Kind im Auto lassen? Volvo launcht 1. Innenraum-Radarsystem

Radarsystem

Ihr Lieben, wenn es um Innovationen und Erfindungen zum Wohle von Familien geht, werden wir ja gleich hellhörig. Nun haben sich die MacherInnen von Volvo etwas ganz Neues überlegt: Im neuen vollelektrischen Volvo EX90, der am 9. November 2022 vorgestellt wird, gibt es nun das weltweit erste Innenraum-Radarsystem, das die FahrerInnen darauf aufmerksam macht, wenn sie aussteigen und im Auto aber noch ein Mensch oder Tier sitzt.

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Dr. Lotta Jakobsson

Die innovative Insassenerkennung soll verhindern, dass menschliche oder tierische Passagiere unbeabsichtigt im Fahrzeug zurückgelassen werden – insbesondere an kalten und heißen Tagen.

Warnsysteme als Hilfen im vollgepackten Alltag von Familien

Nur mal kurz in den Supermarkt springen, mit den Gedanken schon beim nächsten Meeting oder beim anstehenden Wochenendbesuch der Schwiegereltern: Unser Alltag als Familien ist nun mal vollgepackt mit Terminen und Aufgaben, die Stress hervorrufen, ablenken – und im schlimmsten Fall dafür sorgen, dass man den Nachwuchs auf der Rückbank oder den Hund im Kofferraum vergisst.

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Was genau es damit auf sich hat und wie oft es tatsächlich vorkommt, dass Eltern ihre Kinder im Auto vergessen – und das dann schwerwiegende Folgen hat, darüber haben wir mit denen gesprochen, die es am besten wissen sollten, mit Dr. Lotta Jakobsson und Gunnar Ohlsson von Volvo aus Schweden.

Jakobsson ist leitende technische Spezialistin für die Verletzungsprävention und Ohlsson Spezialist und Zuständiger für die Innensysteme. Das Interview haben wir auf Englisch geführt, ich hoffe, die Übersetzung ist mir soweit gelungen, dass es verständlich für alle wird.

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Gunnar Ohlsson

Liebe Frau Jakobsson, lieber Herr Ohlsson, der neue Volvo EX90 kommt mit dem weltweit ersten Innenraum-Radarsystem auf den Markt. Worum geht es da genau?

Nun, temperaturbedingte Todesfälle bei Kindern und Haustieren, die in Autos zurückgelassen wurden, sind nach wie vor ein großes Problem. Was viele nicht wissen: Allein in den USA sterben durchschnittlich 38 Kinder pro Jahr, nachdem sie in einem heißen Auto zurückgelassen wurden.

Wir haben deswegen ein neues System entwickelt, das hochempfindliche Radargeräte verwendet, um nach Insassen zu suchen und dass den Fahrer daran erinnert, den Innenraum zu überprüfen, wenn es so aussieht, als würde er versehentlich jemanden im Auto zurücklassen. Dies ist das erste derartige System, das den gesamten Innenraum des Autos abdeckt – einschließlich des hinteren Kofferraums, um eventuell anwesenden Haustieren zusätzlichen Schutz zu bieten.

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Wenn ich das höre, denke ich als Erstes: Wer vergisst denn sein Kind oder seinen Hund im Auto?

Zahlen aus den USA zeigen, dass in den meisten Fällen Eltern oder Betreuer ihr Kind im Auto vergessen. Dies kann leichter passieren, als man denkt, besonders wenn wir abgelenkt oder gestresst sind oder sich unsere Zeitpläne ändern. Unser Ziel mit dieser Technik ist es, quasi ein zweites Augenpaar zu sein, um Eltern und Betreuer bestmöglich zu unterstützen.

Die Zahlen aus den USA klingen tatsächlich besorgniserregend und zeigen, wie wichtig dieses Radarsystem werden kann. Können Sie mehr dazu sagen?

Es gibt viele Daten – insbesondere aus den USA – die das Ausmaß des Problems aufzeigen. Wenn unser System auch nur ein Leben retten kann, ist es das wert.

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Nun habe ich gerade drei pubertierende Jugendliche im Haus, die gar nicht mehr so gern aussteigen, wenn ich kurz in einen Laden springe. Können sie mit dem Radarsystem dann gar nicht mehr im Auto bleiben?

Doch, doch, der Fahrer oder die Fahrerin können, wenn noch Personen im Auto sind, über den zentralen Screen im Innenraum das Auto manuell verschließen. Auf diese Weise machen wir es zu einer aktiven Wahl des Fahrers.

Wie genau sieht das technisch aus, wie wird mir gezeigt, dass ich etwas vergessen habe?

Das System meldet sich, wenn Sie das Auto abschließen, sich im Inneren des Fahrzeugs aber noch etwas bewegt. Wir halten das für den besten Zeitpunkt für die Nachfrage bzw. Erinnerung. Bei Bewegungen lässt sich das Auto nicht abschließen und das System bittet Sie über den zentralen Bildschirm, den Innenraum zu überprüfen, bevor Sie bestätigen, dass Sie das Fahrzeug verriegeln möchten. Das System ist darauf konzipiert, Atembewegungen zu erkennen – und das im Sub-Millimeter Bereich.

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Stimmt es, dass auch die Lüftung in diesem Fall dann weiterarbeitet, das Risiko für Mensch und Tier also auch minimiert wird, wenn sie bewusst im Auto bleiben?

Genau. Die Klimaanlage im Auto ist immer eingeschaltet, wenn sich jemand im Auto befindet, solange die Batterie ausreichend geladen ist. Obwohl diese Funktion eigentlich für mehr Komfort sorgen soll, könnte es im weiteren Sinne als weitere Sicherheitsmaßnahme gelten, um möglicherweise das Risiko einer Unterkühlung oder eines Hitzschlags zu verringern.

Wir raten jedoch dringend davon ab, Insassen für längere Zeit im Auto zu lassen, da immer ein gewisses Risiko besteht. Das Klimatisierungssystem ist als Backup konzipiert, um allen Insassen bei Bedarf Komfort zu bieten.

Wird das System in allen Modellen des Volvo EX90 installiert sein? Und ist es auch für weitere Modelle von Volvo geplant?

Es wird standardmäßig in allen Varianten des EX90 verfügbar sein. Wir werden es in Zukunft auch bei allen neuen großen Volvo-Fahrzeugen einführen.

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Wie lang saßen die Techniker an der Entwicklung des Systems?

Wir suchen seit vielen Jahren nach Wegen, wie wir dieses Problem angehen können, und freuen uns sehr, dass die Technik endlich an einem Punkt angelangt ist, an dem wir sie auf diese Weise nutzen können. Unsere Ingenieure arbeiten schon seit der Entwicklung des EX90 an der Implementierung des Systems.

Was tut Volvo darüber hinaus noch für die Sicherheit von Familien, warum liegt Ihnen diese so besonders am Herzen?

Sicherheit ist seit unserer Gründung im Jahr 1927 von zentraler Bedeutung für die DNA von Volvo Cars. Für uns ist es keine Marketingmaßnahme oder das Überwinden regulatorischer Hürden – es ist der Kern unseres Unternehmenszwecks.

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Volvo EX90

Wir sind seit Jahren innovativ, um Familien zu schützen. Wir waren bereits in den 1960er Jahren an der Entwicklung des allerersten rückwärts gerichteten Kindersitzes beteiligt und führten 1978 die weltweit erste Sitzerhöhung ein. Im Laufe der Jahre haben wir eine Reihe von Kindersitzen entwickelt, um den Komfort und die Sicherheit der kleinsten Mitfahrer zu erhöhen.

Die Innenraumüberwachungist nur eine von mehreren neuen Techniken, die wir jetzt einsetzen werden, um Menschen zu unterstützen, wenn sie mal unkonzentriert oder gestresst und nicht in Bestform sind.

Andere Beispiele sind die Einführung von LiDAR-Sensoren im Autodach, um die Umgebung des Autos besser zu verstehen und Unfälle zu reduzieren – oder die Verwendung von Sensoren und cleveren Algorithmen, um zu erkennen, wenn ein Elternteil hinter dem Steuer abgelenkt oder müde ist.

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1 comment

  1. Da kann man eigentlich nur lachen oder weinen bei diesem Artikel… ich entscheide mich zum Lachen. Was in Amerika nicht alles gebraucht wird… es sollte ein Chip erfunden werden, der auf Knopfdruck Hirn von Himmel fallen lässt.
    Es sind vorallem Eltern und Betreuer, die ein Kind im Auto vergessen 😅. Sagt bloß, kinderlose tun das nicht? Die sind ja so schlau, die kinderlosen. Ich schätze mal, es sind auch vorallem Hundebesitzer, die ihren Hund im Auto vergessen.
    Ach ja…. mir fällt ein… die meisten Unfälle von Hausfrauen geschehen im Haushalt oder wie sagt es die Statistik?

    Liebe Grüße!
    Lilu, die gleich mal tracken geht, ob das Licht im Kühlschrank wirklich aus ist.

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