„Cayla“: Wie im Krimi! Warum unsere Puppe jetzt im Deutschen Spionagemuseum wohnt

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Ihr Lieben, wenn die eigenen Kinder berühmt werden… wer weiß schon, wie sich das anfühlt? Also ich weiß es nicht. Aber es müssen ja auch nicht immer die eigenen Kinder sein, die Spuren hinterlassen. Es kann auch ihr Spielzeug ein 😉 Ihr versteht nur Bahnhof? Nun, unser Leben war in den letzten Tagen turbulent, denn:

Wir besitzen Cayla. Cayla, das ist eine Puppe, die wir einmal hier für Stadt Land Mama getestet haben. Und die seither ihr Leben neben gefühlt 18 anderen Puppen im Schrank des Kinderzimmers unserer Tochter fristete. Denn Cayla wurde uns zwar angepriesen als Puppe, die sprechen und sämtliche Fragen der Kinder beantworten kann, weil sie sich mit dem Internet verbindet, die aber auf die Frage „Bist du doof?“ nie zufriedenstellend reagierte („Ich glaube, ich habe dich nicht richtig verstanden!“), so dass die Tochter bald ihr Interesse an ihr verlor.

Nun gelangte Cayla in der letzten Woche allerdings in die Schlagzeilen. Die Bundesnetzagentur warnte Eltern in einem Schreiben. Zitat:

„Gegenstände, die sendefähige Kameras oder Mikrophone verstecken und so Daten unbemerkt weiterleiten können, gefährden die Privatsphäre der Menschen. Das gilt auch und gerade für Kinderspielzeug. Die Puppe Cayla ist verboten in Deutschland“, so Jochen Homann, Präsident der Bundessnetzagentur. „Es geht hier zugleich um den Schutz der Schwächsten in der Gesellschaft.“

Wie bitte, was? Nur zur Info: Die Bundesnetzagentur ist die zuständige Behörde zur Durchsetzung des Verbotes von Spionagegeräten. SPIONAGE? IN UNSEREM KINDERZIMMER? Ganz ehrlich: Ist das nicht krass, mit was sich Eltern heute auseinandersetzen müssen!?

Cayla ist also ein verstecktes Spionagegerät! In der Pressemitteilung der Bundesnetzagentur heißt es: „Spielzeug, das funkfähig und zur heimlichen Bild- oder Tonaufnahme geeignet ist in Deutschland verboten.“  Und: „Ohne Kenntnis der Eltern können die Gespräche des Kindes und anderer Personen aufgenommen und weitergeleitet werden.“ Das Problem ist aber auch: Selbst Fremde können sich über einen ungeschützten Bluetooth-Zugang Kontakt zur Puppe verschaffen. James Bond lässt grüßen!

Wir sollen also als Eltern die Puppe vernichten: „Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass Eltern eigenverantwortlich die Puppe unschädlich machen. Die Einleitung von Verwaltungsverfahren gegen die Eltern ist derzeit nicht geplant. […] Ob sich jemand im Zusammenhang mit den nach § 90 TKG verbotenen Spionagegeräten strafbar gemacht hat, entscheiden allein die Strafverfolgungsbehörden in jedem Einzelfall.“ Es wurde sogar ein Verkaufsverbot verhängt.

Wuhaaa. Kommen wir jetzt also demnächst in den Knast, wenn wir die Puppe nicht vernichten? Ich bin so froh, dass unsere Tochter kein emotionales Verhältnis zu Cayla hatte. Was hätte ich ihr sagen sollen?

Jedenfalls kramten wir am Abend der Pressmitteilung das Püppchen mal aus dem Schrank hervor und stellten sie vor uns auf den Tisch. Wir machten erstmal Fotos, denn bald würde es sie ja nicht mehr geben. Und wie wir dann die Fotos machten und uns danach durch Twitter scrollten, um zu schauen, was andere über Cayla schreiben und was sie mit ihr angestellt haben, um kein SPIONAGEGERÄT mehr im Haus zu haben, sahen wir den Aufruf des Deutschen Spionagemuseums aus Berlin.

Sie fragten, wer denn so eine Puppe noch habe und sie für die Sammlung zur Verfügung stellen könnte. Und für uns war das doch DIE Lösung! Wir würden Cayla nicht gewaltsam vernichten müssen, sondern könnten sie schlicht in einen Karton packen und bei Sehnsucht immer zum Leipziger Platz in Berlin fahren, wo die Puppe bald als Ausstellungsobjekt im Bereich „Gegenwart“ zu sehen sein würde…  

Gesagt, getan. Die Puppe machte sich auf den Weg nach Berlin. Das Deutsche Spionagemuseum schrieb einen Blogpost zur Ankunft von Cayla. Darin heißt es: „Da sich das Deutsche Spionagemuseum epochenübergreifend mit sämtlichen Themenbereichen der Spionage beschäftigt, ist die „Spionagepuppe Cayla“ natürlich ein spannendes Beispiel für die heutigen Möglichkeiten der Datensammlung im privaten Bereich.“

Ja, ist das denn zu glauben? Und nicht nur, dass es unsere Puppe jetzt ins Museum geschafft hat. Gerade rief auch noch das Wall Street Journal an, um ein Interview mit uns zu führen. Als Stifter der Puppe, die demnächst im Deutschen Spionagemuseum zu sehen ist. Und allein dafür hat es sich doch schon fast wieder gelohnt, Cayla für zwei Jahre als Spionageobjekt in unserem Kinderzimmer gewohnt haben zu lassen…

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