Ich will ein Kind, mein Mann ist depressiv: Wie geht es weiter?

Mein Name ist Julia, seit drei Jahren bin ich mit meinem Partner zusammen. Vor dieser Partnerschaft waren Kinder nie ein Thema, nun bin ich Mitte 30 – und ich habe plötzlich einen großen Kinderwunsch. Zum ersten Mal sehne ich mich nach einer eigenen Familie.

Als ich das meinem Partner sagte, meinte er: „Ich bin dabei. Lass uns eine Familie gründen.“ Kurz darauf fing sich unsere Beziehung zu verändern. Plötzlich standen wir vor ganz anderen Fragen, wollten Probleme und Unsicherheiten nachhaltig aus der Welt räumen und lernten uns auch selbst nochmal anders kennen. Und auch das schwanger werden klappte nicht sofort. Ich bin nicht mehr 20, habe Endometriose und Überreicht.

Was uns aber richtig aus der Bahn wirft: Mein Partner hat gerade eine depressive Phase. Glücklicherweise hat er schnell einen Therapieplatz für eine Psychotherapie bekommen, aber diese Krankheit geht ja nicht einfach schnell weg, es ist ein langer Prozess und langsam merke ich, wieviel Kraft mein Partner mich kostet.

Er ist so antriebslos, es fällt ihm wahnsinnig schwer, Dinge anzugehen. Nicht, dass er keine Ideen und Vorstellungen hätte. Aber auf Worte Taten folgen lassen – das fällt ihm wahnsinnig schwer. Ich weiß, dass das keine böse Absicht ist, es sind seine Dämonen, die an ihm ziehen und ihm jede Kraft rauben.

Ich will auch für ihn da sein, für ihn stark sein und ihn daran erinnern, dass wir eine tolle Zukunft vor uns haben können. Und auf der anderen Seite sind da ja auch noch meine eigenen Wünsche und Träume, meine biologische Uhr tickt und ich will noch so viel mehr vom Leben. Sind meine Gedanken egoistisch? Gibt es hier noch andere Frauen, die depressive Partner haben und mir erzählen können, wie sie damit umgehen?

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11 comments

  1. Hallo Julia. Mein Mann hatte letztes Jahr ein richtig schwieriges Jahr und ich bin sehr froh, dass er sehr offen mit seinen Gefühlen umgegangen ist und sich Hilfe gesucht hat. Er war 8 Wochen stationär in einer Klinik, was ihm sehr gut getan hat und ihn aus dem tiefen Loch geholfen hat. Und irgendwie ging es langsam bergauf. Ich war in dem Jahr mit unserer 5jährigen Tochter viel allein und es war sehr belastend zu wissen, dass es dem Mann den man liebt so schlecht geht. Wir haben viel geredet und ich habe versucht mit Verständnis und Geduld zu reagieren. Aber es war streckenweise natürlich sehr anstrengend und ermüdend. Aber unsere Tochter hat das alles auch wirklich ganz toll mitgemacht und ihm auch viel Kraft gegeben. Und zum Glück haben wir ganz tolle Freunde, die mich mental aber auch praktisch gestärkt haben,
    Jetzt erwarten wir unser zweites Kind und gerade geht es meinem Mann gut. Ich hoffe das bleibt so.
    Es ist gut, dass dein Mann einen Therapieplatz hat, denn das ist momentan total schwierig. Vielleicht wäre ein Klinikaufenthalt auch eine Überlegung wert. Und du musst darauf achten, dass du dich nicht übernimmst. Du bist nicht verantwortlich für seine Genesung. Du kannst ihn unterstützen, aber nur wenn du auf dich achtest. Und wenn ihr ein Kind möchtet, dann versucht es. Irgendwie kriegt ihr es bestimmt hin, am besten mit dem Wissen, dass es auch Menschen in eurem Umfeld gibt, die euch unterstützen können.
    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Geduld und deinem Partner auch!

  2. Ich finde es prinzipiell richtig, dass Trennung angesprochen wurde von Anne. Und auch, dass in solch einer existenziellen Entscheidung erstmal alles gedacht werden darf/soll (ohne Bewertung): Partnerschaft weiter ohne Kinder? Oder …mit Kind/er, oder Trennung, usw. Und andere Menschen das im Gespräch begleiten: Hilfe nicht erst wenn das Kind da oder die Trennung unweigerlich vor der Tür steht. Jetzt schon. Und einen Plan B, C…., sprich: Alternativen, wenn es im Leben Mal wieder anders kommt als geplant.
    Alles liebe und Gute für dich!

  3. Hallo Julia,
    ich glaube, ein Ratschlag ist von außen völlig unmöglich, da Depressionen unterschiedlich sind, sich nicht pauschal vorhersehbar entwickeln und Kinder bzw. das Kind haben eine der größten Wundertüten von allen ist.
    Ich bin bei uns der Part der sich gerade aus einer Depression rausarbeitet und unserer Kinder sind 4 und 6. Es ging. Und ich glaube es wäre auch mit 1. Kind zu Anfang gegangen. Doch es kostet auf allen Seiten viel Kraft und graue Haare und die Kinder mussten auch mehr zurückstecken, als ich mir für sie gewünscht hätte, aber die Realität fragt manchmal nicht nach Wünschen. Deshalb will ich sagen, dass es wahrscheinlich geht, wenn klar geregelt ist, wenn es hart auf hart kommt, ist der eine für’s Kind und der andere für die eigene Gesundheit zuständig und nicht einer für beides. Und wie schon angesprochen Unterstützung organisiert ist, davon gibt es mehr als nur Oma/Opa.
    Was ich dir auf jeden Fall aber auch sagen will ist: du darfst dich trennen. Und du bist nicht für seine Fürsorge zuständig, wenn es zu sehr auf deine Kosten geht (sowohl eigene Kraft als auch Kinderwunsch), auch wenn der Gedanke man könne einen Menschen in so einer Lage nicht alleine lassen, vielleicht nicht weit ist und auch von außen geäußert werden kann/ wird.
    Aber es gibt bestimmt auch einen Grund, warum du mit dem Menschen zusammen bist und er ist nicht nur seine Krankheit. Und vielleicht geht’s ihm in ein paar Monaten auch wieder besser. Es ist nicht alles aber vieles schaffbar. Und ein geliebter Mensch an der Seite, mit dem mann auch harte Phasen durchgestanden hat, finde ich gold wert.

    LG Anne

  4. Liebe Julia,
    ich hatte dasselbe Problem. Mein Noch-Ehemann leidet seit Jahren unter Depressionen und einer Angststörung. Gute und schlechte Phasen wechselten sich ab. Dann kam das Kind und es wurde noch schlimmer. Ich musste mich nun um das Kleine und meinen Mann kümmern. Seine Krankheit verschlimmerte sich. Es war wie eine Abwärtsspirale. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich das nicht schaffe, und dass ich für seine Krankheit bzw. Gesundheit nicht verantwortlich bin. Ich habe mich getrennt. Alleinerziehend zu sein ist hart und wäre ohne die Unterstützung meiner Familie kaum möglich. Aber es ist viel besser als vorher.

  5. Liebe Julia, ich möchte dir Mut machen! Mein Mann wurde auch mit Depressionen und Angststörungen diagnostiziert. Allerdings war das einige Zeit vor unserer Familienplanung und er war in keiner akuten Phase, als wir schwanger wurden. Während der Schwangerschaft und der Geburt hat mein Mann sich rührend um mich gekümmert und er ist nun ein ganz toller Vater. Ja, es gab und gibt auch Zeiten, in denen er uns nicht so unterstützen kann, wie ich es mir wünschen würde, und dann ist es wirklich anstrengend. Wenn ich mit meinen Kräften am Ende bin, mich dann aber nicht nur allein um das Kind kümmern muss, sondern auch noch um ihn. Was sehr wichtig ist: Unterstützung. Sei es aus der Familie, dem Freundeskreis oder professinell (am besten alles!). Du wirst es nicht alleine stemmen können, und solltest auch nie das Gefühl haben müssen, alleine zu sein. An deiner Stelle würde ich also noch ein bisschen warten, bis dein Mann die akute Phase überwunden hat und dann im Voraus gucken, wo und von wem ihr zuverlässige Hilfe bekommen könnt. Deinem Mann sollte bewusst sein, welche Verantwortung da auf euch zukommt und während ihr ein Kind plant muss er auch in der Lage sein, für die Zeiten vorauszuplanen, in denen es ihm vielleicht nicht so gut geht, also ganz konkret planen, wer euch dann wie unterstützen wird.
    Alles Gute!

  6. Ex ist depressiv… Als das Kind da war, drehte sich nicht mehr alles um ihn… Kostete unheimlich viel Kraft, die ich fürs Kind brauchte… Er ging nach ca. einem Jahr… Hat mittlerweile mit einer anderen Frau ein Kind… Trennte sich auch wieder… Unterhalt gibt es nicht… Und das Kümmern wurde auch immer weniger… Schwierig… Aber bin trotzdem froh, dass ich meinen Sohn habe… Sind ein gutes Mutter-Sohn-Team… Papa spielt keine große Rolle…

  7. Hallo. Ich kann dir nichts raten. Nur habe ich das Gefühl, dass man als Depressiver gerade sehr schlecht weg kommt. Als, wenn man gar nicht an sich arbeiten würde, um wieder „normal“ zu sein.
    Ich habe mir aber selber auch lange überlegt, ob ich als Depressive überhaupt ein Recht habe Kinder in die Welt zu setzen. Wir haben es gemacht, aber es ist wie beschrieben manchmal harte Arbeit. Heißt bei uns aber nicht, dass mein Mann alles alleine macht. Ich gehe Teilzeit arbeiten, mache den größten Teil des Haushaltes und kümmere mich auch viel um die Kinder. Gleichzeitig mache ich meine Therapie, Sport,…
    Das erfordert viel Struktur und Disziplin von mir.
    Was uns viel hilft, ist die Unterstützung von den Großeltern. Wenn du diese hast, ist es sicherlich von Vorteil.

    Alles Gute.

  8. Liebe Julia, ich kann mich Dito nur anschließen. Das Leben mit einem depressiven Partner und Kind dazu wird schlimmer. Du erhälst null Unterstützung und wirst dem Kind erklären müssen, weshalb der Papa mal so und mal so ist. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es sehr schwierig war mit einem depressiven Papa. Wir haben uns getrennt und er kümmert sich punktuell um unsere Tochter. Das ist für alle gut. Bitte denke an Dich. Es ist dein Leben!

  9. Wir haben bereits 2 (größere) Kinder, die Familienplanung ist abgeschlossen. Daher etwas andere Situation. Mein Mann ist depressiv; liegt viel im Bett, er hat wenig Kraft, Elan und Ideen was unser Leben als Familie betrifft. Das muss ich so akzeptieren, macht mich aber sehr traurig.
    Ich würde Dir raten, Dir vielleicht auch extern Hilfe, Beratung, Coaching zu suchen. Für Dich.

  10. Liebe Julia,
    ich kann deine Situation nachvollziehen. Mein Mann und ich haben einen achtjährigen Sohn und ich hatte immer den Wunsch nach einem zweiten Kind. Nun haben wir nach sechs Jahren des „Versuchens“ abgesprochen, es zu lassen. Es sollte auf natürlichem Weg einfach nicht nochmal sein. Mein Mann hatte vor 3 Jahren eine schwere depressive Phase inkl. Klinikaufenthalt und seitdem immer mal wieder bessere und schlechtere Phasen. Für ein zweites Kind mangelt ihm an Kraft, das sehe ich Tag für Tag. Das hat viele Tränen und Gespräche gekostet. Für mich keine leichte Entscheidung, aber ich hoffe, dass es die Zeit leichter macht.
    Ich wünsche dir/ euch viel Kraft und alles Gute!

  11. Liebe Julia, ich habe das gleiche Problem, nur ist das Kind schon da. Ich kann dir sagen: Es wird nur schlimmer, denn du wirst dich um das Kind quasi allein kümmern müssen. Vielleicht ist deine Freund trotzdem ein toller Vater,aber in stressigen Situationen wirst du nicht nur allein dastehen, sondern auch noch jemanden haben, der dir dabei immerzu sagt wie schrecklich alles ist. Das ist sicherlich nicht was du hören wolltest, aber das sollte dir bewusst sein.

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