Was ist dran am Prenzlauer-Berg-Mythos?

kastanienallee

Sieben Jahre lang habe ich genau auf der Grenze Prenzlauer Berg/Berlin Mitte gewohnt. Zwei Stadtteile, die ganz Deutschland kennt. Mitte wegen seiner Hipster, Prenzlauer Berg wegen seiner Mütter. Und über die zu lästern ist ja eine Art Volkssport. Deshalb hier, von mir (im Herzen immer noch stolze PBerg-Mami), die 10 häufigsten Vorurteile über die Mütter aus dem Prenzlauer Berg und die Insider-Einschätzung, ob die Vorurteile vielleicht manchmal auch ein bisschen stimmen.

1. Mütter aus dem Prenzlauer Berg trinken den ganzen Tag Latte Macchiato.

Naja, vielleicht nicht den ganzen Tag, aber reichlich. Drei pro Tag waren es bei mir auf jedem Fall. Was ich aber auch getan hätte, hätte ich in Buxtehude gelebt, ganz einfach, weil ich seit 7 Monaten erst 2 Nächte durchgeschlafen habe. Noch Fragen, warum ich Kaffee brauche, um den Tag zu überleben?

2. Mütter aus dem Prenzlauer Berg holen überall ihre Brüste zum Stillen raus.

Nein, nein und noch mal nein. Es ist nicht so, dass man in ein Cafe kommt und denkt, man sei in ein Akt-Shooting geraten. Aber: Ja, natürlich müssen Babys gestillt werden. Die allermeisten Mamis tun dies diskret unter einem Schal oder Tuch.

3. Mütter aus dem Prenzlauer Berg arbeiten alle nicht.

Stimmt auch nicht. Alle meine Freundinnen, die Kinder haben und dort wohnen, haben nach einem Jahr Elternzeit wieder gearbeitet. Was stimmt: Die meisten machen „was mit Medien“. So wie ich.

4. Mütter aus dem Prenzlauer Berg kaufen nur Bio-Lebensmittel.

Nicht nur, aber es stimmt wohl, dass viele Pberg-Mamis für sich und ihren Nachwuchs keine Hühner aus Massentierhaltung und Schweinelendchen, die mit Antibiotika verseucht sind, kaufen wollen. Find ich jetzt aber, ehrlich gesagt, nichts, worüber man sich aufregen muss. Es gibt allerdings auch echte Freaks. Eine Mutter erzählte mir, sie wolle nicht, dass ihre Tochter so viel Kohlehydrate isst. Das Kind war 18 Monate alt.

5. Mütter aus dem Prenzlauer Berg sind Helikopter Mütter (kreisen also ständig um den Nachwuchs)

Ja, da gibt es gewisse Tendenzen. Sie beschäftigen sich schon sehr viel damit, was der Nachwuchs tut, kann oder eben nicht kann. Kann mitunter ganz schön anstrengend sein. ABER: finde ich immer noch besser, als wenn Eltern den ganzen Tag lieber vor der Glotze oder dem Computer hocken, als sich um die Kinder zu kümmern.

6. Mütter aus dem Prenzlauer Berg nennen ihre Kinder alle gleich.

Ja! Bei uns gab es 3 Pauls in der Gruppe, angesagt ist außerdem Frieda, Greta, Ole, Oscar, Luise und Jakob. Meine Kinder heißen nicht so. Aber auch nicht Justin oder Claudia.

7. Mütter aus dem Prenzlauer Berg kriegen viele Kinder.

Ja, bei uns in der Kita ging der Trend definitiv zum Dritt-oder Viertkind. Aber jammern nicht immer alle über die Überalterung der Gesellschaft?

8. Mütter aus dem Prenzlauer Berg geben ständig mit ihren Kindern an.

Stimmt nicht. Ich habe dort wunderbare Freundinnen gefunden, mit denen ich auch über den Nachwuchs fluchen und schimpfen konnte. Die es absolut null nötig hatten, sich über die Kinder zu profilieren.

9. Mütter aus dem Prenzlauer Berg blockieren den Gehsteig mit ihren Kinderwägen.

Ja. Kann sein. Aber dann geht man halt nen kleinen Bogen außen rum.

10. Mütter aus dem Prenzlauer Berg sind Luxus-Weiber, die ihre Kids in Designer-Klamotten stecken.

Habe ich nie gemacht. Und die Freunde meiner Tochter trugen auch keine Chanel-Jäckchen. Aber ich habe ihr im Winter wirklich gute Schuhe gekauft. Weil ich keine Lust auf nasse Füße und Dauerschnupfen habe. Und das versteht doch wirklich jede Mama, oder?

 

 

 

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10 comments

  1. stillen mit sichtschutz
    ich finde stillen mit sichtschutz mittelalterlich.Sollen sich doch die anderen einen schal über den Kopf ziehen.Ach so, ich lebe übrigens auf dem Land.

  2. Kinderwagen und Stillen
    Genauso viele sind doch eh mit Tragetuch oder Manduca unterwegs, da kommt man super dran vorbei 🙂

    Und die ganzen Bugaboos sind doch eh Made in China…. Also nix mit Öko-Tanten. Lauter Plastikschrott für viel Geld!

    Stillen sollten viel mehr Frauen unterwegs. Ich kann mich doch nicht zu Hause einsperren oder nur Sachen machen, die weniger als 2 Stunden dauern! Viel mehr als stillende Frauen (finde ich auch im Café mit Sichtschutz ok) stören mich Leute, die genau daneben rauchen müssen. „Oh so ein süßes Baby! Blabla…“ und direkt danach die Kippe angezündet. Bäh!

  3. Mama bleibt Mama
    Wir sind vor wenigen Tagen von Aachen nach Berlin (Mitte) gezogen und ich kann euch beruhigen – besagten Typus und seine Auswüchse findet man selbst mehrere 100 km entfernt genau so.

    Nachdem ich auf diversen Blogs so viel spannendes über die „typischen“ Berliner Mamis gelesen habe war ich bei unseren Ausflügen echt überrascht, wie normal die Mütter hier doch sind – nichts, was ich nicht in jeder anderen Stadt genau so gesehen hätte – ja, da bin ich fast ein bisschen enttäuscht.

    Liebe Grüße
    Saskia

    Vielleicht habt ihr ja Lust mal auf meinem Blog vorbei zu schauen – und im Latte trinken kann ich übrigens auch als Zugezogene prima mithalten 😉 http://www.alovelyjourney.de

  4. Kinderwagenblockade
    Ich wohne im Prenzlauer Berg in der Nähe eines Zentrums, das Pekip usw. anbietet.
    Ich habe nichts dagegen, wenn Mütter mal mit ihren Kinderwägen den Gehsteig blockieren, aber wenn nach diesen Kursen 4 Bugaboos nebeneinander geschoben werden, ist einen Bogen drum gehen auch nicht mehr drin :-). Jeden Tag mehrmals.

  5. Prenzlberg
    … Ist doch mittlerweile auch in fast allen deutschen Kleinstädten mit hohem Akademikeranteil angekommen, oder?
    Wenn Kind zum Projekt wird (und das glaube ich, ist eher ein Spätgebärdenden-Akademikerinnen-Ding als eine Stadt-Land-Sache), driften Mamas oft in Richtung Perfektion…

    Lactoseintolerante, glutenintolerante Bio-Brei-Kinder in grünen Labelklamotten und schadsstofffreien Kinderwägen, die gerade auf dem Weg zum Kinder-Yoga-Kurs sind, sind das Ergebnis. Die gibt es aber auch auf dem Land- solange das Einkommen stimmt. Sonst ist dieser ganze hippe Kram einschließlich literweise Milchkaffee to go nämlich gar nicht drin!
    Ob es den anderen Kindern wirklich schlechter geht, mag ich zu bezweifeln…

  6. Vorurteil leider bestätigt
    Bei mir hat sich leider gerade wieder das Vorurteil bestätigt, dass „Stadtjournalistinnen“ blind daran glauben, dass Fleisch aus sog. „Massentierhaltung“ „antibiotikaverseucht“ ist.
    Du bist gern eingeladen, dir bei uns auf dem Land ein Bild davon zu machen, wann wie viel bzw. wie wenig Antibiotika mein Mann in der Schweinemast wirklich einsetzt.
    Das ist, glaube ich, wie mit den PBerg-Müttern. Hier weicht die subjektive Wahrnehmung auch stark von der Realität ab.

  7. indiskretes Stillen
    Ich muss dir leider widersprechen. Habe lange in prenzl berg gelebt und ich habe danach nie wieder so viele nackte brüste in der öffentlichkeit esehen.

  8. Luxus Weiber im Pberg?
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Vorurteil mit den Luxusweibern im Prenzlauer Berg tatsächlich bestehen kann. Ich hatte das Vergnügen, im Prenzlauer Berg einen Rückbildungskurs zu absolvieren, da es in dem Teil von Mitte, in dem ich wohne, keine Angebote dahingehend gab, und ich war schockiert, so viele ungepflegte Ökoschlunzen zu sehen…