Der Sommer ist vorbei -warum mich das jedes Jahr wehmütig macht

Von einem Tag auf den anderen fühlt sich der Wind anders an. Die Sonne hat nicht mehr die gleiche Stärke, plötzlich braucht man morgens wieder eine Strickjacke. Dann ist Spätsommer, eigentlich schon Herbst. Und das macht mich Jahr für Jahr schwermütig.

Ich mag den Sommer. Ich mag die Wärme. Ich mag es, wenn wir alle wochenlang keine Socken brauchen. Alles ist leichter. Keine Mützen, kein Zwiebellook, einfach Shorts, Shirts und fertig.

Ich mag es, dass die Haare meiner Kinder heller und die Haut dunkler wird. Ich mag, dass wir jeden Abend Füße waschen müssen, weil sie vom vielen barfuß-laufen so dreckig sind. Ich mag es, wenn ich abends nur ein Laken über die Kinder lege.

Dieser Sommer war ganz besonders. Nach den schweren Frühlingswochen brachte er ein wenig Leichtigkeit.

Plötzlich war da ein vorsichtiges Aufatmen. Die Infektionszahlen gingen runter, vielleicht ist das Schlimmste hinter uns, dachten wir. Wir trauten uns wieder mehr Dinge zu unternehmen. Grillen mit Freunden, ein Glas Weißwein in der Hand. Wie wir das vermisst hatten. Und wie gut das tat.

Und nun fröstelt es mich, ich spüre, die nächste Jahreszeit bricht an.

Dieses Jahr schaue ich bange auf den Herbst, ich fürchte mich vor all den Schnupfnasen und den Konsequenzen für uns. Ich möchte noch nicht wieder drinnen bleiben, ich sehne mich nicht nach Gemütlichkeit.

Ach Sommer, kannst du nicht noch etwas bleiben? Und mit Dir diese zarte Unbeschwertheit?

Noch vier Monate bis Weihnachten, sagte meine Tochter neulich. Weihnachten 2019 war die Welt noch eine ganz andere. Wir waren mit meinem Bruder im Skiurlaub und hatten keine Ahnung, was drei Monate später los sein würde. Mein Bruder lebt in London, ich habe ihn seitdem nicht mehr gesehen und sehe auch 2020 keine Chance mehr.

Wie die Welt wohl im nächsten Sommer aussehen wird? Gedankenspiele, während ich die Kleiderschränke der Kinder durchschaue – welche Pullis passen noch und wer braucht neue Jeans? Wir sind alle gewachsen in den letzten Monaten, jeder auf seine Weise. Manches ist auch zerbrochen. Das hat Kraft gekostet und ich hoffe, wir haben noch genug Kraft für die nächsten Monate.

Der Sommer ist vorbei. Er hat uns so gut getan.

Dann beschließe ich, meinen Kaffee draußen zu trinken. Ich rücke meinen Stuhl aus dem Schatten und halte mein Gesicht in die Spätsommer-Sonne.


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9 comments

  1. Hmm, ich kann das theoretisch nachvollziehen, wobei ich selbst ein ganz anderer Typ bin. Seit meiner Kindheit freue ich mich immer auf den Herbst. Auch ich mag lange Sommerabende, Barfußlaufen, Baggersee, Strand, Eisessen etc. Da ich aber schnell ins Schwitzen komme, finde ich die Wärme sehr unangenehm.
    Jahr für Jahr so ab Mitte / Ende August freue ich mich auf Wind, auf klare Luft, den ersten Pulli-Tag, die neue Herbstmode, kräftige Farben in der Natur, Kürbissuppe, Pilzgerichte, heiße Schoki im Straßencafé, Trenchcoat und Loafer, den ersten Tee abends zu Hause, entspannte Spaziergänge und und und.
    Im Sommer fühle ich mich schwitzig, unsauber und lahm, im Herbst dagegen frisch und vital.

  2. Im Gegenteil. Ich atme jedes Mal auf, wenn der Sommer zu Ende geht. All das Licht, die ewige Sonne, die ständige Aktivität…jedes Jahr überstehe ich diese Jahreszeit in Vorfreude auf den Herbst. Mein Sohn ist ein Sommerkind, das hat mich ein wenig mit dieser gleißenden Jahreszeit versöhnt. Auch die Erntezeit des Getreides mag ich. Aber jetzt ist es auch gut. Meine beruflichen und privaten Leistungen erbringe ich nicht im Sommer. Im Herbst kann ich endlich wieder loslegen und produktiv werden. Ich freue mich drauf.

  3. Liebe Katharina,
    vielen Dank für diesen wunderschönen Text, du schreibst mir aus der Seele. Ich finde es in diesem Jahr besonders schlimm, weil wir ja wahrscheinlich noch auf die Highlights des Winters, das sind für mich Weihnachtsmärkte und Karneval, verzichten müssen. Und andererseits ist da die kindliche Hoffnung, dass in vier Monaten 2020 zu Ende ist und 2021 ja nur besser werden kann.
    Liebe Grüße Maria

  4. Das hast du sehr schön geschrieben. Bei mir sind die Morgen jetzt teilweise schon an der Frostgrenze …. ich bin vor 2 Jahren nach Nordschweden gegangen (vorübergehend?)
    Hier ist der Wechsel noch extremer. Im Sommer die Nächte hell und im Winter die Nächte sehr lang.
    Ich war heute Lingon /Preiselbeeren pflücken im Wald. Saftvorräte für den Winter anlegen. Noch sind die Birken grün. Aber in wenigen Wochen wird schon der erste Schnee fallen. Wir geben jeden Tag 6 Minuten Sonnenlicht „ab“.
    Ich liebe das Licht hier. Die Seen und der Himmel sind blauer und die Sonne im Herbst noch gelber.
    Das Schöne ist: mit dem Herbst sind die ersten Nordlichter wieder angekommen und auch dieses schönes Naturerlebnis hier oben ist einzigartig, Deshalb begrüße ich den Herbst und Winter wie gute Freunde.

  5. Hallo Katharina,
    oh ja, wie wahr! Geht mir genau so, und wieder ein Sommer mit den Süßen neigt sich dem Ende und in einigen Jahren wollen sie lieber mit ihren Freunden um die Häuser ziehen, als mit den Eltern am See baden gehen und am Lagerfeuer Stockbrot grillen. Ich vermisse es jetzt schon.. 😉 Aber bis dahin werden wir es immer wieder genießen, bis der Herbstwind uns vertreibt.
    Liebe Grüße und genießt die letzten warmen Sonnenstrahlen.
    Nicole (3-fach Mama, 2010,2014,2016)

  6. Oh man, genauso fühle ich mich heute… nur leider regnet es, sonst hätte ich noch stur ein bisschen draußen gesessen… aber vielleicht kommen ja noch ein paar schöne Herbsttage… hoffentlich.

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