Stillen oder nicht: Muttermilch oder Flasche fürs 4. Kind?

Stillen

Ihr Lieben, immer wieder werde ich von euch gefragt, was ich denn bei unserem vierten Kind anders machen möchte als bei den anderen. Über einen großen Unterschied – nämlich die Wahl des Geburtsortes – hatte ich ja schon berichtet. Und es gibt noch eine andere Sache, die ich nicht mehr so durchziehen möchte, wie bei den größeren Kindern. Es geht um das Thema Stillen.

Anders als bei dem Artikel über die Wahl des Geburtsortes, habe ich bei diesem Artikel ein bisschen Bammel. Denn ich weiß, dass dieses Thema für Kontroversen sorgt. In den Jahren, in denen ich euch in diesem Blog von meinem Leben berichte, musste mich zum Glück nur einige wenige „Shitstorms“ aushalten. Doch ich sehe, mit welchen Kommentaren einige meiner Bloggerkolleginnen konfrontiert werden.

Ich bitte euch also vor dem Verfassen eines möglichen Kommentars darum, nachzudenken, ob ihr mir eure Meinung in dieser Form auch in einem persönlichen Gespräch so mitteilen würdet – oder ob euch die Anonymität des Internets vielleicht dazu verleitet, anders zu reagieren. Ich behalte mir auch vor, Kommentare zu löschen, die unter die Gürtellinie gehen und/oder mich persönlich angreifen. Ich berichte hier nicht davon, um eine Diskussion zu beginnen, sondern um anderen Frauen Mut zu machen, wirklich in sich hineinzuhören, was sich gut und richtig für sie selbst anfühlt.

Stillen ist Liebe – Flasche geben auch

Es geht nämlich um das emotionale Thema Stillen. Ich kenne Frauen, die ihre Babys lange und sehr gerne gestillt haben und ich kenne Frauen, die von Beginn an die Flasche gegeben haben. Nichts davon machte sie zu einer besseren oder schlechteren Mutter. Ich selbst habe meine Kinder etwa sechs Monate gestillt und ab dem vierten Monat PRE-Nahrung gefüttert, um einfach mal einen Slot „frei“ zu haben. Ich hatte immer sehr viel Milch, was toll war, weil ich wahrscheinlich ein Dutzend Babys gleichzeitig hätte ernähren können – was aber mitunter auch sehr unangenehm war, weil ich ständig gegen Milchstaus kämpfen musste.

Im Laufe der Stillzeit von drei Kindern habe ich alle Tricks ausprobiert und bekam die Sache doch nie richtig in den Griff. Ständig hatte ich starke Schmerzen und Knoten in der Brust, wer das nicht mal selbst erlebt hat, kann sich nicht vorstellen, wie gemein sich das anfühlt. Dazu kam, dass ich das Gefühl, nur ich könne mein Baby ernähren, sehr belastend fand. Alles in allem würde ich über meine drei Stillzeiten sagen, dass ich sie durchgehalten, aber nie genossen habe. Ich habe sie durchgehalten, weil Stillen – besonders nachts – natürlich unheimlich praktisch ist, aber auch, weil ich das Gefühl hatte, dass man eben stillen muss, wenn man schon den Luxus hat, genügend Milch zu haben.

Jeder Stillbeziehung ist einzigartig

Dieses Mal gehe ich mit einer anderen Einstellung an die Sache: Wenn das Stillen klappt, wunderbar. Wenn ich aber wieder von Schmerzen geplagt bin, werde ich früher mehr zufüttern, sehr wenig oder gar nicht stillen. Das habe ich auch schon mit meiner Nachsorge-Hebamme besprochen, ganz einfach, weil ich sicher gehen wollte, dass sie mir diese Freiheit lässt und mich nicht zum Stillen drängen würde.

Ich muss nicht jetzt entscheiden, wie lange, ob und in welchem Umfang ich unser Baby stillen werde. Das mache ich dann, wenn ich sehe, wie dieses Baby tickt, wie es mir geht und wie sich das Stillen anfühlt. Aber ich habe schon jetzt entschieden, dass ich mich beim Thema Stillen nicht mehr stressen lasse. Dass ich auch bei diesem Thema den Weg finden muss, der sich für UNS richtig anfühlt. Und somit gehe ich schon jetzt viel entspannter an die Geschichte ran.

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29 comments

  1. Bisher ist ein Punkt hier in der Diskussion noch gar nicht vorgekommen, deswegen möchte ich ihn ergänzen. Ich stille meine Tochter seit fast einem Jahr und habe bisher nicht ein Mal meine Periode gehabt. Ich fand das stillen anfänglich auch nicht so richtig komfortabel (und meine Tochter auch nicht), aber nach ein paar Monaten hatten wir den Dreh raus (ich hatte auch immer zu viel Milch).
    Und meine Periode vermisse ich kein Stück, so bald ist auch kein Geschwisterchen geplant. Deswegen werden wir das auch noch ein Weilchen weiter machen. Ich habe auch nicht das Gefühl besondere Rücksicht nehmen zu müssen; ich arbeite seit dem 6. Monat ein paar Stunden, ich bin Mal einen Nachmittag oder Abend weg. Baby und Busen kriegen das ohne Zutun geregelt. Ich weiß, dass Ausbleiben der Periode klappt nicht bei jeder Frau. Aber wenn, ist es ein großes Pro auf der Mama Seite.

  2. Ich bin ein bisschen irritiert, dass es hier nur zustimmende Kommentare gibt… Grundsätzlich sollte jede Frau frei darüber entscheiden dürfen, wie sie ihr Kind ernährt- das stimmt.

    ABER egal wie man es dreht, Muttermilch ist doch niemals gleichwertig wie die Flaschennahrung. Wer das behauptet, der steht nicht zu 100% hinter seiner Entscheidung, nicht (mehr) oder nur kurz zu stillen. Natürlich werden die Flaschenkinder im Regelfall gesund groß. Aber in Hinblick z. B. auf die !IMMER! entwicklungspassende Zusammensetzung der Muttermilch, der Aufbau einer gesunden Darmflora beim Kind und damit verbunden die Diabetes- + Übergewichtsprophylaxe in der Zukunft ist Stillen weit überlegen.

    Bevor jetzt alle Flaschenmütter mit Steinen werfen. Ich habe selbst lange Pre und Muttermilch im Wechsel gefüttert, weil es für mich nicht anders praktikabel war. Es war nahrungstechnisch aber nicht das Gleiche, wie 100% Stillen. Etwas anderes zu behaupten, wäre unreflektiert.

    Es bräuchte viel mehr qualifizierte gute Stillberater und mehr Entlastung für Mütter, v.a. Mehrfachmütter.

    1. Na ja, wenigstens ein Kommentar musste ja doch nochmal betonen, dass Muttermilch viiiieel besser ist als Flaschenmilch!
      Besonders gefreut hat mich aber dann doch der Hinweis, dass Flaschenkinder im Regelfall (?!) gesund groß werden! Falls sie auf dem Weg dahin viele Krankheiten bekommen, liegt das natürlich (woran sonst?) am Nicht-stillen…

      Sorry, aber das musste ich jetzt doch schreiben…was für ein Quatsch, der da immer noch verbreitet wird!

      1. @Mina
        Das hat nichts mit Quatsch zu tun sondern mit Wissenschaft. Es gilt keinen zu verurteilen welchen Weg er wählt aber dass das Natürliche besser ist wie das künstlich Hergestellte daran wird sich nichts ändern!!!

        1. Grundsätzlich ja- Natur ist besser als künstlicher Ersatz.
          Diese Studien aber, die beweisen, dass Stillkinder z.B. weniger übergewichtig sind, sind inzwischen umstritten. Man ist sich da nicht sicher, ob es nicht einfach daran liegt, dass gestillte Kinder eben Mütter/Eltern haben, die viel Wert auf gesunde Ernährung legen und dadurch dieser Effekt zustande kommt.

  3. Danke für den Artikel! Zunächst dachte ich, es kommt wieder so ein Beitrag „beim vierten Kind, da stille ich unbedingt… „, so wie es viele tun. deswegen war ich ganz überrascht, dass du dazu stehst, es vielleicht nicht, bzw. vielleicht auch nur kurz zu tun. Bei unserer großen Tochter wollte ich unbedingt stillen, hab das auch getan… aber ich habe es auch nie gerne getan. Für mich war das nur Stress: Trinkt sie genug, muss ich gleich wieder stillen, auch wenn ich hier unterwegs bin und gar nicht will… Es hat mich immer beschäftigt! Sie nahm aber keinen Schnuller, keine Flasche… als ich abstillen wollte, nur Drama! Beim zweiten und dritten Kind habe ich dann gleich von Anfang an nicht gestillt. ganz ehrlich? Aus Selbstschutz! Diesen ganzen Stress wollte ich nicht noch einmal. und es war trotzdem alles wunderschön und viel entspannter für meine Psyche! Und das ist doch mindestens genauso wichtig!!!!!!

  4. Vielen Dank für den tollen Beitrag! Ich bin immer froh, wenn über das meines Erachtens tabuisierte Thema Stillen offen und ehrlich gesprochen wird.
    Die Aufklärung vor dem 1. Kind ist nicht besonders gut, es geht lediglich immer nur um die Frage „ob“ man stillen möchte. Was sich dahinter aber für eine Wissenschaft und gefordertes Durchhaltevermögen inkl. Schmerzen verbirgt, erfahren die meisten erst live an sich selbst.

    Ich habe bei meinem 2. Kind selbstständig entschieden im 6. Monat abzustillen nachdem mein 1. Kind nach 2 Monaten Pumpen, Schmerzen, Weinen und Kämpfen PRE Milch bekommen hat und es uns allen schlagartig besser ging.

    Beide Entscheidungen waren mit sehr viel schlechtem Gewissen belastet, besonders die beim 2. Kind. Denn das Stillen hat ganz wunderbar geklappt. Trotzdem wollte ich ein Stück Freiheit zurück und habe es durchgezogen. Es war die richtige Entscheidung!

  5. Das kann ist sooo gut nachvollziehen. Bei mir war es genauso! Auch bei Kind Nr 2 war zu viel Milch das Problem und somit habe ich nach 6 Wochen abgestillt. Seltsamerweise fiel mir die Entscheidung nicht leicht, aber als sie getroffen war, fühlte es sich so viel besser und richtig an. Ich liebe meine gewonnene Freiheit und meinem Baby und mir geht es so besser 🙂

  6. Liebe M.
    zum Thema „Der 2-jährige kann nicht abgestillt werden“, habe ich eine lustige Geschichte von einer Freundin gehört: sie hat sich Pflaster auf beide Brustwarzen geklebt und ihrem 2 jährigen jedes Mal, wenn er stillen wollte, gesagt: „Mama hat Aua, es geht leider nicht“. Das konnte er nachvollziehen, und es hat nach vielen Versuchen endlich den gewünschten Erfolg gebracht 🙂 Ich fand die Idee so gut, dass ich sie unbedingt hier erzählen wollte.

  7. Ich freue mich so über deinen Betrag. Meine Kinder sind schon im Teenie-Alter, das Thema ist also bei uns sehr lange her. Aber ich habe so schlechte Erfahrungen rund ums Stillen gemacht, das mich dieses Thema heute noch immer sehr triggert. Beim ersten Kind war der Wunsch groß, zu stillen, ich wollte nur das Beste für mein Kind. Aber noch größer war der Druck von fast meinem gesamten Umfeld, dass es das einzig Richtige ist und eine Flasche quasi dem Kindesmissbrauch gleich kommt. Aber nach einer unschönen Schwangerschaft und wirklich qualvollen 14 Tagen für mein Baby und mich habe ich dann unter vielen Tränen auf meine Mutter („jetzt mach dir doch keinen Stress Kind, ihr seid auch mit der Flasche großgeworden“) und meinen Mann (er wollte einfach nur, dass es uns gut geht) für die Flasche entschieden. Das schlechte Gewissen war anfangs gigantisch, aber es ging uns beiden so schnell so viel besser. Ich hätte mir so sehr Unterstützung und Zuspruch auch für diesen Weg gewünscht. Ich muss dazu sagen, ich habe im Ausland entbunden, dort gab es keine Betreuung durch Hebammen. Es gab lediglich eine Stillberatung im KH (für während des Aufenthalts) und private Stillberatungen, die man hinterher in Anspruch nehmen konnte. Ohne zu Stillen gab es also gar keine Unterstützung, die ich hätte in Anspruch nehmen können. Bei jedem Kinderarztbesuch musste ich herablassendes Augenrollen über mich ergehen lassen. Ich denke ich muss nicht erwähnen, dass ich es beim 2. Kind nicht mal mehr in Erwägung gezogen habe, zu Stillen. Und bekäme ich heute (14 Jahre später) noch mal ein Kind, wäre Stillen noch immer undenkbar für mich.
    Aber ich freue mich für jede Mutter, die gerne stillt und bei der es gut funktioniert. Ich wäre einfach froh, der gesellschaftliche Umgang mit dem Thema wäre entspannter!
    Ich wünsche dir und deinem Baby alles Gute und eine entspannte Flaschen- und/oder Stillzeit! 🍀

  8. Ich kann dich verstehen. Mein 2-Jähriger stillt immer noch extrem viel, teilweise stündlich, auch nachts, wenn am Tag viel passiert ist oder er einen Wachstumsschub hat. Natürlich dauern die Mahlzeiten keine 90 Minuten mehr, aber er ist dabei oft sehr grob, ungeduldig und akzeptiert kein Nein. Alle Versuche des sanften Abstillens sind gescheitert.
    Jetzt bin ich ungeplant zum zweiten Mal schwanger und mir graut vor dem möglichen Tandemstillen. Es zehrt mich dermaßen aus, es ist schon lange von meiner Seite aus nicht mehr schön, war es eigentlich von Anfang an nicht, nur praktisch. Jetzt isst und trinkt der 2-Jährige seit Monaten am Tisch mit und braucht das Stille mn nur noch für die Nähe.
    Das zweite Baby stille ich maximal ein Jahr, dann ist Schluss. Ich kann nicht mehr.

    1. Hallo M,

      wenn das Stillen für sich nur noch Belastung ist (danach klingt es), würde ich an deiner Stelle abstillen. Nähe kannst du deinem Kind ja auch anders geben. Und wenn sanftes Abstillen nicht klappt, dann würde ich einfach abstillen. Ich finde das ist in dem Alter absolut ok. Auch dazu kann man ja eine Stillberatung kontaktieren beim Verein AFS gibt es ehrenamtliche Stillberaterinnen, einfach mal googlen. Bei mir war es ähnlich wie bei dir. Ich hab über 2 Jahre gestillt, aber am Ende fand ich es eigentlich nur noch belastend. Er hat es sehr oft eingefordert und unheimlich oft nachts gestillt. Bei jedem Nein gab’s ebenfalls Drama. Ich hab dann als er ca. 2 war erst nachts abgestillt (Schritt für Schritt, mit einer Lampe, dabei hat die Stillberaterin geholfen) und ein paar Monate später dann ganz. Das ganz Abstillen war nicht ’sanft‘. Während des Stillens wurde mir plötzlich klar, dass ich das jetzt Schluss ist. Ich hab dann zu ihm gesagt, dass das jetzt das letzte Mal ist, dass es Mama-Milch gibt. Und das hab ich dann auch durchgezogen. Die ersten Tage und Wochen hat er noch danach gefragt, aber eigentlich immer sehr gut akzeptiert, wenn ich ihn dann erklärt habe, dass es das nicht mehr gibt und er was anderes trinken kann. Unsere Beziehung ist dadurch so viel besser und entspannter geworden. Er wollte endlich auch mit mir kuscheln, vorher war Körperkontakt immer nur durchs Stillen möglich und das hat mich echt traurig gemacht. Außerdem hat er ab dem Zeitpunkt durchgeschlafen. Ich kann nur sagen, dass es für uns die absolut richtige Entscheidung war. Ich war ihm gegenüber auch viel positiver, weil das nervige und teils auch einfach körperlich unangenehme Stillen nicht mehr eingefordert wurde. Stillen ist eine Beziehung und dazu gehören zwei. Und wenn es für eine Seite überhaupt nicht (mehr) passt und es keine Lösung gibt, dann darf man diese Beziehung auch guten Gewissens beenden. Eine Alternative wäre noch zu schauen, ob man das Stillen eingrenzen kann. Also zb zeitlich (zB nur noch nach der Kita und vorm Schlafen) oder örtlich (nicht mehr im Bett, nur an Ort xy…). Für uns hat das allerdings nicht funktioniert. Ich bin jetzt auch wieder schwanger und bin ehrlich gesagt froh, zwischendrin noch eine Pause gehabt zu haben. Alles Gute für euch!

    2. Hallo liebe M
      Mir erging es sehr ähnlich. Ich hatte innerhalb 16 Monaten drei Kinder, darunter Zwillinge und ich habe drei gleichzeitig gestillt aber irgendwann lagen die Nerven bei mir blank sodass ich beschloss die Große abzustillen. Alles liebevolle und langsame abstillen hat nicht geklappt. Erst nachdem ich in meiner Not bei einer kostenlosen Stillberatung abgerufen habe ging es aufwärts. Manche Kinder brauchen einen klaren Stillabbruch. Das war das was meine Große brauchte. Sie hat es sofort akzeptiert und es ging so gut dass ich es selbst nicht glauben konnte. Ich konnte dann in Ruhe die Zwillinge stillen und meine Große war auch wieder zufriedener. Alles Liebe und Gute für dich

    1. Hallo!

      Ich finde es schade, dass so viele das stillen als so belastend empfunden haben. Allerdings muss ich zugeben, bei mir war es auch erst nach 6 Monaten so richtig gut eingespielt. Vor allem beim 1. Kind brauchte ich lange um mich daran zu gewöhnen. Allerdings denke ich die Umstellung von keinem Kind auf ein Kind ist immer sehr groß. Egal ob mit stillen oder ohne. Ich habe beide meine Kinder 6 Jahre gestillt und war auch immer Berufstätig. Als meine große 3 Jahre alt war, arbeitete ich 55h pro Woche ( wobei das kann ich nicht weiterempfehlen) bei der zweiten Tochter waren es dann mit 18 Monaten 5h in der Woche und mit 2 Jahren 25 Stunden pro Woche mit langsamer Steigerung, das ging dann besser) Sich keinen Stress zu machen, wegen dem stillen bzw. egal welcher Stress, ob mit der Arbeit oder bei den Kindern Schule oder Klo gehen oder schlafen…. das ist in jedem Fall immer eine gute Idee.
      Mein größter Wunsch wäre es, dass stillen auch im Kleinkind Alter als normal angesehen würde, denn das ist es auch….. ( siehe Empfehlung der WHO) Das unangenehme Gefühl in der Öffentlichkeit zu stillen, kommt lediglich davon, dass viele die Brust als Sexobjekt sehen und stillen früher nicht als normal angesehen war.
      Manche haben da vielleicht solche Erfahrungen in ihrer Kindheit gemacht, wenn die eigene Mutter nicht gestillt hat….

  9. Ach, das Stillen. Meine ersten Kinder waren Frühchen-Zwillinge, ewig habe ich nebenbei abgepumpt, weil Tandem-Stillen nicht geklappt hat. Und dann hatte sich mit etwas über sechs Monaten Zwilling I super schnell abgestillt. Zwilling II wollte noch ein bisschen, und dann wurde es entspannt.
    Bei unserem Nachzügler hatte meine (andere) Hebamme noch vor der Geburt gesagt, dass wir, da ich wohl auch eher der „zu viel“ Milch-Typus bin, gesagt, dass ich (TIPP) von Anfang an pro Mahlzeit immer nur eine Brust geben soll. Das hat schon mal sehr geholfen. Trotzdem gab es immer wieder Probleme (Milchstau, mit Fieber, Entzündung usw.), die auf einmal im vierten Monat von jetzt auf gleich vorbei waren. Danach war es superentspannt, ich habe das Stillen dann sehr genossen, und als Zeit für uns beide gewertschätzt. Ich habe es so lange gemacht, wie es tragbar für mich war und damit war es gut. Also: Alles Gute!

  10. Keine Frau sollte sich darüber erklären müssen, ob und wie lange sie stillt.
    Vielleicht ist es nur meine Wahrnehmung, aber in den letzten Jahren hat eine ziemliche Überhöhung der Themen Schwangerschaft/Baby/Erziehung/Mutterschaft stattgefunden. In meiner Stadt schießen gerade Angebote rund um Schwangerschaftsyoga/“natürliche“ Geburt/Babykurse und -gruppen/Doulas/Still- und Schlafberatung/bindungsorientierte Erziehung/achtsame Elternschaft etc. etc. wie Pilze aus dem Boden. Grundsätzlich ist ein großes Angebot ja erstmal nicht schlecht. Der Subtext scheint mir jedoch häufig zu sein, dass man diese Angebote nur ja auch alle wahrnehmen sollte, weil man ja optimal für das eigene Baby sorgen möchte.
    Ich bin im Herbst 2018 schwanger geworden und habe den Eindruck, dass all diese o.g. Themen damals noch nicht so aufgeblasen waren. Allerdings war ich damals zum Thema Schwangerschaft etc. wenig im Internet unterwegs, bin auch auf Instagram keinen schwangeren Influencerinnen gefolgt o.ä. Auch war damals in meinem Bekanntenkreis sonst niemand schwanger.
    Meine wesentliche Informationsquelle waren zwei Ratgeber in Buchform, die recht sachlich gehalten waren. Darüber bin ich heute froh. Ich denke, diese Beschränkung der Informationsflut hat dazu geführt, dass ich an manche Themen sehr pragmatisch rangegangen bin. Stillen? Schön, wenn es klappt, wenn nicht, auch ok. PDA? Wenn ich die Schmerzen unter der Geburt nicht mehr aushalte, frage ich nach medikamentöser Hilfe.
    Vieles rund um meine Schwangerschaft, die Geburt und Babyzeit war nicht leicht. Ich bin aber rückblickend sehr froh, dass ich während meiner Schwangerschaft nicht in so einem Kokon aus emotional hoch aufgeladenen Mütter- und Babythemen gesteckt habe. Das hätte mir viel Druck gemacht.

  11. Stillen ist Liebe, ja, aber eben auch harte Arbeit für die Mutter.
    Diese romantische Verklärung hat mir beim ersten Kind fast das Genick gebrochen (holperiger Start mit Pumpen, Finger Feeding und allem drum und dran – ich war so enttäuscht).
    Ich finde deine Einstellung, die Situation so zu nehmen wie sie kommt total super. Das hat beim zweiten Kind bei mir auch alles verändert. Stillen hat trotz KISS und Schreikind „geklappt“ Ich setze das geklappt in Anführungszeichen, weil es natürlich wieder gar nicht der romantischen Vorstellung entsprach, aber ich war mir sicher, dass es ihm gut tut und ein Ende haben wird (Flasche fand er total blöd, also monatelang Tag und Nacht alle 1-2h Stillen, aber ohne große Probleme), denn Spaß gemacht hat es bei beiden Kindern null.

    Liebe und eine entspannte Mama sind so viel wichtiger. Ob die Milch aus der Packung oder Brust kommt hat damit genau gar nichts zu tun!

  12. Liebe Katharina. Ich bin ganz bei dir, entscheide so, wie es für euch passt. Mir hat damals schon allein der Gedanke „dann stille ich halt nicht wenn es nicht mehr geht“ immens über die Stillprobleme hinweggeholfen. Ich wollte dir außerdem ans Herz legen, bei Problemen mal mit einer richtigen Stillberaterin zu reden. Ich habe dieses Angebot leider erst beim dritten Kind wahrgenommen. Im Endeffekt war ich sauer auf mich, dass ich nicht gleich nach der Geburt des ersten Kindes eine Stillberatung gemacht habe. Es gibt einfach so tolle Tricks und Kniffe, die die meisten Hebammen gar nicht kennen.
    Aber egal wie, du machst das schon! Welche Entscheidung du auch triffst, es ist genau die Richtige für dich und dein Baby!

  13. es gibt dabei ja auch einen anderen aspekt: mein erstes kind hat partout keine flasche genommen. und noch umständlicher irgendwie das zu probieren das es die doch nimmt hätte noch mehr kraft und zeit gekostet. aber ich war froh dass das stillen beim ersten kind überhaupt irgendwann geklappt hat.
    ich hatte aber auch leider keine hebamme bei der ich mich und mein kind gut aufgehoben gefühlt habe und hatte keine energie und mut mir eine neue zu suchen die mich vielleicht besser unterstützt hätte ( nicht nur im hinsicht zum stillen).
    beim zweiten hat es von anfang an gut geklappt. ich wusste so viel zeit und energie wie beim ersten kann es beim zweiten nicht kosten, da hätte es dann einer lösung bedurft. aber das zweite kind war so einfach in der hinsicht, und wollte selbst mit vier bis fünf monaten auch was vom tisch abhaben und hat sich dann selbst kurz vorm 1. geburtstag abgestillt.
    aber für mich war auch bei beiden klar das ich sie stillen möchte, ich konnte mir gar nicht vorstellen die flasche zu geben. und auch wenn das stillen je nachdem manchmal auf anstrengend war, es war die meiste zeit einfach schön. ich war da auch ambivalent-auf der einen seite hätte ich gerne mehr freiraum gehabt, auf der andern seite konnte ich meine babys eh nicht wirklich irgendwo lange lassen. von daher waren sie immer bei mir. damals in den beiden situationen hätte ich das auch nicht anderst machen können.
    ich denke ich das ich es bei einem hypothetischen ( es wird wohl nicht zu einem 3. kind kommen) es wirklich entspannt angehen würde und es wirklich auf mich zu kommen lassen würde. also nicht vorab schon mit genau vornehme wie es laufen soll. denn man weiß einfach nie wie es kommt.
    ich denke ganz ehrlich; am besten geht man unvoreingenommen an die sache und schaut was für alle am ende am besten ist. und manchmal ist es dann doch ganz anderst als man gedacht hat oder genauso.

  14. ich habe immer gesagt. stillen ist nicht nur über’s Brust sondern auch übers Flasche geben. Punkt.
    dann sieht man anders, ist?:-)

    wenn die Mutter sich nicht wohl fühlt dann wird das Baby es spüren. egal ob Brust oder Flasche, es wird so oder so gestillt. Hauptsache es ist statt und glücklich. den Rest uninteressant.

    alles gute ❤️

  15. Liebe Katharina, vielleicht sollte das Motto mit vier Kinder auch lauten „mach mehr von dem, was dir selber gut tut“ ;-). Stillen kann wunderbar sein und ich möchte jede Schwangere ermutigen, es trotz meist holprigem Start zu versuchen und nicht sofort aufzugeben. Aber wenn es in Dauerstress für Dich ausartet finde ich es absolut ok, auf Fläschchen umzusteigen.

    1. Krass, mir ging es 1:1 wie dir! Beim ersten Kind mehr durchgehalten als genossen, ständig Staus etc. Zudem nach dem Abstillen das Gefühl gehabt, endlich wieder „ich“ zu sein und nicht mehr so übetrieben empathisch allem und jedem Gegenüber zu sein (was Stress macht.) Hattest du das auch? Finde dazu kaum etwas.
      Beim zweiten Mal dann unerwartete eineiige Zwillinge und erst die gaben mir das Gefühl, dass ich auch von Anfang an Flasche geben „darf“. Bei einem Kind hätte ich das mich wahrscheinlich nicht getraut. letztendlich habe ich die beiden dann im Wochenbett gestillt und es dann nach dem dritten Stau beendet und bin jetzt, ein halbes Jahr später, immer noch glücklich damit wie es gelaufen ist.

  16. Liebe Katharina, danke für diesen Beitrag. Ich selber habe nie Probleme mit dem Stillen gehabt, bei meinem zweiten Kind empfinde ich es aber manchmal auch als anstrengend, dass nur ich sie wirklich ernähren kann, da sie sich trotz Bemühungen meines Mannes, manchmal ziert, die Flasche zu nehmen.
    Beruflich (bin Frauenärztin) und im privaten Umfeld habe ich aber einige Frauen erlebt, die sich massiv unter Druck setzen, unbedingt zu stillen. Ja, es ist toll fürs Kind, wenn es Muttermilch bekommt, aber wenn es eine Qual ist für die Mutter hat niemand was davon. Das zuzugeben- also eventuell nicht zu stillen ist mutig und gibt hoffentlich anderen Müttern Mut, bei denen Stillen nicht klappt.

    1. Ich möchte noch einen Schritt weitergehen! Man „darf“ auch nicht stillen wollen, wenn man keine Schmerzen und keinen Stress dadurch hat. Ich war die Bilderbuchstillerin überhaupt, genau richtige Milchmenge, nicht das winzigste Problem in Sicht! Und trotzdem:
      Ich fand es bei beiden Babies schrecklich, nicht mal für einen halben Tag wegzukönnen bzw. nicht mal zwei Stunden entspannt zum Friseur zu können, weil es könnte ja Hunger haben?! Dem zweiten Baby habe ich mit 3 Wochen die Flasche gegeben, weil ich so Panik hatte, dass sie die dann später nicht mehr nimmt.
      Ich hab dann beide Male nach 3-4 Monaten (quasi grundlos) abgestillt und ein superschlechtes Gewissen deswegen gehabt!
      Heute sind meine Kinder 5&7 Jahre alt und ich kann nur lachen über den Gedanken, dass es irgendetwas verändert hätte, dass ich sie ein paar Monate länger gestillt hätte?! So ein Schmarrn!
      Babies ist es total schnuppe, wo ihre Milch herkommt! Hauptsache, sie kriegen sie von jemandem, der sie liebhat!

    2. Ehrlich gesagt tun sich nach meiner Erfahrung gerade Ärzte/Ärztinnen, insbesondere Gynäkologen, sehr negativ dabei hervor, Frauen ungebeten und ohne Anlass zum Kinderbekommen zu drängen und unter Druck zu setzen. Ich könnte mir vorstellen, dass dies beim Stillen teilweise genauso ist.

  17. Stillen ist Liebe- Flasche geben auch, dem habe ich nichts hinzuzufügen. Sicher hat das Stillen klar seine Vorteile, aber „Flaschenkinder“ sind meiner Meinung nach in nichts benachteiligt. Meine Flaschenkinder machen weniger Infekte durch als die Stillkinder meiner Freundin. Egal, da braucht man sich nicht zu rechtfertigen oder diskutieren. Das entscheidet jede Mama für sich selbst

    1. Liebe Katharina, ich finde, das klingt doch nach einem sehr guten Weg.
      Mein Sohn (mein erstes Kind) ist gestern ein Jahr alt geworden. Ich weiß noch, wie verzweifelt ich vor genau einem Jahr war, weil er irgendwie so schlecht getrunken hat, obwohl er immer echt lange an der Brust war. Ich bin auch immer schon extrem empfindlich an der Brust gewesen und hab teilweise Höllenqualen gelitten und überlegt, vielleicht doch nicht zu stillen. In der Klinik gabs auch nur so fertige Fläschchen als Alternative, wo die Milch schon raus schoss, wenn man das Ding schief angeschaut hat. Zu Hause haben wir dann mit den Glasfläschchen zugefüttert, die wir vorher besorgt hatten, und plötzlich hatte mein Sohn auch verstanden, wie es bei mir besser klappt. Allerdings mussten wir halt von Anfang an Milch „aus der Packung“ zufüttern, gleichzeitig habe ich so viel gestillt wie irgend möglich. Zwischenzeitlich habe ich mir dann echt Vorwürfe und Druck gemacht, weil es zu wenig ist und wollte unbedingt mehr Stillen, er wurde aber einfach nie satt bei mir (er ist auch immer noch ein richtiger Vielfraß). Als ich dann nach vier Monaten wieder arbeiten gegangen bin, habe ich endgültig meinen Frieden mit der doppelten Schiene gemacht, allein schon, weil mein Mann es so viel einfacher hatte, auf den Kleinen aufzupassen (Wasserkocher auf 40 Grad einstellen und mischen anstatt Beutelchen auftauen, während ein von null auf tausend hungrig gewordenes Baby einem die Ohren vollschreit).
      Mittlerweile stillt der kleine Drops nachmittags, wenn ich von der Arbeit komme, abends zum Einschlafen und nachts, am Wochenende auch tagsüber, sofern es passt. Er kriegt aber auch noch Fläschchen und isst (schon lange) sehr gut bei uns mit. Da es aber für uns beide immer noch schön ist, machen wir so weiter, bis es irgendwann Zeit ist für seinen Abschied von der Brust.
      Tja, worauf ich eigentlich hinaus wollte: abwarten und (Still)Tee trinken ist auch das, was ich bei einem zweiten Kind machen würde. Keinen Druck rein lassen und Frieden mit der Situation schließen, die da kommen mag.
      Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute!
      Liebe Grüße
      Katja

    2. Ganz ehrlich: sollten wir nicht in jedem Bereich mit unseren Kindern genauso umgehen? Wenn etwas klappt, Spaß macht, gut funktioniert, dann wird es so gemacht bzw. so weiter gemacht. Und wenn nicht, dann sucht man Alternativen. Fertig. schläft das Kind gut im Familienbett und alle sind dabei glücklich, perfekt. schläft es unruhiger als alleine im bett oder schlafen Mapa schlechter, dann müssen Alternativen her.macht ein Hobby Spaß, passt zeitlich in den Familienalltag, läuft es weiter. Hat das Kind kein Spaß oder kann nicht hingerichtet werden, muss es entweder ein anderes Hobby suchen oder ein anderer Zeitslot muss her. Warum sollte es beim Stillen anders sein?

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