Stadtleben

25/07/2016 - 07:30

Stadt-Mama Katharina

Wir sind ein Leben lang Mutter - und Tochter

Ich bin bald dreifache Mutter. Ich bin Ehefrau, Schwester, Journalistin und Bloggerin. Ich bin Freundin und Elternvertreterin.

Und ich bin Tochter.

Immer noch.

Es gab diesen Punkt letzte Woche, da rollten nonstop die Tränen. Scheiss Hormone und zu viel Arbeit. Und sowieso alles blöde.

„Komm zu mir“, sagte meine Mutter. Und das machte ich.

Einfach mal nicht kochen müssen. Nichts erklären müssen. Einfach sein dürfen. Schwach, müde.

Leg Dich hin, ich bring Dir eine Decke.

Hast Du noch Hunger?

Hast Du dreckige Wäsche?

Geh schlafen!

Du machst das schon.

Ich nehm jetzt die Kinder!

Essen ist fertig!

Soll ich Dir die Wanne einlassen?

Wann hören wir diese Sätze im Alltag? Zwischen Job, Haushalt, Kindern, Ehe, Kitafesten?

Wir funktionieren so oft, machen und tun.

Und dann kommt Mama. Und plötzlich ist man auch wieder Kind.

Ich bin dankbar und nehme an. Das ist etwas, was mir schwer fällt. Weil ich immer denke, ich müsste mich sofort revanchieren.

Ich bin so ungern schwach und frage so ungern nach Hilfe. 

„Aber ich bin doch Deine Mutter“ sagt sie. Und sie hat recht.

Und ich weiß, ich werde genau das Gleiche für meine Kinder tun.

Mutter sein hört nicht auf, nur weil das Kind 16, 26 oder 36 Jahre alt ist.

Man ist es bis zum letzten Atemzug. Was für eine Aufgabe. Was für ein Geschenk. 

PS: Das Foto oben zeigt mich in meiner fränkischen Heimat. Gestern Nacht sprengte sich ein 27-Jähriger nur wenige Kilometer von uns in die Luft. Wir sind alle wohlauf.

 

 

Tags: Mutter, Tochter, Beziehung, Familie, Annehmen, Unterstützung

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Kommentare

Jutta von siebe... — Mo, 07/25/2016 - 10:47

Ja, genau so ist es, man bleibt ewig Tochter und ewig Mama. ist das nicht wundervoll? Mir fällt es übrigens auch immer schwer, Hilfe anzunehmen (eine blöde Eigenschaft, oder) Schön siehst du auf dem Foto aus. Ich habe erst heute Morgen von dem Sprengstofftäter gehört, ich wohne auch in Mittelfranken und es ist erschreckend wie nah es kommt. Liebe Grüße Jutta

Gast — Mo, 07/25/2016 - 19:58

Ich glaube auch mit niemand mehr ist man im Leben verbunden als mit seiner Mutter und ich genieße es auch sehr dass ich das enge Band mit einer wunderbaren Mutter teilen darf und hoffe sehr dass meine Kinder auch wenn diese groß sind ein Leben lang gerne zu mir zurück kommen uns sich bei Bedarf bemuttern lassen ;) P.S.: Das Kleid steht dir so gut, darf ich fragen woher dieses ist?

Stadt-Mama Katharina — Mo, 07/25/2016 - 22:07

Das Kleid ist von H&M - gibts auch noch!!!

Gast — Mo, 07/25/2016 - 22:14

Tausend Dank, ich muss gleich shoppen ;) eine schöne Schwangerschaft noch!

Kay — Mo, 05/22/2017 - 16:51

Der Beitrag ist schon älter, er wurde mir unter einem anderen angezeigt, daher lese ich ihn erst heute. Beim Lesen rührt sich etwas in mir. Sehnsucht. Tiefe Sehnsucht. Genau DAS gibt es nicht. Sondern Ansprüche. Das Baby als erstes sehen, die Enkel öfter vorbeibringen, Festtage gemeinsam verbringen mit entsprechendem Ablauf. Für Treffen zu Verfügung stehen, wenn Oma Zeit hat. Sich für Omas Alltag interessieren, im Gegenzug aber: "Du hast es dir ja so ausgesucht"- als Antwort auf mein erschöpftes Schildern unseres Alltags. Statt spontane Hilfe beim Umzug wird Geld für eine Haushaltshilfe geboten. Oma hält sich nicht an Absprachen, Oma schenkt/kocht/... macht wie sie will. Oma fragt, was die Kinder gerne hätten/unternehmen möchten...und macht es doch, wie sie will. Wenn die Kinder nicht begeistert sind oder nicht mitziehen wollen: "Oh, jetzt bin ich aber doch traurig, dass du nicht mitmachst" Nach vielem Lesen ordne ich es bei emotionaler Erpressung ein (entdecke selber Züge bei mir) und kann es ihr doch nicht erklären. Bin die undankbare, komische Tochter. Auch davon habe ich woanders bei euch gelesen. Warum ist es so schwer, wenn es doch auch so einfach sein kann, wie hier im Beitrag geschildert. Wie wird es, wenn die Mutter einmal alt ist? Die mangelnde Empathie, Hege und Pflege kann ich ihr umgekehrt auch einfach nicht zurückgeben. Als Mutter schmerzt mich der Gedanke, meine Kinder könnten auch einmal so abweisend sein, wie ich es bin. Und dann wieder denke ich: genau das, was Katharina da oben beschreibt, genau DAS würde ich meinem Kind geben. Egal, wie alt es ist. Egal, ob es "sich das ja selber so ausgesucht hat". Meine, Kind geht es nicht gut und dann packe ich nicht noch eine Schaufel von meinem eigenen Frust drauf, sondern öffne die Arme und bin da. Bedingungslos. Danke für die Kommentarmöglichkeit. Das ist ein bisschen wie Therapie;-)

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