren Grundschule hat er mit Glück seinen Platz bekommen. Es war ein holpriger Start. Denn am Gymnasium war Corona schon Geschichte – und alle Sonderregelungen schon abgeschafft.

Am ersten Elternabend wurden die Regeln des Probejahres erläutert. Mit zwei Fünfern im Zeugnis ist das Probejahr nicht bestanden, es gäbe aber keinen Grund zur Sorge, es läge ja schließlich nicht im Interesse der Schule, irgendjemanden los zu werden.

Probejahr am Gymnasium: Macht euch keine Sorgen!

Mein Sohn ist nicht der, der sich immer meldet, er braucht Zeit und er war grad erst 13 geworden.
Jungs in der Pubertät – alle sagten: Macht euch keine Sorgen, er ist klug und muss nur aufwachen…
Sich zu organisieren, das neue Tempo mitzumachen, das war schwer. Es gab das gesamte Notenspektrum von 2 bis 5, aber es wurde besser.

Fast alle Lehrkräfte bestätigten, er sei auf einem guten Weg. Das zweite Halbjahr wurde alles stabiler, bis auf eine Ausnahme:  Mathematik. Da wollte es einfach nicht klappen. Vor Ostern gab´s dann die befürchtete Warnung, den sogenannten „blauen Brief“: „Achtung, Ihr Sohn steht in Mathematik auf 5, in Geographie auf 4-“!

Schock nach der Notenkonferenz: Verwarnungen

Ich schrieb die Geographielehrerin an, ob er die 4 mit einem Referat über die Osterferien stabilisieren könnte und er bekam die Chance. Er bemühte sich, über seinen Schatten zu springen und traute sich auch mündlich mehr zu. Vom Mathematiklehrer war er da leider schon längst als „hoffnungslos“ abgeschrieben.

Das Referat lief gut, er bemühte sich und es gab keine weitere Warnung. Doch dann der Schock nach der Notenkonferenz. „Ihr Sohn hat das Probejahr nicht bestanden – mit Fünfern in Mathematik, Geographie und Musik!“ Er sei dann nach den Ferien Schüler an der Oberschule!

Positive Tendenz: Nachprüfung versuchen

Die restlichen Noten lagen alle bei 3. Der Klassenlehrer telefoniert lang mit uns und sagt, er solle ruhig die Nachprüfung versuchen, da im Kollegium die positive Tendenz bestätigt werde. Also maile ich erneut die Geographielehrerin an, bitte um eine Themenliste, da er sich ein Fach für die Nachprüfung aussuchen darf und frage, wie es denn trotz des Referats und der Bemühungen in der Mitarbeit zu der Verschlechterung von 4 auf 5 gekommen sei und bekomme als Antwort, dass sie positive Tendenzen wahrgenommen hat, die 5 aber eben eine Gesamtnote und mein Sohn häufig so müde gewesen sei…

Wir machen also einen Plan, arbeiten uns durch die 36 Seiten im Geografiebuch und sind optimistisch, dass er eine 4 in der mündlichen Prüfung schon schaffen wird. Die genaue Uhrzeit, wann er am letzten Ferienfreitag zur Prüfung erscheinen soll, erfahren wir zwei Tage vorher – nach vier Nachfragen per Mail. Es heißt, er solle bitte pünktlich sein: Freitagfrüh um 9.30 Uhr. Der Direktor soll dabei sein – kommt aber leider zu spät.

Die Nachprüfung läuft schief

Ich hatte die leise Hoffnung, es würde so geprüft werden, dass mein Sohn bei Aussetzern oder Schwierigkeiten von den anwesenden Pädagogen durch die Prüfung getragen wird. Dass die Einschätzung des restlichen Kollegiums eine positive Auswirkung haben würde. Leider ging das alles nach hinten los und das Gegenteil trat ein.

Vorab hatte es geheißen, es werde der Stoff des zweiten Halbjahres abgefragt. Begonnen wurde allerdings mit Kartenarbeit – „Zeig doch mal China auf der Weltkarte.“ Atlasarbeit… Auf meine Frage, warum denn nichts aus der uns Liste abgefragt worden sei, kam als Antwort, das alles sei doch Grundlagenwissen und wenn er schneller gewesen wäre, hätten sie auch das Gelernte noch abgefragt.

Anmeldung an der Oberschule

Wieder fragte ich, wie es dazu kommen konnte, dass er trotz gesteigertem Engagement eine schlechtere Note bekommen hatte und es gab abermals keine klare Antwort. Mein Hinweis, dass ja von mehreren Seiten eine positive Tendenz bestätigt wurde, führte zu folgender Aussage des Direktors: Er würde meinen Sohn ja nicht kennen, das sei aber auch nicht mehr relevant. Die Prüfung sei nicht bestanden und die letzten 30 Minuten hätten ihm gezeigt, dass mein Sohn nicht auf Gymnasialniveau sei. Später erfahre ich noch, dass auch die Geographielehrerin die Einschätzung des Kollegiums nicht kannte, da sie bei Zeugniskonferenz nicht anwesend gewesen war.

Wir wurden also mit dem Auftrag entlassen, die zugeteilte Oberschule anzurufen, um ihn für den kommenden Montag anzumelden. Leider hätte dies schon vor den Ferien passieren müssen und wir standen nun plötzlich ohne Schulplatz am letzten Freitag der Sommerferien sprachlos da!

Neue Schule zwei Wochen nach Schulbeginn

Um es abzukürzen: Es brauchte viele Mails und versuchte Telefonate und Engagement der zuständigen Mitarbeiterinnen im Bezirksschulamt, bis wir in der zweiten Schulwoche Montagnachmittag um 14.30 Uhr den Anruf bekamen, dass unser Sohn bitte Dienstag um 7.45 Uhr an seiner neuen Schule erscheinen solle.

Zum Glück scheint es genau so gut zu sein, wie es jetzt ist. Eine klassische Brennpunktschule, das Gebäude mehr als marode, Gerüchte kursieren über Gewalt und Drogen aber: Er fühlt sich wohl! Findet es spannend, ein Leben außerhalb unserer schönen, geordneten Bubble zu sehen. Er hat eine großartige Klassenlehrerin, die bewusst dort arbeitet. Eine engagierte Schulleitung, eine motivierte Schulsekretärin, eine intakte Klassengemeinschaft ohne Konkurrenz…

Das Probejahr am Gymnasium ist nun abgeschafft

Eigentlich ist also alles gut so wie es ist, wenn nur dieses doofe Gefühl nicht wäre, dass das alles mehr als unschön und nicht korrekt gelaufen ist. Diese Hilflosigkeit, wenn das Kind keinen Schulplatz hat… so wie 80 weitere Kinder in Berlin zu Schulbeginn…

Und zuletzt: Das Probejahr an Berliner Gymnasien ist mit diesem Schuljahr abgeschafft, weil es sich nicht bewährt hat. Jetzt bleibt man einfach wieder sitzen, darf aber an der Schule bleiben. Mein Sohn profitiert davon nun nicht mehr. Zum Glück scheint er aber stabil genug zu sein, dass er nicht zu sehr unter diesem Chaos gelitten hat.

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16 comments

  1. Das Berliner Schulsystem ist einfach Murks. So wie jemand hier schon schrieb: die besten Schüler blockieren die Plätze an den guten ISS mit Oberstufe und machen da schön gemütlich und behütet in 13 Jahren Abi in kleineren Klassen, die nicht ganz so guten Schüler gehen an die Gymnasien und machen in 12 Jahren Abi. Was für ein absurder Quatsch. Daneben gibt es dann auch noch Gemeinschaftsschulen mit der Möglichkeit, das ABI zu machen.
    Die Oberschulen ohne Oberstufen sind die Restposten-Schulen, wo natürlich erstmal keiner sein Kind haben will. Naja. Bin froh, dass wir in Brandenburg leben und diesen Krampf nicht hatten.
    Davon mal abgesehen, klingt die Autorin für mich nach Helikopter-Mutter, die ihr Kind am liebsten durch die Schulzeit tragen möchte. Ich meine, 13 sind die älteren Siebtklässler (meine Kinder wurden erst in der 8. klasse 13), das muss man doch nicht extra betonen, dass der Sohn grad erst 13 Jahre alt war. Und man muss auch noch wissen, dass die Sechstklässler in Berlin sehr gute Noten haben, eine 2 im Durchschnitt ist da schon eher schlecht. Warum das so ist, weiß ich auch nicht. Aber zu erwarten, dass dem Sohn die guten Noten geschenkt werden oder dass Allgemeinwissen überflüssig wäre, ist schon schräg.

  2. ich verstehe nicht warum der junge unbedingt auf dem gymnasium sein soll. er hat gekämpft, sich gequält, es war belastend. und die noten nicht wirklich gut.
    da ist es besser auf einen „niedrigere“ schule zu gehen. später kann man immer noch das abo nachholen oder über eine ausbildung und einen meister ( im handwerk zb) auch fachhochschule niveau zu kommen.
    ich verstehe diese eltern nicht egal wie das leistungsniveau des kindes ist es unbedingt auf dem gymnasium haben zu wollen. wenn es das nicht schafft nützt es nichts! und für das selbstbild ist das fatal!
    mein vater wollte das ich aufs gymnasium gehe-jedes jahr gab es einen blauen brief. ich hab keine ahnung wie ich das abitur ( 2,9) geschafft habe. aber das schlimmste- mein selsbstbild und selbstbewusstsein sind sehr schlecht aus der geschichte raus gegangen weil ich jedes jahr nicht den erwartungen entsprochen habe.
    ich verstehe auch nicht warum so viele eltern darauf aus sind das die kinder studieren. jeder beruf ist nötig und respektabel, ohne putzleute, handwerker, kassierer usw läuft der laden auch nicht, dazu braucht es nicht nur studierte 😉
    bei uns in der pfalz gibt es sowas wie ein „probejahr“ gar nicht. wenn man aufs gymnasium geht und es doch nicht klappt wechselt man halt wieder.

  3. Wieso denkt man, dass ein Kind mit zwei Fünfen – und das schon zu Beginn der Gymnasialzeit – auf dem Gymnasium richtig aufgehoben ist? Ich war auch so ein Kind was dringend aufs Gymnasium sollte. Am Anfang lief es gut – dann nicht mehr. Es gab nur noch Druck, Nachhilfe, zu Weihnachten und Geburtstag außer Lernhilfen keine anderen Geschenke. Es war schrecklich. In Klasse 9 haben meine Eltern Gott sei Dank kapituliert. Ich durfte die 9. nochmal auf der Realschule besuchen und in der 10. meinen Realschulabschluss machen -endlich war ich frei, habe wieder Glück empfunden und bin gern in die Schule gegangen. Mit meinem sehr guten Realschulabschluss bin ich dann nach der 10. Klasse wieder aufs Gymnasium zurückgekehrt, habe mein Abi gemacht und studiert.
    Es ist furchtbar, dass es offensichtlich immer noch Kinder gibt die diesen Druck von ihren Eltern bekommen, den ich aushalten musste und das obwohl zwischenzeitlich bekannt ist, dass es mehr als einen Weg zum Studium gibt 😞

  4. Für mich liest sich das sehr danach, als ob die Mutter bei der Nachprüfung gewissermaßen auf eine Alibi-Veranstaltung gehofft hätte. Als ob ihr Sohn schon durch sein bloßes Erscheinen zu der Prüfung seine Motivation und seinen guten Willen bekundet. Und wenn dann die Prüfung nicht gut läuft, werden beide Augen zugedrückt, oder so ähnlich.
    Ich denke, schon mit den schlechten Noten vor der Prüfung wäre der Junge mittelfristig auf dem Gymnasium nicht froh geworden.

  5. Meine Tochter wünschte sich die ISS Oberschule und wählte bewusst den 13 jährigen Weg zum Abitur. Allerdings würde sie mit ihrem Notendurchschnitt von 1,8 an der ISS abgelehnt und ist nun stattdessen einem Gymnasium zugeteilt worden. So lange das System in Berlin so läuft, das die leistungsstarken Kinder, die das Gymnasium locker schaffen würden, auf die Oberschulen gehen, wird es immer wieder Schüler:innen geben, die unfreiwillig auf einem Gymnasium sind und das Probejahr nicht schaffen.
    Und wo steht, dass das Probejahr abgeschafft wurde? Auf dem Elternabend am Montag war ganz klar vom Probejahr die Rede. Ich hoffe sehr, meine Tochter ist den Anforderungen auf dem Gymnasium gewachsen.

  6. Auch ich kann die Enttäuschung verstehen. Was ich aber nicht verstehe, ist die Erwartung der Mutter an die Nachprüfung. Und nur 3er und 2(!) 5er (eine davon in einem reinen Lernfach) sind kein Gymniasalniveau. Das ist Fakt. Punkt. Es muss auch nicht immer Gymnasium sein. Es gibt 100 Wege nach Rom bzw. zum Abitur.
    Auf dem gestrigen Elternabend meiner Sechstklässlerin (in Hamburg geht man ab Klasse 5 aufs Gymnasium und hat quasi 2 „Probejahre“) wurde vom Mathelehrer gefordert, dass er doch bitt etwas „motivierender“ benoten soll. Damit es nicht immer nur 4 und 5 gibt. Ohne Worte. Alles Gute für den Jungen und dass er viel Spaß? am Lernen hat. Liebe Grüße an die Mutter

  7. Freut euch einfach. Dein Sohn fühlt sich auf der neuen Schule wohl, derDruck auf dem Gymnasium wäre jahrelang vorhanden gewesen und bitte nicht vergessen es geht nicht um die eigenen Befindlichkeiten, sondern um das Kind, mit drei 5 aufs Gymnasium,never.Auch, wenn das jetzt nicht so gesehen wird es ist ein Segen für den Sohn und letztendlich auch für Euch, erspart Euch jede Menge Pushen, Ärger und Stress. Und was man auch nicht vergessen darf es besteht ja durchaus die Möglichkeit nach der Schule das Abitur nachzuholen bzw. die Schullaufbahn einfach fortzusetzen, nötiges Interesse und gute Noten vorausgesetzt.

    1. Ja, genau so sehe ich es auch. Ich fühle förmlich den Druck, der auf dem Jungen gelastet hat. Die gesamten Ferien lang, Ferien, die zur Erholung gedacht sind, hat er gebüffelt. Es ist sicher ein Segen für ihn, jetzt nicht immer Erwartungen hinterher zu rennen! Ich hatte einen Klassenkameraden, der ist unsere ganze Schulzeit den Erwartungen seiner Eltern hinterher gerannt. Ich habe ihm oft geholfen, am Ende ist er nicht zum Abitur zugelassen worden, ich fand es so bitter, daher ist das Konzept mit dem Probejahr fast schon Kinderschutz!

  8. Also bei diesem Satz musste ich schon mit den Augen rollen:
    „Ich hatte die leise Hoffnung, es würde so geprüft werden, dass mein Sohn bei Aussetzern oder Schwierigkeiten von den anwesenden Pädagogen durch die Prüfung getragen wird.“

    Was ist das für eine Erwartung an ein Gymnasium? Soll dort jeder auch ohne die entsprechenden Voraussetzungen zum Abi durchgeschleift werden, notfalls dadurch, dass die anwesenden Pädagogen in der Nachprüfung Hilfestellung bei der Lösung geben?

    Die Erwartungshaltung mancher Menschen versetzt mich in Erstaunen.

    Und ein 13jähriger Gymnasiast sollte eigentlich nicht lange zögern, wenn er gefragt wird, wo China auf der Weltkarte liegt.

    1. Dieser Satz ist mir im Text auch sehr negativ aufgefallen. Es muss doch nicht jeder aufs Gymnasium und nicht jeder hat das Zeug dazu!!! Lieber einen guten Durchschnitt auf der Realschule oder Oberschule (oder wie auch immer es jetzt heißt) und mit einem guten Selbstbewusstsein am Ende rausgehen, als jedes Jahr zu kämpfen, von der 5 auf die 4 zu kommen. Das macht doch keinen Spaß und vermittelt täglich: Du bist nicht gut genug.

      Die Mutter scheint sehr engagiert, vielleicht etwas zu sehr und wahrscheinlich wollte sie das Gymnasium mehr als ihr Sohn. Ich lese nicht ein Wort davon, was ihr Sohn gewollt hat. Dass er sich viel wohler auf der neuen Schule fühlt, zeigt doch, dass das Gymnasium nicht das Richtige war. Für solche Helikoptereltern hab ich auch nur Augenrollen übrig.

      1. Puh. Als Lehrerin bin ich froh, dass diese Mutter weit weg von meiner Schule in Berlin ist. Und dem Jungen wünsche ich alles Gute auf der Oberschule. Und der armen Geografielehrerin, dass sie nächstes Jahr weniger anstrengende Eltern in ihren Klassen hat…nicht jedes Kind muss aufs Gymnasium, im Geggenteil. 3 Fünfen in komplett unterschiedlichen Fachbereichen ohne jegliche sehr gute oder gut Noten die Stärken zeigen und ohne fundamentales Alltagswissen wie die geografische Lage Chinas, sind einfach kein Gymnasialniveau. Wieso muss man manche Kinder (und Lehrer) quälen, anstatt ihnen eine glückliche Schulzeit zu ermöglichen?

  9. Bei uns hieß es früher auch immer, bei einem kritischen Notendurchschnitt lieber auf der niedrigeren Schulstufe zu bleiben und da einen guten Abschluss machen als sich durch die höheren Schulen zu schleifen. Mit unserem Schulsystem kann man immer noch weiter machen, auf die FOS wechseln usw. Allerdings müssten auch Arbeitgeber und Gewerkschaften umdenken!!! Ich habe eine kaufmännische Ausbildung und die Hälfte meiner Berufsschulklasse hatte Abi und null im kaufmännischen Bereich gelernt – ich hab in Klasse 11 wieder mit Schulstoff aus meiner 6. Klasse Realschule anfangen dürfen damit die Abiturienten die Grundlagen drauf kriegen. Sie waren also genau genommen gar nicht für den Lehrberuf qualifiziert aber weil sie Abi haben werden sie eingestellt und vielleicht anderen Bewerbern mit mittlerer Reife vorgezogen! Und die meisten Tarifverträge sind so ausgelegt, dass Mitarbeiter mit höheren Schulabschlüssen automatisch mehr verdienen. So lange sich das alles nicht ändert, braucht man sich nicht wundern wenn Eltern versuchen ihre Kinder auf höhere Schulen zu bekommen.

  10. Hallo,
    Ich kann die Enttäuschung und den Ärger über den recht schlampigen Umgang der Schule mit den Nachprüfungen schon verstehen.

    Aber: das Kind hatte zwei 5en auf dem Zeugnis, eine davon in Mathematik! Den Rest 3er. An einer drei ist nichts schlechtes, aber zusammen mit den zwei fünfen ist das für mich (kein großes Schulkind bis jetzt) überhaupt kein Grund, das Kind auf dem Gymnasium zu belassen. Geographie ist dabei noch ein reines Lernfach. Ich war selbst immens überfordert in den ersten beiden Gym-Jahren, hatte auch in Mathematik Probleme und ne vier auf dem Zeugnis. Ich konnte das nie wirklich aufholen, meine zwei Mathe Grundlagen Vorlesungen im Studium hab ich nur mit größter Not und der „4 gewinnt“ Methodik bestanden. Und das war jetzt nix abgefahrenes, eher Mathe-Leistungskurs-Niveau.

    Man tut doch keinem einen Gefallen, wenn das Kind ständig überfordert ist. Und der Bildungsweg ist im gewissen Grad durchlässig: ein Abitur kann man auch nach der Realschule, während der Ausbildung oder noch später nachholen. Je nach Fach kann man sogar ohne Abi studieren, wenn genug einschlägige Berufsberatung da ist.

    Was will denn das Kind? Wenn es sich auf der neuen Schule wohlfühlt und wieder Spaß am Lernen findet, ist day doch prima.

    Viele Grüße
    Stiefelkind

  11. Ich verstehe, dass man für sein Kind das bessere Gymnasium- Umfeld bevorzugt besonders im Vergleich zur Brennpunktschule. Auch das dieses kurzfristige Chaos ungünstig ist. Allerdings warum muss es immer Gymnasium sein, ist man ohne nichts wert? Im Gegenteil wenn permanent eine Überforderung da ist, kann der Junge keine Freude an Schule und Lernen haben. Es ist besser an der Gesamtschule wenn er da wieder Erfolgserlebnisse hat und es schafft. Wenn die Motivation weg ist, ist es nämlich dann zu spät. Und wer sagt, das es nicht noch mit Fachabi klappt später? Aber auch aus Leuten mit Realschulabschluss wird was, stehen einem viele interessante Berufe offen. Also vermittelt bitte als Eltern nicht auch noch den Druck“ nicht geschafft“!

  12. Ich bitte um Prüfung der Fakten bevor hier Artikel einfach so veröffentlicht werden. Das Probejahr am Gymnasium ist in Berlin mitnichten abgeschafft. Die Berliner Koalition hat in ihren Koalitionsverhandlungen geplant ab dem nächsten Jahr (2023/24) das Probejahr abzuschaffen. Noch ist das nicht passiert, und ob es überhaupt passieren wird ist auch noch nicht klar. Stattdessen soll es eine Aufnahmeprüfung geben (nach aktuellem Stand der Planung).

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