Verzweifelt nach der Flut: Wie sollen wir wieder Mut fassen?

Hey Ihr Lieben, wir brauchen Hilfe aus der Community… Im Sommer waren wir stark von der Flut betroffen. Unser neues Haus zerstört und für Wochen unbewohnbar. Jetzt ist alles Finanzielle soweit geklärt und der Wiederaufbau ist auf der Zielgeraden. Wir hatten viel Glück, aber jetzt gerade merke ich, welchen Preis wir dafür zahlen. 

Wir sind am Ende unserer Kräfte, mein Mann ist völlig erschöpft und schafft die nötigen Arbeiten nur im Schneckentempo. Mit meiner letzten Kraft halte ich den Alltag am Laufen, zumindest soweit möglich ohne Küche, mein 4jähriger Sohn leidet und stellte vorhin die Frage, die mich zusammenbrechen ließ: „Mama, warum kam keiner zu meinem Geburtstag?“

Ich habe ihm erklärt, dass es mir leidtut, aber auf einer Baustelle, wie wir sie zu der Zeit hatten, konnten wir keinen Geburtstag feiern, Mama und Papa hatten einfach keine Kraft, Kinder einzuladen…

Wie sollen wir denn Weihnachten überstehen? Die Möbel kommen so nach und nach, aber teilweise ist es noch chaotisch und die Küche kommt irgendwann im Januar. 

Ich habe Angst, dass die Ohnmacht bleibt. Wie ertragen andere Familien und Kinder das, was gerade nicht zu ertragen ist? Kein gemütliches Zuhause, kein Plätzchen backen, keine Heimeligkeit? Habt ihr Ideen, wie wir neue Kraft schöpfen können?

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7 comments

  1. Hallo,

    kluge Tips habe ich leider nicht, dafür einen Erfahrungsbericht:

    1993 stand die Mosel an Weihnachten 1,20m hoch im Erdgeschoss meines Elternhauses. Wir saßen Heiligabend im Wohnzimmer im 1. Stock, es gab Karoffelsalat und auf dem Gaskocher aufgewärmte Würstchen.

    Die Toilette funktionierte genausowenig wie Strom, Heizung und Telefon. Das Pfarrheim hatte seine Sanitäranlagen für alle vom Hochwasser Betroffenen geöffnet, ein Toilettenbesuch erforderte also folgendes: Die Brüstung des Balkons hochklettern auf das Dach vom Anbau, über das Flachdach laufen, ca einen halben Meter weit auf das Garagendach springen, die Leiter in den höher gelegenen, trockenen Garten runterklettern, den kleinen Hinterausgang im Garten nehmen und ca 500m bis zum Pfarrheim laufen.

    An was ich mich von diesem Weihnachtsfest sonst noch erinnere:

    – Ich habe ein lila Fahrrad bekommen, dass ich erst nach Weihnachten fahren konnte, als die Straße vor dem Haus und die Hofeinfahrt nur noch ein paar cm Wasser führten.

    – Am 1. (oder 2.?) Weihnachtstag wurden meine kleine Schwester und ich von Verwandten abgeholt, und haben dort noch ein „richtiges“ Weihnachten mit geschmücktem Tannenbaum und Weihnachtsmusik und guter Laune und viel zu viel gutem Essen gefeiert.

    – Es war das erste Weihnachtsfest, an dem meine Eltern sich nicht gestritten haben. Normalerweise herrschte Perfektionsdruck, alles musste genau richtig / auf den Punkt/ was auch immer sein. Und irgendwann kochte die Anspannung immer über und es gab Streit über den Abwasch oder die optimale Garzeit von Kaninchen. Nur dieses eine Jahr war völlig entschleunigt und entspannt. Keine übersteigerten Erwartungen, denn an Perfektion war ohnehin nicht zu denken.

    Wenn ich zurück in der Zeit reisen und ein Weihnachtsfest aus meiner Kindheit nochmal feiern müsste, wäre es trotz aller anderen Unannehmlichkeiten dieses.

    Also zum Schluss vielleicht doch noch ein Rat (fiel mir so im Lauf des Schreibens ein):

    Konzentrier dich auf die wichtigen Sachen. Ob die Plätzchen selbstgebacken oder die Wohnzimmermöbel geliefert oder auch nur alle Geschenke rechtzeitig angekommen sind, ist auf lange Sicht gesehen nicht wirklich wichtig. Aktuell nervt und stört alles mögliche, die Reserven sind mit Pandemie und Flutkatastrophe gleich doppelt leer. Aber wenn ihr es schafft, euch zusammen trotzdem ein gemütliches Weihnachten zu machen, wird dieses Weihnachten irgendwann auch nur noch eine nette Anekdote sein, und keine traurigen und von diesem Fest unendlich enttäuschten Kinder zur Folge haben ;-).

    Probiert ruhig auch was aus: Vielleicht gibt es Dinge, die euch als Familie Spaß machen, aber nicht dazu passen, wie ihr Weihnachten „normalerweise“ feiert. Leiht euch eine Playstation aus und spielt zusammen Sing Star, puzzelt gemeinsam, macht Gesellschaftsspiele. Oder nutzt die noch kahlen Räume, um auf großen Papierbahnen ein riesiges Bild zu malen oder auf einer großen Fläche Topfschlagen oder Blinde Kuh zu spielen. Oder falls ihr einen ganz leeren Raum habt ausnahmsweise Indoor-Fußball. Oder ihr könnt auch ganz mutig sein und die Kinder an einer noch nicht renovierten Wand mit Farbe kreativ werden lassen (vielleicht wird das „Kunstwerk“ ja sogar gut genug, dass es bleiben darf :-)).

    „Normal“ wird dieses Weihnachten für euch leider sowieso nicht, also habt Mut zum „Anders“, dann fühlt es sich garantiert nicht nach einem schwachen Abklatsch vom Normalzustand an.

    Alles Liebe und viel Kraft
    Myrine

  2. Hallo du,
    ich habe jetzt keine Idee für akute Hilfe, aber vielleicht könnt ihr low key ein paar tage weg fahren? Die Jugendherbergen haben tolle Programme, sind bezahlbar (du schreibst ja, dass das finanzielle geregelt ist) und es gibt auch Programme, die extra für Familien aus den Hochwassergebieten angeboten werden und dementsprechend finanziell gefördert sind. Schau doch mal auf der Seite der Jugendherbergen: https://www.jugendherberge.de
    Viele liebe Grüße und alles Gute für euch!

  3. Hallo🙋🏻‍♀️
    Wir sind auch aus Eschweiler.
    Zum Glück sind wir nicht betroffen. 🙏
    Ich backe total gerne und vielleicht möchtet ihr mal mit uns zusammen backen.
    Ich hab einen 5 jährigen Sohn und seine zwei jährige Tochter.
    Und wie Nina schon erwähnt hat gibt es die Facebook Gruppe Mamas aus Eschweiler.
    Liebe Grüße 🌸

  4. Ich habe keine guten Tipps und kann auch nicht „mitreden“….zum Thema Heimelig usw. fiel mir ein:
    habt Ihr Familie oder Verwandtschaft in der Ferne?
    Ist es vielleicht möglich dort bei jemanden ein paar Tage zu sein? Weihnachten dort verbringen?
    Mal Rauskommen aus allem? Vielleicht ein bisschen umsorgt werden?

    Auf jeden Fall ganz herzliche Kraft-Grüße wollte ich Dir schicken.

  5. Ich kenne die Bilder!
    Wir kommen aus der gleichen Stadt 🤗

    Ich kann mir gut vorstellen das es kein Ende nimmt und Kraft kostet.
    Holt Euch Hilfe wo ihr könnt!
    Nehmt Euch Auszeiten, fahrt wenn möglich ein paar Tage weg, mal was anderes sehen.
    Wir haben eine ganz tolle Mama Facebook Gruppe, in der sich auch gegenseitig geholfen wird. Dort könnte ich einen Aufruf starten dass Dein Sohn ein paar Kleinigkeit zu Weihnachten bekommt. Oder Dich sonst wie unterstützen.
    Plätzchen backen kann man auch woanders 😉

    Melde Dich gerne per PN! (S. Facebook)

    Liebe Grüsse und alles Gute 🍀❤️

  6. Liebe Mama, wir sind nicht vom Hochwasser betroffen aber fühlen mit euch! Dieses Jahr wurde mein Sohn im September vier Jahre alt. Zur Feier kam nur ein Kind. Die anderen haben abgesagt weil Schnupfen oder Corona Angst. Ich war gerade hochschwanger und vier Tage später kam der zweite Sohn auf die Welt. Die Feier war trotzdem schön mit Topfklopfen und Kuchen. Das sie nicht perfekt war hat nur uns Eltern das Herz bluten lassen. Es muss nicht immer perfekt sein du kannst auch Plätzchen im Supermarkt kaufen. Grellbuntes Zuckerzeug zum dekorieren. Das wird ein klebriger Spaß. Geht auch ohne Backofen! Bleibt guter Dinge und vor allem gesund!

    1. Liebe Lisa,
      ich kenne es alles…..die Ohnmacht, die absolute Erschöpfung, die Enge auf der 1. Etage mit 5 Personen ohne Küche und diese Traurigkeit, weil man seinen Kindern eigentlich was ganz anderes wünscht als diese Ausnahmesituation über so einen langen Zeitraum. Und ja, die Nerven liegen blank, bei allen!

      Ich habe letzte Woche erstmal einen Kurantrag gestellt. Aus Erfahrung weiß ich, wie gut uns das schonmal getan hat. Es gibt Beratungsstellen, die vermitteln und es kann dann manchmal auch ganz schnell gehen. Es ist natürlich nichts, was morgen schon zu einer verbesserten Situation führt…..aber: man hat etwas getan und es gibt ein Ziel. Immer noch besser, als permanent den Kopf in den Sand zu stecken.
      Und leckeres Essen! Bestellt Euch leckere Köstlichkeiten, fragt Freunde ob sie für Euch kochen und gebt ihnen dann auch die dreckigen Töpfe mit. Ich bin es nämlich so satt, Abends die Bolognesesauce aus dem Siffon unseres Waschbeckens zu kratzen 😂
      Und mein absoluter Geheimtipp an trüben Tagen: das Discolicht der Kinder in die Steckdose stecken und zu wilder Karnevalsmusik abtanzen! Das geht auch im schlimmsten Chaos oder im Schlafanzug🥳

      Liebe Grüße aus Rösrath

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