Wenn Kinder groß werden: Astrid über mehr Freiräume und eigene Bedürfnisse

Mein Name ist Astrid und ich bin eine Mama von „großen“ Kindern. Meine Tochter ist 24 und mein Sohn 21 Jahre alt. Ich bin seit 19 Jahren alleinerziehend. Mein Sohn hat das Down-Syndrom. Meine Tochter hat ihren Bruder vom ersten Tag an innigsten geliebt. Ein wunderbares Geschenk, das uns all die Jahre getragen hat. Der Papa der Kinder und ich haben gut zwei Jahre nach der Geburt unseres Sohnes ohne Streit beschlossen, unsere Beziehung zu beenden und uns zu trennen.

Meine Tochter hat seit 1,5 Jahren einen festen Freund. Diese Liebe gönne ich ihr aus tiefstem Herzen. Es freut mich so, dass diese schöne Erfahrung macht. Seit sie so verliebt ist, ist sie natürlich wesentlich seltener zu Hause – aber das liegt einfach in der Natur der Sache. Die Kinder werden flügge und das ist auch gut so. Ich kann es gut verstehen, dass sie mit 24 Jahren in einer eigenen Wohnung leben möchte und nicht mehr bei mir.

Mein Sohn fände es natürlich besser, wenn seine Schwester öfter da wäre. Aber er ist auch mit seiner Behinderung recht selbstständig und muss nicht ständig betreut werden. Er hat letztes Jahr die Schule beendet und arbeitet
jetzt in der Behindertenwerkstatt auf dem Bauernhof. Das ist sein Traumjob und er geht total darin auf.

Mein großer Traum ist es, ans Meer zu ziehen. Und wie es aussieht, werde ich das in 1 bis 2 Jahren realisieren. Mein Sohn wird mir ihr umziehen.

Ich möchte Euch Mut machen: Es ist toll, wenn die Kinder größer werden. Plötzlich können wir Eltern wieder mehr danach schauen, was uns selbst wichtig ist. Es gibt wieder Freiräume für eigene Ideen und Wünsche. Ich kenne viele Eltern, die Angst hatten, dann nicht mehr gebraucht zu werden. Aber dieses Gebraucht-werden hört doch nicht auf, es verändert sich nur. Wir bleiben doch immer Mama und Papa.

Wenn die Kinder klein sind, hat man als Eltern eine unheimliche Verantwortung. Man kann so viel richtig oder falsch machen. Das empfand ich, besonders als Alleinerziehende, immer sehr belastend. Einerseits wollte ich meinen Kindern die Möglichkeit geben, eigene Erfahrungen zu machen und ihre eigenen Schlüsse daraus zu ziehen, auf der anderen Seite wollte ich sie natürlich vor der „großen bösen Welt“ schützen.

Einerseits wollte ich, dass meine Kinder zu selbstbewussten, mutigen Menschen werden, gleichzeitig fand ich es sehr wichtig, ihnen Mitgefühl und Toleranz beizubringen. Erziehung ist so schwierig!

Jetzt, wo meine Kinder groß und selbständig sind, merke ich, dass ich vieles richtig gemacht hab. Das ist ein sehr beruhigendes Gefühl, das mich auch ehrlich stolz macht.

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