Glücklicher Zwischenruf aus der Krise: „Wir haben eine tolle Zeit als Familie“

Vater und Sohn im Wald

Ihr Lieben, mein Name ist Miriam und ich traue mich nicht, diese Zeilen unter den Beitrag „Ich finde, wir sollten alle wütend sein dürfen“ zu setzen. Ich habe Angst, gelyncht zu werden. Klar bin ich auch genervt von der aktuellen Situation (zwei wilde Jungs von 5 und 8, Dachwohnung mit kleinem Balkon), aber ich kann sagen, ich genieße sie!

Mein Mann und ich arbeiten in systemrelevanten Jobs und hätten sogar Anspruch auf Notfallbetreuung. Diese lehnen wir erstmal ab und arbeiten abwechselnd, angepasst an die Schicht von meinem Mann. Ich bin jeweils ab dem 1. Geburtstag der Jungs wieder arbeiten gegangen, beide gehen in Ganztags-Betreuungen…

Ich hatte noch nie so viel Zeit mit den Kindern wie jetzt! Ich muss nicht nach dem langen Schul-, KiGa-, Arbeitstag noch zum Handball, zu Freunden der Kinder oder zum Einkaufen hetzen. Wir haben Zeit füreinander.

Mein Mann sieht in der Spätschicht-Woche die Jungs normalerweise morgens nur für 30 Minuten, bevor sie los müssen. Sonst erst wieder Samstagfrüh (wenn er nicht arbeiten muss).

Jetzt sieht er die Kinder jeden Tag viele Stunden. Sie telefonieren über WA mit ihren Freunden, das reicht ihnen. Wir gehen jeden Tag lange spazieren oder Fahrrad fahren. Wir haben eine unglaublich tolle Zeit als Familie.

Klar wäre es schön, mal bummeln oder in den Zoo zu gehen, klar vermissen wir Omi und Opa, klar hab ich Sorgen um die Uromis (87 und 90) und wir wünschten uns, es gäbe keine Pandemie, an der Menschen leiden und fühlen auch mit jenen, die grad überfodert sind und in Existenzängsten, aber in unserem speziellen Fall überwiegen gerade die positiven Momente einfach…

Ich hoffe ihr versteht jetzt meine Angst vor gehässigen Kommentaren im Netz. Vielleicht geht es ja auch anderen so. Man traut sich ja kaum mehr, das laut auszusprechen.

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12 Kommentare

  1. Lynchen nicht, nein. Du darfst das sagen,klar- aber ich finde, du darfst es nur sagen, weil du deinen persönlichen Hintergrund beleuchtest!
    Mir (2 Kinder, 4+2 Jahre) geht’s teilweise ähnlich wie dir-ABER nur, weil keine finanziellen Probleme da sind, mein Mann UND ich den Großteil des Tages nicht arbeiten müssen/ können und wir ein großes Haus mit Garten am Feldrand haben. Das ist aber ja nicht der Standard und deshalb sollte man doch manchmal ein bisschen taktvoll sein und darauf achtgeben, was man sagt, finde ich.

    1. Danke!!! So ist es hier nämlich auch.
      Ich habe 3 Kinder. Mein Mann arbeitet derzeit ab 6 Uhr, gg 16 Uhr ist er zuhause. Sonst locker eine Stunde später bzw sind die Nachmittage prall gefüllt mit Sport oder anderen Hobbies.
      Ja, wir sind privilegiert. Ich arbeite sonst 25 Stunden, ich arbeite derzeit sehr abgespeckt. Das ist bei uns wohl Jammern auf hohem Niveau, wenn wir uns beschweren oder so.
      Aber generell entschleunigt das derzeit enorm. Ich genieße das sehr, traue mich aber nicht, das genau so in der Öffentlichkeit zu sagen.
      Danke ❤️

  2. Es freut mich, zu hören, dass es bei euch so entspannt abläuft. Aber im Vergleich zu meiner Situation sehe ich bei dir einen großen Vorteil: du arbeitest in einem systemrelevanten Beruf. Ich verstehe das so, dass du den nicht im Home Office ausübst. Das heißt, du hast jeden Tag ein paar Stunden, wo du natürlich arbeitest und Stress hast aber keine Kinder um dich rum. Das persönlich vermisse ich in der momentanen Situation. Quasi den Arbeitsort, wo ich für mehrere Stunden hingehe und ich mich nur um mich und meine Arbeit kümmern muss. Kein ständiges Mamaaa, keine ständige Unterbrechungen durch Geheule weil der eine dem anderen was weggenommen hat, kein volles Glas das am Tisch umgeschmissen wird usw. Mir persönlich würde das viel Kraft geben auch wenn der Arbeitsalltag noch so stressig ist. Und dann hätte ich auch die Kraft mich danach voll und ganz meinen Kindern zu widmen. Von dem her, nein, keine Angst vor lynchen. Ein bisschen neidisch vielleicht, aber nur ein bisschen weil ich ja nicht weiß, was du arbeitest und mir klar ist, dass die meisten systemrelevanten Berufe gerade mit Corona kein zuckerschlecken sind.

  3. Vielen Dank, du nimmst mir die Worte aus dem Mund. Ich traue mich auch viel zu selten zu sagen, dass ich der aktuellen Situation auch viel Positives abgewinnen kann: Nicht mehr täglich das Kind morgens früh schon im Bad antreiben, nicht zu spät morgens fluchend durch den Berufsverkehr fahren, nicht mehr von der Arbeit zur Tagesmutter hetzen, um das Kind abzuholen und dann gemeinsam Hausaufgaben zu machen, nicht mehr schnell noch zwischendurch einkaufen zu gehen und den Haushalt zu managen, sondern alles im eigenen Tempo machen zu können. Und das schöne Wetter voll und ganz mit dem Sohnemann genießen zu können. Mein Mann hat mittlerweile auch drei Tage Homeoffice (und zwei im Büro) und die tägliche Stunde Fahrzeit, die wir sonst beide haben, nutzen wir jetzt für ausgedehntere gemeinsame Aktivitäten auch unter der Woche. Und unser Garten im Neubau sieht so gut aus wie wir es eigentlich erst in ein paar Monaten erwartet hätten.
    Natürlich weiß ich, dass viele Familien auch darunter leiden und das möchte ich auch niemanden kleinreden.
    Bleibt gesund, wir schaffen das – jeder auf seine Art und Weise! Herzliche Grüße!

  4. Ich kann das voll nachvollziehen und habe mir selber vorgenommen, wenigstens zu versuchen, einen Teil dieser Entschleunigung aus der Krise heraus mitzunehmen in den folgenden Alltag. Man stellt sich schon die Frage, ob alle diese Termine wirklich notwendig sind oder ob es nicht auch anders geht. Schließlich fällt ja nicht nur einfach was weg, sondern es kommt etwas Entscheidendes dazu: Zeit füreinander.
    Und prinzipiell: Ich finde es sogar sehr wichtig, genau jetzt in der Krise darüber nachzudenken, was man Gutes aus ihr mitnehmen kann – das sollte auch dringend in Politik und Gesellschaft stattfinden. Weniger Geschäftsreisen zB, mehr Homeoffice usw…. Wir haben auf dieser Welt noch ne Menge mehr Krisen, die bewältigt werden wollen (zB die Klimakrise).

  5. Uns geht es auch so 🙂
    Eine tolle Zeit, um vielleicht mal zu überdenken, wie man das Leben sieht? Wir müssen auch beide außer Haus arbeiten und es ist an manchen Ecken definitv viel anstrengender. Aber es gibt auch so viele schöne Momente. Ich bin auch immer mal wieder zeitweise total gestresst, aber ich habe mir fest vorgenommen, mich auf die schöne Zeit zu konzentrieren und die Zeit positiv zu sehen.
    Unsere eigene Einstellung dürfen wir ja zum Glück selbst bestimmen.

  6. Ich hatte mir vorgenommen, nie einen Kommentar zu verfassen, aber nun muss ich es doch tun.
    Ich finde es unglaublich schön, was du schreibst und bin dankbar für deine Zeilen.
    Auch ich genieße die Zeit mit meiner Tochter sehr. Sie ist zwar erst knapp neun Monate alt, aber dennoch hatten wir viele Termine – man denkt ja als NeuMama, man muss alles mitnehmen..
    Nun leben wir völlig entschleunigt, ohne Termine, gehen viel spazieren, genießen die Sonne.
    Ja, wir sind privilegiert mit Haus und großen Garten, der Papa als Landwirt viel unterwegs und trotzdem immer greifbar. Uns plagen keine (großen) Existenznöte.. Keiner aus dem Umfeld ist bisher an Corona erkrankt, dennoch sorgen wir uns um die Uroma im Heim und die Oma mit Krebserkrankung.
    Und trotzdem finde ich es legitim zu sagen, man genießt das entschleunigte Leben, die Zeit mit dem Kind / den Kindern und die Zeit als Familie.

  7. Ist doch schön, dass ihr als Familie mal mehr Zeit habt und selbst in Zeiten der Krise Glück empfinden könnt, das würde ich jeder Familie wünschen! Und wieso solltet ihr denn nicht Glück empfinden dürfen? Erstens hat doch jeder das Recht auf Gefühle-ob positiv oder negativ. Und zweitens bewundern wir alle doch Menschen, die sich vom Schicksal nicht unterkriegen lassen, oder? Die dem Schicksal die Stirn bieten, weiter machen, kämpfen und das Lachen nicht verlernen. Ist es mit der Krise nicht anders? Wir alle haben große Sorgen und Ängste, ob nun um die Oma mit 95 oder um die Kinder, die unter der Isolation leiden oder um die Zukunft. Gerade in Zeiten der Krise darf man gerne auch versuchen, das Positive zu sehen und sich über kleine Lichtblicke freuen, da hilft sehr, nicht zu verzweifen. Ich wünsche allen ganz viele Lichtblicke und positive Momente!

  8. Hallo Miriam!

    Danke für Deinen Beitrag! Ich kann mich dir nur anschließen. Mein ganzes Mitgefühl geht mit den Opfern dieser schrecklichen Pandemie, sei es aus gesundheitlichen, psychischen oder auch wirtschaftlichen Gründen.

    Dennoch ist diese Notpause für uns das Beste, was uns lange passiert ist. Wir haben vier Kinder, 10, 7, 5 und 5 Jahre alt und mit drei wilden Jungs und einem wilden Mädel ist hier trotzdem viel zu tun. Mein Mann und ich arbeiten beide im Homeoffice, was neben dem Homeschooling von Klasse 2 und 4 sowie zwei Vorschulzwillingen nicht gerade Entspannung bedeutet. Aber- wir können unseren Rhytmus leben. Die Kinder stehen 30 Minuten später auf als sonst, aber ohne Gemurre, frühstücken und setzen sich an die Schreibtische. Unsere kleinen Jungs spielen den ganzen Vormittag zusammen und mittags ist Zeit füreinander. Mein Mann arbeitet länger aber kann meist ab 16 oder 17 Uhr dazukommen.
    Wir haben im Alltag sonst 14(!!) feste Termine mit den Kindern, nicht weil wir förderwahnsinnig sind, sondern weil alle gerne Sport und Musik machen und unsere Zwillinge noch Ergotherapie und Logopädie brauchen. Nun gehen wir täglich stundenlang in Wälder und spielen Brettspiele.
    Die Alltagslast abzuwerfen und sich nur auf einen einfachen Rhytmus einzustellen tut uns allen gut und ich bin tatsächlich etwas wehmütig, dass unser Großer in 2 Wochen wieder zur Schule geht.

    Ich weiß auch, wie viele Familien unter der Situation gerade leiden, deshalb vermeide ich lange Gespräche darüber.

    Trotzdem wird diese Coronazeit in meinem Herzen auch wohl immer einen positiven Beigeschmack behalten, da sie uns für einige Wochen sehr entlastet hat.
    Alles Liebe für euch!!

    1. Liebe Miriam,
      auch uns geht es so.
      Anfangs von Corona hatte ich zwar drei Wochen eine heftige Lungenentzündung, aber nun da es mir besser geht, können wir die Zeit sogar richtig genießen. Wir haben drei Schulkinder und die Tage sind mit viel lernen, spielen, backen, lachen und kuscheln gut gefüllt. Mein Mann ist von morgens bis abends spät im Homeoffice (hält Vorlesungen), schaut aber gelegentlich für fünf Minuten vorbei. Das haben wir sonst nicht. Ich selbst habe keine Aufträge angenommen(freie Autorin), habe daher Zeit für die Kinder. Trotz der Sorgen, da meine Tochter und ich zur Risikogruppe gehören, kann ich sagen „Wir sind glücklich und dankbar einander zu haben“

  9. Mir geht’s wie dir mit meinen beiden Kindern und Mann. WIr schätzen die Zeit miteinander wirklich. Es ist halt anders anstrengend als vorher, mit Kindergarten und Job war es auch anstrengend. Wir haben unseren Alltag großteils umgestellt. Strukturen die vorher üblich, aber dann stressig waren umgeändert.

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