Muttertät – der Grund, warum sich Mamasein manchmal komisch anfühlt

Muttertät

Copyright Sophie Bellmann

Ihr Lieben, dass ein Baby das Leben komplett verändert, sagen einem zwar vorher zwar fast alle, aber wirklich fühlen, was es bedeutet Mutter zu sein, kann man erst, wenn das Baby geboren ist. Oft fühlen sich Frauen dann alleine mit ihren Sorgen und Gefühlen, meinen, sie seien die Einzigen, denen nicht 24 Stunden am Tag die Sonne aus dem Popo scheint.

Genau deshalb ist es so wichtig, dass es Bücher gibt, die thematisieren, dass Mutterschaft vielschichtig ist und alle Gefühle erlaubt sind. Morgen erscheint das Buch „Muttertät. Wenn sich plötzlich alles anders anfühlt„. Die Autorinnen Hanna und Svenja haben für uns einen Gastbeitrag geschrieben.

Muttertät. Wenn sich plötzlich alles anders anfühlt

„Unsere Schwangerschaften und Geburten liefen bei uns beiden grundsätzlich gut. Sehr verschieden, aber einfach gut. Mit Start ins Wochenbett und den folgenden Wochen und Monaten wurden unser Leben jedoch einmal durcheinander gewirbelt. Es wurde durch die Babys buchstäblich „verrückt“ – und das fühlte sich für uns verrückt an.

Auf einmal änderte sich nicht nur unser Tagesablauf und Routinen, sondern wir erlebten neue Gefühle wie die unendliche Liebe für unsere Babys. Aber auch die überraschende Wut und Frustmomente kamen hinzu! Wir hatten ganz neue und uns vorher unbekannte Gedanken. Es machten sich Sorgen und Fragen in unseren Köpfen breit, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Das verrückte an der Sache: diese neue Verrücktheit hielt an – auch sehr weit über das Wochenbett hinaus.

Plötzlich alles anders: nichts kann auf das Mamasein vorbereiten

Selbstverständlich gab es etliche Veränderungen unseres Körpers, die nicht „einfach so“ schnell wieder verschwunden sind. Und die Selbstbestimmung, die wir vor den Babys ausgeprägt gelebt hatten, ist in den Hintergrund getreten. Einiges davon hatten wir erahnt und über vieles hatten wir gelesen. Und doch gab es so viele Überraschungen! Wieso ist das Mamasein oder besser gesagt das Mamawerden so anders, als wir es uns ausgemalt hatten?

Außerdem wunderten wir uns, warum über diese Veränderungen und teils großen Herausforderungen des Mamawerdens kaum gesprochen wird. Erklärungsansätze sehen wir darin, dass ein ganz bestimmtes Mutterbild gesellschaftlich vermittelt wird: Es existieren implizite Erwartung an eine frische Mutter, wie bspw. einen Mutterinstinkt zu haben und nach der Geburt einfach nur das größte Glück des Lebens zu genießen.

Das Mamawerden als große Transformation

Und das taten wir auch: wir genossen die Zeit mit unseren Babys und wir tragen eine unendliche Liebe für sie in uns, die wir vorher für nichts anderes empfunden haben. Für uns sind unsere Kinder das Beste, was in unserem Leben passiert ist. Und dennoch empfanden wir das Mamawerden gleichzeitig als eine große Transformation: von der Frau zur Mutter.

Und wo ist die Frau, die wir vorher kannten, geblieben? Wir mussten und wollten unser altes Leben mit unserem neuen Leben zusammenbringen. Wir wurden mit unseren tief verankerten Glaubenssätzen und unseren Erwartungen an uns selbst als Mütter UND als selbstbestimmte, starke Frauen konfrontiert. 

Nachdem wir uns einmal sortiert hatten und die größten Veränderungen hinter uns lagen, war uns klar: Wir möchten darüber sprechen und anderen Mamas auf dieser aufregenden Reise Mut machen! Genau deshalb haben wir ein Buch geschrieben. Uns hätte es als frische Mamas sehr geholfen zu wissen, dass es auch anderen so geht. Denn die Veränderungen, wie wir sie erlebten, liegen irgendwo zwischen den Stempeln der 24/7-happymum und regrettingmotherhood oder postpartaler Depression. Wir haben keine Sekunde die Entscheidung für unsere Babys bereut! Und wir waren auch happymums – einfach nur nicht zu jeder Minute des Tages. 

Es ist normal, dass sich das Mamawerden manchmal seltsam anfühlt

Wir fragten uns, wie es anderen Frauen in der Phase des Mamawerdens geht. Mit Freundinnen fand der erste Austausch dazu statt und wir ahnten bereits, dass wir nicht alleine sind. Und dann sind wir auf das wissenschaftliche Konzept Matrescence gestoßen, das durch die Schwesterherzen Doulas den deutschen Begriff Muttertät erhalten hat.

Für uns war unsere umfassende interdisziplinäre wissenschaftliche Recherche ein Balsam für unsere Seelen. Denn wir haben hierdurch erfahren, dass zwar unser Leben, wir selber allerdings alles andere als „verrückt“ sind – und mit unseren Empfindungen schon gar nicht allein dastehen. All die Herausforderungen und teils Überforderungen, die wir gespürt haben, sind wissenschaftlich erklärbar! Es gibt Gründe dafür, warum sich das Mamawerden manchmal komisch anfühlt.

Keine sonderbaren Einzelfälle: Es geht vielen Müttern so!

Wir sind keine sonderbaren Einzelfälle, sondern es geht vielen anderen Frauen auch so. Das wurde uns durch die geführten Interviews und Umfragen für unser Buch noch einmal verdeutlicht. Nahezu jede Frau erlebt Teile der Muttertät – mal intensiver und mal weniger intensiv. Aber jede Frau, mit der wir gesprochen haben, erlebte Herausforderungen in der Phase des Mutterwerdens, die für sie überraschend waren und zu Verunsicherung führten. Muss das sein?

Wir wünschen uns, dass viel mehr über die schwierigen Veränderungen und Herausforderungen gesprochen wird. Denn Mamawerden ist kein Selbstläufer. Und zu mehr Akzeptanz dieser Herausforderungen möchten wir mit unserem Buch unseren Teil beitragen.

Wissen über die Muttertät fördert mehr Verständnis für sich selbst als frisch gebackene Mama

Muttertät ist die Phase der Veränderung einer Frau zur Mutter. Die Wissenschaftlerin Dana Raphael hat erstmals in den 1975er Jahren dazu publiziert. Sie beschreibt diese Phase als einen Übergang zwischen verschiedenen Lebensstadien. Nicht die Geburt an sich verwandelt eine Frau in eine Mutter. Raphael spricht aus, was viele Frauen in dieser Lebensphase erleben: es braucht viel Zeit, den Übergang zu gestalten.

Veränderungen werden von ihr in den Bereichen des Wandels des Körpers sowie in emotionalen Aspekten und der Identität einer Frau skizziert. Insbesondere stellt sie heraus, dass sich die Beziehungen um die Frau herum stark verändern. Es ist also nicht verwunderlich, dass sich eine Frau nach der Geburt in ihrem eigenen Körper noch nicht wieder angekommen fühlt oder auf einmal eine unbekannte Wertschätzung und Achtsamkeit für den eigenen Körper entwickelt.

Von Höhen und Tiefen im Mütteralltag

Auch neue Gefühle und eine überraschend intensive Ausprägung von Gefühlen ist ganz üblich für Erfahrungen in der Muttertät. Charakteristisch ist es sowohl, dass die Höhen höher und die Tiefen tiefer, wie auch dass Gefühle von der einen Sekunde auf die andere wechseln können. Dies verdeutlicht, warum der Begriff Muttertät in Anlehnung an die Pubertät so passend erscheint.

Wir glauben fest daran, dass ein Wissen um die Phase der Muttertät Frauen (wie auch ihrem Umfeld) helfen kann, all die Veränderungen beim Mamawerden zu verstehen und sich selbst gegenüber viel großzügiger zu sein. Die eigenen Erfahrungen und Empfindungen können nämlich besser eingeordnet werden. Außerdem können wir aus eigener Erfahrung berichten: Es ist beruhigend zu wissen, dass die Muttertät auch einmal ein Ende hat und es sich wieder leichter anfühlen wird!


Buchcover

Muttertät. Wenn sich plötzlich alles anders anfühlt von Svenja Krämer und Hanna Meyer

Softcover, 256 Seiten, erscheint am 15.11.2022, ISBN: 978-3-7474-0485-0 und kostet 18,00 Euro.“

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2 comments

  1. Ich finde das Thema auch gerade sehr spannend, wo ich hier davon lese. Tatsächlich stelle ich rückblickend fest, dass für mich diese Muttertät gar nicht direkt einsetzte, wahrscheinlich weil ich erstmal normal weitermachen wollte. Ich besuchte die Uni und meine Nebenjobs, ging abends ins Theater oder mit Freunden aus … das Leben veränderte sich schon, aber nicht komplett. Daher vollzog sich der Prozess der Muttertät wahrscheinlich langsamer, aber vollzogen hat sich die Entwicklung schon. Vielleicht bin ich aber auch einfach älter geworden und daher anders als vor 10 Jahren.

  2. Das Thema spielt zur Zeit ja eine große Rolle. Ich habe mein letztes Kind 2013 bekommen und fand schon damals die Aufmerksamkeit, die man als Schwangere bekam, etwas unangenehm. Noch mehr war ich dann aber überrascht, wie diese von einem auf den Anderen Tag plötzlich komplett auf dem Baby lag! Seit meinem ersten Kind bekommt bei mir aus dieser Erfahrung heraus immer die Mama ein besonders hübsches Geschenk im Wochenbett. Denn mir war es schon damals total befremdlich, dass sie vorher als Schwangere hoch gelobt und dann plötzlich wie vergessen war.

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