Wenn ich Corona-Königin von Deutschland wär…

Königin

Foto: Annette Etges, Collage: Lisa Harmann

…dann würd ich jeden Mittwochmorgen um 10 Uhr eine Ansprache für die Kinder halten. Im TV und im Radio, damit auch alle Zugang haben. Ich würde ihnen sagen, wie toll sie das alles meistern und manchmal auch ne rote Nase über die Maske setzen.

…dann würd ich allen ErzieherInnen Impfpriorität geben, damit sie wieder ohne Gefahr unsere Kinder drücken und mit ihnen sorgenlose Zeit verbringen können.

…dann würd ich das Schulsystem wirklich digitalisieren. Nicht das Analoge einfach nach Hause bringen, sondern das Digitale als Lernbegeisterungs-Instrument nutzen. Mit Podcasts und Filmen und Schneideprogrammen.

…dann würde ich jetzt den Lehrplan entschlacken, damit sich die Kinder vor allem auf die Hauptfächer konzentrieren können.

…dann würde ich die Lerninhalte der aktuellen Zeit anpassen und den Kindern nicht hauptsächlich die Materialien geben, die ich schon vor 20 Jahren bekam.

…dann würden Schulen so viel Geld zur Verfügung haben, dass sie gutes Internet und gute Voraussetzungen haben, um im 21. Jahrhundert anzukommen.

…dann würde ich den Notendruck aus den Leistungen der Kinder rausnehmen.

…dann würde Pflegepersonal so viel verdienen wie Managerinnen in der freien Wirtschaft.

…dann gäbe es ein Corona-Elterngeld für alle, die sich nicht mehr im Spagat zwischen Job und Kindern zerreißen wollen.

…dann gäbe es für alle Eltern, Pflegende, ÄrztInnen, LehrerInnen und ErzieherInnen drei Wochen Urlaub in der Karibik, sobald das hier überstanden ist.

…dann gäbe es gratis psychologische Dienste oder rechtliche Hilfen für Menschen, die durch die Krise ihren Job, ihre Wohnung oder ihre Liebe verloren haben.

…dann gäbe es Applaus für alle, die derzeit über ihre Grenzen gehen. Und schließlich Entlastung.

…dann gäbe es Gratis-FFP2-Masken für alle Risikogruppen und Bedürftige.

…dann gäbe es Schlösser, in die ich Alleinerziehende und Eltern von pflegebedürftigen Kindern einladen würde, um sich mal richtig zu entspannen.

…dann gäbe es für alle Kindern Gratis-Zugang zu Hobbys und Freizeitparks, sobald die Ansteckungsgefahr gebannt ist.

…dann würde ich versuchen, keine Menschengruppe zu übersehen und allen die nötige Anerkennung und Wertschätzung zuteil werden zu lassen.

…dann würde ich eine Elternzeitverlängerung für alle gestatten, die sie durch Corona gar nicht wirklich warhnehmen konnten.

…dann würde ich versuchen, jede Kneipe, jedes Hotel, jeden Friseursalon, jede Beleuchtungs- und Eventbranche, jedes Theater, jedes Dienstleistungsbusiness zu retten.

…dann würde ich für alle, die die viele Zeit mit der Familie genießen oder einfach mal auf Weltreise wollen auch nach Corona noch Homeschooling bzw. Distanzunterricht ermöglichen.

…dann würde ich einen Zaubertrankbottich voller Impfstoff in meinen Einhorngarten stellen, damit jeder und jede, der oder die möchte, zugreifen kann. Und zwar sofort.

Was meint ihr dazu? Und was würdet ihr tun, wenn ihr Königin von Deutschland wärt?

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14 comments

  1. Danke, danke das ihr uns Minderheit nicht vergesst. Ich bin Pflegemutter und Mutter von insgesamt sechs Kindern. Davon sind zwei geistig schwer behindert. Es war vorher schon anstrengend, jetzt wo die Entlastung des Förderzentrum und Kindergarten weg ist, kommen wir so schon an den Grenzen. Dazu habe ich aber noch zwei Kinder die ich im Homeschooling unterrichte. Digital? Schön wäre es, wir wohnen so ländlich das die Leitung mega schlecht ist. Aber auch sowas gibt es in unserer Politik nicht. Jetzt sitze ich hier, die Kinder essen, ich bin mal wieder satt und nutze meine einzigen 20 Minuten frei. Im Bad wartet die Wäsche die gemacht werden muss und mein Haus brauch eine Grundreinigung. Das sind die Sachen die ich sonst morgens mache, wenn alle aus dem Haus sind. Ich brauche kein Applaus, ich brauche verlässliche Aussagen. Ich brauche mal eine Stunde wo keiner Mama ruft und was ich verlange, sind Politiker die sehen was los ist. Gerne können diese eine Woche bei uns Praktikum machen, dann wissen sie wie es läuft. Jetzt werde ich die Nudeln vom Boden heben, die meine kleinste gerade nebenbei vom Teller geworfen hat.

  2. Ich finde diesen Bericht schön, grad in der schwierigen Zeit.
    Allein das Bild Lisa mit Krone :-)!
    Ich möchte gerne mit auf die Malediven!
    Liebe Grüße und gutes Durchhalten!

  3. Dieses Corona-Eltergeld, das da ständig gefordert wird…dann gibt’s halt nur noch wenige Lehrerinnen und Erzieherinnen und Krankenpflegerinnen und und und-die haben nämlich sehr häufig Kinder und würden dann einfach aufhören zu arbeiten?

    Und klar, wenn alles super digitalisiert wäre, wäre es ja easy und alle Fernlern-Schwierigkeiten hätten sich in Luft aufgelöst…

    Der Beitrag soll witzig sein, aber irgendwie fehlt leider der Witz!

  4. Es tut mir leid, Lisa, aber ich kann Dich nicht mehr verstehen und ich bedaure die Oberflächlichkeit, mit der Ihr Euch auf Eurem Blog bezüglich der „Lasten“ der Eltern in Zeiten der Pandemie bemitleidet.

    Dass trotz umfangreicher (!) Corona Finanzhilfen für Eltern kein Karibik-Urlaub inklusive ist, dass nach der Pandemie keine Option auf Weltreisen und Elternzeitverängerung besteht, weil man als gebeutelte Eltern ja gar nichts richtig genossen hat … das ist Dir ein Aufschrei wert?

    Sicher erwähnst Du in Deinem Post nebenbei irgendwie auch noch die Pflegenden und Bedürftigen und die armen Friseursalons und Arbeitslosen und möglicherweise hat ja jemsnd ein behindertes Kind.

    Trotzdem aber wird zumindest für mich deutlich, dass Du auch nicht annähernd verstanden hast, dass der wirkliche Schaden, den diese Pandemie auslöst, nicht primär gestresste Müttern im Homeschooling trifft. Ja, für uns ist es anders als sonst, mitunter schwer. Aber wir sind nicht die Geschädigten Nummer 1.

    Menschen sterben, Existenzen werden vernichtet. Und zwar dauerhaft.

    Ich wünsche trotzdem gute Erholung.

    1. Liebe Saskia,
      nach Erschöpfung kommt eine Erschöpfungsdepression, wenn die Ursachen nicht bearbeitet werden können, und Depressionen können auch tödlich sein. Von daher möchte ich dem Punkt widersprechen, dass überlastete Eltern und ihre Familien nicht zu den primär Geschädigten dieser Pandemie gehören.
      Die Frage, wie viel Belastung eine*r trägt, ist von außen nicht einschätzbar. Demzufolge ich den Ansatz schwierig finde, Eltern die Gründe für’s „Jammern“ absprechen zu wollen, wenn es in manchen Fällen vielleicht ganz gut wäre, mal mit dem Hausarzt zu reden, dass die Erschöpfung ungesunde Ausmaße annimmt.

      Ich wünsch allen viel Kraft und die nötige Unterstützung, durch diese Zeiten zu kommen.
      Liebe Grüße
      Anne

      1. Ich stimme da Saskia zu. Ich weiß, überall wird gerade gesagt, dass man niemandem das Jammern absprechen darf, weil man ja von außen nicht weiß etc. Aber manchmal darf man vielleicht doch! Es gibt Familien, die sind durch besondere Umstände besonders belastet und die sind psychisch evtl. am Ende. Das glaub ich!
        Aber weil man drei Kinder hat, die jetzt zuhause Fernlernen haben-ist man nicht kurz vor der Depression! Da ist man genervt und gestresst und ungeduldig und findet‘s aktuell scheiße…das tu ich auch!
        Aber rein aus der Tatsache aktuell Kinder zu haben, kann niemand mit Recht behaupten „am Limit“ zu sein! Das behaupte ich einfach!

        1. Liebe Sonja,

          meines Wissen entscheidet nicht eine gute Begründung ob noch Kraftreserven da sind oder nicht, sondern die Symptome geben Aufschluss darüber, wo ein Mensch steht und die Begründung nur eine Richtung für den Ausweg.
          Jammern ist manchmal ein Verläufer und an der Stelle schon ernst nehmen und umdrehen kann Schlimmeres verhindern, was durch Zähne zusammenbeißen und weitermachen entsteht.

          Liebe Grüße
          Anne

          1. Hallo Anne, ich kann Dir Recht geben und ich würde noch nicht einmal jemandem absprechen, alleine durch Kinder-Haben in der Pandemie ausgelaugt zu sein.

            Trotzdem bringt es nichts, stets „die da oben“ verantwortlich zu machen und eine doch recht passive Haltung anzunehmen.

            Die persönliche Situation, Depressionen, sind ernst zu nehmen, aber die aktuellen Umstände sind im Moment, wie sie eben sind.

            Wie ich in einem anderen Beitrag bereits angedeutet habe: Erschöpfte Eltern sollten sich psychologische Hilfe holen , das familiäre Umfeld justieren, gerne mit Unterstützung (Männer?) die Erschöpfung mildern und aus der Zitrone halbwegs schmeckende Limonade machen.

            Aber vom Staat zu fordern, für immer mehr Ausgleich zu sorgen, dies und jenes passt nicht, zu lamentieren, wie schlimm es doch sei – das bringt keinen weiter – und, ja es strengt mich als Leserin an, irgendwann.

            Vor allem angesichts der Tatsache, dass beide Autorinnen hier zwar sicher Opfer der Pandemie-Umstände sind, sie aber doch noch recht milde getroffen wurden.

            Da sind Rufe nach Verlängerung für nicht richtig mitbekommene Elternzeit (?) und Karibik for free sicher nicht 100% ernst gemeinte – in ihrer Quintessenz aber doch recht vermessene Forderungen. Vor allem angesichts der Tatsache, dass viele Familien gerade wirklich am A*** sind.

            Meine Bitte ist einfach, für sich gut zu sorgen. Und das heißt für mich AKTIVE Verantwortung für sich zu übernehmen.

  5. Ja, wenn das so einfach wäre …
    Aber die Idee , Erzieherinnen und Lehrerinnen zu impfen , ist super !
    Vielleicht ist ja beim Impfgipfel am Montag jemand dabei, der diese Meinung auch vertritt . Da der AstraZeneca Impfstoff ja wohl eh nicht für ältere infrage kommt…
    Man kann nur hoffen .
    Wobei mir auch das zunehmend schwer fällt …

    1. So denn man als Pädagoge geimpft werden möchte. Der Grund dafür ist sicher nicht, damit wir eure Kinder kuscheln können, sondern damit wir gesund bleiben. Und unsere eigenen Familien, ja Pädagogen haben auch Familie, nicht gefährden.

        1. Vielleicht können bei Stadtlandmama.de mal eine Eltern zu Wort kommen, die wegen Corona ihre Existenz verloren haben, ihre beruflichen Aussichten dauerhaft versperrt sehen, die wirklich von der Pandemie geschädigt wurden?

          Und die folglich neben dem Homeschooling noch ihre Insolvenz-Verfahren abwickeln, ihr Haus verlieren, für die alles in ein tiefes Loch rutscht. Kein Geld mehr auf dem Konto.

          Das würde vielleicht den ewig Gestresste, die ihren Tagesablauf beeinträchtigt sehen, ein wenig helfen, ihre Situation zu relativieren.

          Ihr bemüht Euch ja auf dem Blog ja bereits um Stimmenvielfalt … um so mehr verwundert mich, dass Ihr den teils schweren Schicksalsberichten immer wieder persönliche Kolumnen entgegengesetzt, in denen über Umstände laminiert wird, die nicht mehr sind als das: temporäre Umstände.

          Sicher hat jeder das Recht auf subjektive Empfindungen und ich möchte auch Dir, Lisa, nicht absprechen, dass das Homeschooling stresst. Aber oft sind gar nicht DIE Umstände Schuld, DIE Pandemie oder sonstwas – man selber als Person hat einfach keine Ressourcen mehr. Das ist nicht verwerflich, ist aber auch nicht durch Beschwerden an die Politik zu lösen sondern durch gute psychologische Beratung, neue Aufgabenvereilung innerhalb der Familie, justieren der eigenen Ansprüche.

          Wir alle tragen die Beschwerlichkeiten der Pandemie, aber es hilft nicht, immer und immer tiefer im Strudel zu versinken.

          Bald geht doch der Unterricht wieder teilweise los. Bis dahin wünsche ich Dir, dass Du die viele Zeit mit Deinen Kids auch mal genossen hast.

    2. Nur zur Erklärung. Ich habe einen behinderten Sohn. Für mich bedeutet das seit seiner Geburt vor 12 Jahren den persönlichen Lockdown.

      Ich habe viel geschimpft, bin verzweifelt: zu wenig Hilfe vom Staat, ständig auffallende Schulbegleiter, zu wenig Finanzhilfe, wer erkennt mich eigentlich an, alles anstrengend.

      Ich kann mich politisch stark machen für eine bessere Aufstellung behinderter Kinder und deren Eltern – und mittelfristige Änderungen auf politischer Ebene erzielen.

      Bis es aber soweit ist (oder eben auch nicht), kann ich mich NICHT jammernd setzen und fordernd darauf warten, dass irgendwer mein Leben mit einem behinderten Kindes schon bequem einrichten wird und mir bitte dies und jenes reiche und ausgleiche (in den Eltern-Karibik-Urlaub könnten wir aus medizinischen Gründen übrigens gar nicht mitfliegen 😉

      Ich kann nur die Tatsachen akzeptieren und mir mein Leben gestalten – positiv.

      Ich habe lange für diesen Prozess gebraucht, anzunehmen was ist. Daher verstehe ich auch jeden, der vielleicht aktuell nur die Zitronen der Homeschooling-Pandemie schmeckt, verstehen.

      Und trotzdem stehe ich zu meiner Aussage: es bringt nichts, im Strudel zu versinken, immer und immer wieder zu wiederholen, wie so sehr schwer. Wir hatten einen ganzen Sommer mit halbwegs vernünftiger Beschulung. Die aktuelle Situation ist nicht morgen, aber absehbar zuende.

      Und auch wenn es jetzt Widerspruch geben wird: Kraft zu haben ist (auch) eine aktive Entscheidung.

      1. @Saskia: Danke für deine Offenheit zu erzählen. Meine ehrlich gemeinte Hochachtung.

        Und ich würde den Widerspruch so formulieren: Ich stimme dir zu ca. 95% zu.

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