Frühe Mutterschaft: Mit 21 war ich dreifache Mama

Liebe Andrea, du hast mit 19 dein erstes Kind bekommen. Erzähl uns mal, in welcher Lebensphase du damals warst.

Als ich schwanger wurde, war ich gerade 18 und mein Freund (heute ist er mein Mann) und ich waren 5 Monate zusammen. Ich hatte damals gerade meine Ausbildung zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen begonnen. Die Schwangerschaft war nicht geplant – und sie verlief auch nicht reibungslos

Ich war viel, lang und oft im Krankenhaus, da ich ständig Nierenbeckenentzündungen und gestaute Nieren hatte. Dies äußerte sich durch hohes Fieber, starke Schmerzen und Erbrechen. Das war eine schwere Phase, aber ich bin in dieser Zeit auch „erwachsener“ geworden.

Wie waren die Reaktionen auf die Schwangerschaft?+

Die Reaktionen waren eigentlich überwiegend positiv. Mein Mann hat sich sehr gefreut, seine Familie auch. Die Reaktion meiner Mutter war sehr ambivalent. Das nehme ich ihr aber nicht übel, schließlich hatte sie Bedenken – ich ja auch. Mich plagten durchaus Zukunftsängste, Unsicherheiten und Zweifel. Dabei hatte ich interessanterweise keine Angst vor der neuen Verantwortung, sondern es ging mir eher darum, wie es mit meiner beruflichen Ausbildung weitergeht und ob wir als Paar zusammen halten würden.

Mit 20 ist man ja eine relativ junge Mutter. Woran hast du gemerkt, dass du jünger bist?

Ich hatte oft nicht das Gefühl, richtig erst genommen zu werden und schnell in eine Schublade gesteckt zu werden. So nach dem Motto: „Geplant war das eh nicht und mit dem Vater ist sie sicher auch nicht mehr lange zusammen.“

Es sind auch einige Freundschaften zerbrochen. Das kann ich sogar verstehen. In dem Alter hat man eigentlich was anderes im Kopf. Man will Party machen, verreisen, ausgehen, Neues erleben – und sich nicht über Nabelpflege und Windeln unterhalten….

Ich glaube, ich damals damals sehr intuitiv bei Vielem gehandelt, ich glaube, das ist typisch für junge Mütter. Man macht sich nicht über so viele Dinge Gedanken, ich hatte keine Ängste, wenn die Kinder auf jeden Baum geklettert sind. Heute wäre ich viel ängstlicher und würde mir mehr den Kopf zerbrechen….

Danach folgten zwei weitere Kinder in zwei Jahren – da war sicher ganz schön Trubel angesagt. Was war das Schönste mit drei so kleinen Kindern?

Ehrlich gesagt war diese Zeit einfach ganz schön krass. Mit 21 war ich dreifache Mutter, hatte drei Kaiserschnitte hinter mir. Die Kinder waren 2,5 Jahre, 16 Monate und dann noch ein Säugling, teilweise hatten wir drei Wickelkinder. Mein Tag bestand nur aus füttern, wickeln und Klamotten wechseln.

Da bist du sicher oft an deine Grenzen gekommen…

Ja, denn alle waren noch so klein und waren komplett von uns abhängig. Ich hatte für jeden Einzelnen einfach zu wenig Zeit. Das tat mir oft leid, wenn einer beispielsweise eine Geschichte vorgelesen bekommen wollte, aber kurz darauf der andere seine Flasche wollte und währenddessen das andere Kind in die Windel gemacht hat..

Mit den Jahren wurde es leichter. Dadurch, dass sie im Prinzip fast gleich alt waren, konnten und können sie sich viel miteinander beschäftigen. Sie hatten zunächst dieselben Interessen und haben wahnsinnig viel voneinander gelernt. Bis heute haben die drei eine enge Bindung, auch wenn es gerade aufgrund der Pubertät öfter mal kracht.

Wie hat sich Eure Partnerschaft verändert?

Eigentlich kannten wir uns von Beginn an nur als Eltern und Paar, das zu wenig Zeit füreinander hat. Mein Mann hat auch immer viel gearbeitet, damit wir finanziell über die Runden kommen. Jetzt sind die Kinder größer, machen viel ihr eigenes Ding und wir kommen in eine völlig neue Phase… Ich weiß noch als mal zu meinem Mann sagte, dass ich gespannt bin, ob wir überhaupt etwas miteinander anfangen können, wenn die Kinder größer sind…

Hast du manchmal was vermisst in deinen frühen Zwanzigern?

Damals habe ich nichts vermisst, weil ich schlicht keine Zeit dafür hatte. Oder ich habe mir auch oft eingeredet, dass ich nichts vermisse. Heute sehe ich das etwas anders. Ich bin dankbar für diese wunderbaren Menschen in meinem Leben und es ist so schön sie zu sehen, wie sich jeder auf seine Weise entwickelt. Dennoch gibt es rückblickend Dinge, die ich gerne erlebt hätte. Ich hätte beispielsweise gerne mal alleine in einer eigenen Wohnung gelebt. Außerdem hätte ich gerne meine Ausbildung abgeschlossen. Auf der anderen Seite hätte ich dann aber nie das gemacht, was ich jetzt mache. Mit 25 habe ich mich nämlich entschlossen, mein Abi nachzuholen und zu studieren. Genau das mache ich jetzt. Es läuft zwar oft schleppend, aber ich schaffe das.

Heute bist du 32 und deine Kinder ja schon 11,12 und 13. Andere Frauen fangen jetzt erst an. Hättest du nochmal Lust auf ein Baby?

Ich möchte definitiv keine weiteren Kinder, will mich jetzt wirklich um meine berufliche Zukunft kümmern. Ich finde es gerade sehr schön, dass die drei so groß sind – auch wenn sie manchmal so unfassbar pubertär sind. Ich kann das aber ganz gut ab, weil ich mich noch soooo gut an diese Zeit erinnern kann und wie man sich fühlt. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und die Kinder sprechen noch viel über alles mit mir, das freut mich natürlich.

Ich habe einige Freunde, die kinderlos sind und wenn ich mir denen unterwegs bin, fühlt sich das fast an, als seien wir 18…

Was möchtest du anderen jungen Mamas sagen, die vielleicht gerade an sich zweifeln…

Dass das Alter nichts darüber aussagt, ob du eine gute oder schlechte Mutter bist. Lasst euch nicht durch irgendwelche dummen Fragen und Aussagen irritieren, oftmals spricht die eigene Unzufriedenheit und Unsicherheit aus solchen Menschen! 
Egal ob 18 oder 35 , jede Mama muss sich erstmal in ihrer neuen Rolle zurechtfinden – du wirst das schon gut machen. Und was ich von Pippi Langstrumpf gelernt habe: „Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen!“ 

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