Stadtleben

23/12/2015 - 07:15

Stadt-Mama Katharina

Immer mit der Ruhe - wie ich diesen Monat mal auf die Bremse getreten bin

Liebe Lisa, gestern hast Du auf unserer Facebook-Seite einen Artikel gepostet, in dem es darum geht, warum wir heute eigentlich alle immer so gestresst sind. Und eine unserer Leserinnen hat kommentiert, dass es einem heute ja schon fast aufgezwungen wird, ständig Stress zu haben.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Wir Mütter fühlen uns schlecht, wenn wir nicht immer kurz vorm Burn Out stehen. Wir haben das Gefühl, dass wir nicht genug geleistet haben und fragen uns:  "Wäre da wäre noch Luft nach oben gewesen?" Denn es soll ja nur keiner glauben, wir säßen nur daheim und lackierten uns die Nägel.

Wie ich darauf komme? Na, weil ich genau das bei mir beobachte. Der Dezember fing bei mir super stressig an. Viele Aufträge. Dazu kam, dass meine Große keine gute Phase hatte. Sie war anstrengend, forderte viel Aufmerksamkeit, das Zusammenleben machte irgendwie keinen Spaß. Dazu in meinem Kopf der Gedanke an all die Vorbereitungen zu Weihnachten. Stress, Stress, Stress. Meine Laune war dementsprechend, meine Nerven dünn.

Und dann habe ich eine Entscheidung getroffen. Ich habe mir Raum geschaffen. Indem ich Aufträge nicht angenommen habe (Klar fehlen mir nun Einnahmen, zum Glück habe ich etwas gespart, so dass ich das ausgleichen kann). Indem ich mehr Zeit mit meiner Tochter verbracht habe, weil ich einfach gemerkt habe, dass es ihr gut tut. 

Ich habe mich nicht mehr reingestresst, keine großen Adventstees veranstaltet und die Geschenkekäufe bewusst reduziert. Und siehe da – plötzlich kehrte Ruhe ein. Vordergründig.

Denn ich hatte hatte nicht nur auf einmal Zeit, ich hatte auch ein schlechtes Gewissen. Andere Mütter schaffen das doch auch alles. Hätte ich den Auftrag nicht lieber doch annehmen sollen? Und es wäre ja schon schön gewesen, wenn wir die Nachbarn noch mal zum Kuchen essen eingeladen hätten.

Ich fühlte mich fast wie ein Versager, konnte die Ruhe gar nicht genießen. Anstatt mich zu freuen, dass ich jetzt morgens auch mal Zeit habe, joggen zu gehen, dachte ich: "Aber was sollen denn die Mütter in der Kita denken, wenn ich meine beiden in Sportklamotten wegbringe? Denken die sich, dass ich mir einen faulen Lenz mache?"

Wenn mir andere erzählt haben, wie gestresst sie sind, habe ich mich gar nicht getraut zu sagen, dass mich mir eine kleine Ruhephase gönne. Ich nickte nur und schämte mich für mein Nichtstun. 

Dabei habe ich ja gar nicht nichts getan. Ich habe für diesen Blog geschrieben, einige feste Auftraggeber natürlich weiter bedient. Habe mich um alle Weihnachtsvorbereitungen gekümmert, viel Zeit mit den Kindern gehabt. Aber eben zwischendurch auch Luft zum Durchatmen. 

Aber: Denn wenn alle im Hamsterrad sind, wieso sollte ich es verdient haben, ruhiger durch den Monat zu gehen?

Weißt Du was, Lisa? Wir sind schon etwas verrückt. Wir sehnen uns alle nach mehr Ruhe – und wenn wir sie dann haben, können wir sie nicht genießen. Weil immer ein Teufelchen auf unserer Schulter sitzt und uns ins Ohr flüstert: „Naaa, da geht doch noch was. Glaubst Du nicht, dass Du es Dir zu einfach machst?“

Ich glaube, für die meisten von uns wäre es ein verdammt guter Vorsatz für 2016 diesem Teufel mal ordentlich die Meinung zu sagen. Ich hab´s in den letzten Wochen getan und kann Dir sagen: Es war wunderbar und ich bereue es nicht, mal ein paar Tage einen Schongang eingelegt zu haben! 

PS: Das Foto oben enstand in unserem Sommerurlaub. Da habe ich wirklich mal gar nichts gemacht :-))

Tags: Stress, Arbeit, Job, Vereinbarkeit, Mutter, Burn Out, Ruhe

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Kommentare

Yasmine — Mi, 12/23/2015 - 20:20

Toller Beitrag und tolles Foto :-) wo ward ihr da genau? Ich wünsche euch eine ruhige Weihnachtszeit ohne schlechtes Gewissen ;-)

Maya — Mo, 12/28/2015 - 00:02

...bei mir noch Luft nach oben wäre. Wäre es auch. Manchmal macht mir das ein schlechtes Gewissen. Weil andere doch so viel mehr machen. Und dann denke ich wieder, dass das doch gar nicht so dumm von mir ist nicht mehr zu machen, wenn ich doch nicht muss und eigentlich auch nicht will. Denn so geht es mir doch besser. Und das ist doch viel wert. :)

Andrea — Di, 01/19/2016 - 17:06

Wisst ihr was? Wir sollten alle anfangen umzudenken. Und wir MÜSSEN AUFHÖREN uns ständig mit anderen zu vergleichen! Wir machen uns selber damit kaputt. Und das ist nicht gut!

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